Archiv für den Monat März 2017

Kerzen auspusten: Lewistyle.

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Irgendwie sind Heimspiele gegen Union für mich bisher immer etwas besonderes gewesen: Vor 3 Jahren hatte ich meine Mama das erste Mal mit am Millerntor und wir konnten ein grandioses drei zu null bei herrlichstem Oktoberwetter von der Gegengerade aus bejubeln. Auch dieses Jahr sollte das Spiel für mich wieder etwas besonderer werden, als Heimspiele es eh schon sind, denn mit dem 10. März fiel es auf meinen Geburtstag. Nachdem sich zwar die Begeisterung über meine Pläne bei meiner Familie in Grenzen hielt, dass ich mich an meinem Geburtstag auf in die Hansestadt machen wollte, konnten aber die Wogen geglättet werden und dank wundervoller Otter machte ich mich am Freitag Morgen recht zeitig auf den Weg. Dass ich das gar nicht wirklich gemusst hätte, wurde deutlich, als ich nach nicht viel mehr als vier Stunden im Viertel einfiel und die Parkplatzsuche gefühlt länger dauerte, als die Fahrt dort hoch.

Da mich Hamburg mit bestem Kaiserwetter empfing, stiefelte ich einfach mal ein bisschen durchs Viertel, gefühlt dreimal ums Stadion und fläzte mich schließlich vorm Hallenbad gepflegt in die Sonne – musste man schließlich genießen. #dieStraßenhochundrunter

Allzu lange musste ich allerdings nicht auf das Empfangskomitee warten, denn nur wenig später wurde ich mit einem Geburtstagsbierchen – es hatte eine Schleife!! – und einer Ladung Konfetti ins Gesicht willkommen geheißen. Das Konfetti sollte sich auch noch durch den ganzen – und folgenden und darauf folgenden, wird man ja nie wieder komplett los – Tag ziehen und wir zogen währenddessen mal wieder durch die Straßen, um nach und nach den Rest der Truppe zusammen zu sammeln.

Irgendwann hatten wir uns dann tatsächlich fast vollzählig auf meinen Wunsch hin vor der Gegengerade eingefunden – und fanden keinen der sonst üblichen Verdächtigen. Ihr hattet ja alle nur Angst vor mir, nachdem ich nun schon böse böse Löwen verjage. Ich merk das schon.

Wir mussten dann auch eigentlich recht zeitig rein, weil meine Tribüne am Freitag die Süd sein sollte und so verpasste man dann doch den ein oder anderen vermutlich recht knapp. Das nächste Mal!

Tjoa, und dann gab es irgendwann die beste Geburtstagskerze aller Zeiten. Seht selbst.

Es sah einfach so unfassbar schön aus und wer schon den ein oder anderen Text von mir gelesen hat, weiß um meine Haltung zu den roten Fackeln, die in der Regionalliga keine Socke jucken und die in der Bundesliga plötzlich zum riesigen, todbringenden, welpenverachtenden, weltkriegauslösenden (…) Problem werden.

Mal ehrlich: 22 Fackeln, in der ersten Reihe … so gefährlich ist das wahrlich nicht. Das einzige, was gefährlich daran ist, ist die mediale Berichterstattung im Nachhinein, aber nun schweife ich eventuell ein wenig ab. Weil all diejenigen, die sowas hochhalten oder toll finden oder akzeptieren ja mindestens Chaoten bis hin zu Krawallsuchenden Kategorie C Fans sind – merkt ihr selbst. Und wenn ich dann wieder an die irgendwo im Fernsehen zur Demonstration angezündete Jacke (eines Kindes?) denke, dann muss ich eh lachen, weil man auf der Süd ja dauernd von Kindern umzingelt ist (merke: Kindsköpfe != Kinder!).

Also ganz ehrlich? Ein besseres Geburtstagsgeschenk hätte man mir ja kaum machen können. Blinkedinger auf der ganzen Süd und schon ist Lewi glücklich. Als ich dann kurzzeitig nochmal Netz hatte, fand das auch der Freundeskreis: Kerzenauspusten – Lewi-Style!

[Sehr schön fand ich übrigens auch, dass man auf den Videos von der Nord erst mal einen fetten „Pyrotechnik ist kein Verbrechen!“ zu hören bekam.]

