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´Sup, Holstein?

Man stelle sich das mal vor: Ein Acker, irgendwo im Nirgendwo, am Ende der Welt und dann noch zwei Kilometer. Nichts, aber auch gar nichts in nächster Nähe. Die nächsten Häuser erst nach ordentlichem Fußweg zu erreichen, große Straßen sind auch fern und irgendwo plätschert friedlich ein Bach. Ein perfekter Ort, finden die jungen Wilden und fangen an, ihre Zelte aufzubauen. Alles friedlich, oder nicht?

Nicht ganz, denn nachts, da kommen sie. Die anderen. Die Fremden. Wenn alle selig schlafen, müde vom Tag, matt vom Abend, dann wird die Gunst der Stunde genutzt. Sie fallen ein, mit lautem Getöse, mit Geböller und mit Geschrei. Es gleicht einem Kriegsschauplatz, sagen die Jüngeren, wenn sie denn wüssten, was das wäre. Jetzt ist Krieg, brüllen die Älteren und schlagen zurück.

Eigentlich geht alles ganz schnell. Ein Überfall. Ein paar Schläge hier, ein paar Rangeleien dort, am Ende fehlen ein paar Kleidungsstücke die irgendwo zum Trocknen hingen, ein einzelner Schuh oder wenn es ganz schlimm gekommen war, dann waren auch die Zahnbürsten weg. Am schlimmsten aber war der Verlust von einem: der Fahne. Es gab kein Zeltlager ohne gehisste Fahne und auf die hatte aufgepasst zu werden, denn es gab doch keine größere Schmach, als seine Fahne zu verlieren. Woher diese Glaube an ebenjene Tatsache kam, das weiß wahrscheinlich keiner so richtig, aber „es war doch immer schon so gewesen“.

Und so musste die Fahne natürlich zurückerobert werden. Ein, zwei Nächte später stattete man den Angreifern aus dem anderen Camp einen Besuch ab. Man hatte ja nicht angefangen, aber rächen musste man sich natürlich schon. Und weil die anderen angefangen hatten, musste selbstverständlich härter zurückgeschlagen werden. Und so wechselten vielleicht nicht nur ein paar der trocknenden T-Shirts die Besitzer, sondern gingen hier und da auch mal in Rauch auf. Die Fahne wurde zurück erobert und die der anderen gleich mit, aber besser versteckt, damit die ja nicht auf dumme Ideen kamen. Und damit sie das auch definitiv nicht taten, machte man sich die Techniken, die man aus irgendwelchen Western-Filmen kannte, zu Nutze und kettete die Überfallenen irgendwo an provisorische Marterpfählen, auch genannt „Bäumen“, damit man in Ruhe fliehen konnte.

Ein kurzer Ausflug in meine Kindheit. Die Zeltlager im Sommer waren immer toll, wenn auch hie und da von Heimweh und Frust durchzogen, wenn man wieder eine Nacht kurz wurde, weil man Besuch von den anderen Zeltlagerkids bekommen hatte, die natürlich immer viel älter und viel stärker und überhaupt waren. Diese Spielchen gingen meist die kompletten 10 oder 14 Tage hin und her, mal mehr, mal weniger krass und waren von allen als „dazugehörig“ anerkannt, wenn auch nicht von allen gemocht. Es war normal, dass nach einem Überfall ein paar Nächte später mal das halbe Camp ausflog, während die jüngeren oder schüchternen bei den Großen blieben, um sich die Fahne zurück zu holen – und größtmögliches Chaos zu stiften, versteht sich.

Nimmt man mich mal als Beispiel, dann ist diese Generation Zeltlager nun in den Zwanzigern, mehr oder weniger weit vorgeschritten, und eigentlich gibt es diese Spielchen auch noch immer. Nur eben ein bisschen krasser. Während die Prügeleien sich früher auf ein paar Kopfnüsse beschränkten, die manche definitiv verdient hatten, so sind die Mittel heute andere, der Zweck aber im Prinzip der Gleiche: Fahnen zocken, Chaos stiften, Gruppen auflösen. Wo auch immer vom Zeltlager zum Mini-Hool der Gedanke gereift ist, man müsse sich auflösen, wenn die Fahne weg ist. Aber es gibt eben überall ungeschriebene Regeln und daran hält man sich. Glaube ich. Keine Ahnung, ich hab seit den Zeltlagern keine Fahnen mehr gezockt, sondern nur noch gemalt. Find ich auch ein bisschen schöner, so mit dem eigenen Verein darauf, statt das verhasste Logo in den Händen zu halten. Und andere ungeschriebene Regeln kenn ich nur aus dem Ring, dass Tiefschläge tabu sind und dazu gehören eben auch solche, auf Leute, die tief am Boden liegen.

Also: Die Zeltlagerkids sind jetzt so irgendwo um die zwanzig, dürfen nicht mehr mit ins Sommerzeltlager fahren und tragen statt abgewetzten T-Shirts nun Undercuts und Lederhandschuhe, abgeklebte Schuhe und Markentattoos, Designerklamotten und Poloshirts, die den Bizeps größer wirken lassen. Man möchte ihnen fast auch noch Kniestrümpfe schenken, jedenfalls manchen von ihnen, und ihnen mitleidig auf die Schulter tätscheln, dass sie im September schon so frieren, dass Lederhandschuhe angezogen werden müssen, bevor man aus dem Zug in die Spätsommerkälte tritt.

Das Ding mit den kindlichen Überfällen auf Zeltlager ist folgendes: Es ist allen klar, dass sowas passiert, es ist klar, was gezockt werden darf und was tabu ist (oder nach zwei Tagen zurückgegeben wird) und vor allem ist es klar, wer da in Ruhe gelassen wird und wer nicht. Im Zeltlager-Krieg käme niemand auf die Idee, statt der an Ästen aufgehangenen T-Shirts plötzlich auch Oma Ernas Wäsche von der Leine zu klauen, nur weil die da gerade so schön in der Sommersonne herum hängt. Den semi-erwachsenen Zeltlagerkids ist das jedoch ziemlich egal: Wenn Karl die Fahne zockte, dann konnte es sein, dass Karlchens Oma nach dem nächsten Spiel ein Stück Wäsche weniger zu waschen hatte, weil ihr jemand das Bettlaken vom Zaun… von der Wäscheleine klaute.

Nun weiß jeder, dass Zaunfahnen nicht gewaschen werden, aber ich denke mein Punkt wird klar: Diese Wahllosigkeit in Zielen nervt. Und wen ich bis hier her verloren habe, bei dem muss ich mich entschuldigen, aber es wird nicht besser in den kommenden Zeilen. Warum ich dies als Einstieg wählte, wird später noch klar, wenn es das nicht bereits ist, aber es waren einfach Szenen, die mir seit langen Jahren nicht mehr so präsent waren wie nach dieser Woche voller Kindergarten.

Eigentlich geht es ja auch um Fußball. Eigentlich. Auch wenn man kritisch anmerken könnte, dass es darum schon lange nicht mehr geht, jedenfalls nicht um den Fußball für den Fan im Stadion, sondern für den mit der fettigen Hand in der Chips-Tüte und der Bierflasche auf der Couch vor dem Fernseher, denn es ging an einem Dienstag nach Kiel. Nun war das vermutlich für 90 Prozent der Anwesenden eine herrlich einfache und kurze Fahrt, für mich allerdings die weiteste dieser Saison und das auf einen Dienstag. Nun gut. Nachdem das erste Wegstück schon zurückgelegt war, ging es von Hamburg mit dem gemeinsam geplanten Zug und der BeZUGsgruppe (´schuldigung) gen Kiel. Entspannte Fahrt, wenn auch der uns den ganzen Weg begleitende Heli mehr Verwirrung und Unruhe schaffte, als er einen potentiellen Nutzen hätte haben können.

Ein bisschen hoffte ich ja, einfach irgendwo am Acker anzuhalten und mir endlich mal anschauen zu können, ob da wirklich nur einfach viel heiße Luft und dicke Arme gemacht wird oder ob da tatsächlich irgendwas hintersteckt, was über Jabjabhook hinaus geht. Aber weder mir noch der Heli-Besatzung war irgendwas an Spannung vergönnt und so fuhr es sich sichtlich entspannt gen Kiel. Was definitiv auch den Ottonormal-Zugfahrern im Abteil zu gelingen schien, die sehr entspannt mit verschiedenen Leuten aus der Reisegruppe Auswärtssieg plauderten, scherzten und sich gar nicht so sehr an „asozialen Fußballfans“/“Chaoten“/(generische Vierbuchenstaben-Betitelung von Fußballinteressierten hier einfügen)* zu stören schienen.

