Alles wie immer!

Der geneigte FCSP-Fan ist ja generell überzeugt, dass der DFB-Pokal aus einem jährlichen Spiel besteht und wenn das nicht reicht, wird noch ein Freundschaftsspiel im Namen einer „2. Runde“ gegen einen Erstligisten hinten an gehangen. Daher dürfte die Aufregung bei uns einfach auch noch weniger gegeben sein, als diese fürchterliche Veranstaltungsreihe, deren einziger Vorteil beim Sieg die Teilnahme am EUROPAPOKAAAAAL ist, bei anderen hervorruft. Die Auslosung bestätigte das nochmal: Paderborn. Das ungeliebte Dorf unter den Fußballvereinen. Die Wiese, die nicht zum Schlittenfahren taugt. Der Winter, der ohne Schnee aber verdammt kalt ist. (…) (Ja, ich bin Dorfkind. Merkste, he?)

Im Prinzip muss dieses Pokallos die späte Rache der blauen Münchner gewesen sein, denn nur dank deren noch größerem Versagen spielen die Schwarz-Blauen-irgendwas aus dem Niemandsland, das hart an Bielefeld erinnert, überhaupt noch in der dritten Liga. Also: Herzlichen Dank nach München. Nicht.

Man könnte nun natürlich argumentieren, dass man doch wenigstens ein „schönes“ Los für dieses eine Spiel im Jahr bekommen könnte. Irgendwas, was man sonst nicht als Gegner hat. Meinetwegen auch gern mal was Regionalligamäßiges aus NRW oder so. Irgendwas nicht alltägliches halt. Aber nein, es wird Paderborn. Das so ziemlich langweiligste Ziel überhaupt. Das Spannendste an Fahrten nach Paderborn wird immer die Frage sein, wie man die Gutscheine auf der Rückseite der Tickets für das Möbelhaus im  neben dem Stadion am dämlichsten auf den Kopf hauen kann. Irgendwann fahr ich da mal mit einer Couch weg, ich sags euch.

Und eigentlich könnte ich damit jetzt aufhören. Spannender wirds nicht. Da mir aber ein „Erhebe dich und schreib!“ entgegen geworfen wird, schreibe ich wohl doch noch weiter.

Ich machte mich am Montag erstmals mit lokalen Leuten aus der Fanszene auf den Weg, die ich durch 100 Zufälle in Sandhausen kennenlernte und es noch drei weitere Spiele brauchte, bis wir verstanden, dass wir alle aus der gleichen Stadt kommen. Nun gut. In Bochum dann schon mal über Paderborn gequatscht und das erstmals gemeinsam angegangen.

Die Fahrt über dominierte die Playlist des Todes (aka die pblcrw-playlist), die deutliche Nachwirkungen hatte (ein kleines Entschuldigung!-(haha!!) an das Büro unseres Fahrers, das jetzt auch astrein Wattenscheid Null Neun besingen kann) und der Konsum von Bier mit komischem Beigemischtem (aka Rakete). Wir kamen erstaunlich gut durch und konnten so noch in Straßen einbiegen, die nachher gesperrt wurden – sehr zum Missfallen der Anwohner, wie es schien. Paderborn ist halt echt nur ein Dorf und die Anwohner da am Stadion zeigten das von ihrer kleinkariertesten Dorfseite, die ich mir vorstellen kann. Während uns der eine Gute unter den dort wohnenden echt freundlich darauf hinwies, dass eines der drei in Reihe geparkten Autos von dem fußballhassenden Feldbesitzer definitiv zum Abschleppen freigegeben würde, und sogar einen Parkplatz auf seinem eigenen Hof anbot, patrouillierte der Rest mit Bleistift und Notizblock bewaffnet an den geparkten Autos vorbei.

