Archiv für den Monat September 2016

Ein Spiel, wie eine Liebeserklärung an die Regionalliga

Am Samstag, den 24. September 2016, gastierte der Bonner SC beim Regionalligisten Sportfreunde Siegen im Leimbachstadion. Eine Chronologie eines Regionalligaspieltages voller Kuriositäten und einer Kurve, die eine nazifreie bleibt. 

Meine erste Begegnung mit dem „professionellen“ Fußball bescherte mir im Jahr 2005 der Aufsteiger in die 2. Liga: die Sportfreunde Siegen im Spiel gegen den TSV 1860 München, dem ich heute noch viel mehr Abneigung entgegen bringe, als ich es damals als 10jährige überhaupt gekonnt hätte. Die Sportfreunde hingegen blieben der „Heimatverein“, ich muss zugeben und mich schuldig bekennen, eher in den guten Zeiten hingegangen zu sein, doch spätestens, als ich auch anfing viel mit dem FC St. Pauli unterwegs zu sein, zog es mich immer wieder zum lokalen Verein, durch die Oberligasaison hindurch bis nun auch wieder in die Regionalliga West. Und der heutige Spieltag, der war einer, den man einfach festhalten muss. Irgendwo zwischen Absurdistan und Waszurhöllehausen lag nämlich heute das wunderschöne Siegerland und in ihm das charmante Leimbachstadion. Jedenfalls charmant, wenn man auf Darmstädter Böllenfalltor-Atmosphäre steht. Und das tun wir.

Es ist ein Samstag, näher am Oktober denn am Sommer und dennoch brennt die Sonne vom Himmel, als wolle sie uns allen noch ein letztes Mal ordentlich einheizen, bevor die dunkle Jahreszeit endgültig anbricht. 14 Uhr Anstoßzeit erlaubt einen gemütlichen Morgen und die gegebenen Umstände in der Regionalliga eine noch viel entspanntere Anreise. Das Auto geparkt, zu Fuß am Waldrand mit dem Stadion zur Linken zum Eingang schlendern und noch schnell das Ticket für sechs Euro kaufen. Hinein, ohne Kontrollen, ohne schellende Ansagen, einfach ein ganz entspannter Fußballsamstag. Regionalligasamstach.

Es gibt keine Schlange am Bratwurststand, zu dritt stehen wir dort und können wählen zwischen einer Krakauer oder einer normalen Bratwurst. Vegetarier schauen hier eher in die Röhre. Die Rondellbelegschaft hat gut zu tun, eine komplette Gegengerade zu versorgen, doch auch das geht heute flott. In der üblichen Belegschaft nehmen wir den Stammplatz ein, der sich herrlich vertraut in einem Stadion anfühlt, in dem man sich zwar heimisch, aber dennoch nicht so zuhause fühlt, wie in denen unserer Erstvereine. Die Sportfreunde bleiben der kleinere Verein in den Herzen der dreien, die sich hier in der Sonne einfinden und auf ein … nun ja, Aufsteigergekicke einstellen. Es wird sich entspannt auf die Stufen gesetzt, die Bratwurst verkrümelt und gequatscht, über all das, was sonst im Stadion für uns wohl keinen Platz findet. Wir witzeln, sind entspannt. Es fehlt angenehmerweise dieses „Wir müssen gewinnen, um jeden Preis!“-Gefühl.

Zu unserer Rechten steht eine Gruppe Senioren, die scheinbar einen Ausflug macht und wohl zum Großteil länger nicht mehr bei den Sportfreunden war. Zu unserer Linken, etwas weiter entfernt als sonst, die Ultràs, die Turnschuhcrew. Mit einem Banner fordern sie zum Mitsingen auf, denn wer nur zuschaue und auf den Wandel warte, der würde nun mal auch nichts ändern. Es gibt eine gute handvoll junge Frauen, die ihren Weg zwischen die oberkörperfreien Männer gefunden haben, und die genauso wie ihre männlichen Pendants immer da sind. Mich freut diese Entwicklung, gerade beim Blick in den Gästeblock.

Dort sammeln sich die Fans des Bonner SC. Im Gästeblock, der auch nicht immer offen ist, in einer Liga der Zweitvertretungen und gescheiterten „Eigentlich gehören die doch in die erste Liga!!“-Vereine. Es gibt eine Gruppe, ebenfalls natürlich oberkörperfreier, Männer, dich sich zu einem Supportblock formiert haben, daneben ein paar zerstreute Grüppchen, über den restlichen Block verteilt. Der Bonner SC, ebenfalls ein Aufsteiger in der Regionalliga, scheint hauptsächlich männliche Fans mitgebracht zu haben, was im späteren Verlauf noch für einige Lacher bei uns sorgen wird.

Überall herrscht heitere Stimmung. Dennoch ist man ein wenig enttäuscht, hätte man doch bei solch herrlichem Wetter und einem Spiel am Samstagmittag mit mehr Leuten gerechnet, als die 1138, die es nachher wohl tatsächlich waren. Das Leimbachstadion besticht mit seinem brachialen achtziger Jahre Charme, lässt uns auf der Gegengerade ein weiteres Mal die Sonne anbeten. Über die komplette Breite der Gerade und der Kurve gegenüber des Gästeblocks verteilen sich, mal enger, mal weiter auseinander, Grüppchen von Leuten, die heute wohl nicht viel erwarteten.

Mit den ersten Tönen der vertrauten „Prematch“-Musik, die passenderweise lange Teil meiner Workoutplaylist war, und schließlich von der weniger schönen der zwei Hymnen, kommt Bewegung auf die Gerade: Die vorher noch sitzenden erheben sich und wer vorher in Gespräche vertieft war, richtet nun den Blick auf die Mannen, die dort unten auf dem Grün einlaufen und sich auf das Spiel einschwören.

Immerhin gibt es dieses Mal von den Gästen etwas zu hören, dank der Spielpläne der Erstvereine planen wir ja nun zumeist um diese Termine herum und hatten mit den Zweitvertretungen zuletzt ja eher wenig Stimmung von den Gästen mitbekommen. Die Freude darüber weicht allerdings schnell der Ernüchterung, ob dem, was sie da von sich geben. Schmähgesänge, auf die von Heimseite gar nicht erst eingegangen wird, ziehen sich durch den kompletten Spielverlauf. Die Siegener antworten mit umso lauterem Support der eigenen Mannschaft.