In Kiels Sackbahnhof, das ist sowas wie ein Sackflughafen, nur werden hier die Züge angezündet, damit der nächste hereinfahren kann, statt hinauszufliegen (© D. & M. + M.s Bahnerfamilie), strömten dann natürlich alle aus dem Zug und eigentlich kann niemand der Akkustik eines hochgewölbten Gebäudes widerstehen, sodass man vor lauter Vorfreude hie und da ein Ständchen sang. Die Vorfreude schwand spätestens, als die ersten anfingen zu filmen und das knallhart in die Menge, sodass das Gesinge zeitweise mehr ein Lied vom „Pack dein Handy weg oder ich mach das“-Social Media-Tod war.

Erwartungsgemäß wurden wir vom schwarzen Block empfangen, allerdings von dem, der sich nicht kennzeichnen muss und vermummen darf, der uns gleich darauf hinwies, doch bitte friedlich und zügig in die Busse zu steigen in die man weder irgendein Getränk mitnehmen durfte noch einsteigen konnte, sofern man seine Karte nicht vorzeigte. Kann man machen, fällt aber definitiv unter die uniformierte Kategorie von „totaal (!) deeskalativer Einsatzstrategie“, die die Kieler oder in Kiel eingesetzten Freunde und Helfer definitiv gemastered haben. Denken sie.

Es wurde also ein wenig drängelig, jeder nahm trotzdem seine Getränke mit in die Busse und schließlich ging es Richtung Stadion. Während nicht jeder sich für den Weg mit den Verkehrsmitteln entschieden hatte, so machte es doch keinen großartigen Unterschied denn wir kamen alle extrem spät am Stadion an. Und im Stadion erst.

Was nun folgt, ist kein Lobgesang. Es ist davon sehr, sehr weit entfernt – allerdings war die Einlasspolitik die Holstein am Gästeblock praktizierte auch sehr weit davon entfernt, ein Sicherheitskonzept zu haben. Es war eher ein Kochrezept für schnelle, derbe Eskalation unter der Inkaufnahme von Verletzten und Schlimmerem. Die Anwesenden werden wissen, was ich hiermit meine, für alle anderen, die sich hier her verirrt haben oder leider nicht mitkonnten: Eine enge Schleuse von Eingangsbereich, durchtrennt von „Wellenbrechern“, die im Zickzackstil die Masse vielleicht hätten teilen sollen, sie aber so aufgestellt nur enger zusammenpferchte und in der Verengung auf EINEN Eingang gipfelte. Und all das überwacht von einem drohend aufragenden Wasserwerfer, auf eine Menschenmasse ohne jegliche Fluchtmöglichkeit zu irgendeiner Seite zielend. Man möchte sich nicht ausmalen, wäre es zu einem Einsatz aus welchen Gründen auch immer gekommen, was die Folgen wären, die wir zu betrauern hätten – sofern man dazu noch in der Lage wäre.

Ja. Viel Konjunktiv. Viel „Wäre, wäre, Fahrradkette“ nach L. M., aber überhaupt in Betracht zu ziehen einen Wasserwerfer in solch engen Bereichen einzusetzen, überhaupt damit zu drohen, rechtfertigt jede Kritik an der angeblich „deeskalativen Einsatzstrategie“. Man kann im Nachhinein einfach nur unfassbar froh sein, dass der Block ein derart entspannter und in seiner Zusammensetzung zu manchen Zeitpunkten ein ruhigerer war, als ich ihn schon erlebt habe.

Und nicht nur die Polizeikräfte in Kiel kriegen ihr Fett weg: Holstein, ernsthaft? EIN Eingang, eine Schleuse für 2300 Gästefans? Wie überfordert kann ein Verein mit der Austragung eines stinknormalen Zweitligaspieles sein? Dass euer Stadion nicht so richtig tauglich ist, sei mal außen vor gelassen. Dass unter diesen Umständen nicht einfach direkt alles überrannt wurde ist übrigens auch nur der Gelassenheit der anwesenden Fans zu verdanken und nicht der Abwesenheit von „Chaoten“ wie das manche vielleicht gern drehen würden. Schreibe ich mich in Rage? Vielleicht ein bisschen. Die Kontrollen waren, ob der Überforderung der Ordner aufgrund der schieren Masse, die da auf sie zu kam, derart, dass man alles hätte mitnehmen können, was sonst so verboten in Stadien ist und wie es scheint, geht es da den Heimfans nicht anders: ein Blinkeding brachten sie nämlich definitiv herein und waren so stolz darauf, dass sie das gleich mit dem Gästeblock teilen wollten. Liebe Hools’teins, es ist immer noch netter, jemandem etwas zu geben, statt zu zu werfen. Besonders wenn es brennt. Und ziemlich heiß ist. Und eigentlich gerade keiner haben will, weil man gerne seine Fäckelchen selbst mitbringen würde. Ich griff ein wenig vorweg, weil das gerade so gut zu den Kontrollen passte. Während ich mich einer dieser noch unterzog, hörte man von der anderen Seite der Stufen jede Menge Getöse, es kam zu Bewegungen bei den Ordnern und da geschah definitiv irgendwas. Mittlerweile dürften alle gesehen haben, dass sich da zwanzig, dreißig Verfechter des „All Black Everything“-movements aus dem Heimblock auf den weiten Weg gemacht hatten, dem Gästeblock Hallo zu sagen und eine Kerze für diejenigen anzuzünden, die den Anpfiff dank der katastrophalen Einlasssituation wohl noch vor dem Block erleben würden. [Ich würde Bengalos ja unter romantische Beleuchtung fallen lassen, allerdings sind da auch nicht alle meiner Meinung, das solltet ihr wissen, liebe Holzbeine.]  Manche scheinen aber schon länger den Fußball nur noch passiv zu genießen und unterschätzten die Länge eines Fußballfeldes und dem damit verbundenen Sprint doch enorm, sodass zum Erreichen der Mittellinie bei manchen auch das Leistungsmaximum definitiv schon erreicht wurde. Andere hingegen schafften es tatsächlich bis zum Zaun, unbehelligt von den zahlreich aufgestellten Ordnern und der kompletten Polizeieinheit neben dem Gästeblock und sorgten dafür, dass sich sämtliche Zeltlagerkids fremdschämend vorsorglich bei Oma Erna entschuldigen. Während nämlich die, wie vom magischerfcblog so schön benannte, braunweiße Oberarmtruppe noch nicht einmal im Block war, fassten sich die Holstein-Allblacks ein Herz und vor allem einige Banner von Gruppen die alles, aber sicherlich nicht in den letzten Zeltlagerüberfall involviert waren. Nun sind zum Glück nicht alle derart feige, wie die dreißig Mann und insbesondere, die knapp 15, die einfach an der Mittellinie stehen blieben und ihre Kumpels machen ließen, um danach natürlich trotzdem heroisch gefeiert in den eigenen Block zurückzukehren, obwohl man nicht mal den Sprint über ein komplett Feld geschafft hatte. Was man so sah, schafften es ganze 3 oder 4 Mann zu den Zäunen. Von dreißig eine ganz schön schwache Quote – und irgendwie dann doch ziemlich feige. Unter den total anfeuernden „Scheiß St. Pauli-Rufen“ vom Rest des Heimblocks, der doch lieber in der Sicherheit ihres eigenen Blocks geblieben war. Merkt ihr selbst, oder? Ganz und gar nicht feige sind Matze Hain (Maaaatze Matze Hain!), Schnecke Kalla, Sami Allagui und Patrick Glöckner fassen sich ein Herz und vor allem Zaunfahnen, die definitiv nicht in die Hände von Holstein-Anhängern gehören. Es gibt zahlreiche Videos von Matze Hains Blutgrätsche seines Lebens, Sami Allaguis Zeitpunkt der Aufnahme in die Legendenriege des FCSP und vor allem seinem stolzen Grinsen, als er die Fahne wieder in den Block zurück brachte. Hier nur ein kleiner Ausschnitt:

Hier haben sich ein paar unsterblich gemacht und das waren definitiv nicht die paar Deppen aus Kiel, die nicht mal durchziehen, was sie anfangen. Aber eines muss man ihnen lassen: Timing stimmt. Genau dann aufzutauchen, wenn die organisierte Szene noch draußen steht ist natürlich clever … wenn auch wie erwähnt ziemlich feige. Und ungefähr auf dem Level, Oma Ernas Wäsche zu klauen.

Ich hätte wirklich, wirklich gern gesehen, was passierte wäre, wenn von unserer Seite mehr Leute von dieser Fraktion da gewesen wären. Aber bei aller Liebe: Durchziehen scheint nicht so das Ding zu sein. Eher talking shit. Viel Lärm um nichts, wie bei Pizza mit Ananas. Da würde man sich doch wirklich mal wünschen mit anzusehen, was passiert, wenn sich da plötzlich Gruppen gegenüber stehen, die nie damit gerechnet hätten, tatsächlich so weit zu kommen.

Es gab ja tatsächlich noch Fußball. Und der war gar nicht so schlecht. Glaube ich, denn so richtig viel sehen kann man aus dem Gästeblock in Kiel allein schon wegen fast der gleichen Höhe wie das Feld, den grellgelben Werbebanden hinter weißem Ball und natürlich dieses Turmkonstrukts, das da genau vor der Kurve steht und den freien Blick komplett zerstört. Sonst hätte dieses zusammengewürfelte Stadion vielleicht Gefallen bei mir hervor gerufen, aber so? Weniger.

