Archiv für den Monat März 2016

Von Suchtmittelspürhunden mit Burnout und dem SVS. #svsfcsp

Der SV Sandhausen von 1916. Ein Verein der in mir so viele Antipathien hervorruft, wie eine Herde bunter Milchkühe. Sie produzieren Milch, eeeh, spielen Fußball – was super ist, aber das war es dann irgendwie auch schon an Assoziationen, die ich mit diesem Kleinstadtverein verbinde. Und das Kleinstadtverein ist in keinstem Maße abwertend gemeint. Man fasse es also einfach zusammen: der SVS ist mir, und auch das nicht wertend, in höchstem Maße egal.

It’s a beautiful sunny night and we’re off to nowhere. 

Und so ging es heute Morgen dann auch ohne den Hauch einer Ahnung, wie der Tag verlaufen könnte, was mich erwartete oder wo zur Hölle ich da eigentlich hinfahre, auf den Weg in diese Stadt etwas oberhalb von Karlsruhe. Zwar hatte ich mir eigens für die Fahrt, die ich ja aufgrund fürchterlich desertierte Mitfahrer alleine antrat, den Millernton aufgehoben, doch eine etwas wenig erholsame Nacht zwang doch dazu, die Musik etwas lauter aufzudrehen, um wirklich wach zu bleiben. Ich höre eure Stimmen zwar sehr gern, aber ganz so laut – da musste eher Musik her.

Vermutlich habe ich also heute Morgen auf halber Strecke erst einmal alles geweckt, was irgendwo in der Nähe von Autobahnen wohnt. Immerhin war es nicht ganz so früh, sondern eigentlich sogar eine ziemlich angenehme Abfahrt. Man wirft mir ja fast schon vor, kein richtiger Auswärtsfahrer zu sein. Und das von Leuten, die zuhause saßen. Pah! So nicht, so nicht.

Mit dem Kaffee, einer sehr ordentlichen Musikauswahl und genau dem richtigen Timing, um mit den Auswärtsfahrtenliedern in Sandhausen anzukommen verging die Fahrt dann aber doch schneller als zwischenzeitlich gedacht, mit Gesellschaft fliegt sie nun mal um einiges flotter dahin. Ich drehte meine obligatorische Ehrenrunde, aber dieses Mal nicht ums Stadion, sondern ums ganze Städtchen, weil das Navi mich irgendwie in eine andere Richtung schicken wollte, als die Schilder mit dem Fußball darauf. Und es gilt nun mal immer Schilder > Navi. Trotzdem war der Abzweig zum Feldweg mit den zwei einsamen Polizisten relativ einfach gefunden. Den beiden schien allerdings tierisch langweilig zu sein und so quatschte man noch kurz, machte sich über mich lustig (das nimmt langsam ein wenig Überhand!), weil sie den Weg doof beschrieben und verabschiedete sich dann lachend, mit den Wünschen für ein gutes und ruhiges Spiel.

Totaaal viel Hoscha in Sandhausen. Also, da unter dem Acker irgendwo.

Totaaal viel Hoscha in Sandhausen. Also, da unter dem Acker irgendwo.

Das Auto wurde dann in Gesellschaft geparkt und nachdem ich beim ersten Anlauf glücklicherweise nach 30 Metern nochmal an die Karte dachte und sie schnell einsammelte, folgte eigentlich nur noch der Fußmarsch zum Stadion. Umgeben von, hab ich mir jedenfalls sagen lassen, Großaspach’schen Verhältnissen, liegt das Stadion in einem kleinen Wäldchen, mit einem Fußweg zum Gästeeingang führend.

Die Wartezeit auf andere Twittermenschen vertrieb einem dann die Polizei, die immer ganz dringend genau da wo der Merch-Hänger platziert war und sich natürlich alle eigentlich drum herum tummelten, mit den Mannschaftswagen drehen mussten. Es war also ein ständiges Ausweichen und neues Plätzchen suchen, aber alles in einem sehr entspannten Rahmen.

So ging es dann auch nach ausgedehntem Klönschnack weiter bei den Kontrollen. Einmal kurz an die Seite gepackt und an zwei Dobermännern vorbei, dann war man auch schon drin. Keine Taschenkontrolle, kein Griff an die Mütze, nüscht. Entspannt und nach den massiven Kontrollen in Heidenheim definitiv eine Besserung. Auf meine Karte hat übrigens nicht einmal jemand einen Blick werfen wollen, das hab ich so auch noch nicht erlebt.

Kurz das gelbe Gesöff namens Light Beer eingesammelt und wir machten uns auf den Weg in den Block, wo gleich die erste Überraschung für mich wartete: Beide supportenden Fangruppierungen direkt nebeneinander auf einer Tribüne? Nuuun gut, auch das kannte ich noch nicht, malte mir aber ehrlich gesagt gleich Gesänge „gegen“ einander, also einander zugewandt, aus, die im späteren Verlauf allerdings ausblieben. Schade, das hätte ich witzig gefunden.

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Im Vorlauf des Spiels wurde uns dann relativ schnell klar, dass wir uns ein wenig zu weit links platziert hatten – also im Block. Falls ihr euch also später wundertet, wer dieses einsame Fähnchen da ein Stück weiter hinter dem Tor schwenkte, das war dann wohl ich. Zum Üben verdonnert. Das klappt übrigens auch alles wunderbar, solange nicht eben 15 Fahnen um mich rum sind und ihre Schwenker alle größer sind als ich, da kann man sich ja nur verheddern!!11elf

Achso, nun hab ich vorgegriffen. Das müde Hirn mag die chronologische Vorgehensweise beim Schreiben nicht, dafür schwirrt viel zu viel herum, was man nun jetzt sofort loswerden möchte, damit man das auch ja nicht wieder vergisst. So wie den Titel des Blogs übrigens. Den hab ich noch gar nicht erwähnt.