Okay, damit hätte man dann einfach nach draußen und in die Clubs und Bars und Kneipen gehen können, weil Fußball braucht doch wirklich niemand. Im Ernst: Union war auf weite Strecken einfach so dermaßen überlegen, dass es mich beinahe wunderte, dass sie nur zweimal durch massive Stolpertore einnetzten. Insgesamt hielt man, für den aktuellen Tabellenplatz, aber wahrlich ordentlich dagegen, und das 1:2 war nachher dann doch etwas zu schmeichelhaft für Union, wo man doch gerade in den letzten Zügen des Spiels eher Überlegenheit in braun und weiß wahrnehmen konnte.

Naja, machste nichts. Den Abend konnte mir eh keiner mehr verderben – nicht mal ein FCU. Da ich noch den Fehler machte, nach dem Spiel erst hinaus zu laufen und dann festzustellen, dass ein Abstecher auf die sanitären Anlagen vielleicht keine allzu dumme Idee wäre, schmuggelte man mich noch kurzerhand aufs Männerklo und dann konnte es halt auch weiter gehen. Fanräume, kurzer Abstecher zur „Schlafgelegenheit“ und dann eine Kneipe nach der anderen. Es war ein langer Abend und ein sehr, sehr schöner noch dazu. Und weil das wieder einer dieser Heimspielabende war, der durch die Leute einfach perfekt wurde, reibe ich euch jetzt nur noch kurz meinen Geburtstagsotter Gustav unter die Nase und beende den Text an dieser Stelle, weil ich ihn niemals so verfassen könnte, dass er dieser Truppe gerecht würde. Ich drück euch fest, einen so feinen Geburtstag darf nicht jeder feiern ❤

Pyrotechnik ist kein Verbrechen. Otter mögen das. 

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GUSTAV: Südkurvenotter, der – Habitat ist die Südtribüne und der Nachttisch von Lewi ❤

 

LEST MEHR BEI DIESEN SCHREIBERLINGEN:

Wundervolle Bilder von Stefan Groenveld

http://niceguys.blogsport.de/2017/03/11/senfdazu34/

https://fcspsouthendscum.wordpress.com/2017/03/11/matchday-24-fc-sankt-pauli-vs-fc-union-berlin-1-2/

http://admit-nothing.de/verloren/

http://blog.uebersteiger.de/2017/03/12/24-spieltag-h-1-fc-union-berlin/

http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=8228

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Miesepetrige Miezen: München Blau braucht keine Sau.

Reist ein Verein aus einer ganz bestimmten norddeutschen Hansestadt zum Fußball in die Landeshauptstadt Bayerns, so werden seine Anhänger ziemlich sicher nicht sonderlich viel Spaß dort erfahren. So ging es kürzlich noch dem Erstligaverein der Stadt und auch mein FC Sankt Pauli hat in München, gar gegen München, selten viel Spaß. Die zwei Male, die ich die weite Reise nach Bayern angetreten habe, um dem Spiel gegen Münchens Blaue beizuwohnen, bestätigten sämtliche (gefühlten) Statistiken: Niederlagen dämlichster Art. So mag es grundsätzlich nicht verwundern, dass mir die Fahrten nach München nur des Fußballs wegen nicht sonderlich viel Vorfreude entlocken – ein großer, weiterer Grund sind allerdings die Anhänger des blauen Vereins aus München, die sich bisher erfolgreich alle von miesester Seite zeigten, sobald ich irgendwo in der Nähe war. Dieser Text wird also einer, über ein Spiel bei einem Verein, der mir ungefähr so sympathisch ist wie Fußpilz, Zahnschmerzen und Energy Drinks zusammen und könnte demnach recht einseitig werden. Wer auf der Suche nach Lobeshymnen für die Gastgeber hier gelandet ist, dem rate ich, seine Haltung zu den Blauen zu überdenken und gleich direkt mal die richtige Farbe zu drücken: Das rote Eckchen mit dem Kreuz. Ich werde von vornherein darauf hinweisen, dass dieser Text meinem Empfinden von den letzten Besuchen entspringt und vermutlich den  – irgendwo sicher existenten, mir aber unbekannten – duften Blauen unrecht tun könnte. 