Nachdem ich gar nicht so richtig von der Kieler Aktion auf Zinne gebracht wurde, so übernahm das der Rest des Blocks. Mir ist es ein Rätsel, wie man mit derart großem Desinteresse ein Fußballspiel verfolgen kann. Ich ließ nach dem Spiel meinen Frust in Tweets heraus, das muss ich zugeben, weil ich das schlicht nicht begreifen kann, wie groß die Gleichgültigkeit mancher ist. Vielleicht mag ich auch einfach nicht verstehen, wie andere ein Fußballspiel erleben. Ich bin ein Hitzkopf, ich bin laut, ich pöbel und ich packe alles in den Support während so eines Spiels. Andere mögen das nicht. Das ist auch irgendwo okay, aber brachte mich in Kiel wirklich auf die Palme. Die Spieler hatten gerade unsere Fahnen gerettet. Sie spielten gegen den Spitzenreiter, nachdem sie von Ingolstadt mit vier Toren vollkommen demontiert wurden. Und man kann nicht mal ab und an den Mund aufmachen? Okay. Dann nicht. Akzeptier ich auch. Aber abwertend, nahezu „Psssscht!“ sagend zu den wenigen Leuten, die es in der Kurve wagen, zu supporten? Da hört mein Verständnis auf. Ich stehe dort* alle zwei Wochen. Egal, ob es für mich die bequemen 130km nach Bochum oder die 525km nach Kiel sind. Auf einen Dienstag. Oder fast 500km montags nach Nürnberg.

Ich hab es auf Twitter verkürzt und sehr spitz formuliert, dass es für mich einen Unterschied macht, ob jemand eben jede Woche unabhängig vom Spielort da ist oder die zwei Spiele in der Nähe macht. Ja, das klingt sehr gemein, weil nicht jeder die Möglichkeiten hat. Oder seine Prioritäten so setzt wie ich, dass das alles irgendwie überhaupt möglich wird. Und einfach, das sag ich euch, (wem sag ich das, ihr seid zum Großteil doch eh alle immer da) ist das nicht. Aber was ich damit eigentlich wollte ist nicht die Leistung des 2-Spiele-Fans abwerten oder gar ihm/ihr das Fansein absprechen, das funktioniert da nämlich genauso wenig wie bei Hools, beide sind Fans, egal was andere davon sagen (wobei klar sein dürfte, dass mir der 2-Spiele-Fan dann unendlich mal lieber ist und das erneut ein krasser Vergleich ist). Was ich sagen wollte, war folgendes: Wenn ich jede zweite Woche mehrere hundert Kilometer zurück lege, um meinen Verein nach vorne zu brüllen, dann habt ihr genauso wenig Recht dazu, mich aufgrund des lauten Supports abwertend zu mustern, wie ich euch vorzuschreiben habe, dass ihr verdammt nochmal auch hin und wieder die Klappe aufmachen könnt. Da diese dämlichen „Könnt ihr mal aufhören zu supporten“-Dinge aber passierten, kann ich euch auch anherrschen, ihr könntet ja auch mal mitsingen.

Jo, vielleicht bin ich selbst doch nicht so weit weg von dem Zeltlagerkind, wie ich das dargestellt habe. Aber ich zieh halt durch. 90 Minuten lang. Und fange nicht erst an, wenn ich glaube, dass wir gewinnen könnten. #youonlysingwhenyouarewinning

Das ist übrigens auch so ein bisschen, wie bis zur Mittellinie laufen, dann warten, ob die Kumpels scoren und das dann gemeinsam nach Hause bringen. Auch nicht besser, als die Chaoten, die ihr gern verurteilt, wie ich denke.

So. Ihr merkt, bei mir gabs eine Menge Frust. Trotz des Auswärtssieges. Aber eben auch eine Menge Spaß und eine ganze Masse Denkwürdiges. Es wird wohl eines dieser Spiele werden, die dir länger in Erinnerung bleiben. Einfach weil so viel komisches passiert und glücklicherweise Schreckliches nicht passierte. Bei aller Liebe: Wer wirklich dachte, dass bei dem Spiel große Ausschreitungen passieren … der dürfte auch die deeskalativen Maßnahmen der Polizei erfunden haben. Jedenfalls, sofern man davon ausging, dass die Ausschreitungen nicht von Uniformierten herbei gerufen würden.

Am Ende galt auch hier die Devise: Viel Lärm um nichts. Schockierende Szenen auf dem Feld? Naja, eher schockierend dämlich. Und grandios grätschend. Das ist was bleibt: drei Punkte, Blutgrätschen und Lieder über ein Spiel, das sie definitiv verdient hat.

… Maaaatze, Matze Hain!

Wer nun mehr lesen möchte und das lieber weniger subjektiv, dem lege ich folgende Lektüre ans Herz:

http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=8834 [Rechtliche Einordnung.]

http://blog.uebersteiger.de/2017/09/20/7-spieltag-a-ksv-holstein-kiel/

http://blog.uebersteiger.de/2017/09/21/der-matze-hain-song/ [Ohrwurmgefahr.]

http://niceguys.blogsport.de/2017/09/20/senfdazu43/

https://fcspsouthendscum.wordpress.com/2017/09/20/matchday-07-holstein-kiel-vs-fc-sankt-pauli-0-1/

http://sabinescheller.de/2017-09/1718-spt07-kiel-fcsp/ [Wundertastische Fotos!]

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How Not To „Auswärtsfahrt“

Es ist ja immer wieder so: Wenn man sich so richtig, so richtig richtig richtig, auf etwas freut, dann geht die Wahrscheinlichkeit, dass es völlig in die Hose geht, gegen 100%. Es ist einfach so. Wiederum werden die Fahrten, auf die man am wenigsten Lust hat oft die, die man am meisten genossen hat. So stand Bochum eigentlich von vornherein nicht unter einem guten Stern, denn sobald die Spieltage angesetzt waren und ich unser Auswärtsspiel in Bochum auf dem letzten Spieltag und damit zum ersten Mal in 5 Jahren nicht Freitagabend entdeckte stieg die Vorfreude von Woche zu Woche immer mehr. Das Spiel in Bochum war damals das erste, das ich mit dem magischen FC erlebte und ist seither das liebste, die Gründe dafür listete ich schon zur Genüge auf, aber tatsächlich habe ich bisher auch noch niemanden widersprechen hören: Bochum ist einfach immer entspannt, wenn auch der Stehblock einiges an Kritik einstecken muss. Aber dazu später mehr. Vorweg nur eines: Es wäre fast gelungen, mir diese eine liebste Fahrt des Jahres völlig zu verderben und dafür muss schon einiges passieren. Wer also lieber in Herzchenaugen-Erinnerung an das letzte Spiel der Saison schwelgen mag, der spare sich diesen Text, gehe raus in die Sonne und trinke einen Kaffee-Tee-Was-auch-immer.

Da sich die Pöbelcrew kollektiv auf dieses „fast Heimspiel“ freute, wollten wir gleich mal mit Verstärkung anreisen. Wollten. Ich machte mich morgens auf den Weg mit dem Bus in die Stadt und von dort sehr entspannt mit dem Regio nach Bochum. Noch nicht mal losgefahren erreichte mich dann die Nachricht, dass beide Mitfahrer nicht kommen könnten und die Gründe dafür massiv bedrückend waren. Mit mulmigem Gefühl und natürlich direkt mal so richtig mieser Laune nuckelte ich also alleine an meinem Sonntagmorgenbier (nehmt das, all ihr „Warum man dann schon Bier trinken muss“-Skandierer!) und rollte den Rest des Weges gen Bochum.

[Zwischen dem ersten und dem folgenden Absatz liegen nun auch schon wieder fast zwei Wochen. Es ist ein bisschen Wut verflogen, der Text wird eigentlich nur der Vollständigkeit halber beendet, da er „berichttechnisch“ ja eigentlich keine Relevanz mehr hat (sofern es je eine gab)]

In Bochum angekommen blieb mir noch fast eine Stunde bis zur planmäßigen Ankunft des Sonderzugs, für deren Dauer ich mich strategisch clever mitten in der Bahnhofshalle platzierte und somit gleich mal einem Ausbrecher der Bezugsgruppe in die Arme lief, der schon länger im Pott weilte. Zu zweit wartete es sich dann doch direkt leichter und dass der Sonderzug auch noch überpünktlich kam, machte das Ganze natürlich noch besser.

Am Sonderzug die magischen Otter in Empfang genommen, mein Bronze-Trikot verteilt und sich schließlich geschlossen, frohen Mutes und etwas müde auf den schönen und immer wieder geliebten Fußweg zum Stadion gemacht. Das Verteilen der nun leider übrig gebliebenen Karten war auch schnell erledigt und so konnten wir uns relativ zügig auch ins Stadion begeben. Die Kontrollen waren ganz nach meinem Geschmack: Ohne großes Zinober um Sticker, entspannt, freundlich. Geht halt auch klar ohne dass gleich die komplette Fußballwelt aus den Fugen fällt.

