Archiv für den Monat September 2017

´Sup, Holstein?

Man stelle sich das mal vor: Ein Acker, irgendwo im Nirgendwo, am Ende der Welt und dann noch zwei Kilometer. Nichts, aber auch gar nichts in nächster Nähe. Die nächsten Häuser erst nach ordentlichem Fußweg zu erreichen, große Straßen sind auch fern und irgendwo plätschert friedlich ein Bach. Ein perfekter Ort, finden die jungen Wilden und fangen an, ihre Zelte aufzubauen. Alles friedlich, oder nicht?

Nicht ganz, denn nachts, da kommen sie. Die anderen. Die Fremden. Wenn alle selig schlafen, müde vom Tag, matt vom Abend, dann wird die Gunst der Stunde genutzt. Sie fallen ein, mit lautem Getöse, mit Geböller und mit Geschrei. Es gleicht einem Kriegsschauplatz, sagen die Jüngeren, wenn sie denn wüssten, was das wäre. Jetzt ist Krieg, brüllen die Älteren und schlagen zurück.

Eigentlich geht alles ganz schnell. Ein Überfall. Ein paar Schläge hier, ein paar Rangeleien dort, am Ende fehlen ein paar Kleidungsstücke die irgendwo zum Trocknen hingen, ein einzelner Schuh oder wenn es ganz schlimm gekommen war, dann waren auch die Zahnbürsten weg. Am schlimmsten aber war der Verlust von einem: der Fahne. Es gab kein Zeltlager ohne gehisste Fahne und auf die hatte aufgepasst zu werden, denn es gab doch keine größere Schmach, als seine Fahne zu verlieren. Woher diese Glaube an ebenjene Tatsache kam, das weiß wahrscheinlich keiner so richtig, aber „es war doch immer schon so gewesen“.

Und so musste die Fahne natürlich zurückerobert werden. Ein, zwei Nächte später stattete man den Angreifern aus dem anderen Camp einen Besuch ab. Man hatte ja nicht angefangen, aber rächen musste man sich natürlich schon. Und weil die anderen angefangen hatten, musste selbstverständlich härter zurückgeschlagen werden. Und so wechselten vielleicht nicht nur ein paar der trocknenden T-Shirts die Besitzer, sondern gingen hier und da auch mal in Rauch auf. Die Fahne wurde zurück erobert und die der anderen gleich mit, aber besser versteckt, damit die ja nicht auf dumme Ideen kamen. Und damit sie das auch definitiv nicht taten, machte man sich die Techniken, die man aus irgendwelchen Western-Filmen kannte, zu Nutze und kettete die Überfallenen irgendwo an provisorische Marterpfählen, auch genannt „Bäumen“, damit man in Ruhe fliehen konnte.

Ein kurzer Ausflug in meine Kindheit. Die Zeltlager im Sommer waren immer toll, wenn auch hie und da von Heimweh und Frust durchzogen, wenn man wieder eine Nacht kurz wurde, weil man Besuch von den anderen Zeltlagerkids bekommen hatte, die natürlich immer viel älter und viel stärker und überhaupt waren. Diese Spielchen gingen meist die kompletten 10 oder 14 Tage hin und her, mal mehr, mal weniger krass und waren von allen als „dazugehörig“ anerkannt, wenn auch nicht von allen gemocht. Es war normal, dass nach einem Überfall ein paar Nächte später mal das halbe Camp ausflog, während die jüngeren oder schüchternen bei den Großen blieben, um sich die Fahne zurück zu holen – und größtmögliches Chaos zu stiften, versteht sich.