Die ersten zwanzig Minuten braucht die junge Mannschaft, um sich ein wenig in das Spiel einzufinden, doch die Spielzüge sehen vielversprechend aus und scheitern oft nur um wenige Zentimeter oder eine Fußbreite kurz vor dem Netz. Es geht viel nach vorn, das Spiel läuft flott vor sich hin und wir, die wir die letzten Spiele nicht gesehen haben, sind erfreulich überrascht, was die Sportfreunde da auf den Platz bringen. Waren die Bonner vielleicht die erste Viertelstunde deutlich überlegen, so spielen nun die Männer in Rot ordentlich auf und verpassen nur, den Ball auch wirklich im Netz zu versenken.

Rot ist da dann auch das passende Stichwort: In einem „Zweikampf“ gegen Torhüter Baumann nimmt Sobiech vom Bonner SC den Ellenbogen etwas zu offensichtlich zur Hilfe und darf sich daraufhin die restliche Spielzeit von der Tribüne aus anschauen. Verleiht es nun erst mal Mut, in Überzahl zu sein, können die Sportfreunde zumindest in der ersten Hälfte noch nichts daraus machen: Sie spielen weiter couragiert nach vorne und verteidigen die konterstarken Bonner recht sicher.

Während das Geschehen auf dem Spielfeld durchaus vielversprechend ist, besticht die Stimmung auf den Tribünen durch klassisches Regionalligaflair: Es wird gepöbelt, was das Zeug hält – ob nun vom rüstigen Rentner, der vermutlich schon hier stand, als unsere Eltern nicht mal geboren waren, vom Bankier, der nach Feierabend schnell ins Stadion zog oder eben den Ultras, die sich lautstark Gehör verschaffen. Ein herrliches Aufeinandertreffen zweier dieser Gruppen wird von einer nicht ganz einheitlich gesehenen Abseitsentscheidung provoziert: Von links stürmt ein wutentbrannter Ultra in Richtung der Absperrung und teilt dem Linienrichter nachdrücklich seinen Unmut über die gepfiffene Entscheidung mit. Das wiederum provoziert einen RR, rüstigen Rentner, dazu, die Stufen halbwegs sicher in einem Mittelding zwischen Gehen und Trab hinunter zu hechten und den Ultra zu bepöbeln, dass er gefälligst nicht den Schiri anzupöbeln habe. Getrieben von der Gruppendynamik eilen dem Ultra natürlich seine Kumpanen zur Hilfe, ohne jedoch damit gerechnet zu haben, dass auch der Senior durchaus Rückhalt in seiner Gruppe erfährt. Nun bepöbeln sich munter zwei Fangruppen des gleichen Vereins untereinander, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Natürlich sehr zur Belustigung aller Umstehenden. Mit einem gegenseitigen „Geht zurück dahin, wo ihr hingehört!“ (was hier definitiv den Stehplatz im Block meinte) löst sich die Truppe schließlich wieder auf und das Spielgeschehen tritt zurück in den Vordergrund. Alle verrückt in der Regionalliga.

Dass wir hier in der Regionalliga sind, schützt uns allerdings auch nicht vor diesen grausigen „Wir müssen irgendwie die 15 Minuten Pause um kriegen!“-Halbzeit-Spielen, die sich hier halt nur etwas einfacher gestalten: Ein Ball wird auf die Gerade geschossen, wer ihn fängt, darf dreimal gegen einen zweiten Teilnehmer auf Minitore schießen und gewinnt irgendwas vom lokalen Elektromarkt. Soweit die Theorie. In der Praxis bekommt eine der Damen aus der Seniorenausflugsgruppe den Ball voller Wucht an den Kopf und gefangen wird er von jemand anderem, der auch zum Spiel antritt und deutlich mit 3 zu 0 gegen seinen Kontrahenten gewinnt. Soweit alles normal. Als er dann jedoch die Stufen zu der Dame hinauf stapft, um ihr den soeben gewonnenen Preis ganz gentlemanlike zu überlassen, klatscht die halbe Gegengerade für diese sehr feine Aktion – jedenfalls die Hälfte, die es mitbekommen hat. Ganz großes Tennis!

Und wer nun denkt, dass die Halbzeit dann ja wenigstens nicht langweilig war, dem sei gesagt: Das ist nicht alles! Hinter uns, ziemlich genau sogar, bricht eine Art Tumult aus. Die Köpfe wenden sich um und erblicken zwei, die gerade im Begriff sind, sich zu prügeln. Die Zeit reicht gerade noch aus, festzustellen, wer die beiden Kontrahenten sind, bevor die Prügelei dann tatsächlich ihren Lauf nimmt – unter munteren Beschimpfungen der Seniorengruppe, die einfach nicht mitbekommen will, dass der Auslöser definitiv der in Siegen nun mal sehr starken Neonazi-Szene zuzuordnen und nicht alleine unterwegs ist, sondern viel lieber die Störenfriede „Ultra“ als ihr erneut zu bepöbelndes Ziel auswählen. Es ist ein kurzes Intermezzo, die Ultras eilen ihrem Kumpanen zur Hilfe während die Polizisten genauso hilflos mit verschränkten Armen neben dem Geschehen stehen, wie die beiden Ordnerdamen, die zusammen vielleicht so viel auf die Waage brachten, wie der Störenfried alleine. Im Endeffekt ist es aber genau das Richtige: Die Ultras entfernen die offen als solche erkennbaren Nazis unter lauten und geschlossenen „Nazis raus!“ Rufen aus dem Block und sorgen gemeinsam dafür, dass sie auch wirklich dem Block fern bleiben.

Für mich war die hiesige Ultragruppierung bis dahin als maximal unpolitisch im Denken verankert, doch dass sie mit solcher Vehemenz und diesem Nachdruck wirklich gegen die rechten Umtriebe im eigenen Vereinsumfeld vorgehen, ließen sie in meiner Sympathie unaufhaltsam steigen. Respekt, Turnschuhcrew! Diesen Einsatz würde man sich von weit mehr Szenen wünschen.