Wie man halt so in absolut philosophischen Gesprächen vor Anpfiff ist, überlegten wir, nach was die beiden Dobermänner am Eingang denn wohl gesucht haben. Kurz vermutete man, dass einer vielleicht nach Pyrotechnik Ausschau hielt und der andere nach bewusstseinsverändernden Substanzen – letzteres haben wir allerdings ziemlich schnell verworfen, müsste wirklich ein Suchtmittelspürhund unseren Gästeblock absuchen, wäre der arme Kerl danach doch völlig überarbeitet und müsste erst einmal einen langen Urlaub machen. Also wohl doch Pyro-Sucher. So wie in Heidenheim. Hat sowas eigentlich Erfolg? Ich nehme mir hier einfach vor, das mit etwas weniger um die Ohren mal zu ermitteln.

Wir sind immer noch vor Anpfiff und da gibt es trotzdem noch etwas zu sagen. Zum Einen: Das Stadion, eine Ansammlung von vier einzelnen Tribünen mit erstaunlich vielen Stehplätzen und offenen Ecken und irgendwie Charme. Es gibt definitiv weniger schöne Stadien und dass eine Tribüne bei hüpfenden Fans wackelt, ist etwas, das bei mir Plusplunkte anhäuft. Fragt nicht.

Es gab noch einen etwas kuriosen Aufruf des Stadionsprechers und einen passend dazu aufgehangen Zettel, wie später erfahren, der die „supportwilligen“ Fans darum bat, sich doch bitte gemeinsam in einen bestimmten Block zu bewegen und das auf ausdrücklichen Wunsch der Mannschaft zu tun. Ich will hier gar nicht groß was dazu sagen, es war natürlich irgendwie süß aber wir sind auch ganz schön verwöhnt, was den Support angeht. Es ist nämlich eindeutig nicht die Regel, dass man mit so vielen Leuten wie heute auswärts fährt und Spott für einen Verein, der versucht die (wenigen) Kräfte und Stimmen, die er hat, zu bündeln, hab ich nicht übrig.

Der Stadionsprecher merkte aber noch etwas an: Die 1000. Ligaspiele-Marke eines Fans des magischen FCs wurde mit dem heutigen Spiel geknackt. Selbst nach einiger Rechnerei den Tag über, ist das immer noch eine, im wahrsten Sinne, unfassbare, nicht greifbare Zahl, die mir mit meinen zarten Spielzahlen im unteren zweistelligen Bereich den höchsten Respekt abnötigt. Hut ab, ehrlich. Auf dass es noch viele weitere Spiele werden!

Tja nun. Fußball soll es ja auch noch gegeben haben. Die Aufstellung beruhigte mich interessanterweise sofort, als ich sah, dass Sobiech und Ziereis die Innenverteidigung bildeten. Es ist einfach immer wieder gut zu wissen, dass die zwei Hünen da zumindest die Lufthoheit halten können, auch wenn ein Teil des Duos im letzten Spiel ja einen leichten Aussetzer hatte. Aber – wie hoch ist bitte die Wahrscheinlichkeit, dass so ein Ding in zwei Spielen hintereinander passiert? Naja gut, lasst mich das konkretisieren, wie wahrscheinlich ist das, wenn du nicht in den tiefsten Sümpfen des Abstiegskampfes steckst? Genau, so ungefähr gar nicht. Und deswegen beruhigte mich unsere Aufstellung, ich freute mich über Kalla und Lushi in der Startelf und spürte doch wieder einen kleinen Stich beim Gedanken, dass eben Enis Alushi nächste Saison nicht mehr in Braun und Weiß auflaufen könnte. Das wäre meiner Auffassung nach ein deutlich größerer Verlust im Vergleich zu einem, zugegeben jungen und potentiell sehr guten Freistoßtreter, wie Sebastian Maier.

Aber das ist Zukunftsmusik! Und da wären wir wieder bei meinen Problemen mit der Chronologie, also gehen wir das mal flott durch: Es war eine ganz normale Anfangszeit, ein bisschen was in beide Richtungen, nichts wirklich zwingendes. Beim Support übrigens ähnlich. Und dann war da irgendwie plötzlich ein Tor und keiner wusste, wo es herkam. Es wollte aber auch eigentlich keiner wissen, war es ja auch irgendwie egal. Aber für die Notizen: Es kam von Alushi. Was irgendwie mein Plädoyer oben ein bisschen unterstreicht, wenn auch Thy den Ball letzten Endes dann mit dem Kopf hinein gewuchtet hat. Stark gemacht, die Freude war groß, der Support flammte ein wenig auf.

Mal wieder klappte der Nicht-Wechselgesang nicht direkt. Die Haupttribüne fühlte sich ausgelassen, der restliche Gästeblock überging das einfach, was aber auch bei den Mengenverhältnissen die einzig logische Konsequenz war. Später gab es ja dann noch einen innerblöckischen und einen normalen Wechselgesang, die ganz gut hingehauen haben. Schön, dass auch die Sitzer so ordentlich mitgemacht haben, als der Stehblock dazu aufrief.

Für mich gab es zwei weitere kleine Highlights in diesem Spiel: Zum einen natürlich das offensichtlich absolut total genial eiskalt versenkte Tor unseres höchst eigenen Fußballgotts namens Marc Rzatkowski. Was eine geile Bude. Könnt ihr mir ja erzählen was ihr wollt, das hat er eiskalt versenkt, die Nerven muss man erst mal haben und richtig schön anzuschauen war es. Dass solche Dinger reingehen ist immer wieder genial.

Zum anderen der Versuch, Hans Albers im Gästeblock vertonen zu lassen. Das hätte so schön werden können, scheiterte aber (noch!!) an einem wenig textsicheren Gästeblock. Zumindest wirkte es so in der Ecke, in der wir standen, da waren kaum mehr als Bruchstücke von „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ zu hören. Aber: ehrlich, auswärts ist das eine ziemlich gute Idee. Gerne nochmal, die Textsicherheit kommt dann schon noch.

So ungefähr wie meine, beim Fahnen-Lied. Auch wenn ichs immer noch nicht mag. Aber ich bekomm es nun hin. Und wo wir bei Gesängen und Rhythmus sihammy-ond: Mich faszinierte der Sandhäuser Trommlermann vollkommen, den wir ja dank der Nähe zum Supportblock der Heimfans gut hören konnten: Was er da ablieferte klang mehr nach einem ein-Mann-Blaskapellen-Umzug-ohne-Blaskapellen. Oder eben Hammy, das Eichhörnchen, auf Speed. Der zog da vollkommen unbeeindruckt sein Ding durch und amüsierte uns zuweilen prächtig. Jedenfalls deutlich mehr, als die in freier Wildbahn gesichteten Klatschpappen.