Nimmt man mich mal als Beispiel, dann ist diese Generation Zeltlager nun in den Zwanzigern, mehr oder weniger weit vorgeschritten, und eigentlich gibt es diese Spielchen auch noch immer. Nur eben ein bisschen krasser. Während die Prügeleien sich früher auf ein paar Kopfnüsse beschränkten, die manche definitiv verdient hatten, so sind die Mittel heute andere, der Zweck aber im Prinzip der Gleiche: Fahnen zocken, Chaos stiften, Gruppen auflösen. Wo auch immer vom Zeltlager zum Mini-Hool der Gedanke gereift ist, man müsse sich auflösen, wenn die Fahne weg ist. Aber es gibt eben überall ungeschriebene Regeln und daran hält man sich. Glaube ich. Keine Ahnung, ich hab seit den Zeltlagern keine Fahnen mehr gezockt, sondern nur noch gemalt. Find ich auch ein bisschen schöner, so mit dem eigenen Verein darauf, statt das verhasste Logo in den Händen zu halten. Und andere ungeschriebene Regeln kenn ich nur aus dem Ring, dass Tiefschläge tabu sind und dazu gehören eben auch solche, auf Leute, die tief am Boden liegen.

Also: Die Zeltlagerkids sind jetzt so irgendwo um die zwanzig, dürfen nicht mehr mit ins Sommerzeltlager fahren und tragen statt abgewetzten T-Shirts nun Undercuts und Lederhandschuhe, abgeklebte Schuhe und Markentattoos, Designerklamotten und Poloshirts, die den Bizeps größer wirken lassen. Man möchte ihnen fast auch noch Kniestrümpfe schenken, jedenfalls manchen von ihnen, und ihnen mitleidig auf die Schulter tätscheln, dass sie im September schon so frieren, dass Lederhandschuhe angezogen werden müssen, bevor man aus dem Zug in die Spätsommerkälte tritt.

Das Ding mit den kindlichen Überfällen auf Zeltlager ist folgendes: Es ist allen klar, dass sowas passiert, es ist klar, was gezockt werden darf und was tabu ist (oder nach zwei Tagen zurückgegeben wird) und vor allem ist es klar, wer da in Ruhe gelassen wird und wer nicht. Im Zeltlager-Krieg käme niemand auf die Idee, statt der an Ästen aufgehangenen T-Shirts plötzlich auch Oma Ernas Wäsche von der Leine zu klauen, nur weil die da gerade so schön in der Sommersonne herum hängt. Den semi-erwachsenen Zeltlagerkids ist das jedoch ziemlich egal: Wenn Karl die Fahne zockte, dann konnte es sein, dass Karlchens Oma nach dem nächsten Spiel ein Stück Wäsche weniger zu waschen hatte, weil ihr jemand das Bettlaken vom Zaun… von der Wäscheleine klaute.

Nun weiß jeder, dass Zaunfahnen nicht gewaschen werden, aber ich denke mein Punkt wird klar: Diese Wahllosigkeit in Zielen nervt. Und wen ich bis hier her verloren habe, bei dem muss ich mich entschuldigen, aber es wird nicht besser in den kommenden Zeilen. Warum ich dies als Einstieg wählte, wird später noch klar, wenn es das nicht bereits ist, aber es waren einfach Szenen, die mir seit langen Jahren nicht mehr so präsent waren wie nach dieser Woche voller Kindergarten.

Eigentlich geht es ja auch um Fußball. Eigentlich. Auch wenn man kritisch anmerken könnte, dass es darum schon lange nicht mehr geht, jedenfalls nicht um den Fußball für den Fan im Stadion, sondern für den mit der fettigen Hand in der Chips-Tüte und der Bierflasche auf der Couch vor dem Fernseher, denn es ging an einem Dienstag nach Kiel. Nun war das vermutlich für 90 Prozent der Anwesenden eine herrlich einfache und kurze Fahrt, für mich allerdings die weiteste dieser Saison und das auf einen Dienstag. Nun gut. Nachdem das erste Wegstück schon zurückgelegt war, ging es von Hamburg mit dem gemeinsam geplanten Zug und der BeZUGsgruppe (´schuldigung) gen Kiel. Entspannte Fahrt, wenn auch der uns den ganzen Weg begleitende Heli mehr Verwirrung und Unruhe schaffte, als er einen potentiellen Nutzen hätte haben können.