Während sich die Bonner nun vermutlich gern weiter über das Geschehen auf der Gegengerade lustig gemacht hätten, amüsierten sie eher uns, denn das was wohl als „Sportclub!“ aus ihrem Gästeblock gerufen wird, kommt bei uns, gemäß dem vorhin erwähnten Geschlechterverhältnis, eher als „Boygroup!“ an. Da wir nun mal leicht zu erheitern sind, haben wir da eine ganze Weile unseren Spaß dran und als der gerade abzuflauen droht, schießen die Sportfreunde aus dem Nichts das Tor, das so lange erwartet wurde.

Mit einem „Take That!“ in Richtung der Boygroup eskaliert unser Grüppchen. Mit einer Führung hatten wir nun wirklich nicht so ernsthaft gerechnet, auch wenn die Spielanlage der Siegener deutlich vielversprechender aussah, als die der Bonner zu dem Zeitpunkt. Nun wäre es allerdings nicht ein typisches Spiel, finge man sich nicht relativ zeitnah direkt den Ausgleich. Die 2:0 Führung war zwar definitiv griffiger gewesen, doch das hindert natürlich die Bonner nicht daran, mit einem sauberen Angriff den Ausgleich zu erzielen. Ernüchterung macht sich breit. Noch ein Tor? Nun ja, es war noch Zeit.

Und während die Sportfreunde weiter forsch nach vorn spielten, unterläuft Keeper Baumann ein Schnitzer, der nun mal in solchen Spielen knallhart bestraft wird: Waren die Siegener vorher näher an einer erneuten Führung dran, so übernehmen dies nun die Bonner – mit einer Vorlage vom gegnerischen Torwart.

Mit diesem Führungstor in Minute 72 traten dann tatsächlich einige den Heimweg an. Ich pöbele munter vor mich hin, dass Frühergehen in der Regionalliga genauso scheiße ist, wie bei einem 7:0 der Bayern, unterdessen setzt das Geschehen auf dem Grün zum Höhepunkt dieser … absurden Partie an: Der Schiedsrichter sieht sich gezwungen, einem Spieler die gelbe Karte zu geben – und tut dies wörtlich. Erst nach einigen Sekunden prusten wir los, als der Spieler dem Schiedsrichter die Gelbe Karte wieder zurück gibt und wir vermutlich in diesem Moment, das absurdeste des kompletten Tages bezeugt hatten. Ein Schiri, der die gelben Karten tatsächlich abgibt, erklärt auf jeden Fall, warum sie immer mehrere in der Tasche haben.

Ein Spiel voller Kuriositäten hat allerdings auch einen Vorteil: Es ist verdammt nochmal alles möglich. Und so passiert es genau so, wie die bereits „Auswärtssieg!“ skandierenden Bonner es verdient haben: Während sogar die Siegener Ultras schon anfangen, ihre sieben Sachen zusammen zu suchen, erzielt der eingewechselte Jakub Jarecki in der zweiten Minute der Nachspielzeit den Ausgleich für die Sportfreunde. Eskalation pur auf der Gerade, Gepöbel in Richtung des Gästeblocks und heiteres Gelächter machen sich breit – über die Bonner, die den Sieg schon besungen hatten, über die Pfeifen, die immer meinen früher gehen zu müssen und solche Spielausgänge dann gerechtermaßen verpassen und natürlich über einen Regionalligasamstach, der mit Kuriosem, Richtigem und super Atmosphäre nicht zu geizen wusste.

Und die Moral von der Geschicht? Einen Besuch der Regionalligisten bereut man nicht. Geht hin, gebt euch die kuriosen Geschichten, die oberhalb der Kreisliga eben nur die Regionalliga zu schreiben weiß und habt genauso viel Spaß wie wir. Und wenn ihr schon dabei seid, dann sorgt auch dafür, dass die Kurve frei von solchen Pfosten bleibt, die auch heute ihre Grenzen aufgezeigt bekommen haben. Nazis raus!

#supportyourlocalregionalligateam

 

 

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Konzeptlos? – Der FCSP beim KSC

Irgendwie fühlte sich das Ganze falsch an … seit Tagen hatte ich im Kopf, dass es zum SV Sandhausen gehen würde. Gut, wäre ich dorthin gefahren, hätte ich wohl vor einem noch leereren Stadion gestanden, als in Karlsruhe, aber zumindest die Richtung hätte grob gestimmt. Die Erkenntnis, dass das Spiel gegen den SV erst im Oktober anstand und ich stattdessen doch lieber noch ein Stück weiter zum Wildpark fahren sollte, kam glücklicherweise noch früh genug, sodass ich mich gestern müde, muffelig und mit viel Kaffee, als würde es nach Leipzig oder sonst wohin gehen, auf den Weg machte.

„Dreh das auf, bis der Rückspiegel wackelt“ lautete die Devise und so cruiste, düste und bummelte ich gen Süden. Das Navi hielt es für eine wundervolle Idee, mich gut vierzig Kilometer vor meinem Ziel auf die Landstraßen zu schicken, statt weiter über die Autobahn zu schwimmen, die sich mittlerweile zu einem regelrechten Kanal entwickelt hatte. Von wegen im Süden ist das Wetter immer schöner, nech.

Mit Hamburger Wetter im Gepäck nutzte ich dieses Mal einen der ausgewiesenen Parkplätze, was definitiv das letzte Mal war. Dann doch lieber an der Allee, statt fünf Euro für zwei Stunden da zu lassen. Und ja, ihr pöbelnden Erstligafans [;)], ich weiß, dass das dort Standard ist. Wenn ihr euch mal an die zweite Liga erinnert, dann kann man zumeist ja recht günstig bis kostenfrei parken – mit der Ausnahme von Düsseldorf, das gesteh ich ja ein. Und vermutlich München und Berlin und Hamburg, da bin ich allerdings noch nicht mit dem Auto hin. Sagen wir einfach so, dass der KSC sich im Gesamten in einer eher erstligatauglichen Preisklasse bewegt und da eben in der zweiten Liga doch deutlich heraus sticht. 5 Euro fürs Parken, 5 Euro Getränk … zack, teurer als der Eintritt.