So, was fehlt nun noch? Ich hab heute einige Menschen wiedersehen dürfen und auf einen Halbzeitschnack treffen können, die ich eine ganze Weile nicht mehr gesehen habe. Für den Fall, dass ihr hierüber stolpert: Es war mir ein Fest und ich freu mich, euch in Freiburg wieder zu sehen! Gleiches gilt für die wundertastische Begleitung im Block heute, es hat wirklich Spaß gemacht. 🙂

Die Heimfahrt gestaltet sich mit drei Punkten im Gepäck ja doch immer etwas angenehmer und heute war sie ja auch mit guten 2 1/2 Stunden Fahrtzeit durchaus unter d20160319_152215.jpgen kürzeren. Dafür musste man allerdings auch erst einmal wieder vom Parkplatz wegkommen, was sich als das größere Unterfangen herausstellte, als dort hinzukommen. Autoreihen schoben sich langsam und von Polizisten in wilden Abbiegereihenfolgen vom Stadion weg und machten sich auf den Heimweg.

So auch ich, mit kurzem Stop auf eine zweite Halbzeit in Darmstadt – wenns doch eh am Weg lag! Die Zeit hab ich auf dem zweiten Teil der Rückfahrt aber fast komplett wieder herausgefahren und vielleicht sollte ich nicht mehr alleine fahren, da ist die Fahrweise doch ein wenig moderater, wie ich zugeben muss. Es fluppte aber geradezu und das Auto drängte auch nach heim, wer bin da ich, die es zurück hält?

Was bleibt? Morgen spielt noch Nürnberg und ich hab nicht auf sie getippt. Das hat letzte Woche ja nun auch nicht so wirklich geklappt, also schon, aber nicht in dem Sinne, dass ich sie erfolgreich zum Nichtaufstieg tippe. Ehrlich gesagt würde es mich ja freuen, beim direkten Duell noch richtig Pfeffer drin zu haben. Das hätte was.

Bis zum nächsten, würde ich sagen, wir sehen uns in Freiburg.

In Sandhausen gewinnt nur einer.

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Spielst ganz woanders, in Liga 2.


auswaertsisnixfueranfaengerse
Ich hab ja keinen blassen Schimmer, wer solche Nachrichten schickt, aber iiiich war das nicht. Im Nachhinein hab ich nämlich keine Ahnung, wie man das Spiel in Heidenheim genossen haben soll, aber okay, da bin ich wohl etwas naiv ran gegangen. Genauso wie in den letzten Blogtext, wo ich ja sogar mal ein zwei Zeilen über Fußball geschrieben habe – und kaum tu ich das, brechen die Leserzahlen ein. Nun gut, ist angekommen, ich beschränke mich in Zukunft wieder auf das, was ich wirklich kann: Unqualifiziert hier rum pöbeln. 🙂 #alleswieimmer

Für mich begann die Auswärtsfahrt nach Heidenheim mit einer eher lustigen Routenplanung getreu dem Motto „Nehmen wir einfach Heidenheim und schiiieben es woanders hin.“. War ich nämlich der Meinung, dass das irgendwo bei Karlsruhe liegt und hatte damit eigentlich eher den SV Sandhausen im Kopf, schubste mein werter Mitfahrer das Städtchen mal eben noch nördlicher und östlicher von uns aus (NRWs südliches Zipfelchen). Also eigentlich hatten wir beide keine Ahnung, wo wir da hinfuhren und solche Fahrten sind ja normalerweise immer die witzigsten. Diese auch – mit Ausnahme von neunzig Minuten.

Mein Tag begann schon damit, dass ich mit einem sehr hartnäckigen Ohrwurm aufwachte, der sich irgendwie durch den Tag ziehen sollte. Erst einmal bezog ich das auf mein Auto, denn hatte ich das am Vortag noch so richtig fit gemacht, so schien sich die Batterie des Nachts den Allerwertesten abgefroren zu haben und mein treuer fahrbahrer Untersatz drohte erst einmal zu streiken. Im Endeffekt war der Gute wohl ein wenig vorausschauender als wir, ließ sich aber mit ein bisschen gutem Zureden („MOVE BI…TTE!“) doch noch zum Starten überreden. Schnell den Mitfahrer eingesammelt und dann ging es auch schon ab auf die Bahn – mit einer Menge Kaffee im Gepäck.

 

Auf der Fahrt wurde dann natürlich erst einmal festgestellt, dass der Ohrwurm doch eigentlich nur dem Glubb gelten kann, dass sie sich endlich mal von dem Platz vor uns da verabschieden. Das einzige Problem war nur, dass wir es ja selbst mit einem Sieg noch nicht geschafft hätten, sie da herunter zu schubsen, aber ehrlich gesagt war ich vor dem Spiel recht optimistisch, gerade deswegen, denn so ganz ohne Chance auf Platz 3 vermasselten wir es ja nicht zwingend.

Ansonsten verlief die Fahrt herrlich ereignislos, wir kamen wunderbar 20160306_112417.jpgdurch und waren schließlich um 11 Uhr schon am ausgewiesenen Gästeparkplatz eines Nettomarktes. Direkt unter dem Schild „Widerrechtlich parkende Fahrzeuge werden kostenpflichtig abgeschleppt!“ geparkt und dann hinter anderen, genauso ahnungslosen Leuten zum Stadion her getrömmelt. Hätten wir dem doch recht amüsanten Brief an die Gästefans mal mehr Folge geleistet, wäre uns ein schöner Spaziergang um das Stadion herum entgangen. Das nenn ich mal Einsatz! Richtig lustig wurde es allerdings, als wir ein paar Ordner fragten, wo denn der Gästeeingang sei und ein trockenes „Sowas haben wir hier?“ zurück bekamen. Herzlich gelacht, danke dafür! Und auch wen20160306_112502.jpgn man uns dann einen falschen Weg entlang schickte, so bügelten das die Kollegen doch wieder aus, die uns durch ein Schlupfloch im Zaun leiteten. Nette Menschen, kann man nicht anders sagen.