Ein bisschen hoffte ich ja, einfach irgendwo am Acker anzuhalten und mir endlich mal anschauen zu können, ob da wirklich nur einfach viel heiße Luft und dicke Arme gemacht wird oder ob da tatsächlich irgendwas hintersteckt, was über Jabjabhook hinaus geht. Aber weder mir noch der Heli-Besatzung war irgendwas an Spannung vergönnt und so fuhr es sich sichtlich entspannt gen Kiel. Was definitiv auch den Ottonormal-Zugfahrern im Abteil zu gelingen schien, die sehr entspannt mit verschiedenen Leuten aus der Reisegruppe Auswärtssieg plauderten, scherzten und sich gar nicht so sehr an „asozialen Fußballfans“/“Chaoten“/(generische Vierbuchenstaben-Betitelung von Fußballinteressierten hier einfügen)* zu stören schienen.

In Kiels Sackbahnhof, das ist sowas wie ein Sackflughafen, nur werden hier die Züge angezündet, damit der nächste hereinfahren kann, statt hinauszufliegen (© D. & M. + M.s Bahnerfamilie), strömten dann natürlich alle aus dem Zug und eigentlich kann niemand der Akkustik eines hochgewölbten Gebäudes widerstehen, sodass man vor lauter Vorfreude hie und da ein Ständchen sang. Die Vorfreude schwand spätestens, als die ersten anfingen zu filmen und das knallhart in die Menge, sodass das Gesinge zeitweise mehr ein Lied vom „Pack dein Handy weg oder ich mach das“-Social Media-Tod war.

Erwartungsgemäß wurden wir vom schwarzen Block empfangen, allerdings von dem, der sich nicht kennzeichnen muss und vermummen darf, der uns gleich darauf hinwies, doch bitte friedlich und zügig in die Busse zu steigen in die man weder irgendein Getränk mitnehmen durfte noch einsteigen konnte, sofern man seine Karte nicht vorzeigte. Kann man machen, fällt aber definitiv unter die uniformierte Kategorie von „totaal (!) deeskalativer Einsatzstrategie“, die die Kieler oder in Kiel eingesetzten Freunde und Helfer definitiv gemastered haben. Denken sie.

Es wurde also ein wenig drängelig, jeder nahm trotzdem seine Getränke mit in die Busse und schließlich ging es Richtung Stadion. Während nicht jeder sich für den Weg mit den Verkehrsmitteln entschieden hatte, so machte es doch keinen großartigen Unterschied denn wir kamen alle extrem spät am Stadion an. Und im Stadion erst.

Was nun folgt, ist kein Lobgesang. Es ist davon sehr, sehr weit entfernt – allerdings war die Einlasspolitik die Holstein am Gästeblock praktizierte auch sehr weit davon entfernt, ein Sicherheitskonzept zu haben. Es war eher ein Kochrezept für schnelle, derbe Eskalation unter der Inkaufnahme von Verletzten und Schlimmerem. Die Anwesenden werden wissen, was ich hiermit meine, für alle anderen, die sich hier her verirrt haben oder leider nicht mitkonnten: Eine enge Schleuse von Eingangsbereich, durchtrennt von „Wellenbrechern“, die im Zickzackstil die Masse vielleicht hätten teilen sollen, sie aber so aufgestellt nur enger zusammenpferchte und in der Verengung auf EINEN Eingang gipfelte. Und all das überwacht von einem drohend aufragenden Wasserwerfer, auf eine Menschenmasse ohne jegliche Fluchtmöglichkeit zu irgendeiner Seite zielend. Man möchte sich nicht ausmalen, wäre es zu einem Einsatz aus welchen Gründen auch immer gekommen, was die Folgen wären, die wir zu betrauern hätten – sofern man dazu noch in der Lage wäre.