Eine kurze Anmerkung zu den Trikots: Dass ich mich erstmals seit einer nicht unerheblichen Weile im Trikot auf den Weg zum Fußball machte, fühlte sich per sé schon komisch an. Angemacht wurde ich zwar nur in der Heimatstadt von zwei Dortmundern für meine Trikotauswahl, aber man hörte ja nun nachher nicht selten von Leuten, die Trikotpolizei spielten. Mal ehrlich: Solche Mottos sind Spaß. Wenn da jemand meint, im Dress der Vorstadt aufzulaufen kann man das ruhig scheiße finden, aber absolut nichts dagegen sagen. Ihr habt dazu nichts zu sagen. Das ist genauso scheiße, wie jemand für die Auswahl eines T-Shirts anzumackern. Geht einfach gar nicht, fasst sich aber wunderbar in den Rest des Tages ein.

Während wir uns nämlich noch der absolut fürchterlichen Versorgungslage im Gästeblock ergaben, zog der stimmungsfördernde Teil des Auswärtsmobs statt wie gewohnt in den Steher einfach mal in den Sitzer. Kann man schon machen. Muss man aber nicht. Kann man auch besser kommunizieren – oder halt so den halben Steher verlieren. Wie immer man mag.

Ich persönlich stehe der Aktion allein schon extrem (!) kritisch gegenüber – und wenn mir jetzt einer USP-Bashing vorwerfen will, bitte, der lese sich gerne meinen Twitterauftritt mal durch, aber hey, pöbeln geht immer – weil sie in den Wochen vorher von den Fahrradlichtern aus dem Osten UND den Ostwestfalen gebracht wurde. Muss man alles nachmachen? Als superneuetotaltollenochniedagewesene Idee hinstellen? Naja, wie gesagt: Ich stehe der Aktion nicht so super positiv gegenüber.

Das hätte man vielleicht damit ändern können, dass man eben noch mehr Leuten die Möglichkeit gibt, mitzuziehen. So standen nicht wenige später motzig im Stehblock – da nehme ich mich definitiv nicht von aus – schauen zu dem Pulk rüber, indem sie sonst mitten drin stehen und denken sich auch ihren Teil. Joa.

Und wenn man nicht alle mitnehmen möchte, okay, kann ich auch akzeptieren, aber dann ginge es halt auch, zumindest einen der Jungs am Zaun in Richtung des Stehers zu platzieren. Dann ginge halt nicht ganz so viel verloren, wie es jetzt in diesem Fall dann leider doch der Fall war. Vor allem aber: Unterschätze niemals die Macht eines Stehblocks ohne „Führung“. Klar, in diesem Falle ging das in der Halbzeit dann ganz gut mit dem eigenständig aufgenommenen „I just can’t get enough“ aber mir persönlich ging da viel zu viel Potential ab. Was hätte das fetzen können …

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Mein lieber Vfl, bitte mach kein Scheiß.

Nun weiß ich, dass viele von den Anwesenden den Support als „überragend“* (ersetzbar durch andere Superlative) empfunden wurde, aber ich komme auch hier nicht umhin zu denken, wie geil das hätte werden können, wenn man nicht Teile verloren hätte. Wie unfassbar viel stärker der Support noch hätte sein können, GERADE mit dem aufgeteilten breiten Block. So blieb für mich supporttechnisch definitiv bei einer der stärkeren Vorstellungen  der Saison eine ganze Menge Frust dabei.

Und das auch nicht zuletzt, weil man dann Leute im „supportenden“ Sitzer stehen sieht, die mehr damit beschäftigt sind, ihren Bizeps festzuhalten, im richtigen Licht zu positionieren oder zu prüfen ob der noch da ist, als den sonst ja immer „zu verteidigenden“ Verein wirklich mal zu supporten. Aber ist schon okay, manche jucken die ersten beiden Halbzeiten einfach nicht so wirklich. Jedem wie er mag. Oder so. Aber Respekt zolle ich für solche Auftritte definitiv nicht, wenn man auch noch uniform unterwegs und somit verdammt gut als Gruppe zu erkennen ist.

Ja, bis hier war viel Gemotze und ich muss euch enttäuschen, wenn ihr gehofft habt, das nun überstanden zu haben. Der folgende Teil ist für mich einer, der sich wieder über zwei Spiele aufgebaut hat und das erste davon war das letzte Saisonheimspiel „meiner“ Sportfreunde zuhause. Dort lief ich dank der zeitlichen Überschneidungen mit dem letzten Bundesligaspieltag alleine auf und damit kamen offenbar nicht alle klar. Man warf mir die Frage entgegen, ob mein Freund mich versetzt hätte oder warum ich als Frau alleine im Stadion sei.

Nun kann man sich vorstellen, dass man mich mit wenig schneller auf die Palme bringt, als mit solch dummen Sprüchen triefend vor Machismo und in Bochum stand dann eine junge Dame vor uns, die genau ALLE dieser dämlichen Sprüche „Frauen wollen nur Männer beim Fußball aufreißen“ für sie selbst bestätigte. Wenn man halt einfach nur die komplette Spielzeit ausprobiert, wie gut man am Wellenbrecher tanzen kann, dem Ordner (der übrigens der lässigste aller fucking Zeiten war, wenn auch er noch Grund für Aggression lieferte) schöne Augen und vor allem herzzerreißende Versprechungen machte – während der eigene Kerl direkt neben einem steht – KANNST du das natürlich machen, genauso können das aber Leute scheiße finden, die dann mit den von dir gewollt oder ungewollt bestätigten Vorurteilen zu kämpfen haben (ich möchte nicht sagen „Leute die ernsthaft zum Fußball fahren“, aber das liegt mir schon ziemlich drückend auf den Fingerspitzen).

Mich regte das ehrlich gesagt ob des Vorspiels am Tag zuvor ziemlich auf und ja, ich weiß, dass jeder im Block machen darf was er oder sie mag, aber … hey, das sind meist auch nicht die Leute, die dann nachher mit solch blöden Sprüchen zu kämpfen haben.

So oder so: Mackertum ist im Block und außerhalb definitiv scheiße.

Der Titel dieses Blogs hat leider nicht nur mit der dezimierten PBLCRW zu tun, sondern auch mit anderen Leuten im Block, die grundlegende Regeln einfach immer noch nicht verstanden haben. Gleiches galt für den Ordner direkt neben uns, der von uns höflich darauf hingewiesen wurde, dass in den Block filmen einfach gar nicht mal so geil ist, auch wenn es nur für die eigene Sammlung ist, es trotzdem immer wieder ignorierte und sich damit dann auch noch Stress mit weniger entspannten Teilen des Blocks einhandelte. Ähnliches galt für die Leute auf den Sitzern direkt neben dem Stehblock. Ja, fangt meinetwegen die Stimmung ein ABER RICHTET DIE KAMERA AUFS FELD. Nicht jeder, der im Steher zu finden ist, lässt sich gerne filmen und wenn man euch freundlich darauf hinweist, haltet euch dran. Die nächsten Hinweise büßen dann ebenso an Freundlichkeit an, wie eure Bereitschaft sich daran zu halten. Ich bin es auch ehrlich gesagt Leid, Diskussionen darüber zu führen, das sollte doch langsam wirklich bei jedem mal angekommen sein.

So. Das klingt alles ziemlich negativ, ich weiß. Aber das sind einfach die Teile, über die ich bloggen kann. Dass mir die Bezugsgruppe den Tag rettete und in guter Erinnerung bleiben lässt, schreibt sich nicht so leicht nieder. Aber es war ein weiteres Mal so und dafür bin ich sehr dankbar. Das war nun das zweite „Endspiel“, aber ohne Stress, das ich mit dieser tollen Truppe, wenn auch in anderen Besetzungen, erleben durfte und ich hoffe, dass es viele weitere geben wird. Die Pöbelcrew hat jedenfalls ganz viel Liebe für magische Otter. Wisst ihr Bescheid.

Damit dürfte dann auch fast alles gesagt sein. Meine nicht ganz perfekte Auswärtsfahrt wurde dann davon gekrönt, dass mir irgendein Depp am Bahnhof noch das Handy aus der Hand schlug und ich seither mit Splittern beim Tippen gesegnet bin, aber nicht mal das konnte mich noch aufregen. Dafür hatte ich schon viel zu viel Wut in verschiedene Richtungen rausgehauen.

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Was bleibt? Fulminanter Klassenerhalt. Immer noch ein einer Liga mit Bochum. Sich selbst dekapitierende Löwen aus München. Eine schöne neue Auswärtsfahrt nach Regensburg. Massiv geile Kaderplanungen. Der halbe Abschied von Ewald.