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Ankunftszeit: 19.10 Uhr. Stilecht.

 

Auch wenn ich schon strategisch besser für Auswärtsspiele des FCSP wohne, ist auch für mich München eine Reise quer durch Deutschland und für einen Tag wahrlich nicht drin. So entschied man sich recht spontan, statt des „Nö, fahren wa nich'“ ein „Hey, lass mal ein Wochenende nach München!“ walten zu lassen, buchte ein Hostel und erschlich sich unter Vortäuschung falscher Hoffnung noch drei zusätzliche Tickets. Am Freitag war es dann soweit und das Pöbelmobil machte sich mit zwei Braunweißen und einem Roten auf den Weg ins schier unfassbar weit entfernte München. Trotz der Anreise am Freitagnachmittag blieb uns der Wahnsinn auf der Autobahn weitestgehend erspart, wenn man mal vom Geisteszustand der Fahrerin absehen mag, und so manifestierte sich als Ankunftszeit die wundervolle 19.10 auf dem Navi. Tatsächlich kamen wir nur wenig später im Hostel an, „bezogen“ das Zimmer und verbrachten schließlich den Abend im liebsten Irish Pub, mit Sankt Paulianern und Leeds-Fans.

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Musikalisch haben wir es einfach drauf. 

Gewohntermaßen war die folgende Nacht recht kurz und es ging Samstagmorgen noch müde, aber mit Augustiner statt einem Taxi, mit der U6 bis nach Fröttmaning. Auf dem Weg sammelten wir noch unseren zweibeinigen Glücksbringer auf, der uns letztes Jahr schon einen Sieg beim FCK beschert hatte, und schlugen schließlich in Stadionnähe auf. Gewohntermaßen tolle Menschen in braunweiß getroffen, weniger tolle und weiß und blau, aber davon ließ man sich noch nicht die Laune verderben.

Erstaunlicherweise liefen die Kontrollen dieses Jahr auch etwas entspannter, wenn auch noch immer lästig ab: Immerhin brüllte niemand die Eintretenden an und mein Batzen Sticker wurde nur mit „Oh, du hast da noch Sticker, is‘ ok.“ kommentiert und nicht weiter beachtet. Ich wollte schon fast Worte des Lobes loswerden, als klar wurde, dass wir beim Betreten der Südkurve dann noch einmal das ganze Kontrollprozedere über uns ergehen lassen mussten – und das bei jedem verdammten Eintreten. Du wolltest kurz aufs Klo? Kontrolle. Bierchen? Kontrolle. Bratwurst? Kontrolle. You see where I’m going.

Der Block war gewohntermaßen ein Teil der Südkurve, neben einem abgetrennten und dort neben dann eben noch Heimbereich-Steher. Find ich immer noch nicht so geil, ist sogar eher ziemlich nervig, wenn einen da dann gefühlt dreizehnjährige Stuttgarter (den Bus zwischen Vfb und 59+1 such ich übrigens immer noch) anpöbeln, aber gut. Sich im Block hinzusetzen glich übrigens auch einer Straftat und wurde sogleich von den Ordnern unterbunden – gerade in einem so großen Block und noch deutlich vor Anpfiff erschließt sich mir das allerdings überhaupt nicht, zumal wir uns ganz am Rande befanden. Aber da hat sicherlich mal wieder einer der „Wichtigen“ zwischen zwei Püpsen in seinen Sessel eine „wichtige“ Entscheidung getroffen, die durchzusetzen war. Die Ordner selbst sollte man hier wohl nicht mit Augenrollen bedenken, sondern eher die, die auf solch hirnrissige Ideen kommen können und höchstwahrscheinlich „Investor“ auf der Berufsbezeichnung stehen haben. Wobei – als ob sich der Herr Ismaik so sehr mit dem Fußball oder seinem drumherum beschäftigen würde, jedenfalls lassen weder Aussagen zum Spiel noch Verhalten abseits des Feldes darauf schließen, aber dazu noch an anderer Stelle.