Ja. Viel Konjunktiv. Viel „Wäre, wäre, Fahrradkette“ nach L. M., aber überhaupt in Betracht zu ziehen einen Wasserwerfer in solch engen Bereichen einzusetzen, überhaupt damit zu drohen, rechtfertigt jede Kritik an der angeblich „deeskalativen Einsatzstrategie“. Man kann im Nachhinein einfach nur unfassbar froh sein, dass der Block ein derart entspannter und in seiner Zusammensetzung zu manchen Zeitpunkten ein ruhigerer war, als ich ihn schon erlebt habe.

Und nicht nur die Polizeikräfte in Kiel kriegen ihr Fett weg: Holstein, ernsthaft? EIN Eingang, eine Schleuse für 2300 Gästefans? Wie überfordert kann ein Verein mit der Austragung eines stinknormalen Zweitligaspieles sein? Dass euer Stadion nicht so richtig tauglich ist, sei mal außen vor gelassen. Dass unter diesen Umständen nicht einfach direkt alles überrannt wurde ist übrigens auch nur der Gelassenheit der anwesenden Fans zu verdanken und nicht der Abwesenheit von „Chaoten“ wie das manche vielleicht gern drehen würden. Schreibe ich mich in Rage? Vielleicht ein bisschen. Die Kontrollen waren, ob der Überforderung der Ordner aufgrund der schieren Masse, die da auf sie zu kam, derart, dass man alles hätte mitnehmen können, was sonst so verboten in Stadien ist und wie es scheint, geht es da den Heimfans nicht anders: ein Blinkeding brachten sie nämlich definitiv herein und waren so stolz darauf, dass sie das gleich mit dem Gästeblock teilen wollten. Liebe Hools’teins, es ist immer noch netter, jemandem etwas zu geben, statt zu zu werfen. Besonders wenn es brennt. Und ziemlich heiß ist. Und eigentlich gerade keiner haben will, weil man gerne seine Fäckelchen selbst mitbringen würde. Ich griff ein wenig vorweg, weil das gerade so gut zu den Kontrollen passte. Während ich mich einer dieser noch unterzog, hörte man von der anderen Seite der Stufen jede Menge Getöse, es kam zu Bewegungen bei den Ordnern und da geschah definitiv irgendwas. Mittlerweile dürften alle gesehen haben, dass sich da zwanzig, dreißig Verfechter des „All Black Everything“-movements aus dem Heimblock auf den weiten Weg gemacht hatten, dem Gästeblock Hallo zu sagen und eine Kerze für diejenigen anzuzünden, die den Anpfiff dank der katastrophalen Einlasssituation wohl noch vor dem Block erleben würden. [Ich würde Bengalos ja unter romantische Beleuchtung fallen lassen, allerdings sind da auch nicht alle meiner Meinung, das solltet ihr wissen, liebe Holzbeine.]  Manche scheinen aber schon länger den Fußball nur noch passiv zu genießen und unterschätzten die Länge eines Fußballfeldes und dem damit verbundenen Sprint doch enorm, sodass zum Erreichen der Mittellinie bei manchen auch das Leistungsmaximum definitiv schon erreicht wurde. Andere hingegen schafften es tatsächlich bis zum Zaun, unbehelligt von den zahlreich aufgestellten Ordnern und der kompletten Polizeieinheit neben dem Gästeblock und sorgten dafür, dass sich sämtliche Zeltlagerkids fremdschämend vorsorglich bei Oma Erna entschuldigen. Während nämlich die, wie vom magischerfcblog so schön benannte, braunweiße Oberarmtruppe noch nicht einmal im Block war, fassten sich die Holstein-Allblacks ein Herz und vor allem einige Banner von Gruppen die alles, aber sicherlich nicht in den letzten Zeltlagerüberfall involviert waren. Nun sind zum Glück nicht alle derart feige, wie die dreißig Mann und insbesondere, die knapp 15, die einfach an der Mittellinie stehen blieben und ihre Kumpels machen ließen, um danach natürlich trotzdem heroisch gefeiert in den eigenen Block zurückzukehren, obwohl man nicht mal den Sprint über ein komplett Feld geschafft hatte. Was man so sah, schafften es ganze 3 oder 4 Mann zu den Zäunen. Von dreißig eine ganz schön schwache Quote – und irgendwie dann doch ziemlich feige. Unter den total anfeuernden „Scheiß St. Pauli-Rufen“ vom Rest des Heimblocks, der doch lieber in der Sicherheit ihres eigenen Blocks geblieben war. Merkt ihr selbst, oder? Ganz und gar nicht feige sind Matze Hain (Maaaatze Matze Hain!), Schnecke Kalla, Sami Allagui und Patrick Glöckner fassen sich ein Herz und vor allem Zaunfahnen, die definitiv nicht in die Hände von Holstein-Anhängern gehören. Es gibt zahlreiche Videos von Matze Hains Blutgrätsche seines Lebens, Sami Allaguis Zeitpunkt der Aufnahme in die Legendenriege des FCSP und vor allem seinem stolzen Grinsen, als er die Fahne wieder in den Block zurück brachte. Hier nur ein kleiner Ausschnitt:

Hier haben sich ein paar unsterblich gemacht und das waren definitiv nicht die paar Deppen aus Kiel, die nicht mal durchziehen, was sie anfangen. Aber eines muss man ihnen lassen: Timing stimmt. Genau dann aufzutauchen, wenn die organisierte Szene noch draußen steht ist natürlich clever … wenn auch wie erwähnt ziemlich feige. Und ungefähr auf dem Level, Oma Ernas Wäsche zu klauen.

Ich hätte wirklich, wirklich gern gesehen, was passierte wäre, wenn von unserer Seite mehr Leute von dieser Fraktion da gewesen wären. Aber bei aller Liebe: Durchziehen scheint nicht so das Ding zu sein. Eher talking shit. Viel Lärm um nichts, wie bei Pizza mit Ananas. Da würde man sich doch wirklich mal wünschen mit anzusehen, was passiert, wenn sich da plötzlich Gruppen gegenüber stehen, die nie damit gerechnet hätten, tatsächlich so weit zu kommen.

Es gab ja tatsächlich noch Fußball. Und der war gar nicht so schlecht. Glaube ich, denn so richtig viel sehen kann man aus dem Gästeblock in Kiel allein schon wegen fast der gleichen Höhe wie das Feld, den grellgelben Werbebanden hinter weißem Ball und natürlich dieses Turmkonstrukts, das da genau vor der Kurve steht und den freien Blick komplett zerstört. Sonst hätte dieses zusammengewürfelte Stadion vielleicht Gefallen bei mir hervor gerufen, aber so? Weniger.

Nachdem ich gar nicht so richtig von der Kieler Aktion auf Zinne gebracht wurde, so übernahm das der Rest des Blocks. Mir ist es ein Rätsel, wie man mit derart großem Desinteresse ein Fußballspiel verfolgen kann. Ich ließ nach dem Spiel meinen Frust in Tweets heraus, das muss ich zugeben, weil ich das schlicht nicht begreifen kann, wie groß die Gleichgültigkeit mancher ist. Vielleicht mag ich auch einfach nicht verstehen, wie andere ein Fußballspiel erleben. Ich bin ein Hitzkopf, ich bin laut, ich pöbel und ich packe alles in den Support während so eines Spiels. Andere mögen das nicht. Das ist auch irgendwo okay, aber brachte mich in Kiel wirklich auf die Palme. Die Spieler hatten gerade unsere Fahnen gerettet. Sie spielten gegen den Spitzenreiter, nachdem sie von Ingolstadt mit vier Toren vollkommen demontiert wurden. Und man kann nicht mal ab und an den Mund aufmachen? Okay. Dann nicht. Akzeptier ich auch. Aber abwertend, nahezu „Psssscht!“ sagend zu den wenigen Leuten, die es in der Kurve wagen, zu supporten? Da hört mein Verständnis auf. Ich stehe dort* alle zwei Wochen. Egal, ob es für mich die bequemen 130km nach Bochum oder die 525km nach Kiel sind. Auf einen Dienstag. Oder fast 500km montags nach Nürnberg.