Dem Wetter war es auch geschuldet, dass nicht wenige zu Anfang noch im Auto sitzen blieben und eine Art Autokino ohne Kino veranstalteten. Rings um wurde Proviant vernichtet, Volleyball gespielt (kein Scheiß) und die Zeit zum Anpfiff vertrieben, schließlich saß man so noch im Trockenen, was sich spätestens mit dem Betreten des Stadions von „Sitzen im Trockenen“ zu „Sitzen auf dem Trockenen aber im Regen“ wandeln würde. Gewohntermaßen gab es natürlich beim KSC nur Alkoholfreies für pöbelndes Zeckenvolk, was man genauso weglassen könnte. Nun gut. Immerhin da spart man dann Geld…

Die Kontrolle war … gründlich. Extremst. Rucksackverbot galt ja eh schon und so hatte man alles auf das Nötigste beschränkt, was in diesem Fall nun mal Portemonnaie, Handy, Autoschlüssel und Kaugummis waren. Wobei letztere das größte Problem dazustellen schienen, die hatte ich nämlich vergessen und wurde barsch aufgefordert, meine Taschen zu entleeren. Ich weiß ja nicht, was sie da vermutet haben, aber auf dem Gesicht machte sich Enttäuschung breit, als ich die Packung barg.

Das Wildparkstadion ließ sich schließlich erklimmen. Ich erinnerte mich, dass ich diese „Halbstufen“ letztes Jahr schon doof fand (allerdings vorletzte Saison) und da das Stadion bei gutem Wetter wirklich was hatte. Bis auf Sound. Aber dazu später. Nun bei Regenwetter und Matschblock wurde kurzerhand über WhatsApp das Pendant zur Siegener Turnschuhcrew gegründet: Gummistiefelcrew – Schönwetterfans sind gestern. Erwartet großartige Banner in der Regionalliga. Ob das Original mit den Turnschuhen davon begeistert ist, sei zu bezweifeln.

Man jedenfalls alles behaupten, aber ab und an bin sogar ich lernfähig: Aus meinem letzten Auswärtsfiasko beim KSC gelernt, wurde dieses Mal ein Platz weiter unten, näher am Support gesucht. Wobei das auch nur so halbwahr ist, schließlich tappste ich einfach hinterher, winkte unbeholfen in die Runde und hab eigentlich immer noch keinen Plan, wer jetzt alles dazu gehörte. Wenn euch die Beschreibung also irgendwie bekannt vorkommt, ich war die, die gewunken und „Hi, ich bin Leonie“ genuschelt hat. Und eigentlich bin ich eine ganz liebe.

Bis zum Anpfiff regnete es auch munter weiter, dann setzte das Wetter zur Beschallung durch diverse Lieder aus. Eines fürchterlicher als das andere. Da war das kurzzeitig im Block gesungene „Paderborn, erhebe dich und lauf!“ ja noch erträglicher. Und einzig Darmstadt sind mit ihrem Schlaflied vor Anpfiff noch weiter unterirdisch in Sachen Stadionbeschallung. Oh, Himmel hilf.

Tat er. Regnete nämlich munter weiter, setzte aber auch ab und an mal aus, das muss man ja zugeben. Alles in allem hätte es deutlich schlimmer kommen können. Jedenfalls was Wetter und Spiel anging. Ja, gut, Support auch.

Da war allerdings ein bisschen Chaos. Zwar gewohnte Gesichter am Zaun, aber nicht das sonst tonangebende. Chaos zwischen den dreien, man steuerte zum Teil massiv gegeneinander – ob absichtlich und aus welchen Gründen oder durch Zufall mag ich aber weder beurteilen noch vermuten, das einzige was sicher war, war das Ergebnis: Der Support, der in Karlsruhe gewohntermaßen eher schwierig ist, weil einfach das Dach, die Akkustik fehlt und – entschuldigt, dass ich es so deutlich sage – unfassbar viele „Umlandfans“ kommen (wie das gemeint ist, wird gleich noch deutlich), war zäh. Sehr. Vergleichbar damit, wassergetränkte Fahnen zu schwenken. Oh, wait.

Nasse Fahnen wurden geschwenkt, der Support irgendwie aufrecht erhalten und man wurschtelte sich so ein wenig durchs Spiel. Jedenfalls durch die ersten zwanzig Minuten, die am Feld ähnlich schwergängig waren, wie unsere Unterstützung. Deswegen lasst mich kurz auf die Umlandfans eingehen: Es ist jeder im Block willkommen, der die grundsätzliche Haltung des Vereins vertritt, das ist klar. Aber genauso sollte man jeden den Support so erleben lassen, wie er oder sie es für richtig hält. Dass man fürs Singen angepampt wird, geht einfach gar nicht. Jemandem im unteren Teil des Blocks zu sagen, er sollte die Fahne runter nehmen ist halt auch irgendwie eher … naja. Aber hauptsache nachher zu den ersten gehören, die bemängeln, dass der Support so leise war. Mimimimi. Dann kriegt auch die Zähne auseinander, ihr Kritiker. Ändert was. Macht’s besser. Aber nur motzen? Klar, ist ja einfacher.

Der Support ist da einfach schwierig. Noch schwieriger, wenn nicht an einem Strang gezogen wird. Supportfrust beim KSC, alles wie immer. Dafür ging es allerdings wirklich noch ganz gut. Das war schon schlimmer, definitiv. Wir haben das Stadion zwar vielleicht nicht abgerissen, aber das übernehmen ja nächstes Jahr auch andere für uns, wenn das Wildparkstadion abgerissen wird. Warum man ein Stadion neubauen muss, wenn man es nicht mal voll bekommt, erschließt sich mir allerdings nicht so wirklich. Mit um 14.000 Fans war die Zahl jedenfalls geringer, als ich erwartet hätte.

Nach den ersten zwanzig Minuten wurde zumindest das Spiel etwas munterer und da wir im Schlamm gemeinsam hüpften, der Regen mal aussetzte und man sogar die Jacken ausziehen konnte, ging es mit der Moral etwas aufwärts. Gekrönt von einem sehr überraschenden Führungstor durch – was fragt ihr eigentlich – natürlich Aziz Bouhaddouz!