„Was haben sie denn für eine Mission?“

-„Wir schreiben alle auswärtigen Kennzeichen auf!“

„Und dann?“

-„Melden wir das der Polizei.“

Richtiges rumdeutschen. Nachdem ich mit Lachen fertig war, wies ich die Anwohner darauf hin, dass in ihrer Straße weder die Zufahrt nur für Anlieger noch ein Parkverbot/Halteverbot gegeben war, auch wenn sie das nicht im Mindesten beeindruckte. Schließlich parkten da Fremde direkt gegenüber von ihren Häusern, die Einfahrten brav freilassend und sich so positionierend, dass man definitiv problemlos ausparken könnte. Diese Wilden! Chaoten! Randalierer! (Den Rest der möglichen Bezeichnungen entnehme man bitte dem Papiermüll mit den vier Buchstaben. Oder man lasse es.)

Wir machten uns schließlich auf den Weg Richtung Stadion und pöbelten dabei munter vor uns hin, was uns kurz komische Blick von sportlichen Jungs vor einem der Häuser in dieser Seitenstraße einbrachte, aber nichts weiter zur Folge hatte. Da die Blase drückte ging es schnell, gewohntermaßen mit einem Nümmerchen statt der eigentlich mitgebrachten Stickerpakete ins Möbelhaus Stadion hinein. Und wenn der Durst dann schon wieder anklopft, ergibt man sich halt auch der absolut katastrophalen Getränkeversorgung.

Unser Zaunfähnchen hatten wir scheinbar massiv dämlich aufgehangen, denn man sah es nachher auf sage und schreibe keinem Bild, weil immer irgendwer davor stand. Nun gut. Wir sind lernfähig und in Darmstadt ist eigentlich genug Platz am Zaun. Vielleicht klappt es da. Aber der Vollständigkeit halber mal hier ein Bild vom so gut wie fertigen aber noch nicht genähten Ergebnis:

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Zaunfähnchen, digga. (Hier noch in progress, mittlerweile fertig und genäht und mit Aufhängerstofffetzchen. Und ohne Panzerband.)

Es ist noch ein bisschen schöner geworden und für die erste gar nicht schlecht. Ich hatte jedenfalls viel Spaß beim Basteln. (Ja, es ist schief. Wir hängen es einfach nie gerade auf, dann geht das.)

Wir suchten uns dann recht zeitig einen Platz im Block, weil man in Paderborn wirklich überall aber nicht irgendwo im Bereich des Aufgangs stehen möchte (#fuereuchgetestet). Das gewohnte Geplänkel vor dem Spiel begann, kurz unterbrochen von wilden „Sani!“-Rufen des halben Blocks. Es folgten unendlich lange Minuten bis dann tatsächlich mal Sanitäter auf dem Weg durch den Block waren und das lag definitiv nicht daran, dass man keinen Platz gemacht hat (das hat wunderbar funktioniert!) sondern es dauerte einfach tierisch lange, bis die überhaupt im Block waren. Manchmal erschreckend, wenn man sieht, wie lange sich das ziehen kann, bis Hilfe unterwegs ist.

Naja nun. Irgendwann war da halt auch noch Fußball. Oder sowas ähnliches, bei dem zumindest eine Seite ziemlich planlos durch den Strafraum irrte. Es kam noch Pech dazu und überhaupt war das Spiel getreu dem Motto „Erhebe dich und lauf“ … weit weg davon. Alles großer großer Mist.

Da half auch das Halbzeitlied nicht, das zumindest daran erinnerte, dass wir die Hälfte dieses Dramas geschafft hatten. Nun gut. Mehr muss ich eigentlich nicht zum Gekicke sagen, oder?

Tjoa. Und wie groß der Frust war, dass dieses Spiel so dämlich, wenn auch erwartet, verloren ging, sah man daran, dass ich auf die Frage, wie wir gespielt hätten „2:0“ statt dem richtigen „2:1“ antwortete. Nicht mal das letzte Tor konnte da noch helfen.

 

Für uns ging es also dann im absoluten Niederlagenblues nach Hause. Aber ich habe ganz viele liebe Menschen zumindest mal kurz knuddeln können, anderen über 90 Minuten hinweg ins Ohr pöbeln dürfen (mad props, mate, du hast mir zwischenzeitlich etwas leid getan) und sowieso endlich wieder auswärts.

Freitag schon wieder. Huch. Schlag auf Schlag, aber auf Darmstadt freu ich mich richtig. Jedenfalls die Stadt. Und die Leute. Und vielleicht nicht den Fußball.

Wir sehen uns.

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