Vor dem Gästeeingang dann noch ein wenig mit den üblichen Verdächtigen plus Tonangeber geschnackt, bzw. eher gelauscht. Da machte sich bei mir doch die Müdigkeit ein wenig bemerkbar, aber wenn andere über Fußball diskutieren, kann man halt auch schon mal gespannt zuhören. Sehr cool fand ich dann die Nachfrage der Heidenheimer, ob unsere Vorsänger ein Podest aus Bierkisten haben wollten, woraus nachher tatsächlich sogar zwei wurden. Fanfreundlich, fand ich stark!

Weniger stark war die Kontrolle beim Einlass. Naja, das stimmt so eigentlich nicht, die war nämlich extremst gründlich, dauerte eine gefühlte Ewigkeit – die anderen waren schon drin bei Bier und Bratwurst, als ich es auch endlich geschafft hatte – und das eben auch, weil man für die komplette weibliche Belegschaft des Gästeblocks ganze zwei (ZWEI!) Frauen am Eingang vorgesehen hatte. Das ist für mich absolut unverständlich, sollte es doch eigentlich auch bis zum 1. FC Heidenheim durchgedrungen sein, dass beim FC St. Pauli ein paar Frauen mehr mit fahren als womöglich bei anderen Vereinen. Aber mal ehrlich, hier hätte sogar die Auswärtstruppe von Sandhausen ungeduldig von einem Fuß auf den anderen getreten.

Nun gut, extrem gründliche Kontrolle und auch die angekündigten Pyrotechnik-Spürhunde waren kein Scherz. Kannte ich so noch nicht, waren aber relativ abseits, also behinderten den eigentlichen Verkehr nicht unbedingt.

Als ich dann endlich zu dem Rest der Truppe im Block stoßen konnte, wurde ich schon mit einer Bratwurst erwartet (Herz für euch ❤ ), die es aber leider nicht unbedingt schaffte mich zu überzeugen. War jetzt nicht gerade die aus Duisburg, aber auch nicht so schlimm wie die in Leverkusen. Im Rahmen.

Wir machen das mit den … ööh, Fahnen.

Der Blick aus dem Block war okay, wenn man nicht so dämlich ist, wie wir, sich in direkte Nähe einer der Säulen zu stellen. Das sollte mir später bei den Gegentoren noch zum Verhängnis werden, aber gut. Zum Anpfiff stellte ich mal wieder unter Beweis, dass man mir besser keine Fahne in die Hand drückt, weil ich ein unfassbares Talent dafür hab, mich mit anderen zu verheddern. Aber ich geb nicht auf!

Akustisch hatten wir nochmal das „Unsere Fahnen wehen nur für dich, siehst du sie nicht“-Liedchen zum Einsingen genutzt und ne, einfach ne, ich bekomm es nicht hin. Es ist wahrlich nicht schwer, aber damit kämpfe ich ja nun schon eine ganze Weile. 😀

Bei den Heidenheimern kehrte auch immer mal wieder Bewegung im Block ein und ja, ab und an konnten wir sie sogar hören. Das hatte ich so, ehrlich gesagt, nicht erwartet. Weiterhin zeigten sie im Verlauf ein Spruchband, dessen Inhalt, wenn schon nicht Wortlaut, sich in etwa mit „Wiedergeburt erleben – in Salzburg nur die Austria!“ wiedergeben lässt.

Vor Anpfiff machten noch Kiddies die Runde durchs Stadion und einmal mehr wusste ich, warum ich in diesem Block stehe, machten doch eigentlich alle mit … gefolgt von einem lautstarken „Hier gewinnt nur einer – Päusken – Sankt Pauli und sonst keiner!“ versteht sich.

In der zweiten Halbzeit hielten wir ein etwas massiveres Kunstwerk flankiert von roten Ballons hoch, von dem ich bisher aber noch keine Bilder gefunden habe. Sollte da von USP noch was hochgeladen werden, trag ich das hier nach.

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Joa, und das wars eigentlich auch schon. Ich denke zum Spiel muss man nicht mehr viel sagen, außer ein lautes Gute Besserung an Big John. Da fürchte ich nun wirklich, dass das sein letztes Spiel für uns in Braun und Weiß war, das sah ja ziemlich übel aus und hat sich in der Diagnose ja auch bestätigt.

Ah, eines noch. Erstens haben die Heidenheimer mir jetzt das Gladbacher Döpdöpdöp versaut, das find ich extrem uncool. Und zweitens, was zur Hölle ging denn bitte mit euch, dass ihr bei einem Heidenheimer Tor Song 2 anspielt? Ar… Allerwertester offen? Nee, geht gar nicht.

 

Das solls soweit zum Spiel auch gewesen sein. Mal ehrlich: eine neun Punkte Woche? Das wär nich‘ mehr mein Bauli. 6 aus 9 ist schon ziemlich cool und dann schießen wir Nürnberg halt im Mai selbst vom Platz runter – sowohl dem grünen, als auch dem der Relegation. Ich werd auf jeden Fall jetzt kontinuierlich auf die setzen, dann verkacken sie’s schon noch. Ob wir dann allerdings zur Stelle sind und ihnen die Bürde der Relegation abnehmen bezweifle ich ja ehrlich gesagt.

Kurz noch ein paar Worte zur Heimfahrt, denn da ereignete sich noch etwas, das ich so noch nie erlebt habe. Wir fuhren tanken, an einer Raste irgendwo an der A7 und ich wurde noch dafür ausgelacht, dass ich versucht hatte genau für 50 Euro zu tanken und der sch..verf…Arschloch-Zähler dann bei 50 Euro und EINEM Cent stehen blieb. Ich wusste also genau, wie viel ich zu zahlen hatte und ging selbstbewusst wie man halt so durchs Leben schusselt, zum Bezahlen. Nach kurzer Verwirrung, ob ich mich vertan hatte, weil meine „Säule Zwo“ nicht mehr aufscheinte, wurde dann klar, dass nur noch eine andere „Rechnung“ offen war und die eben nur über einen Bruchteil meiner und vor allem: für Diesel. Da hatte dann jemand, ziemlich sicher aus Versehen, meine Rechnung übernommen. An dieser Stelle bleibt dann nur ein „Danke, Unbekannter!“, das rettete doch wirklich ein wenig den Tag.