Damit noch ein unfassbar großes Dankeschön für die letzten zwei Jahre. Danke, Ewald ❤

Und sonst so? Sommerpause. Hier im Block und auf Twitter. Man liest sich auf anderen Kanälen, wenn ihr mögt. Haltet die Ohren steif, bis Ende Juli. Die Auswärtsdauerkarte ist schon verlängert.

I just can’t get enough. 

 

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Von Fahnenflucht, Stressern & Steinwürfen – Spieltage 31-33

Saisonabschluss. Eigentlich, sorry Spoiler, geht es um rein gar nichts mehr und trotzdem wollen wir #allezusammen #allesraushauen. Dass ich manche Dinge einfach ein bisschen zu sehr wörtlich nehme und zum letzten Spiel tatsächlich nochmal so alles gegeben habe ist dann halt leider ein bisschen tragisch. Doch von vorn, ein bisschen was fehlt ja noch und dass ich das nachhole, habt ihr schlicht und ergreifend meiner unfassbaren Unfähigkeit den ÖPNFAV (Öffentlicher Pöbelcrew Nah Fern Alles Verkehr) zu nutzen, zu verdanken. Gern geschehen.

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Vorgegriffen: Heimweg, der Rhein und jemand der winkt ❤

FAHNENFLUCHT BEI FORTUNA

31. Spieltag: Fortuna Düsseldorf 1:3 FC St. Pauli

Nun, hier im IC nach Dortmund sitzend, finde ich dann endlich auch mal die Ruhe, noch über das Spiel bei Fortuna Düsseldorf zu schreiben, das mittlerweile auch schon ein paar Wochen in der Vergangenheit liegt. Es hatte ein wenig Endspielcharakter an diesem Freitag, der einer von denen war, bei dem man am liebsten 3 verschiedene Jacken eingepackt hätte und am Ende trotzdem entweder vollkommen verschwitzt oder komplett durchgefroren in dem Parkhaus von Stadion gestanden hätte. Auch die Faschos waren auf Tour und deswegen fuhr die Fraktion Pöbelcrew Süd unerkannt durch NRW, machte Abstecher in Bochum und Wattenscheid, bedachte beide Orte mit  den jeweiligen Hymnen, und stieß schließlich in Düsseldorf am Bahnhof zum Rest der Truppe, die sich eben nicht erst am Stadion zusammen finden wollte. Gemeinsam den letzten Wegrest angetreten und schließlich auch an der Esprit Arena angekommen.

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Ich gebe ehrlich zu, dass ich mittlerweile eine kleine Masse an Spielen gesehen habe und die Erinnerung an die einzelnen Spiele durchaus vermischt bis etwas undurchsichtig geworden ist, aber ich versuche zumindest mal noch eine kurze Übersicht rund um den Spieltag gegen einen direkten Konkurrenten (so wie die anderen 12 halt) zu geben, seht es mir nach, wenn es an manchen Stellen mehr oder weniger ausführlich ist.

Ein kurzes Wort zum Stadion sei mir erlaubt, wer jedoch eine längere Version bevorzugt, dem lege ich den Text aus der letzten Saison ans Herz, weil ich, ohne ihn noch einmal gelesen zu haben, mir nicht vorstellen kann, einen Artikel ohne Stadionbashing geschrieben zu haben. Es ist und bleibt ein fürchterlich herzloses Ding, das mein Mitfahrer bei seinem letzten Besuch bereits für ein Parkhaus gehalten hatte und damit meine Meinung absolut untermauert. Auch der ehemalige Gladbacher hatte nur ein „Ach, das Ding mit den bunten Sitzen, damit es aussieht, als wäre es voll?“ für die Esprit-Schuhkiste übrig. #nuffsaid

Wir erklommen die letzten Stufen bis zum Vorraum des Blocks, eroberten unbedacht noch Bier und Bratwurst, nur um dann beim Eingang zum Stehblock fest zu stellen, dass die Herren in Gelb ja noch die Tickets sehen wollten. Ein kurzes „hier, halt ma mein Bier!“ später, hatten beide Ordner beide Hände voll mit Bierbechern, während wir die Tickets zur Wiedervorlage suchten. Herrlich entspannter Umgang, sowohl am richtigen Eingang, wie auch hier wieder, man verabschiedete sich scherzend und tat das auch später beim Verlassen des Stadions.

Ein kurzer Exkurs, der die Herren der Schöpfung nicht betrifft: Es ist und bleibt ein Unding, dass man für den kompletten Stehblock eine niedrige einstellige Zahl an Toiletten für die Damen vorsieht. Wenn du dir sogar vor dem Spiel, mit noch massig Zeit im Rücken, da Ewigkeiten die Beine in den Bauch stehst, macht das halt per sé schon mal nicht wesentlich entspannter. Und ein entspannter Block ist ein friedlicher Block, just sayin.

Um ihren friedlichen Block fürchteten scheinbar auch die Ordner, als sich die „nicht spinnefeind gegenüberstehenden“ Ultragruppen ein kurzes Tête-Á-Tête lieferten, jedoch lediglich Devotionalien austauschten und kurz schnackten. Zurück zum entspannten Block im Abstiegskampf.

So weit man das halt entspannt nennen kann. Ich war massiv pessimistisch und das war eigentlich ein gutes Zeichen, durfte man aber natürlich nicht selbst so deuten, weil dann wäre da ja wieder dieser tückische Sack von Optimismus mit seinem miesen Kumpel Hoffnung und wenn ich eines nicht gebrauchen konnte, dann einen Kampf über 90 Minuten mit diesen Hauern.

Nun hatten wir im Block Plätze eingenommen, die vielversprechend waren, aber vom Umfeld her zu Beginn recht anstrengend. Als der Anpfiff näher rückte und die Schwenkfahnen ausgepackt wurden, reifte das allerdings zu nahezu unerträglich. Es war der leibhaftige Beweis für Murphy’s Law: Es gab genau zwei Schwenkfahnen und wir stehen direkt neben der, die unerträglich quietscht und knarzt und lauter als der scheiß Support war – scheiß in diesem Sinne sowohl als Prädikat für den Support als auch als stilistisch unterstützendes Fluchwort.

[Erlaubt mir einen weiteren Einwurf: Was zur Hölle ist so schwer daran zu verstehen, wie die Position eines Wortes die Bedeutung des zugehörigen Satzes komplett verändern kann? Wenn ich noch einmal hören muss, wie jemand „Scheiß XY, ihr seid uns weit unterlegen, seid zu schwach, ja und deswegen gewinnen WIR heute nur HIER“ statt „HIER heute nur WIR“ hören muss ist der Griff zu Schellen als Hilfsmittel nicht mehr fern. Kann doch nicht so schwer sein.]

Das Spiel als solches verdiente das Prädikat „scheiße“ allerdings auch, wenn auch weniger als „irre“. Ich fasse einfach kurz zusammen, warum ich es als das empfand, auch wenn das wohl tatsächlich ein eher kurzer Teil wird: Zum Einen startete es direkt ziemlich ruppig, die Düsseldorfer spielten so ellebogenlastig wie eh und je, sodass im Block zahlreiche Gelbe Karten gefordert, jedoch nie gegeben wurden. Bis es dann halt doch den ersten und zu dem Zeitpunkt auch noch einzigen Düsseldorfer traf – innerhalb weniger Minuten gleich zweimal, Ampelkarte, auf Wiedersehen.

Zu diesem Zeitpunkt hatten auch schon zwei Spieler das Feld verletzungsbedingt verlassen müssen: Zum einen unser Bernd Nehrig, zum anderen der Fortune Akpoguma, der sich schwerer verletzt hatte, als es zunächst aussah. An dieser Stelle noch späte, aber herzliche Genesungswünsche – eine hoffentlich baldige und vollständige Genesung! Aber das lieferte für mich auch wieder Grund zum Motzen, weil ich persönlich es ein Unding fand, wenn zwei Spieler direkt vorm Block offensichtlich schwerer verletzt am Boden liegen bleiben, die Ruhe im Stadion (und des Heimblocks) dazu zu nutzen, selbst umso lauter zu supporten. Muss halt nicht sein, auch einer von uns liegt da unten. Der Block war in dieser Frage allerdings sehr zwiegespalten und die Vorsänger definitiv auch, denn während einer abwinkten, ein anderer motzte, warum denn keiner mitmachte und schließlich der erste auch wieder Support einforderte, hatte sich der supportende Teil des Stehblocks eigentlich schon darauf geeinigt, dass man für die Dauer der Behandlung am Feld den Support aussetzte.

Dass man in Überzahl spielt, dürfte bei jedem Fan Zuversicht auslösen, sofern er nicht Braun-Weiß trägt, schließlich tun wir uns mit einem Mann mehr am Feld halt einfach mal so richtig schwer und so war das kein Wunder, dass es phasenweise so wirkte, als spielte Fortuna mit einem Mann mehr und nicht wir. Es kam wie es kommen musste: nur wenige Minuten nach dem Platzverweis  fiel das obligatorische Tor –  nur halt leider das falsche. Rückstand, Überzahl, das Ding war durch,  dachte ich jedenfalls und hatte damit die Rechnung definitiv ohne den Kampfgeist der Boys in Brown gemacht.