Es wurden nwp-1488914005881.jpgoch die ein oder anderen Dynamo-Sticker entdeckt und erfolgreich überklebt, während man darauf wartete, dass sich der Block langsam mal füllen würde. Nach den letzten desaströsen Supporterlebnissen in diesem Block, rechnete man ja schon fast
immer mit dem schlimmsten, aber auch wenn an diesem Tag mal wieder nicht alles glatt lief, traf unser harter Supportkern dann ja doch noch ein. Aber mal ganz ehrlich: In dieser Suppenschüssel kann einfach kein ordentlicher Support statt finden. Es ist mir absolut unbegreiflich, wie das funktionieren soll, gerade wenn die Blauen da spielen und es eben nicht einmal zur Hälfte gefüllt ist. Allein im Gästeblock verliert sich das, was die linke Hälfte anstellt ja schon, bevor es überhaupt bei der anderen ankommen kann. Klatschen ist hierbei dann übrigens unerlässlich, damit man auch einen optischen Taktgeber hat und sich nicht alles, wie bei uns teilweise, im Kanon abspielt. Fürchterliches Chaos und ich es lässt mich jedes Mal wieder mit dem Drang zurück, mir mein Frühstück noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Ich hasse dieses Stadion.

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Es kann einfach nicht geil sein, in einem nicht mal halbvollen Stadion zu spielen. Null Stimmung, null Flair. Dann lieber in einem rappelvollen 25.000 Mann Stadion.

Mit Anpfiff entwich dann auch der letzte Rest Hoffnung aus mir. Die Blauen spielten so dermaßen selbstsicher auf, dass es in den ersten Momenten nur so wirkte, als renne man dauerhaft hinter her und wäre immer einen Tick zu langsam. Eigentlich fürchtete ich beinahe bei jedem Ball in Strafraumnähe, dass der schon mit der nächsten Berührung dann im Netz zappeln würde, doch vorerst blieb mein Albtraum – jubelnde Löwen – noch aus. Hauptsächlich wurde hin und her lamentiert, bis es dann schließlich doch einen Aufreger gab: Aziz foulte einen Sechziger, der liegen blieb. Es wurde weiter gespielt, weil nicht gepfiffen und holla, da war aber was los. Sonst stumm wie die Minimiezen brüllten die Löwenfans auf einmal los, man müsse da doch wohl ins Aus spielen. Okay, kann man. Dann müssen es aber beide Mannschaften mit dieser Gefälligkeit gleich halten, wie ich finde. So fiel dann das Tor für die Blauen genau in einer Phase, in der unsere Boys in Brown etwas besser, zwar noch nicht in den Strafraum, aber immerhin ins Spiel fanden. Foul durch die Löwen, genau umgekehrte Situation: Die, die vorher jammerten, man müsse ins Aus spielen, leiten den Angriff ein und versenken das Scheißding im Tor. Memo an mich: Nicht mehr an Zäunen stehen, das tut der Hand nicht gut.

Joa. Damit war das Ding für mich durch. Wer halbwegs die Saison verfolgt hat, dem dürfte bewusst sein, dass wir erst ein Tor nach Rückstand schossen und dass das nicht reichte, um ein Spiel zu drehen, muss ich euch Mathegenies natürlich nicht vorrechnen (oder doch?).

Ich erwartete nicht allzu viel von dem restlichen Spiel, das kann ich echt nicht anders sagen. Wie zur Hölle sollte man das drehen? In München? Wo wir doch immer auf den Sack kriegen? Denkbar dämlich verlieren? Am besten noch das 2:0 für München Blau eigenhändig machen? Ich war motzig. So richtig. Der Support war scheiße, unkoordiniert -ohne, dass man das auf die tonangebenden schieben können, wenn euch der Ultrahass schon wieder auf den Lippen bzw. Fingerspitzen liegt – durch die fürchterliche Bauweise und eigentlich war alles kacke.

Bis zum Pfiff. Ich konnte gar nicht wirklich erkennen, was da los war, aber da sich alles auf das Tor von den Blauen konzentrierte, war das gar nicht so schlimm. Und dann auf einmal Jubel, Ungläubigkeit – immer noch kein Plan was da passiert war, außer, dass wir gerade Tor Nummer 2 nach Rückstand in der kompletten bisherigen Saison gemacht hatten. Das einzige Tor zuvor hatte Aziz gegen Bochum noch zum Ausgleich geschossen. Hach. Herrlich. So musste das und ich pöbelte munter in Richtung der so ungeliebten blauen Münchner, wohl im Wissen, dass dies nicht der finale Spielstand sein konnte.