Choi bereitete das indirekt vor, in dem er ein ziemlich ungeschicktes Rückspiel zum Torwart erzwang, genau richtig nachsetzte und somit Aziz den Ball erkämpfen konnte, weil er schlicht schneller war, als sein Gegenspieler. HERR-LICH.

Schöner Jubel, Freude und back to business. „Hier gewinnt nur einer – Sankt Pauli und sonst keiner!“ Danach sah das Spiel auch ein wenig aus, aktiver waren die Boys in Brown, nur wenige chancenartige Szenen des KSC und deutliche Konzeptlosigkeit auf der Seite. Man bekam keine Herzkasper, aber das wars auch schon. Bevor man hier nicht 3-0 führte (und selbst dann vermutlich noch nicht) konnte man sich nicht wirklich sicher fühlen. Und schon gar nicht, dass man die drei Punkte auch mit nach Heim nehmen konnte.

So verblieb man bis zur zweiten Hälfte eher mit einem „Da muss noch mehr kommen“/“Abwarten“. Und auch dann, nun ja, ging nicht so richtig viel. Außer Wechselgesänge im Block, die gingen ganz gut, das kann man nicht anders sagen, und wurden auch im späteren Verlauf nochmal aufgegriffen, weil es ganz gut lief.

Und dann kam es natürlich, wie es kommen musste. Gegentor. Gegentor der Marke „Man sieht im ersten Anspiel, dass der zwei Stationen weiter reingehen wird“. Gefühlt war es die erste wirkliche Chance im Spiel für den KSC, tatsächlich hatten sie ja schon einen nicht ganz so weit entfernten Schuss aufs Außennetz, und die verwandelten sie halt.

Im Gegensatz zu uns. Drei, vier hochkarätige Chancen und allesamt liegen gelassen. Uns kam im Stadion Choi unheimlich schwach vor, auch wenn natürlich das vorbereitete Tor und seine Chance später eigentlich ein anderes Bild zeichnen. Dennoch wunderte ich mich, warum man Miyaichi rausnahm und den (mMn) schwächeren Choi drin ließ. Bei den Chancen, die Aziz zum Teil vorbereitete, hätte man sich ihn lieber in der Mitte gewünscht, als in der Rolle des Vorbereiters, die er allerdings auch wundervoll spielt, weil es eben niemandem gelang, den Ball noch einmal ins Netz zu befördern.

Spätestens mit der Auswechslung Sobotas ging es ein wenig vor die Hunde. Da ging nicht mehr viel nach vorn, der KSC hatte nach dem Tor doch irgendwie entdeckt, dass Fußballspielen helfen könnte und wurde stärker, wenn auch nicht richtig zwingend.

Positiv hervorzuheben ist die Stabilität in der Defensive, mit Ausnahme vom Gegentor, aber das steht ganz gut dort hinten. Mit Sobiech und Hornschuh innen, Hedenstad und Buballa auf den Außen kann man wirklich beruhigt Fußball schauen. Nach vorne geht es dann ja auch – das größte Manko sind aktuell wirklich noch die Abschlüsse.

Das kann der liebe Aziz vom Kiez (wundervolle Schöpfung an dieser Stelle!!) aber leider nicht alleine retten. Und wenn man eines sehen konnte, dann, dass er sich den Allerwertesten aufgerissen hat. Bis zum Ende. Mit Abpfiff kam der Ball in seiner Nähe runter und er säbelte ihn voller Wucht weg.

DAS will ich sehen. Und zwar nicht nur bei einem Spieler, sondern bei allen. Und am besten nicht in Minute 93 sondern so … 60? Dieser Frust, der sollte nach vorn helfen und ich hoffe, dass uns das in den nächsten Spielen eher gelingt.

 

Nun gut. Was bleibt? Noch 36 Punkte. Immerhin einen mitgenommen. Der Support war Chaos pur, konzeptlos, aber das Spiel irgendwie auch. Aktuell befinden sich beinahe alle Aufstiegsaspiranden des letzten Jahres auf den Rängen südlich der 13 und das finde ich bezeichnend, während sich die Aufsteiger oben tümmeln und dort mitmischen wollen. Mit dem FCN, KSC und dem FCSP dort unten drin, sind bisher nur Union, Bochum und Heidenheim nicht abgestürzt. Aber wir räumen das Feld halt einfach von hinten auf.

Allerdings vermutlich erst nach Donnerstag. Rechnen wir mal mit maximal 6/9 Punkten und setzen ganz optimistisch einen Zehner auf die besonders sympatischen Blauen aus München.

Und bevor ich mich hier nun an Sarkasmus verschlucke: Wir sehen uns in Hannover, Berlin müsst ihr leider ohne mich rocken.

 

Bis dahin.

… voran St. Pauli, St. Pauli – maaaagischer FC!

 

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Aus Mücken Elefanten machen – Auswärts bei der SGD

Auswärts bei Dynamo Dresden. Ein Spiel, das ich vermutlich in der letzten Saison herbei gesehnt hätte, worauf ich hingefiebert hätte – in dem festen Glauben, sie aus ihrem eigenen Stadion schießen zu können. Nun ist aber nicht mehr letzte Saison. Vor drei Wochen hat die neue begonnen und leider strengt mein FCSP sich momentan gewaltig an, meiner ziemlich pessimistischen Saisonprognose, dass wir dieses Jahr mal wieder gegen den Abstieg anspielen werden, gerecht zu werden. In diesem Lichte war natürlich die Vorfreude durchaus getrübt, auf ein Spiel beim „Hassgegner“, tatsächlich rangiert Dynamo in meiner Liste der am wenigsten sympathischen Verein (Ich finde, das hab ich sehr diplomatisch ausgedrückt) ziemlich weit oben – im stetigen Wettstreit mit der Hansa und Konsorten. Aber nur auf das Spiel. Ich machte mir die „Erwarte das Schlimmste, dann kann es nur besser werden“-Haltung mal wieder zu  eigen und freute mich auf die Fahrt, mit der Ausnahme von neunzig Minuten. Ihr dürft mich weise nennen.

