How Not To „Auswärtsfahrt“

Es ist ja immer wieder so: Wenn man sich so richtig, so richtig richtig richtig, auf etwas freut, dann geht die Wahrscheinlichkeit, dass es völlig in die Hose geht, gegen 100%. Es ist einfach so. Wiederum werden die Fahrten, auf die man am wenigsten Lust hat oft die, die man am meisten genossen hat. So stand Bochum eigentlich von vornherein nicht unter einem guten Stern, denn sobald die Spieltage angesetzt waren und ich unser Auswärtsspiel in Bochum auf dem letzten Spieltag und damit zum ersten Mal in 5 Jahren nicht Freitagabend entdeckte stieg die Vorfreude von Woche zu Woche immer mehr. Das Spiel in Bochum war damals das erste, das ich mit dem magischen FC erlebte und ist seither das liebste, die Gründe dafür listete ich schon zur Genüge auf, aber tatsächlich habe ich bisher auch noch niemanden widersprechen hören: Bochum ist einfach immer entspannt, wenn auch der Stehblock einiges an Kritik einstecken muss. Aber dazu später mehr. Vorweg nur eines: Es wäre fast gelungen, mir diese eine liebste Fahrt des Jahres völlig zu verderben und dafür muss schon einiges passieren. Wer also lieber in Herzchenaugen-Erinnerung an das letzte Spiel der Saison schwelgen mag, der spare sich diesen Text, gehe raus in die Sonne und trinke einen Kaffee-Tee-Was-auch-immer.

Da sich die Pöbelcrew kollektiv auf dieses „fast Heimspiel“ freute, wollten wir gleich mal mit Verstärkung anreisen. Wollten. Ich machte mich morgens auf den Weg mit dem Bus in die Stadt und von dort sehr entspannt mit dem Regio nach Bochum. Noch nicht mal losgefahren erreichte mich dann die Nachricht, dass beide Mitfahrer nicht kommen könnten und die Gründe dafür massiv bedrückend waren. Mit mulmigem Gefühl und natürlich direkt mal so richtig mieser Laune nuckelte ich also alleine an meinem Sonntagmorgenbier (nehmt das, all ihr „Warum man dann schon Bier trinken muss“-Skandierer!) und rollte den Rest des Weges gen Bochum.

[Zwischen dem ersten und dem folgenden Absatz liegen nun auch schon wieder fast zwei Wochen. Es ist ein bisschen Wut verflogen, der Text wird eigentlich nur der Vollständigkeit halber beendet, da er „berichttechnisch“ ja eigentlich keine Relevanz mehr hat (sofern es je eine gab)]

In Bochum angekommen blieb mir noch fast eine Stunde bis zur planmäßigen Ankunft des Sonderzugs, für deren Dauer ich mich strategisch clever mitten in der Bahnhofshalle platzierte und somit gleich mal einem Ausbrecher der Bezugsgruppe in die Arme lief, der schon länger im Pott weilte. Zu zweit wartete es sich dann doch direkt leichter und dass der Sonderzug auch noch überpünktlich kam, machte das Ganze natürlich noch besser.

Am Sonderzug die magischen Otter in Empfang genommen, mein Bronze-Trikot verteilt und sich schließlich geschlossen, frohen Mutes und etwas müde auf den schönen und immer wieder geliebten Fußweg zum Stadion gemacht. Das Verteilen der nun leider übrig gebliebenen Karten war auch schnell erledigt und so konnten wir uns relativ zügig auch ins Stadion begeben. Die Kontrollen waren ganz nach meinem Geschmack: Ohne großes Zinober um Sticker, entspannt, freundlich. Geht halt auch klar ohne dass gleich die komplette Fußballwelt aus den Fugen fällt.

Eine kurze Anmerkung zu den Trikots: Dass ich mich erstmals seit einer nicht unerheblichen Weile im Trikot auf den Weg zum Fußball machte, fühlte sich per sé schon komisch an. Angemacht wurde ich zwar nur in der Heimatstadt von zwei Dortmundern für meine Trikotauswahl, aber man hörte ja nun nachher nicht selten von Leuten, die Trikotpolizei spielten. Mal ehrlich: Solche Mottos sind Spaß. Wenn da jemand meint, im Dress der Vorstadt aufzulaufen kann man das ruhig scheiße finden, aber absolut nichts dagegen sagen. Ihr habt dazu nichts zu sagen. Das ist genauso scheiße, wie jemand für die Auswahl eines T-Shirts anzumackern. Geht einfach gar nicht, fasst sich aber wunderbar in den Rest des Tages ein.