Ha, ich hatte Recht. Aber nicht in dem Sinne, wie ich das befürchtet hatte. Während der Support weiter so vor sich hin plätscherte und nur einmal richtig laut wurde, spielten auf dem Feld plötzlich unsere Jungs deutlich stärker als zuvor. Und während ich noch recht verwundert ob des Ausgleichs war, fiel das nächste Tor. Vorlage Sahin, Kopfball Bouhaddouz, Tor. Ausrasten. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich das Tor gefeiert habe, aber ein Volz’scher Zungenrausstrecker kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Boom! Nehmt das!

So konnte das weitergehen. Problem war nur: Da waren eben noch gut 50 Minuten zu spielen und ich bereitete mich innerlich schon mal auf die bittere Enttäuschung vor, die unwillkürlich mit Tor 2 und 3 der Blauen Bauern einkehren würde.

Doch irgendwie zitterten wir uns über unfassbare 50 Minuten. Bis zum Abpfiff. Ohne Gegentor in der Nachspielzeit. Mit drei fucking Punkten von München Blau.

SCHEISZ MÜNCHEN BLAU, IHR SEID UNS WEIT UNTERLEGEN, SEID ZU SCHWACH – JA UND DESWEGEN GEWINNEN HEUTE HIER NUR WIR! 

Etwas vermessen, aber mit stolz-zufrieden-ungläubigem Grinsen noch ein NIE MEHR DRITTE LIGA hinter her geschoben und die motzigen Gesichter aus dem Nachbarblock genossen. Hach! Siege bei ungeliebten Gegnern sind doch die schönsten.

So richtig aus dem Stadion, das man sonst so hasst, wollte dieses Mal keiner hinaus. Von vorne gab es noch eine Ansage, dass man halt auch während des Spiels mal das Maul aufmachen könnte und nicht nur, wenn der Sieg längst eingefahren ist, die ich so absolut unterschreiben würde – und dann durfte man endlich nochmal mit der Mannschaft ausgelassen feiern. Wenn ich jetzt die Videos von den hüpfenden Jungs auf dem Rasen sehe, geht mir das Herz auf. So sieht Erleichterung aus, wenn man zwei unfassbar wichtige Spiele hintereinander gewonnen hat – und irgendwie stelle ich mir so eine Mannschaft vor. Allerdings mag ich gerade nach so einem umkämpften und lediglich durch gemeinschaftlichen Kampf gewonnenen Spiel die Ewald-Feierei noch weniger als sonst. Ich mag Ewald, das ist der beste Trainer, der uns für Abstiegskämpfe hätte passieren können und ich verehre diesen Mann, aber wenn eine Mannschaft so kämpft, muss man das nicht auf den Trainer reduzieren. My two cents.

Ja, und an dieser Stelle könnte ich den Text beenden. Würde es gerne. Aber leider bleibt mir das verwehrt, denn die unbändige Freude über den Sieg bei einem der Hassgegner wurde genau von diesem noch deutlich getrübt. Der Hass steigt und leider kann ich das mittlerweile wirklich nicht mehr anders ausdrücken.

Man muss sich das jetzt mal so vorstellen: Unsere kleine Gruppe ist ungefähr so gefährlich, wie ein Rudel Golden Retriever. Nur zwei Leute mit eindeutig zuzuordnendem Schal, zwei sogar komplett ohne Klamotte mit Fußball-/Ultra-/Szenebezug. Noch dazu so ungefähr die harmloseste Truppe überhaupt, wie sie da inmitten der Fanmassen beider Lager zur Brücke zum Bahnsteig trömmelt. Keine lautstarken Siegesbekundungen, sondern stilles Glücklichsein – und hier übertreibe ich wirklich nicht. Nach 90 Minuten zittern freuten wir uns einfach nur über die drei Punkte, ohne wirklich zu sprechen – außer darüber, dass wir alle schwer Brand und Hunger hatten. Warum ich das erzähle? Weil es das Folgende einfach noch absurder macht.

