Blockpogo

„Gibt es sowas wie einen Sommerpausenschaden?“, fragte ich gestern und bekam zur Antwort, dass ich ja dann erst jetzt einen haben dürfte. So startet man in die neue Saison: Pöbelnd. Es war eine lange Sommerpause und irgendwie doch eine kurze, so viel los, dass man kaum dazu kam, den Fußball zu vermissen – das war gelogen – oder Vorfreude aufkommen zu lassen – das auch. Die Anzugträger der DFL fanden es jedenfalls eine gute Idee, die neue Saison da starten zu lassen, wo wir aufgehört haben: Auswärts in Bochum. Und wenn auch sonst nur Kritik an den Ansetzungen berechtigt ist, diese war die eine, die mir sehr entgegen kam. Direkt wieder in Bochum spielen zu dürfen, nachdem man die grandiose Rückrunde einer mittelmäßigen Saison (katastrophale Hinrunde + grandiose Rückrunde = Mittelmaß?) dort beschließen konnte, stimmte jedenfalls mich direkt darauf ein, dass wir einfach so weiter machen würden, als hätte es keine Pause gegeben.  Es ging jedenfalls wieder gewohntermaßen an einem Freitag nach Bochum (6/7 Spiele Stand 2010-2017) nachdem das vorige Spiel ja völlig unerwarteterweise auf einen Sonntag terminiert wurde. Alles wie immer also und damit zum siebten Mal in Folge auswärts nach Bochum.

Es war also das Auftaktspiel und damit eine Anstoßzeit, die nicht so ganz bahnfahrerfreundlich ist: Wenn man um 20.30 Uhr erst anfängt, komme sogar ich nicht mehr heim und dabei ist Bochum vermutlich das Spiel mit der geringsten Entfernung für mich. Da ich absolut keine Lust auf Hetzen, Schienenersatzverkehr und im schlimmsten Fall Stranden in Hohenlimburg hatte, machte ich mich mit dem Auto auf den Weg gen Bochum und kämpfte mich munter mit Musik die das, was sie an Qualität einbüßt, mit der Lautstärke wieder wett macht durch die Staus auf NRWs Straßen. Die andere Hälfte der Pöbelcrew lichthupte sich schon an der Ampel zum Parkhaus hinter mir ein und entspannter, wie zeitlich passender, kann man vermutlich gar nicht ankommen.

Der Weg zum Stadion war also ein kürzerer als der sonst so zelebrierte Fußweg vom Bahnhof, aber das ließ natürlich viel mehr Zeit, um liebe Menschen vor dem Stadion noch grundlos anzupöbeln. Wobei … zugegebenermaßen war ich gestern so flauschig unterwegs, dass es ein Weilchen dauerte, um auf Pöbelbetriebstemperatur zu kommen. Es war mir ein Fest euch Nasen so schnell nach der Sommerpause wiederzusehen und … naja, ein gewisser S. muss halt jetzt immer mit auswärts fahren. Bescheid.

Der Gästeblock in Bochum macht es ja nun leider nötig, sich relativ früh hinein zu begeben, falls man einen Platz finden möchte, an dem man seine Füße nebeneinander statt übereinander platzieren kann. Es ging also durch die Kontrollen, die vorsichtshalber auch mal meine dank eines „Wir haben den Stoff für die Ärmel für den Rollkragen verwendet“-Shirts (ja, sowas gibts und nennt sich „Mode“, hab ich mir sagen lassen) unbedeckten Arme abtasteten. Wegen der Sicherheit, ihr versteht.