Die Rückfahrt an sich war allerdings auch ein Erlebnis für sich. Zum einen schlug das Wetter gefühlt alle 2 Kilometer komplett um: Fuhren wir im tiefsten Schneesturm in den Tunnel, kamen wir bei Sonnenschein wieder hinaus, zum anderen war die eigentliche Route komplett dicht und wir bewiesen mal wieder, dass wir das mit dem Navigieren total draufhaben (nicht!), denn unsere Route sah später so aus: routenplanungdeluxe

Kurz also noch in Sinsheim Hallo gesagt und beschlossen, dass wir nächste Saison da nicht hinfahren wollen. Und eine Auswärtsfahrt mit einem der beklopptesten Mitauswärtsfahrer ist halt auch eine, bei dem man den idiotisch fahrenden Leverkusener-Autofahrer vor sich just im gleichen Moment unisono mit „Scheiß Leverkusen! Wir singen…“ bedenkt. Es ist vielleicht nicht immer leicht mit uns, aber eines ist klar: es wird nie langweilig.

 

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Man sieht sich in Sandhausen!

 

Mehr zur Fahrt und vor allem deutlich mehr zum Spiel findet ihr hier:

Dreibuchstabendörfer

https://kleinertod.wordpress.com/2016/03/07/am-ende-fcsp-unterliegt-in-heidenheim/

Spannung halten

 

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Hier im Ruhrgebiet Vol. 2

Duisburg! Es ging nach Duisburg! Oje, was hab ich mich auf diese Fahrt gefreut, ja, eigentlich seitdem ich sah, dass der MSV ziemlich weit oben mitmischte in der dritten Liga und als er dann sogar aufgestiegen war, da war natürlich die Vorfreude perfekt. Mit Duisburg schließt sich nämlich nochmal ein kleiner Kreis, der nicht ganz so beständig eingehalten wurde, wie meine Fahrten nach Bochum, aber auch die Fahrt zum MSV vor vier Jahren gehörte zu den ersten beiden Spielen, die ich für den magischen FC gefahren bin. Damit stürze ich mich hinein in einen Text, der etwas anders anmuten könnte, als mein unqualifiziertes Gepöbel sonst, denn dieser Text könnte Spuren von Fußball enthalten. Könnte. 

Vor vier Jahren fuhr ich zu meinem zweiten Spiel mit dem FCSP und damals ging es nach Duisburg. Mit Plätzen auf der Haupttribüne, dem Vater einer damaligen Freundin als Fahrer und Begleiter, und der immer stetig wachsenden Begeisterung für die Jungs in Braun und Weiß. Ich erinnere mich sehr gerne an diese zweite Fahrt zurück, vor allem, weil man trotz der bunten Vermischung der Fans eigentlich nichts zu befürchten hatte. Meine zwei Mitfahrer hatten mich da mal kurz alleine gelassen, um die sanitären Anlagen aufzusuchen und kaum stand ich allein dort, im Totenkopfpulli und etwas verloren vor der Haupttribüne, gesellten sich zwei Duisburger zu mir die ‚mir Gesellschaft leisteten, bis der Rest der Truppe wieder da war. Alleine wäre nicht ganz so günstig.‘. Das – und natürlich die Bratwurst, denn das Wedaustadion ist noch immer das einzige, das mir gleich zwei Bratwürstchen andrehen konnte – blieb mir immer sehr positiv in Erinnerung. In Anbetracht der kommenden Spiele, war Duisburg in Bezug auf die Anreise auch das letzte „einfache“ Spiel für diese Saison, folgen da doch mit Heidenheim, Sandhausen, Freiburg … ausschließlich Spiele, die auch für mich eine ganz schön lange Anfahrt bedeuten. Alles in allem war die Vorfreude also sehr groß, warum das (nur) in Teilen nachher auch funktionierte, folgt hier.

Mein persönlicher Tag der Auswärtsfahrt begann damit, dass ich vollkommen verschlafen hatte. Das ist mir so noch nie passiert, jedenfalls noch nie am Spieltag. Ich hatte das mit den Zeiten für die Busse ein wenig verpeilt und damit ganze zwanzig Minuten um mich fertig zu machen, alles wesentliche einzupacken und auf zum Bus zu sprinten. Da hatte ich nämlich nicht viel Auswahl: Ich wohne derart ländlich, dass man sonntags Glück hat, wenn sich alle zwei Stunden mal ein Bus erbarmt und unser Dörfchen anfährt. So folgten also auf einen Sprint vom Bett durchs Badezimmer bis hin zur Bushaltestelle dann gleich Ernüchterung und Kälte, denn während ich sogar noch 5 Minuten vor der eigentlichen Abfahrtszeit an der Haltestelle wartete, bequemte sich der Bus erst gar nicht dort hin. Einmal mehr gilt: Mama ist die Beste und sowieso Retterin in allen Lebenslagen, trotzte sie doch der Kälte und fuhr mich schnell zum Bahnhof, damit ich den Zug doch noch bekam.

Die nächsten zwei Stunden amüsierten mich herrlich, vor allem Dank des Millerntons und eines gewissen Torhüters, der den Arbeitstitel für diesen Blogtext lieferte, wenn das mit dem Auswärtssieg nicht hingehauen hätte – so behalte ich mir „Loyalität ist sexy“ aber definitiv mal für die Zukunft im Hinterkopf. Ernsthaft, beste Unterhaltung, und mit Herrn Heerwagen haben wir definitiv einen weiteren Spieler, der offensichtlich voll und ganz zum Verein passt und sich eingefunden hat.

Für mich hieß es noch einmal umsteigen und dann wäre ich auch schon in Duisburg, wo steigt man also schöner um als … na klar, in Wattenscheid. Den ganzen folgenden Tag rannte ich also mit dem Ohrwurm Wattenscheid 09’s herum und war ein bisschen froh, dass man in Duisburg nachher andere Hymnen zu hören bekam. Dazu aber später mehr.