Etwa auf halber Strecke zu der Überführung fielen mir im Augenwinkel zwei junge Männer auf, die ziemlich miesepetrig auf unsere Schals schielten. Unwillkürlich zuckte meine Hand um den Schal und hielt ihn beiläufig fest, weil es nicht das erste Mal wäre, dass man versucht, uns einen der Schals zu zocken. Ich behielt die beiden etwas im Blick und blieb achtsam – während die Sympathen sich an die beiden Jungs unserer Gruppe wandten und uns Mädels völlig ignorieren.

„Ey du da. Ja, dich mit der grünen Jacke meine ich. Genau dich. Ihr kommt jetzt mit.“

Als ob. Ich würde sagen „tiefenentspannt“ aber es war eher „tiefenangespannt“ ignorierte man das Gelaber und dachte, die würden sicherlich bald den Spaß verlieren. Es war der kleinere der beiden, der erneut ansetzte.

„Ihr steht jetzt für euren Verein ein. Auf dem Parkdeck. Zwei gegen Zwei. Ist doch fair?“

Da noch immer keine Reaktion der Jungs erfolgte, was ich insgeheim bewunderte, weil mir, wäre ich die Angesprochene, längst die Zündung hochgegangen wäre, folgten sie uns eine Weile über die Wege.

„Ihr stellt euch besser jetzt, sonst folgen wir euch den ganzen Tag durch die Stadt. Wir kriegen euch schon. Könn‘ ja noch paar Weiber anrufen, dann können eure…“ (ein abwertender Blick in unsere Richtung) „auch mitmischen.“

Okay, bis dahin hab ich mich wirklich zurück gehalten. Ich hab die Klappe gehalten, auf meinen Schal geachtet und diese Vollpfosten mit bestem Wissen und Gewissen ignoriert. Aber irgendwann ist halt Schluss. Allein für den letzten Satz hätten die einfach richtig verdient, auf die Fresse zu fallen und mir platzte echt die Hutschnur. So richtig. Damit, dass sich eines „der Weiber“ zur Wehr setzte hatten sie wohl nicht gerichtet. Ich blaffte also los.

„Was quatscht ihr uns denn hier so dämlich von der Seite an? Sucht euch doch Leute, die Bock haben, sich mit euch zu balgen, wir habens nicht.“

Daraufhin meldete sich dann auch der größere, dem der Frakturschrift-H echt nicht deutlicher auf die Stirn geschrieben sein konnte, zu Wort, ich solle doch endlich mal diesen Schal wegpacken. Ich dürfte ihn also wegpacken? Achso, klar, ich war ja ein Weib. Das passt in das Weltbild von solch rückwärtsgewandten, auf blau-und-weiße Farben beschränkten Vollpfosten natürlich nicht hinein, dass auch Frauen zum Fußball gehen – gar Szeneklamotte tragen? Fühlte er sich noch heldenhaft, ja wie ein Gentleman, dass er mir den Schal lassen wollte? Pisser.

Ich wiederholte meine Aussage. Etwas schärfer im Ton, etwas lauter und schloss damit, dass sie sich doch einfach verziehen sollten, was uns die Aufmersamkeit der „Umstehenden“ einbrachte, weil ich das vermutlich nicht sonderlich nett sondern ziemlich krawallig formulierte. Auf Idiotie reagiere ich halt mit Puls.

Die Krönung sollte allerdings noch folgen: Nachdem sie uns versicherten, wir würden die Schals noch los, weil ihre Truppe uns irgendwo auflauern würde, folgten sie uns noch eine Weile und verzogen sich dann. Große Fresse, aber von einem „Weib“, das vielleicht nicht mal die Hälfte von euch ist in die Flucht schlagen lassen? Wie armselig seid ihr denn?

Mein Bild über München Blau hat sich jedenfalls dermaßen gefestigt, dass es so einfach nicht wieder umgeschmissen werden kann – und dabei hatte man den neusten Wahnsinn der Oberbosses noch gar nicht mitbekommen.