Für mich begann die Auswärtsfahrt schon am Samstag mit der Fahrt aus meiner Heimatstadt nach Hamburg. Wer nun einen groben Überblick über die geografische Lage hat, könnte bemerken, dass das vielleicht nicht der direkte Weg nach Dresden war, um es mal vorsichtig auszudrücken. Im Gegenteil, von Hamburg aus ist es sogar noch weiter nach Dresden, als von „Zuhause“ aus, aber es war nun mal ein Spiel, das man möglichst nicht alleine anfährt und da ich die Möglichkeit hatte mit der Hamburger Bezugsgruppe zu fahren nahm ich das natürlich liebend gern wahr. So fiel ich am späten Abend in der Lieblingsstadt ein und harrte der Dinge, die da wohl oder übel kommen würden.

Noch ziemlich müde, noch verklatschter als sonst und natürlich etwas morgenmuffelig ging es am frühen Sonntag dann gen Dresden. Die Müdigkeit und vor allem der Morgenmuffel in mir verzogen sich spätestens, als zum vierten Mal Scooter lief und man sich darauf geeinigt hatte, dass Litfaßsäule ein absolut passendes Synonym für Armaturenbrett und damit ein zu schützender Lebensraum von Ottern war. Eine witzige Fahrt, die noch ziemlich von der „Vorfreude“, naja, sagen wir, der hoffnungsvollen Erwartung geprägt war, dass wir Dresden doch weghauen könnten. Schließlich sollte eigentlich nichts motivierender für die Mannschaft sein, als gegen diese Truppe zu gewinnen, oder? Aber das hätte man gegen Braunschweig auch sagen wollen und da … naja, hat das ja auch totaaal gut hingehauen. Nicht.

Ein paar Worte zur allgemeinen Anreise: Wir fuhren inkognito. Also so gut wie. Bis auf ein Wappen auf der Kappe konnte man uns jedenfalls das Fansein nicht ansehen. Und dass das nötig ist, um sich halbwegs sicher zu fühlen, sagt natürlich auch einiges. Aber dafür ist an dieser Stelle kein Platz, weil ich mich sonst vermutlich wieder in Argumentationen verlieren und die halbe digitale Menschheit gegen mich aufbringen würde. Daher nur so viel: Mit jedem Stopp, der näher an Sachsen lag, wurden die Haltezeiten kürzer, weil man nichts riskieren wollte. Mehr muss man nicht wissen.

Der Parkplatz wurde angefahren, wir schlossen uns dem Rest des Trupps an und dann ging es bei Höllentemperaturen Richtung Stadion. In der puren Hitze, mit Shuttlebussen, die uns immerhin direkt vor dem Gästeeingang ablieferten, sodass nicht noch ein Marsch durch „Dynamoland“ nötig oder überhaupt möglich war. So und an dieser Stelle sollte man vielleicht anmerken, dass ich in den folgenden Absätzen nicht viel Gutes weder an der Heimmannschaft, samt Umfeld, noch an der Leistung der eigenen lassen werde, wer sich das also ersparen mag, der klicke lieber oben rechts auf das Feld mit dem „X“, ich nehms auch nicht übel.

Die Polizisten empfingen uns mit gebrülltem „ALLE NACH RECHTS! ALLE NACH RECHTS! DAS IST DA WO DER DAUMEN LINKS IST!“, was nicht nur eine schlicht und ergreifend falsche Wegweisung war, sondern auch  noch so herzlich herablassend vorgetragen, dass man sich ein bitteres „Tja, mit rechts könnt ihr halt besser.“  nicht verkneifen konnte. Man machte sich jedoch einfach auf den Weg Richtung Einlass und ließ die aufs Schlimmste vorbereiteten (Digga, Wasserwerfer, ernsthaft?) Truppen ihrer Aufgabe walten. An der ersten Kontrolle wurde lediglich ein Blick aufs Ticket geworfen und bevor man dann durch die  zweite Barriere gelassen wurde, das Ticket gescannt, wohinter dann die Kontrolle der wenigen verbliebenen Taschen und zahlreicheren Personen vollzogen wurde. Es herrschte allseits eine eher gereizte Stimmung, wobei ich aber nicht zu sagen vermag, ob das an der brütenden Hitze, der generell miesen Stimmung gegenüber allem was Dynamo so macht oder einer Mischung aus beidem, samt böser Vorahnung war. Man muss aber anmerken, dass die Kontrollen nicht übermäßig drastisch waren. Klar, man wurde abgetastet, bis zum Schuhwerk, und Taschen waren von vornherein nicht erlaubt, aber wir hatten uns darauf einstellen können und alles Unnötige im Auto gelassen. Natürlich ist das nicht so einfach, wenn man eben anders angereist ist, da hab ich durchaus Verständnis für Unmut. Aber so richtig freudig erwartend kam mir die Stimmung da schon nicht mehr vor.

Getränke geschnappt, was zu essen auf der Hand, ich habe schließlich einen Ruf zu verteidigen!, ging es dann in den, nennen wir es mal „kompakten“ Gästeblock hinein. Das Stadion an sich ist von außen ja eher unspektakulär und ich wüsste jetzt schon nicht mehr so richtig wie es aussah, aber von innen kennt man natürlich die Aufnahmen der Spiele von Dresden, selbst wenn man live noch keinem beigewohnt hat. So ging es auch mir und bei jedem anderen, gut fast jedem Club, hätte mich womöglich eine gewisse Art Ehrfucht erfasst, als man sich den Stehblock hinter dem Tor mal genauer anschaute. Aber hier… naja, bei mir wuchs die Lust aufs Gewinnen, gemeinsam mit der Angst vor der Niederlage. Ich war zappelig. Krawallig. Pöbelte schon vor dem Spiel gegen den schwarzgelben, gesichtslosen Pulk aus Dynamofans.

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Wie wir alle. Scheiß Dynamo erklang und es fühlte sich gut an. Es fühlte sich wirklich gut an, einen Verein durch und durch, erlaubt mir das Wort in diesem Fußballkontext, ihr solltet wissen, wie das gemeint ist, hassen zu können. Und genauso gut fühlte es sich an, während des Spiels von Schmähgesängen abzusehen und sich auf den Support der eigenen Mannschaft zu konzentrieren, statt die gegnerische zu diffamieren. Während des Spiels gibt es da unten eben nur eine Elf, die zählt.