In Duisburg erst einmal angekommen, direkt am Gleis eingesammelt worden – welch ein Luxus! – und sich jedenfalls für das Geplänkel vor dem Spiel der vom Fangirl benannten „Reisegruppe Auswärtssieg“ angeschlossen. Wie bei ihr schon beschrieben gestaltete sich die „Reise“ vom Bahnhof zum Stadion als etwas … abenteuerlich: Erst wollten wir Bus fahren, gaben das jedoch auf, als die nicht einmal mehr anhielten und machten uns auf zur S-Bahn. Bis da die nächste kam, dauerte es jedoch eine gefühlte Ewigkeit, also doch wieder Bus, aber – wir sind ja nicht doof! – dieses Mal von einer anderen Bushaltestelle aus. Dort fanden sich außer uns und zwei weiteren absolut planlosen St. Paulianern, die sich uns irgendwie angeschlossen hatten, vermutlich weil wir total (!) nach Ortskenntnis aussahen, ausschließlich Duisburger. Mit all dem Geplänkel darum, dass man sich an manchen Stellen der Stadt besser nicht erkennbar als St. Paulianer zeigen sollte, ging ich da mit etwas Vorsicht heran, was sich aber glücklicherweise als verfrüht herausstellte.

Die wirklich unangenehmen Duisburger traf man dann erst in Stadionnähe. Durch den Ankunftsort des Busses mussten wir nun mal einmal um das Stadion herum, damit auch an Duisburgern vorbei und bei aller Liebe, ich lass mich doch nicht von irgendwelchen halbstarken aufs Derbste beschimpfen. Sowas solltet ihr mal sagen, wenn die Frau Mama in der Nähe ist, da säh ich gern, wie groß die Klappe noch ist.

Jedenfalls folgten auf diese Beschimpfungen noch herrlich amüsante Aufforderungen. Mit einem Pfiff und „Komm mal hier her, den Schal biste los! Du … (man füge hier vulgäre Ausdrücke ein, die ich nicht in den Mund nehme)“ war das mit Abstand der lächerlichste Versuch mir den Schal zu zocken, den ich jemals erlebt habe. Meiner freundlichen Aufforderung, er müsse den Arsch schon zu mir bewegen und sich den Schal holen, wenn er ihn denn wolle, kam der Rüpel überraschenderweise natürlich nicht nach. Dann halt in Zukunft auch die Klappe, wenn du eh nichts dahinter hast – das lässt dich auf jeden Fall nicht ganz so peinlich vor deinen „Kumpels“ dar stehen, wie nach dieser Aktion.

Der verbleibende Weg verlief dann auch angenehm ohne weitere Zwischenfälle von aufmuckenden, jugendlichen Kleingeistern, so dass man sich in Ruhe ins Stadion begeben konnte. Die Einlasskontrollen waren gründlich, aber nicht drüber, auch wenn es das erste Mal war, dass jemand meine Schuhe abgetastet hat. Nun ja, dann gings hinauf ins Stadion und erst einmal was essen, die Gruppe sortieren und sich in Ruhe einfinden. Sehr erfreut nahm ich die Bratwurst und ihre Preise zur Kenntnis, so günstig bin ich auf jeden Fall noch nie gefahren, gab es schließlich kein Vollbier und somit blieben die Ausgaben für diese Fahrt tatsächlich bei den 2,20 € für die Bratwurst, die – ich weiß doch, dass ihr den Text alle nur lest, um zu wissen ob die Bratwurst immer noch so geil ist – immer noch die mit Abstand leckerste ist, die ich in Zusammenhang mit einem Fußballspiel bisher gegessen habe.

Zwar fand sich die Gruppe nicht ganz so ein, wie geplant aber mit Abstrichen ging es dann hinein in den Block, wo wir uns offensichtlich einen Platz mit ziemlich hoher Twitterdichte gesucht hatten. Das sorgte im Nachhinein für Lacher, weil ich es natürlich mal wieder nicht begriffen hatte, aber hey, das nächste Mal trifft man sich ja dann vielleicht mal bewusst – würde mich freuen.

Nun gut, man war im Stadion, es füllte sich langsam aber sicher und schon nach einer halben Stunde hatten die Duisburger mehr Stadionlieder verpulvert als andere Vereine überhaupt haben. Na gut, manche haben ja auch gar keins, aber hey, fragt mal beim MSV nach, die können euch sicherlich eins abgeben. Neben dem bekannt-berüchtigten-ja fast beliebten! Zebratwist gab es da nämlich noch gefühlt 32 andere Lieder, bei denen das Stadionvolk zum Mitsingen animiert werden sollte. Nun ja, mir reicht eines und die Glocken am Anfang, aber jeder wie er mag.

Irgendwann kam dann aber tatsächlich der Zebratwist und da sah man auch bei uns einige Leute, die ihren Spaß damit hatten – zu recht, wie ich finde, das ist einfach ein unfassbar lustiges Stadionlied. Währenddessen zeigten die Zebrafans eine Choreo in Form einer Blockfahne, von der man im Stadion aus allerdings nicht sonderlich viel erkennen konnte. Viel zu viel auf einer Fahne, nicht richtig deutlich aber nachher am Fernsehbild etwas besser zu entziffern. Als nicht in den Abstiegskampf verwickelter Fan (jedenfalls diese Saison) entlockte mir der „Wir geben alles, was gebt ihr?“-Banner auch eher ein müdes Schmunzeln. Diese Form der „Aufmunterung“ oder gar „Unterstützung“ werde ich nie verstehen, aber eines ist klar: Der Mensch im Zebrakostüm da unten an der Seitenlinie hat alles gegeben. Alles alles.

Fußball! 