Aber lasst mich noch zwei Worte zur Atmosphäre um das Stadion herum verlieren: Es ist dort gefühlt fast unmöglich eine Fantrennung zu erreichen und das find ich ja gar nicht schlimm, allerdings ist es denkbar ungünstig, vor dem Spiel – und damit eigentlich vor möglicher Eskalation (ja, gut, die gabs trotzdem) massive Polizeipräsenz zu zeigen und nach dem Spiel mit miesepetrigen Miezen einen Polizisten vergeblich suchen zu müssen ist genau der falsche Ansatz. Klar, der Krawallblock der Blauen wurde von den „Spezialkräften“ begleitet, aber dass die dann auch genau neben den aufgrund der Sperrung des Übergangs wartenden Fans St. Paulis und München Blaus warten zu lassen, ist auch eher … ungünstig. Wir standen dort jedenfalls mit recht mulmigem Gefühl inmitten von Familien, Ottonormalfans und eben Leuten wie uns. Bescheuerte Regelung und ordentliche Pöbeleien als Folge, nun ja. Eskalation würde da jedenfalls nicht wundern.

Ich muss auch ganz ehrlich sagen, dass mir das ganze Drumherum echt ordentlich den Spaß am Sieg verdorben hat. Und so sehr ich diese „sportlich“ (hahahaha!!) orientierten Arschlöcher dafür hasse, dass es ihnen gelungen ist uns den Wunsch nach einem weiteren Paar Augen im Hinterkopf einzupflanzen, sie hatten damit Erfolg. Wir liefen durch die Stadt und beäugten jeden Blauen kritisch, zuckten bei jeder Daunenjacke in der falschen Farbe zusammen und fühlten uns alles andere als sicher, weil man ihnen eine feige Aktion wie einen Hinterhalt absolut zutraute. Große Fresse in der Gruppe, aber wenns Hart auf Hart kommt die größten Feiglinge – same old story.

Wir ließen jedenfalls irgendwann, noch immer mit einer Grundkrawalligkeit, die sich bei mir bis heute hält, den Tag mit leckerem Hellen, ordentlichem Essen und einem Siegeswhisky (Münchner Tradition, dieses Mal ein Balvenie Double Wood) ausklingen. Aber drei Punkte schmeckten schon süßer.

Ehrlich gesagt bin ich damit jetzt auch durch mit München. Ich hab absolut nicht das Bedürfnis, bei einem Ligaverbleib beider Teams nächstes Jahr nochmal runter zu fahren, nur um ein Spiel in einem scheiß Stadion, mit scheiß Stimmung und vor allem gegen SCHEISZ MÜNCHEN BLAU zu sehen. Ich hab echt die Schnauze voll. Macht eure Scheiße alleine, aber ich brauch das nicht mehr. Fahrt ruhig mit der S-Bahn aufs Land, ihr Giesinger Bauern.

Irgendwann sickerte dann auch zu uns im tiefsten irischen Keller durch, dass es von Andreas Rettig noch deutliche Worte zum Verhalten während des Spiels gegeben hatte. [Hier nachzulesen]

Dass man vereinszugehörige Personen von einer Tribüne entfernen lassen möchte, weil das Tor des Gegners bejubelt wurde ist schlicht und ergreifend nicht tragbar, verwundert allerdings bei dem Verständnis von „fairem, professionellem Umgang“ untereinander -und vor allem mit der ausgesperrten Presse – nicht mehr sonderlich. Ich mag da auch gar nicht zu viele Worte zu verlieren, mit Andreas Retting hat das genau der richtige in der passenden Schärfe und gewohnt starker Rhetorik getan. Aber eines bleibt:

Hey, München Blau? Steig doch einfach ab. Dich braucht keine Sau.  

So, und weil ich den Text nicht so negativ beenden möchte: Es war ein wundervolles Wochenende mit toller Reisebegleitung, man hat lang vermisste Übliche nochmal drücken können und hey, das Bier da unten schmeckt halt doch echt gut. Und nun nochmal kurz in eigener Sache: Die Pöbelcrew hat in einer Nacht und Nebel Aktion einen zweiten Sticker entworfen. Wer davon ein bis x Exemplare haben möchte, darf mich oder @chromeridazT gerne anhauen und ich bringe zum Spiel gegen Union welche mit. Wir freuen uns!

Und damit aber nun wirklich Schluss.

#pblcrwoida

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Alles für den Dackel, alles für den Club! #pblcrw

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