Die kuriosen Situationen hatten nur definitiv noch was im Ärmel und das waren unter anderem Freistöße, die von allen für Elfer gehalten wurden, einen weiteren Platzverweis und eine Gelbe Karte NACH Abpfiff direkt vom Gästeblock. Kuriositätenkabinett, aber mein Hirn vermag es gerade nicht mehr in die richtige Reihenfolge – außer natürlich die gelbe… – zu setzen. Am Ende stand es – verdient, versteht sich – 3-1 für die Boys in Brown und da keimte dann doch sowas wie Hoffnung auf.

Auf dem Weg zurück dann noch einen Teil der Kofferraum-Krew aus Aue wieder getroffen und eine recht entspannte, wenn auch lange und umwegvolle Heimfahrt gehabt.

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Very Important Pöbler parken halt auf dem VIP-Parkplatz.

„LEICHT NACH STRESS AUSSEHEND“

32. Spieltag: 1. FC Kaiserslautern 1:2 FC St. Pauli

Eine passende Beschreibung für vieles: einen bestimmten Typ, einen Spieltag, eine Anfahrt … Startend daheim war das erste Ziel des Tages Hagen gegen Mittag und während das Pöbelcrew-Taxi seine Stau-Odyssee scheinbar schon hinter sich hatte, schmetterte ich direkt auf den Stau ganze drei (!!) Kilometer vor meiner Ausfahrt zu und ließ auf mich warten. Am Treffpunkt selbst zum Rest der „Punkte sind nicht so wichtig für die Region wie der FCK“-Bande und wir machten uns auf einen etwas umweg-, stark stau- und schon ziemlich verpätungsbehafteten Weg zum Spiel. Hatten wir vorher ein ziemlich lässiges Zeitpolster so schrumpfte dieses scheinbar mit jedem geschafften Kilometer signifikant bis man schließlich kurz vor Lautern doch unruhig auf dem Sitz hin und her rutschte.

Aber für dieses Spiel hatten wir Glück in Form eines Parkplatzes der Presseleute und Very Important Penises, eeeh… VIPs. So kamen wir dann doch noch rechtzeitig im Stadion an – vorbei an all den leicht nach Stress aussehenden Lautrern, denen wir unsere braun-weiße Identität dann doch lieber nicht unter die Nase rieben. Bis dahin hatte ich auch fast verdrängt, dass zwar die Kontrolle lasch aber das Vorhaben im Stadion etwas zu essen und zu trinken zu bekommen ein umso härteres war. Mal ehrlich, liebe JustPay’ler: Wie schafft man es, mit einem so beschissenen Geschäft, so dreckigem Vorgehen und dermaßen hohen Einnahmen durch miese Art pleite zu gehen? Wie? Einfach wie? Ihr bekommt Milliarden in den Arsch geblasen, weil es nahezu unmöglich ist, beim Zurückholen des auf den Karten verbliebenen Geldes nicht ein Jahr Lebenszeit, sämtliche Nerven oder die gute Laune aufs Spiel zu setzen. Aber mal ab davon: Lieber FCK: Genau eine Stelle um nachher die Becher und die Karten abzugeben, während sich eure Leute an den Getränkeständen, die zumindest eines davon annehmen könnten, die Beine in den Bauch stehen ist halt schon maximal bescheuert wenn nicht sogar berechnend, was das Ganze auf komplett neue Ebenen von „Habt ihr sie noch alle?“ hebt.

Ähnliches würde ich bei der Anzahl der Damenklos anmerken wollen. Aber dass die wichtigen Männer immer noch nicht begriffen haben, dass tatsächlich Frauen auch zum Fußball gehen, wundert mich genauso wenig wie die Schlange vorm Damenklo, wenns nicht mal fünf Kabinen für einen kompletten Block gibt. Super!

Der Block an sich war für mich persönlich, und der zweite Teil der #pblcrw stimmte mir da genervt zu, einer der schlimmsten der letzten Zeit:  Besoffen als hätte es einen Sonderzug gegeben, dämlich in die falschen Richtungen pöbelnd und vor allem dauernd „Wir sind Zecken“-anstimmend. Einfach nur sau nervig, vor allem wenn man die ganze Zeit die Leute mit seinen Schultern trägt, die es weder schaffen „Sankt Pauli“ noch unfallfrei und halbwegs verständlich auszusprechen, geschweige denn auch nur einmal den Takt beim „mit“-klatschen getroffen haben. #antialles

Bei mir wuchsen also minütlich die Aggressionen, nicht zuletzt davon gekrönt, eine Schwenkfahne in die Fresse zu kriegen, weil auch der Fahnenmensch nicht mehr in der Lage dazu war, eine scheiß Fahne fest zu halten – aber Bier holen ging ganz gut, jedenfalls wenn man „sich rücksichtslos durch den Block zu tanken“ als erfolgreich bezeichnet. Kinder, ich bin die letzte die „Fahnen runter“ brüllen würde, vergesst das nicht.

Was hatten wir also? Eine nicht nur leicht nach Stress aussehende pblcrw’in und ein ziemlich verkorkstes Spiel, das genau so war, wie man eines am Betze halt erwartet: Easy bis zur letzten Minute und dann noch fast zweistellig verlieren können, sich aber irgendwie zum Sieg zittern und freuen können.

Bemerkenswert dabei: Nach Abpfiff gab es keinen richtigen Jubel. Alle standen im Block, schauten sich an und hofften, dass es das jetzt war, dass wir durch sind. Aber so richtig freuen konnte man sich noch nicht, auch wenn das natürlich massiv wichtige Punkte waren, die da eingefahren wurden, aber solange eben noch die rechnerische Möglichkeit bestand, doch noch auf einen Abstiegs- oder Relegationsplatz zu rutschen, war für mich noch keine Erleichterung greifbar.

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„1. FC Kaiserslautern – Unzerstörbar!“ … naja, fast.

Für mich eines der Highlights des Spieles: Der eine Moment, in dem die komplette rote, pöbelnd-pfeifende Kurve des FCK hinter dem „1. FC Kaiserslautern – unzerstörbar!“-Banner komplett erstarrte. Keine Bewegung, kein Gesang – geschlagen.

Es folgte eine äußerst entspannte Rückfahrt, gerade für mich, die ich sobald Hunger kein Thema mehr war, seelenruhig auf der Rückbank schlief und erst wieder richtig wach wurde, als ich selbst wieder hinter das Steuer musste. Nicht selbst fahren zu müssen war also super, aber kein Vergleich zur Gesellschaft. Das hat viel Spaß gemacht, ich danke euch!

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EIN STEINWURF WEG VOM HAFEN – DORTMUND IST NICHT HOLLAND, DIGGER. 

33. Spieltag: FC St. Pauli 1:1 Spielvereinigung Greuther Fürth 

Es ist jedes Mal so: Wenn ich sage, dass ich was bestimmt nicht tue und dieses „was“ einen Fußballkontext hat, dürftet ihr gerne Geld darauf setzen, dass ich es doch tu. In diesem Fall war es: „Ich fahr diese Saison nicht mehr zum Heimspiel“, zack, hatte ich eine Südkarte dank des lieben und weltbesten Teddys, und war schon so gut wie auf dem Weg.

„So gut wie“ ist da allerdings das Stichwort. Es folgt: Ein weiteres Kapitel meines Kampfes mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auf Rädern. Da der Trip eigentlich nicht so ganz eingeplant war und vor allem das Konto gequält ächzte ob meiner Pläne, wählte ich für die Hinfahrt die günstigere aber zeitintensivere Anreisevariante mit dem Flixbus. Und bevor ihr motzt, dass ich hier Werbung für ein Unternehmen unterbringe: Es ist alles andere als das. Versprochen.

Bisher hatte ich zu den Menschen gehört, die noch keine Scherereien mit diesem speziellen Anbieter erleben musste, doch dass sich das gleich in solcher Heftigkeit ändern sollte, damit hatte ich, entspannt an der Haltestelle sitzend nicht gerechnet. Mit einer gewissen Verspätung rechnete ich schon aus den bisherigen Erfahrungen, daher blieb ich als eine der wenigen auch dann noch entspannt, als die vierte Linie, die nicht unsere war, anhielt, ent- und wieder belud und ohne uns weiter fuhr. Nach über einer Stunde ohne Verspätungsnachricht wurde allerdings auch ich langsam stutzig.

Bis die Jungs, die mit mir und einer Bremerin dort warteten, wutentbrannt zu uns stapften, um uns mitzuteilen, dass man den Bus ersatzlos gestrichen habe und keine Meldung davon gemacht hatte, sondern uns dort einfach hätte sitzen lassen OHNE uns mitzuteilen, dass sämtliche Tickets auf den nachmittags erst startenden Bus (wohlgemerkt mit über drei Stunden Zeitunterschied!) hatte. Ganz große Arschlochaktion, werte Flixbus-Bosse. Das war mies und zwar so richtig und es kann gut sein, dass dies auch meine letzte Fahrt mit euch war, wenn ihr so zuverlässig und noch viel stärker im Krisenmanagement seid.