Schließlich wurde angepfiffen und an dieser Stelle mag ich mal etwas totaaaal neues probieren, ich mag nämlich wirklich mal über Fußball und das Spiel schreiben und nicht nur um das drumherumpöbeln. Dieses Mal hab ich im Stadion nämlich tatsächlich mal etwas sehen können, von dem, dem Gästeblock nahen, Sechzehner mal abgesehen, weil mir da die Barriere zu den Sitzplätzen und die dort aufgehangenen Fahnen die Sicht nahmen. Wär aber auch mal ganz was neues gewesen, wenn ich wirklich alles gesehen hätte. Dafür bot sich mir ein guter Blick auf den Rest des Feldes und so konnte ich dieses Mal gezielt Spielszenen zuhause noch einmal anschauen, die mir im Stadion aufgefallen waren.

Aber von vorne. Als bei uns die Runde machte, wie die Aufstellung aussah, kann man nicht sagen, dass Begeisterung herrschte: Der Lieblingslulatsch Sobiech fehlte in der Innenverteidigung, für ihn rückte Joel Keller nach, der bisher ausschließlich bei der U23 eingesetzt wurde. Auch Ziereis fehlte und wurde durch den nach innen rückenden Marc Hornschuh vertreten. Der auf außen gesetzte Nehrig fiel dann nach dem Aufwärmen noch aus und wurde durch Choi ersetzt, während sich mit einem nach rückenden Dudziak und Verhoek, der Doppelspitze mit Thy spielte, zwei weitere Gesichter in der Startelf einfanden, die zuletzt nicht dort zu finden waren. Besonders erstaunte wohl Verhoek in der Startelf, der bei den vorangegangenen Spielen zumeist erst im späteren Spielverlauf eingewechselt wurde. Mir persönlich fehlte neben Kopfballungeheuer Sobiech auch Sobota unheimlich, als ich die Aufstellung sah, hatte der sich doch die letzten Wochen durch die ständige Ackerei eigentlich unverzichtbar vor allem im Zusammenspiel mit Thy und Ratsche/Buchti gemacht. Aber irgendwann macht die Gesundheit da dann vielleicht auch mal nicht unbedingt mit.

Ich muss ja zugeben, dass ich in der Anfangsphase der ersten Hälfte erst einmal die Spieler im Auge behielt, die man zuletzt nicht so häufig hatte spielen sehen – oder gar ihr Debüt in der zweiten Liga gaben: Mit Joel Keller haben wir da ja nun wirklich eine kleine Schweizer Kante in der Innenverteidigung, der so herrlich robust in die Zweikämpfe rasselt, dass mein Herz für Schweizer Kantenspieler regelrecht Freudensprünge machte. Big John Verhoek zeigte sich, anders als von mir zuletzt kritisiert, sehr engagiert, war viel zu sehen und hatte mit Ausnahme von einigen wenigen typischen Verhoek-Aktionen (Abseits…) eine ordentliche Präsenz am Platz.

Und auch wenn ich die letzten Wochen viel geschimpft habe, blieben mir im Stadion vor allem die im Millernton gehörten Worte von Philipp Heerwagen im Kopf: Es sind nur Menschen. Auch wenn man das schon mal zu vergessen scheint, er hat recht und umso mehr freute ich mich eigentlich, dass Big John nach dem familiären Drama, dessen Ausmaße schon absolut unvorstellbar für mich sind, diesen „Erfolg“ feiern konnte – auch wenn es vor Spielbeginn erst einmal nur ein kleiner war.

Die Anfangsphase des Spiels machte ziemlich deutlich, dass da eine Mannschaft in Braun und Weiß auf dem Platz stand, die in dieser Form noch nicht richtig zusammen gespielt hatte. Zwar machte Debütant Keller einen guten Eindruck in der Innenverteidigung, insbesondere durch sein robustes Zweikampfverhalten, allerdings machte es auch deutlich, was das sonst für ein Luxus ist mit Ziereis und Sobiech zwei solche Riesen in der Innenverteidigung zu wissen, die einfach jeden hohen Ball, der in den Strafraum segelt, aus der Luft pflücken. Nach vorne ging nicht so richtig viel, auf beiden Seiten eigentlich, wenn man mal von den ein zwei Schüssen direkt am Anfang durch die Spieler mit Zebrastreifen absieht. Richtig brenzlig wurde es selten, entweder hatte immer noch jemand den Fuß da zwischen oder es flog eben noch ein Himmelmann zwischen Ball und Tor. So weit, alles wie immer.

Man muss allerdings zugeben, dass der MSV sich nicht unbedingt so präsentierte, als stünde er so weit unten drin, wie es nun mal der Fall ist. Sie standen nicht unbedingt unsicher und dieser Fellaini-Verschnitt Feltscher ging mir gehörig auf die Nerven, wenn ich ehrlich bin. Ratsche hingegen hatte seinen eigenen Lieblingsgegner gefunden und säbelte Chanturia gediegen um, wofür es – nicht ganz zu unrecht, gelb setzte. Das war die erste von unzähligen gelben Karten und meiner Meinung nach – wenn man schon so pfiff – im Endeffekt doch nicht genug.

Nachhaltig beeindruckt hat mich Joel Keller in der ersten Halbzeit, der zwar ab und an noch Unsicherheiten zeigte, dafür allerdings auch jedem noch so verloren geglaubten Ball nachjagte. Sowas find ich stark und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir Keller in nicht allzu ferner Zukunft öfters bei der ersten Mannschaft spielen sehen. Ich jedenfalls würde mich freuen.

Zur Halbzeit stand es dann immer noch null zu null, was durchaus ein passendes Ergebnis für eine derart zerfahrene und beackerte erste Hälfte war. Wir einigten uns in der Halbzeitanalyse im Block darauf, dass das ein gefährliches bisher torloses Spiel war, das zu beiden Seiten kippen könnte und sei es durch einen Sonntagsschuss, wie Frankfurt ihn im Hinspiel irgendwie in unser Netz befördert hatte. Jedenfalls glaubte ich nicht wirklich daran, dass hier mehr als ein Tor fallen würde und das eben auch nur mit … nun ja, Glück.

Die zweite Halbzeit begann dann ähnlich wie die erste geendet hatte: Ratsche sehr auffällig, irgendwie überall und mittlerweile auch sehr präsent in den Zweikämpfen, aus denen er – im Vergleich zum letzten Jahr – deutlich häufiger als Sieger sogar von Kopfballduellen hervor geht. Generell nahm die Mannschaft das sehr zweikampfbetonte Spiel ziemlich gut an und scheute sich nicht in jeden noch so dreckigen Zweikampf zu gehen. Es war sicherlich kein schönes Spiel, aber ein kämpferisches.