Bevor das erste Mal auch wirklich Stimmung unter den Heimfans aufbrandete, blickte man bei uns in der Runde in… nun ja, doch beeindruckte Gesichter. „Wir werden hier gefickt. Auf dem Rasen und den Rängen“ war die vermutlich beste Zusammenfassung zumindest dessen, was ich fühlte, bevor es auch nur richtig losging. Bei aller Antipathie und ja, vielleicht auch Hass, diesem Verein gegenüber ist es erstaunlich, was da auf den Rängen an Lautstärke aufgebaut wird. Und das fällt mir durchaus schwer anzuerkennen, aber es wäre ignorant und weltenverdrehend da etwas anderes zu behaupten. Dass die Dresdener Fans etwas ganz anderes erstaunlich fanden, dazu komme ich in diesem Text noch an passender Stelle.

Das Spiel begann relativ unauffällig. Es ging ein bisschen was in beide Richtungen, eine klassische Anfangsphase, bei der Hitze auch nicht übermäßig temporeich. Bis … ja, bis die Männer in Gelb uns über rechts einfach vollkommen übertölpelten. Der Ball darf niemals nicht so in den Strafraum kommen: langer Pass in den Strafraum, auf Lambertz, der muss den nur über den Fuß streichen lassen und Himmelmann ohne Chance da noch dran zu kommen. Jo, und dann liegt man auf einmal in Minute Sieben hinten ohne wirklich zu wissen, wie diese Chance jetzt schon wieder entstanden ist. Nachdem ich nun die Fernsehbilder gesehen habe, geht das zum großen Teil auf Chois Kappe, der Teixeira einfach vollkommen frei gewähren und vor allem zum Pass auf Lambertz kommen ließ.

Bei mir machte sich zu dem Zeitpunkt schon Resignation breit. Ich habe wirklich keine Ahnung, woher dieser allumfassende Fußballpessimismus diese Saison bei mir kommt, aber kaum fangen wir uns einen, dominiert bei mir der Gedanke, dass das Ding durch ist. Ein glückliches Tor könnte uns ja vielleicht gelingen, aber zwei? Oder mehr? Unmöglich. Und damit möchte ich nicht einmal unseren neuen Stürmer Aziz Bouhaddouz kritisieren, im Gegenteil, er ist momentan noch mein einziger Hoffnungsträger „dort vorn“, sondern die Gesamtsituation. Es ist einfach vollkommen ungefährlich, wenn die Boys in Brown sich in den Strafraum des Gegners gewurschtelt haben und selbst wenn man mal zum Schuss kommt, innerhalb des Strafraums und nicht 50 Meter davor, Dudziak!, gehen die Bälle strack auf den Mann, über das Tor drüber oder vollkommen daran vorbei. Es entsteht absolut und überhaupt keine Gefahr.

Es ist halt auch bezeichnend, wenn die erste richtige Chance irgendwann um Minute 35 entsteht.

Die erste Halbzeit war also eine zum Vergessen. Da klappte nichts so richtig und hätten wir mal wieder wen anders als Himmelmann im Tor oder ein bisschen weniger Dusel, dann wäre das auch definitiv nicht mit nur einem Tor Vorsprung in die Pause gegangen.

Wir hofften kollektiv auf einen richtigen Einlauf von Ewald, machte sich doch besonders der Eindruck breit, dass da einfach überhaupt keine Laufbereitschaft war. Ein Gonther, der da lustlos über den Platz trabte, fiel genauso negativ auf, wie Dudziak, der einem fünf Meter entfernten Ball nicht nachjagt. Ja, es war heiß, verdammt heiß sogar, aber man kann nicht alles darauf schieben. Und schon gar nicht in der ersten Hälfte. Und sollte nicht gerade ein Spiel gegen einen Verein wie Dynamo fuckin Dresden die Motivation, hinter JEDEM Ball her zu gehen, um JEDEN Ball zu kämpfen und zu versuchen JEDEN Zweikampf zu gewinnen, liefern? Aber das müsste eines gegen Braunschweig auch und dass das auch nichts geholfen hat, muss ich euch nicht erzählen.

Irgendwie fehlte da Schwung. Lust. Motivation. Kampfgeist. Und ich könnte für jedes weitere Wort, das mir hier noch einfiele, 5 Euro ins Phrasenschwein schmeißen, aber es wirkte einfach so. Das beste Beispiel war leider, und nein, das wird kein Spieler-Shaming, erneut Sören Gonther. Derart lustlos übers Spielfeld zu trotten, dass er beim Rückzug in die eigene Hälfte noch offensiver steht als Aziz Bouhaddouz. Als defensiver Mittelfeldspieler bzw. eingesprungener Innenverteidiger. Das kann mal passieren, klar, aber nicht in jeder zweiten Situation. In dieser Form bewirbt man sich halt eher darum, wechseln zu dürfen, was nun auch nicht wirklich überrascht, als dem Verein erhalten zu bleiben. Gonther ist allerdings an dieser Stelle exemplarisch genannt und es gäbe vergleichbare Situationen, für fast jeden der Elf, die eben in Dresden auf dem Platz stand. Und das – es kann man einfach nicht anders sagen – ist eine verdammt schwache Leistung.

Genau aus diesen Gründen machte sich bei mir besagte Resignation breit. Allerdings nicht nur das Spiel betreffend. Wenig erstaunlich, wenn man sich das Stuttgart-Spiel anschaut, wurde die zweite Halbzeit besser. Aber es war immer noch in einem Bereich, in dem nicht viel funktionierte. Wir hatten uns zur Halbzeit auf gleich mehrere Wechsel geeinigt, die allerdings in der Form nicht ganz aufgingen: Was wir jedoch auch erwartet hatten, war die Einwechslung von Picault, die allerdings nicht ganz so aufging, wie gehofft. Noch immer wandelt der Leichtathlet in Fußballschuhen zwischen Genie und Wahnsinn, entweder er spielt geniale Pässe oder treibt uns vollkommen in den Wahnsinn. Auch in diesem Spiel brachte er zwar ordentlich Schwung in die Partie, allerdings auch in einem ähnlichen Maße Chaos.