Nun hatte ich das Glück, dass ich mich mit besagter Bremerin wirklich gut unterhalten hatte und wir kurzerhand beschlossen, mit dem Auto zumindest gemeinsam bis Bremen anzureisen. Mit vielen Staus, einem erheblichen zeitlichen und finanziellen Mehraufwand und jeder Menge Stress kam ich schließlich doch noch in Bremen an und enterte den Zug gen Hamburg. So hatte ich mir meine Fahrt definitiv nicht vorgestellt, aber ändern konnte man es nun auch nicht mehr. Also ordentlich gepöbelt, sich damit abgefunden und gut war. [Ist das dieses Alt werden? Vor zwei Jahren hätte ich mich viel länger darüber aufgeregt.]

Erst einmal in HH angekommen lieb in Empfang genommen worden, direkt weiter gezogen und einen Abend mit der Bezugsgruppe verpasst, die ich, hätte ich mal Konsequenz in meinem „Ne, diese Saison nur ein Heimspiel!“ walten lassen, definitiv viel zu sehr vermisst hätte. Hoch lebe meine Inkonsequenz. Der Abend war lang, die Nacht kurz und der Deadpool-„Shooop“-Ohrwurm nahezu tödlich. Aber hachja, dafür gibts gar nicht genug Herzchen.

Der Spieltag begann dann mit einem ausgiebigen Frühstück, drei Brötchen für jeden!, und dem langsamen Pilgern zum Millerntor. Das Wetterchen hatte sich der Laune angepasst und so strahlte vom Hamburger Aprilhimmel eine Sonne entgegen, die auch nochmal alles geben wollte. Wir arbeiteten noch etwas an unserem Strahlen, glimmten wir zu dem Zeitpunkt wohl noch eher müde vor uns hin – aber das sollte ja alles noch kommen.

Im Stadion den Stammplatz der Gruppe erobert und sich erst einmal auf den Stufen sitzend im Kräfte sammeln geprobt. Vielleicht sollten wir demnächst eher nach den Spielen los ziehen und nicht am Abend vorher, aber dann kommen ja wieder andere Dinge in die Quere, wie arbeiten. Wobei, wenn es nach manchem Twitterer geht, tu zumindest ich das ja nicht. [Gruß!]

Ich mag zum Spielgeschehen eigentlich gar nicht so viel sagen, aber erlaubt mir Worte zum gewohnten „Drumherum“: Rainer wurde als Stadionsprecher verabschiedet und das stellte für mich eine der wenigen Gelegenheit dar, in denen ein „You’ll Never Walk Alone“ wirklich mal nicht deplatziert sondern regelrecht angebracht ist. Vielen Dank für die vielen Jahre hinter dem Mikro und viel Spaß zurück auf der Tribüne. Alles Gute.

Zum Einlauf/Anpfiff explodierte im Gästeblock stilecht Hulk, jedenfalls ließ die saftige Rauchwolke darauf schließen. Wie immer: Pyrotechnik im richtigen Einsatz ist alles, aber kein Verbrechen, demnach ein hulkfetter Daumen hoch in Richtung der Fürther.

Das Spiel verlief in Etwa so, wie man sich eines vorstellt, wenn man kurz davor nach einer derbe anstrengenden und kraftraubenden Saison den Klassenerhalt klar gemacht bekommen hat [SO nach Würzburg & Bochum!], und dann halt noch die Saison irgendwie zu Ende spielen muss, aber der Druck völlig weg ist, während der befreite Spaß noch nicht ganz seinen Weg zurück auf den Rasen gefunden hat. Mit einem 1:1 war das gut bedient und da konnte auch keiner meckern, wie ich finde. Weder für die Spielvereinigung noch für uns ging es um mehr als Fernsehgelder und dann passte das halt schon.

Zum Abpfiff explodierte bei uns dann noch ein Mini-Hulk und irgendwas in gelb, die Mannschaft ließ sich ordentlich feiern und bis die bei uns angekommen waren, hatten wir fünf mal versucht, „Ein Steinwurf weg vom Hafen“ bis zu T. am Zaun zu transportieren, bei dem wohl leider nur die Geste zu „macht den Kopf kapuuuutt“ ankam, was das Ganze aber nicht minder lustig machte. Egal, wir feierten munter vor uns hin, bis die Mannschaft ihre Runde vor der Süd beendete und sich auch dort gebührend feiern ließen.

Und so hätte ein schöner Fußballtag enden können. Hätte. Aber nein, es gibt ja Leute, die profilieren sich darüber, in massiver Überzahl mal Jagd auf Fürther zu machen. Kannst du machen, dann bist du aber ein Dulli – und was für einer. Gerade auf Fürth, mit denen man so absolut gar keine negativen Verträge hat … aber hey, jeder definiert sein Selbstbewusstsein anders. Wenn ihr dafür mit so vielen auf so wenige ohne Fan-Utensilien und in Laufspiele gehen wollt, bitte – aber sucht euch doch vielleicht Leute, die Bock drauf haben, sich mit euch zu keilen. Davon soll es ja genug geben.

Wir ließen den Tag nicht bei Freibier und am Knust, sondern in der Nähe davon und mit ganz viel Ruhe in der Sonne ausklingen. Nach einer solchen Saison soll durchatmen ja auch mal erlaubt sein. Genau dafür hatte ich mir auch noch den Montag freigeschaufelt und wollte erst gegen Abend den Heimweg wieder antreten, damit ich den Tag über noch mit den lieben Menschen verbringen konnte, die die Saison über viel zu kurz gekommen sind. Ein richtig dickes Herz an euch, der Tag war ein wirklich schöner und ich hab die gemütlichen Treffen mit euch sehr genossen. ❤

Dass wir den Tag dann vielleicht ein wenig zu entspannt ausklingen ließen, endete in meiner wahren Öffi-Misere: Während sämtliche [!!] Bahnverbindungen in HH ankommend mindestens 30 Minuten Verspätung vorzuweisen hatten, kam mein gebuchter ICE natürlich pünktlich und wurde trotz rekordverdächtigem Sprint um EINE verdammte Minute verpasst. Eine. Ärgerlich. Kurz den Bahnhof zusammengeflucht, sich dann zusammen gerissen und eine Alternative dank Pflichttermin am nächsten Morgen gesucht, wie ich denn bitte noch pünktlich heim komme.

Es fand sich eine, teuer und nur halb bis nach Hause, schließlich würde ich in Dortmund  stranden, irgendwann nachts, und musste nun auf Kulanz von daheim hoffen. Da ich D. schon mal aus Holland auf einen Dienstag abholte, verlief das Gespräch in etwa so:

„Kannst du mich später in Dortmund abholen?“

-„Orrr…  ernsthaft?“

„Ey! Dortmund ist nicht Holland!“

-„…“

Mit 57 (!!!) Minuten Verspätung kam ich schließlich mit dem teuren und nicht einmal kontrollierten Ticket des Nachts in Dortmund an und ärgerte mich, dass wir nicht noch drei günstige Minuten länger hatten im Niemandsland stehen bleiben können. Aber nein, so wurde es unnötig teuer, langwierig und ungemein anstrengend – ein weiterer Beweis dafür, dass die Öffis und ich einfach niemals so richtige Freunde werden können.

Nun gut, aber die Fahrt war es definitiv wert und allein schon um die Magischen Otter vor der Sommerpause noch einmal fest drücken zu können hätte ich die Fahrt direkt nochmal angetreten.

Alles halb so wild also, aber Dortmund ist halt nicht Holland.

Ein Steinwurf weg vom Hafen, da steht das Millerntor,

da kann man gern vorbei schauen, man hat ja sonst nichts vor,

braun-weiß sind unsere Farben, braun-weiß ist unser Blut,

wir nehmen auch gern mal Drogen, das macht den Kopf kapuuuuuutt ❤

Getaggt mit , , , , , , , , , , ,

Wir sind nicht die Hertha.

Der FCSP spielt in Bielefeld und die Arminia gehört zu den Vereinen, die ich nun mal gar nicht mag. Das ist fast gleiches Level mit Sechzig und dementsprechend fällt der Text heute aus. Wer auf der Suche nach Kuschelrock ist, suche bitte auf einem anderen Blog weiter, hier folgt ein Rant über Geschehen auf dem Feld, vor dem Feld und neben dem Feld. 