Während wir uns nämlich noch der absolut fürchterlichen Versorgungslage im Gästeblock ergaben, zog der stimmungsfördernde Teil des Auswärtsmobs statt wie gewohnt in den Steher einfach mal in den Sitzer. Kann man schon machen. Muss man aber nicht. Kann man auch besser kommunizieren – oder halt so den halben Steher verlieren. Wie immer man mag.

Ich persönlich stehe der Aktion allein schon extrem (!) kritisch gegenüber – und wenn mir jetzt einer USP-Bashing vorwerfen will, bitte, der lese sich gerne meinen Twitterauftritt mal durch, aber hey, pöbeln geht immer – weil sie in den Wochen vorher von den Fahrradlichtern aus dem Osten UND den Ostwestfalen gebracht wurde. Muss man alles nachmachen? Als superneuetotaltollenochniedagewesene Idee hinstellen? Naja, wie gesagt: Ich stehe der Aktion nicht so super positiv gegenüber.

Das hätte man vielleicht damit ändern können, dass man eben noch mehr Leuten die Möglichkeit gibt, mitzuziehen. So standen nicht wenige später motzig im Stehblock – da nehme ich mich definitiv nicht von aus – schauen zu dem Pulk rüber, indem sie sonst mitten drin stehen und denken sich auch ihren Teil. Joa.

Und wenn man nicht alle mitnehmen möchte, okay, kann ich auch akzeptieren, aber dann ginge es halt auch, zumindest einen der Jungs am Zaun in Richtung des Stehers zu platzieren. Dann ginge halt nicht ganz so viel verloren, wie es jetzt in diesem Fall dann leider doch der Fall war. Vor allem aber: Unterschätze niemals die Macht eines Stehblocks ohne „Führung“. Klar, in diesem Falle ging das in der Halbzeit dann ganz gut mit dem eigenständig aufgenommenen „I just can’t get enough“ aber mir persönlich ging da viel zu viel Potential ab. Was hätte das fetzen können …

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Mein lieber Vfl, bitte mach kein Scheiß.

Nun weiß ich, dass viele von den Anwesenden den Support als „überragend“* (ersetzbar durch andere Superlative) empfunden wurde, aber ich komme auch hier nicht umhin zu denken, wie geil das hätte werden können, wenn man nicht Teile verloren hätte. Wie unfassbar viel stärker der Support noch hätte sein können, GERADE mit dem aufgeteilten breiten Block. So blieb für mich supporttechnisch definitiv bei einer der stärkeren Vorstellungen  der Saison eine ganze Menge Frust dabei.

Und das auch nicht zuletzt, weil man dann Leute im „supportenden“ Sitzer stehen sieht, die mehr damit beschäftigt sind, ihren Bizeps festzuhalten, im richtigen Licht zu positionieren oder zu prüfen ob der noch da ist, als den sonst ja immer „zu verteidigenden“ Verein wirklich mal zu supporten. Aber ist schon okay, manche jucken die ersten beiden Halbzeiten einfach nicht so wirklich. Jedem wie er mag. Oder so. Aber Respekt zolle ich für solche Auftritte definitiv nicht, wenn man auch noch uniform unterwegs und somit verdammt gut als Gruppe zu erkennen ist.

Ja, bis hier war viel Gemotze und ich muss euch enttäuschen, wenn ihr gehofft habt, das nun überstanden zu haben. Der folgende Teil ist für mich einer, der sich wieder über zwei Spiele aufgebaut hat und das erste davon war das letzte Saisonheimspiel „meiner“ Sportfreunde zuhause. Dort lief ich dank der zeitlichen Überschneidungen mit dem letzten Bundesligaspieltag alleine auf und damit kamen offenbar nicht alle klar. Man warf mir die Frage entgegen, ob mein Freund mich versetzt hätte oder warum ich als Frau alleine im Stadion sei.