Sonst ging es gewohnt entspannt ab in den Block in eine schöne Gruppe hinein und noch viel entspannter gen Anstoß. Hahaha, nicht. Ich muss ehrlich gesagt zugeben, dass ich mich nicht daran erinnern kann, eine Eröffnungszeremonie der 2. Bundesliga jemals gesehen zu haben – allerdings weiß ich auch nicht, ob das daran liegt, dass wir nie das Eröffnungspiel hatten oder es so einen Quatsch einfach noch nicht lange gibt. Keine Ahnung. Auf jeden Fall gibt es den Schnickschnack jetzt und war so ziemlich das Sinnbild der Eventisierung des Fußballs, wenn man so will. Dass man da gerade bei der Paarung des Vfl Bochum und des FC Sankt Pauli nicht unbedingt die Vereine dazu ausgewählt hat, die so einen Quatsch jubelnd begrüßen, hätte man sich vielleicht denken können. Hören konnte man es jedenfalls. In gemeinsamer Aktion hüllte man das Stadion in Trillerpfeifen-Lärm und kritische Banner wurden entrollt: Auf unserer Seite dürfte das „Fick dich, DFB!“ vermutlich wieder einige Euro auf Wanderschaft schicken (Worth it!) und auf Seiten Bochums hatte man sich in mehr Text geäußert. Dort war zum einen „Wir pfeifen auf eure Show!“ und „Wir wollen keine Show, scheißen aufs Event, wollen einfach Fußball, wie man ihn von klein auf kennt“ zu lesen. Untermalt wurden die Banner mit einem gellenden Pfeifkonzert, das einigen noch heute Tinnitus-ähnlich in den Ohren klingen dürfte, sowie  „Fußballmafia DFB!“ und „Scheiß DFB!“-Wechselgesängen zwischen Heim- und Gästeblock. An dieser Stelle wie an so ziemlich jeder anderen: Herz für euch, Vfl und eure aktiven Fans.

Nachdem man dieses absolut unnötige Vorgeplänkel dann hinter sich gebrachte hatte, startete die Saison mit einem, meiner Meinung nach, Duell auf Augenhöhe, wobei ich hier zugeben muss, natürlich nicht das komplette Feld im Blick zu haben, weil es die Bebauung des Gästeblocks einfach nicht hergibt. Dass das meiner Liebe (und es ist im verflixten siebten Jahr nichts anderes!) zu den Fahrten nach Bochum keinen Abbruch tut, muss ich eigentlich nicht mal mehr erwähnen. Es ging munter hin und her – auf dem Rasen und im Block nicht weniger. Die erste Halbzeit war eigentlich ein kompletter Pogo: Jeder hatte Bock, jeder wollte, jeder war so richtig heiß auf dieses Spiel, diese Saison. Es war dieser wunderbare erste Spieltag an dem einfach alles möglich ist. Wo noch keine Abstiegssorgen in den Köpfen festsitzen oder sich der „Wir müssen gewinnen, wenn wir dranbleiben wollen“-Gedanke bei Aufstiegsaspiranten einnistet. Es ist dieser eine Spieltag, an dem alles offen ist.

So verhielt sich auch der Block, jedenfalls in der ersten Halbzeit. Viel Bewegung, viel Support und für mich die notwendige Korrektur des letzten Spiels, auch wenn da viele nicht mit mir übereinstimmen. Es fetzte einfach und in der Halbzeit fragte ich vermutlich mit glühenden Augen, ob wir das nicht einfach eine ganze Saison lang machen könnten. 34 Spieltage + 6 Spiele außerhalb, hehe, so wie diese erste Halbzeit. Das wärs.

Die zweite Halbzeit flaute etwas ab, man probierte das neue Liedgut mal aus, das nicht so richtig fetzen will (Ich vote wenn für die zweite Strophe) und wir waren uns einig, dass „kleinauf“ auch für die gilt, die einfach nie groß geworden sind, von daher passte das schon. Der krönenden Höhepunkt war dann natürlich Buchtis Tor. Und ab da setzte sich dann irgendwie doch das neue Lied im Ohr fest.

Die Kurve explodiert und die Zeit steht still, Sankt Pauli siegen sehen ist was ich will!

Passte. Haben wir. Lief. Tabellenführung, Sieg im Ruhrgebiet und immer noch eines der absoluten Lieblingsspiele. Das nächste Mal aber lieber wieder mit dem Zug, auch wenn Parkhauspartys schon irgendwas haben, so dauert das doch ganz schön lang.

Okay, ich bin echt noch viel zu flauschig unterwegs. Aber die DFL wird das schon wieder richten: Am zweiten Spieltag die Fahrradlichter? Bis dahin kocht die Betriebstemperatur.

Wir sehen uns in Paderborn in alter Frische, mit schlechten Manieren und lautem Gepöbel. #alleswieimmer

 

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