Ich hab es auf Twitter verkürzt und sehr spitz formuliert, dass es für mich einen Unterschied macht, ob jemand eben jede Woche unabhängig vom Spielort da ist oder die zwei Spiele in der Nähe macht. Ja, das klingt sehr gemein, weil nicht jeder die Möglichkeiten hat. Oder seine Prioritäten so setzt wie ich, dass das alles irgendwie überhaupt möglich wird. Und einfach, das sag ich euch, (wem sag ich das, ihr seid zum Großteil doch eh alle immer da) ist das nicht. Aber was ich damit eigentlich wollte ist nicht die Leistung des 2-Spiele-Fans abwerten oder gar ihm/ihr das Fansein absprechen, das funktioniert da nämlich genauso wenig wie bei Hools, beide sind Fans, egal was andere davon sagen (wobei klar sein dürfte, dass mir der 2-Spiele-Fan dann unendlich mal lieber ist und das erneut ein krasser Vergleich ist). Was ich sagen wollte, war folgendes: Wenn ich jede zweite Woche mehrere hundert Kilometer zurück lege, um meinen Verein nach vorne zu brüllen, dann habt ihr genauso wenig Recht dazu, mich aufgrund des lauten Supports abwertend zu mustern, wie ich euch vorzuschreiben habe, dass ihr verdammt nochmal auch hin und wieder die Klappe aufmachen könnt. Da diese dämlichen „Könnt ihr mal aufhören zu supporten“-Dinge aber passierten, kann ich euch auch anherrschen, ihr könntet ja auch mal mitsingen.

Jo, vielleicht bin ich selbst doch nicht so weit weg von dem Zeltlagerkind, wie ich das dargestellt habe. Aber ich zieh halt durch. 90 Minuten lang. Und fange nicht erst an, wenn ich glaube, dass wir gewinnen könnten. #youonlysingwhenyouarewinning

Das ist übrigens auch so ein bisschen, wie bis zur Mittellinie laufen, dann warten, ob die Kumpels scoren und das dann gemeinsam nach Hause bringen. Auch nicht besser, als die Chaoten, die ihr gern verurteilt, wie ich denke.

So. Ihr merkt, bei mir gabs eine Menge Frust. Trotz des Auswärtssieges. Aber eben auch eine Menge Spaß und eine ganze Masse Denkwürdiges. Es wird wohl eines dieser Spiele werden, die dir länger in Erinnerung bleiben. Einfach weil so viel komisches passiert und glücklicherweise Schreckliches nicht passierte. Bei aller Liebe: Wer wirklich dachte, dass bei dem Spiel große Ausschreitungen passieren … der dürfte auch die deeskalativen Maßnahmen der Polizei erfunden haben. Jedenfalls, sofern man davon ausging, dass die Ausschreitungen nicht von Uniformierten herbei gerufen würden.

Am Ende galt auch hier die Devise: Viel Lärm um nichts. Schockierende Szenen auf dem Feld? Naja, eher schockierend dämlich. Und grandios grätschend. Das ist was bleibt: drei Punkte, Blutgrätschen und Lieder über ein Spiel, das sie definitiv verdient hat.

… Maaaatze, Matze Hain!

Wer nun mehr lesen möchte und das lieber weniger subjektiv, dem lege ich folgende Lektüre ans Herz:

http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=8834 [Rechtliche Einordnung.]

http://blog.uebersteiger.de/2017/09/20/7-spieltag-a-ksv-holstein-kiel/

http://blog.uebersteiger.de/2017/09/21/der-matze-hain-song/ [Ohrwurmgefahr.]

http://niceguys.blogsport.de/2017/09/20/senfdazu43/

https://fcspsouthendscum.wordpress.com/2017/09/20/matchday-07-holstein-kiel-vs-fc-sankt-pauli-0-1/

http://sabinescheller.de/2017-09/1718-spt07-kiel-fcsp/ [Wundertastische Fotos!]

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