Die Auswechslungen überraschten mehr, als die Spieler, die neu ins Spiel kamen: Während wir einen Nehrig und ja, zugegebenermaßen unwahrscheinlich Gonther, auf dem Schirm hatten, traf es Sobota, der zwar keinen grandiosen erwischt hat, aber definitiv nicht zu den instabilsten am Platz gehörte. Der (spätere) Tausch von Miyaichi und Choi war allerdings ein vielversprechender und auch über die Einwechslung von Cenk Sahin herrschte eher eine positive Erwartungshaltung. Der wusste tatsächlich zu überzeugen und war damit einer der wenigen am Spielfeld.

Was auch in der zweiten Halbzeit absolut klar blieb, war, dass es derzeit noch an einem „vollwertigen“ Nachfolger für Ratsche fehlt. Buchtmann kann den Job nicht übernehmen, das ist nicht ganz seine Spielweise und Position. Dudziak spielte in der zweiten Hälfte zwischen Verzweiflungsschüssen und blindem Zug zum Tor, ohne Blick für die Mitspieler. Nun nach dem Ende der Transferperiode fehlt dieser Ersatz für einen derart quirligen Mittelfeldspieler wie Ratsche noch immer und ich bin gespannt ob wir diesen Verlust, denn das ist meiner Meinung nach der Größte der Transferperiode, mit einer Spielumstellung ausgleichen werden können. Der St. Pauli-Fußball von letzter Saison, der Umschalt-Fußball, ist in dieser Form aktuell weder möglich noch umsetzbar.

Ja, nun wollen wir keine aus Mücken keine Elefanten machen. Es ist der dritte Spieltag und bis zu den 40 Punkten haben wir noch viele Spiele, genauso bis zur Deadline. Dennoch: Dieser allgegenwärtige Pessimismus festigt sich momentan. Und das äußert sich auch darin, dass die denkwürdigste und für mich erinnerungswürdigste Szene der zweiten Hälfte der „Wechselgesang“ mit den Dresdenern war. Auf ihr „Dy-na-mo!“ antwortete unser Block lautstark „Sankt Pauli!“ und das fetzte. So richtig. Mir wird hoffentlich das länger in Erinnerung bleiben, als das Ergebnis des Spiels.

Nicht rechts, nicht rassistisch – dafür homophob und sexistisch!

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„Rassismus ist kein Fangesang!“ unterhalb des Spielstands

Was sich mir definitiv eingebrannt hat, waren die Banner im Dresdener Block und wer keine Kritik an sexistischen und homophoben Bannern ertragen kann, dem sei erneut der Klick aufs „X“ empfohlen.

Die Dresdener setzten mit ihren Bannern zum Teil einer „Tradition“ fort, die in der USP-Femminile-Aktion von vor einigen Jahren ihren Anfang nahm, als sich die USP-Damen „dazu entschlossen, sich der Männer in der Gruppe zu entledigen“. Was als ziemlich gewitzte Aktion begann, wurde von den Dresdenern dann immer wieder aufgenommen, wobei sich eine gewisse … Standhaftigkeit da durchaus vermissen lässt.

Zum einen schicken sie die USP-Frauen „USP-Frauen aus dem Gästeblock, damit die Küche lebt!“ und zum anderen wollte der K-Block „immer hinter ihnen stehen“ (in welchem Kontext, dürfte hier ohne weitere Erläuterung klar sein). Die Reaktion von USP war denkbar geschickt und durchaus witzig: Mit Küchengeräten und Pyrotechnik vor dem Banner der Dresdener posierend, erfolgte die Antwort in einem Brief an die Dresdener samt einiger Rezeptideen. 

Nun schien Block K ja eine Weile Zeit gehabt zu haben, um ihre nächsten Spruchbänder zu planen, jedenfalls brauchte zumindest das zweite davon, etwas mehr Arbeit, wenn man es denn so nennen will. Vorerst präsentierten sie, ganz traditionsbewusst, ein Banner gegen die weiblichen Mitglieder von USP, für die sie eine Burka Pflicht forderten: „Burka-Pflicht für USP-Frauen – Euch will keiner sehen!“

Und wenn man schon sexistisch unterwegs ist, die Kurve von einer emanzipierten weitestgehend entfernt ist, dann sind homophobe Banner leider auch nicht fern. Die Dresdener brachten ihr Erstaunen auf einem Banner adressiert, sogar font-getreu!, an USP, die Schickeria und Filmstadt Inferno zum Ausdruck, Siehe hier.

Was bleibt? Trotz des „Rassismus ist kein Fangesang!“-Tags auf der Stadionanzeige, ist und bleibt Dynamo für mich unterste Schublade. Das wird sich ziemlich sicher auch nicht ändern, wenn sich eine Kurve derart sexistisch, homophob und rückwärtsgewandt zeigt, wie es die um den Block K tut. Ich für meinen Teil wollte damit nichts zu tun haben, aber dass es genügend gute Dresdener gibt, braucht ihr mir nicht zu erzählen.

Die anderen forderten wir mit lautstarkem „Ronny, wink doch mal!“ zum Gruße, als wir gingen.

Nun gut, wie gesagt, wollen wir aus Mücken mal keine Elefanten machen – das Sprichwort werde ich übrigens auch nie verstehen, schließlich haben mich Elefanten noch nie geärgert und Mücken schon, aber ja, halten wir die Füße still. In Ewald we trust, oder wie war das?

Ich lege mich übrigens hier fest: Gehen wir mit Ewald bis zum Ende der Saison, und steigen nicht ab, dann steigen wir kommende auf. #markmywords

Im Übrigen war unser Heimweg bunter, als der Dresdener K-Block. Am Ende lässt sich nicht so richtig viel über das Spiel sagen: Viel Lärm um nichts träfe es wohl noch am ehesten. Blieb soweit alles ruhig, bis auf ein paar Provokationen beider Seiten und dennoch führte uns der Heimweg erst einmal aus Sachsen raus, bevor wir anhielten. Und nun? 20160828_190506.jpg

Noch vierzig Punkte.

Immer laut, immer bunt.

Scheiß Dynamo.

Alles wie immer.

Und vor allem: SIAMO TUTTI ANTIFASCISTI! 

 

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