Bielefeld. Es ging mal wieder nach Ostwestfalen und da Fußballfans ja nun doch manchmal lernfähig sein sollen, entschloss ich mich, gerade im Hinblick auf die Fahrten nach München und Hamburg, dann doch für die kostengünstigere Anreise mit dem Zug, statt mit dem Auto, auch wenn die ungefähr drei Stunden länger dauerte, aber immerhin den Weg vom Bahnhof zum Stadion erleichterte – denn man musste ja nicht noch von der Uni aus laufen. Dass dieses Vorhaben auch die Zugabfahrt um kurz nach sieben und vier Stunden Herumgurken durch die weniger schönen Teile Nordrhein Westfalens beinhaltete, hatte ich bei der Planung konsequent verdrängt. Aber nun gut, fuhren wir halt Zug. [Poetischer wirds heute nicht mehr, Freunde.]

Mit dem richtigen Proviant war das dann auch recht gut auszuhalten und hätte ich nicht beinahe meinen Umstieg in Hamm verpasst, wäre das auch alles durchaus entspannt gewesen. So hechtete ich hinter dem anderen Totenkopf-tragenden Mob her und schloss schließlich zur zweiten Hälfte der Pöbelcrew auf.

Gemeinsam ging es auf die letzte Zugstrecke bis nach Bielefeld und im Zug traf man dann auch schon die Gegnerfans des heutigen Tages: Freche Halbstarke, deren Playlist zwar Potential hat, die aber wirklich noch ausbaufähig ist. Leute! da fehlt Blümchen. Und Scooter. Und CL5… is‘ ja gut, zurück zum Fußball.

Mit der Ankunft am Bielefelder Bahnhof, entschloss sich das Wetter dann auch dazu, sich den Gästen anzupassen und packte herrlichstes Hamburger Wetter aus, sodass wir noch eine Weile am Hinterausgang unter dem Dach verweilten, aus Versehen an einer Gruppenbesprechung der Hundertschaften teilnahmen und unsere Bedenken, dass der eine Polizist, der in der Zweierreihe alleine gehen musste, vielleicht verloren gehen könnte, unerhört blieben. Frechheit! Schließlich lichtete sich der dichte Regen etwas und auch wir traten den Fußweg zum Stadion an – gewissenhaft alle Dresdener Sticker überklebend, versteht sich.

Am Stadion dann noch sehr liebe Menschen getroffen, Tickets für München eingesackt (Brace yourselves, die Pöbelcrew kommt!) und auf ein, zwei Kaltgetränke zum Schnack geblieben, bevor es schließlich an die Kontrollen ging. Und hier könnte jetzt ein etwas längerer Rant folgen.

Zum Ersten aber: Weiß jemand, wofür die Kontrollen gefilmt wurden? Ich wüsste gerne, wo man mich dann demnächst in meiner vollen Schönheit bewundern darf.

Jedenfalls wurden die Kontrollen am Einlass gefilmt und waren dementsprechend gründlich. Auch wenn sich die Ordnerin in meinem Fall nahezu entschuldigte, aber das war echt lächerlich. Das was man ihr lassen kann ist jedenfalls, dass sie gründlich war: Schließlich fand sie Sticker in meinem Portemonnaie, von denen nicht mal ich wusste. Gut, stickerlos ging es für mich ins Stadion, aber immerhin brachte der Rest ein paar Sticker mit hinein, sodass die Alm nun doch etwas schöner aussieht als vorher, wo sich die Pöbelcrew nun doch noch dort verewigt hatte.

Ich mag sie einfach nicht. Die Arminia mit ihren Schwarz-Weiß-Blauen Farben, die Fans, die Ordner, die doch eher Bock auf ein Treffen am Feld, als am Spielfeldrand haben, diesen fürchterlichen Gästeblock, der ein architektonischer Trauerfall ist und einfach … Bielefeld. Manchmal hat man ja diese Dinge, die man einfach nicht leiden kann und ich mag und muss mich dafür nicht rechtfertigen, aber es ruft bei mir nicht viel mehr als die Lust „Scheiß Arminia Bielefeld“ zu brüllen hervor. Isso, kann ich nicht ändern und will ich eigentlich auch nicht.

Demnach brüllte ich aus vollster Fußballseele die nicht sonderlich schmeichelhaften Gesänge vor dem Spiel mit und freute mich aber genauso, dass sie mit Anpfiff verstummten, um Platz für den Support der eigenen Mannschaft zu machen. Von dem erwartete ich übrigens anfangs nicht sonderlich viel, weil die 700 Rest-Tickets einfach eine nicht sooo volle Gästehütte versprachen und ich irgendwie kein gutes Gefühl hatte, was den lautstarken Support anging. Zum Glück überraschte mich das Gegenteil, es fetzte doch recht gut und vor allem die Wechselgesänge müssen wohl ganz gut hörbar gewesen sein, wie es mir zugetragen wurde. Ich sah dank der bescheuerten Bauweise und unserem späten Einzug in den Block mal wieder herzlich wenig, aber Fußball sehen kann ich halt auch noch, wenn ich im Rentenalter auf die Haupt umziehe und noch mag ich ihn eher erleben. Und das geht im engen Stehblock, auch wenn man die Hintermänner am liebsten die Nase geboxt hätte.

Hinter mir war man nämlich der Meinung, die Jungs auf dem Feld machten alles falsch. Jedes Mal wenn Cenk den Ball im Angriff abspielte – was übrigens etwas ist, das ich mir die letzten Wochen gewünscht hätte, statt sich fest zu dribbeln – wurde darüber gemotzt. Zog er mit dem Ball mal bis zum Sechzehner – wurde gemotzt. Atmete er vielleicht auch nur etwas außerhalb des Takts – wurde gemotzt.

Ja, das ist vielleicht etwas übertrieben, aber dieses Dauergemotze nervte. Wie Sau. Egal was sie machten, es war falsch. Wie mich sowas ankotzt: Dauermotzen, aber kein Tönchen des Supports – nein, im Gegenteil, dann noch über die Motzen, die supporten. Andauernd kam „So ein scheiß Lied!“, ja dann mach den Mund auf und stimm was anderes an? Dass bei uns Lieder durchaus auch mal von anderen Ecken kommen, als von vorn auf dem Zaun, ist ja nun nicht wirklich selten. Warum motze ich dann nur, statt selbst mal etwas zu verändern?

Mich motivierte das Gemotze jedenfalls noch lauter mitzusingen, nur um den werten Herrn zu ärgern und dass das nicht wirklich erwachsenes Verhalten ist, geht mir gepflegt am Allerwertesten vorbei. Wisst ihr Bescheid.

Was mich allerdings noch ärgerte, war das dauernde Fordern nach ausgedehntem Zeitspiel in der Ecke in der ich stand. Mal ehrlich: NOCH ausgedehnter? Mir ging das ja jetzt schon auf die Nerven, wie viel Zeit da rausgeschlagen wurde und so richtig wunderte mich die Nachspielzeit dann nicht, auch wenn ich fünf Minuten anfangs für eeetwas überdimensioniert hielt. Als mein Lieblings-Motz-Hintermann dann anfing zu brüllen, Heerwi solle sich doch verdammt nochmal mehr Zeit lassen, brüllte ich zurück:

„Wir sind doch nicht die scheiß Hertha, Mann!“

Tjoa. Dachte ich. Und dann gibt es halt fünf Minuten Nachspielzeit, Rumgeeiere im Sechzehner und den Ausgleich in gefühlt der 90+6. Minute. Doch ziemlich Hertha-like.

Da dürften die Gemeinsamkeiten dann aber auch aufhören. Will ich jedenfalls hoffen.

Nunja, ich mag mich nicht weiter an Vereinen abarbeiten, die ich nicht leiden kann. Daher: Was bleibt?

Ein Punkt ist ein Punkt und ein Punkt gegen einen direkten Konkurrenten ist ein guter Punkt. Trotzdem fühlte es sich mehr nach zwei verlorenen als einem gewonnen an. Alle haben 18 Punkte, Platz 15 und abwärts, und die nächsten Spiele sind einfach enorm wichtig gegen den Abstieg. Es war aber keine Vorstellung eines Absteigers und das gibt Hoffnung, auch wenn es jetzt daheim gegen Karlsruhe und auswärts gegen München geht.

Was außerdem bleibt ist ein verdammt gutes Banner von NKSP, hinter dem ich nicht nur im übertragenen, sondern auch im wörtlichen Sinne stehe: „Gegen den deutschen Opfermythos.“ Gerade im Lichte der aktuellen Diskussionen, die von Leuten außerhalb von Fußballstadien über Banner INNERHALB von Stadien geführt wird, und allein deswegen schon völlig unnötig ist, ein richtiges Zeichen. Wenn wir anfangen uns Banner von außen absegnen zu lassen, verlieren sie nicht nur jede Glaubwürdigkeit sondern auch jede Wirkung.

Und eigentlich hab ich gerade auch gar keine Lust mehr, irgendwas dazu zu sagen. Es gibt genügend Leute, die darüber reden, dann muss ich das nicht auch noch tun. Daher: Wir sehen uns in München. Wer sich auf ein Bier treffen mag, haue doch mal kurz eine PM in die Tasten. Ansonsten: Stabil bleiben & Nazis aufs Maul.

Bis dahin. #pblcrw

 

 

 

 

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