Nun kann man sich vorstellen, dass man mich mit wenig schneller auf die Palme bringt, als mit solch dummen Sprüchen triefend vor Machismo und in Bochum stand dann eine junge Dame vor uns, die genau ALLE dieser dämlichen Sprüche „Frauen wollen nur Männer beim Fußball aufreißen“ für sie selbst bestätigte. Wenn man halt einfach nur die komplette Spielzeit ausprobiert, wie gut man am Wellenbrecher tanzen kann, dem Ordner (der übrigens der lässigste aller fucking Zeiten war, wenn auch er noch Grund für Aggression lieferte) schöne Augen und vor allem herzzerreißende Versprechungen machte – während der eigene Kerl direkt neben einem steht – KANNST du das natürlich machen, genauso können das aber Leute scheiße finden, die dann mit den von dir gewollt oder ungewollt bestätigten Vorurteilen zu kämpfen haben (ich möchte nicht sagen „Leute die ernsthaft zum Fußball fahren“, aber das liegt mir schon ziemlich drückend auf den Fingerspitzen).

Mich regte das ehrlich gesagt ob des Vorspiels am Tag zuvor ziemlich auf und ja, ich weiß, dass jeder im Block machen darf was er oder sie mag, aber … hey, das sind meist auch nicht die Leute, die dann nachher mit solch blöden Sprüchen zu kämpfen haben.

So oder so: Mackertum ist im Block und außerhalb definitiv scheiße.

Der Titel dieses Blogs hat leider nicht nur mit der dezimierten PBLCRW zu tun, sondern auch mit anderen Leuten im Block, die grundlegende Regeln einfach immer noch nicht verstanden haben. Gleiches galt für den Ordner direkt neben uns, der von uns höflich darauf hingewiesen wurde, dass in den Block filmen einfach gar nicht mal so geil ist, auch wenn es nur für die eigene Sammlung ist, es trotzdem immer wieder ignorierte und sich damit dann auch noch Stress mit weniger entspannten Teilen des Blocks einhandelte. Ähnliches galt für die Leute auf den Sitzern direkt neben dem Stehblock. Ja, fangt meinetwegen die Stimmung ein ABER RICHTET DIE KAMERA AUFS FELD. Nicht jeder, der im Steher zu finden ist, lässt sich gerne filmen und wenn man euch freundlich darauf hinweist, haltet euch dran. Die nächsten Hinweise büßen dann ebenso an Freundlichkeit an, wie eure Bereitschaft sich daran zu halten. Ich bin es auch ehrlich gesagt Leid, Diskussionen darüber zu führen, das sollte doch langsam wirklich bei jedem mal angekommen sein.

So. Das klingt alles ziemlich negativ, ich weiß. Aber das sind einfach die Teile, über die ich bloggen kann. Dass mir die Bezugsgruppe den Tag rettete und in guter Erinnerung bleiben lässt, schreibt sich nicht so leicht nieder. Aber es war ein weiteres Mal so und dafür bin ich sehr dankbar. Das war nun das zweite „Endspiel“, aber ohne Stress, das ich mit dieser tollen Truppe, wenn auch in anderen Besetzungen, erleben durfte und ich hoffe, dass es viele weitere geben wird. Die Pöbelcrew hat jedenfalls ganz viel Liebe für magische Otter. Wisst ihr Bescheid.

Damit dürfte dann auch fast alles gesagt sein. Meine nicht ganz perfekte Auswärtsfahrt wurde dann davon gekrönt, dass mir irgendein Depp am Bahnhof noch das Handy aus der Hand schlug und ich seither mit Splittern beim Tippen gesegnet bin, aber nicht mal das konnte mich noch aufregen. Dafür hatte ich schon viel zu viel Wut in verschiedene Richtungen rausgehauen.

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Was bleibt? Fulminanter Klassenerhalt. Immer noch ein einer Liga mit Bochum. Sich selbst dekapitierende Löwen aus München. Eine schöne neue Auswärtsfahrt nach Regensburg. Massiv geile Kaderplanungen. Der halbe Abschied von Ewald.

Damit noch ein unfassbar großes Dankeschön für die letzten zwei Jahre. Danke, Ewald ❤

Und sonst so? Sommerpause. Hier im Block und auf Twitter. Man liest sich auf anderen Kanälen, wenn ihr mögt. Haltet die Ohren steif, bis Ende Juli. Die Auswärtsdauerkarte ist schon verlängert.

I just can’t get enough. 

 

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