Wie sehr diese etwas zusammengewürfelte und teils als „Notelf“ betitelte Mannschaft zusammenarbeitete sah man für mich auch an der Zange die Verhoek und Choi gemeinsam um den Duisburger Gegenspieler legten. Man half sich aus, da war diese Situation irgendwie symptomatisch für und .. ja, na gut, sie sah einfach schon cool aus.

Nach dem etwa eine Viertelstunde in der zweiten Hälfte gespielt war, fiel für mich an einer Situation besonders auf, dass die Boys in Brown mit relativ viel Selbstvertrauen agierten: Bei einer Chance Verhoeks insbesondere, denn die war mit so unfassbar viel Geduld herausgespielt, dass ich vollkommen verwundert war. Man ließ den Gegenspieler immer wieder kommen und spielte erst im letzten Moment wieder ab – Jungs, das war cool!

Duisburg wechselte relativ früh im Spielverlauf das erste Mal und kaum standen sie etwas höher, griffen früher an, wurschtelte sich da so ein kleiner blonder Wirbelwind zur Chance im Strafraum. Buchti hatte den Ball wunderbar behaupten können, steckte auf Dudziak durch, der wiederum Ratsche bediente und somit die Vorlage zum Tor kassierte. Herrlich!

Beim „Nachschauen“ an der Flimmerkiste fiel mir hier eindeutig auf, wie dermaßen gestreift der Kommentator unterwegs war, denn für mich war das Tor nicht wirklich unverdient. Wenn du hinten sicher dichthältst und dir vorne nach und nach mehr Chancen herausspielst, kann ein Tor auch verdient sein, wenn der Gegner zuletzt eher am Kommen war. Wenn der aber nun mal mehr aufmacht, um offensiver zu spielen, naja, dann ist das für mich nicht unverdient, wenn man sich eins fängt. Aber gut. ich hab das Spiel ja zum Glück nicht zuhause gesehen und hab mich deswegen auch nicht aufgeregt.

Im Folgenden war Duisburg eher die agierende Mannschaft, das stimmt schon. Sie wollten, sie kämpften an und mal ehrlich, wer behauptet man wüsste nicht, dass man ja dann eigentlich nicht mehr viel zu verlieren hat, zeugt von beeindruckendem Gedächtnisverlust gegenüber der letzten Saison. Tatsächlich erinnerten sie mich ein wenig an den FCSP von vor einem Jahr: Man rannte, kämpfte an und konnte sich letztendlich doch nicht wirklich dafür belohnen, weil der Gegner immer mal wieder noch den Fuß oder einen herausragenden Keeper dazwischen bringen konnte.

Die restliche Zeit der zweiten Hälfte plätscherte fast so dahin. Fast. Sie war noch immer durchzogen von unfassbar vielen gelben Karten auf einer Seite, wobei ich an Buchtis Stelle durchaus früher die Klappe gehalten hätte. Das war haarscharf und ich fürchte, wird nicht folgenlos bleiben, wenn er dank der fünften Gelben am Donnerstag gegen Braunschweig fehlt. Buchti hat sich in den letzten Spielen als ziemlich wichtig erwiesen, weil das einfach ein Kämpfer ist, den du in der Mannschaft gerne hast. Zusammen mit Sobota, der ja dann auch für Choi kam, seh ich Buchtmann unheimlich gerne.

Etwa fünf Minuten vor Ende gab es ja dann noch diese Elfer Situation. Ich machs kurz: Bin da vollkommen beim Schiri, hätte ich auch nicht gegeben, dann musst du ja im Prinzip jeden Kontakt im Strafraum später pfeifen. Wäre vertretbar gewesen, ich kann diese Entscheidung aber mehr als gut nachvollziehen.

Es folgten noch ein paar robustere Szenen von Zweikämpfen, wo einmal mehr Keller auffiel. Bei aller Liebe: Das ist echt ein Spieler nach meinem Geschmack. (Wer hätte das gedacht…)

Auf der anderen Seite hätte es aber durchaus noch einmal gelb für die Zebras geben dürfen, als Obina Jeremy Dudziak mit einer wegrutschenden Schere sehr unsanft von den Füßen holte. Andersrum hätte er es gepfiffen, mit Sicherheit.

Die Nachspielzeit war mit drei Minuten durchaus human angesetzt und kaum, dass sie angezeigt wurde, brüllte mein Vordermann „Nun pfeif doch endlich ab!“. Wenn ihm jemand nochmal das Prinzip der Nachspielzeit erklären könnte? Nun, danke.

Irgendwie galt es, da noch ohne Gegentor durchzukommen. Mit etwas Glück meinetwegen. Oder einfach mit einem Keeper vom Kaliber Himmelmann im Tor. Er war mal wieder zur Stelle, als man ihn brauchte und das finde ich durchaus beeindruckend, wenn man mal überlegt, wie viele Spiele, wir diese Saison ohne Gegentreffer überleben konnten. Da hat nicht zuletzt Himmelmann einen massiven Anteil dran, aber eben auch unterstützt von diesem Zusammenhalt der Mannschaft, der auch in der Nachspielzeit an einer Situation nochmal deutlich zu erkennen war: Man eroberte den Ball zum Teil auch zu dritt und half sich aus. So will ich das doch sehen.

Und dann gab es da diese eine Situation. Diese ganz zum Schluss. Verhoek holt sich den Ball selbst, geht strack auf den Keeper zu und gerade wenn man denkt, don’t do it the big john way!, spielt er zwar ganz Big John mäßig noch einmal um den Keeper herum, statt direkt zu schießen, und tunnelt ihn. Er tunnelt ihn. Der Ball wäre so oder so drin gewesen, da half dann auch der Klärversuch ins eigene Tor nicht mehr, denn dieses Tor gehört Big Fuckin John. Gerade im Bewusstsein der privaten Situation war es wirklich rührend, dass ausgerechnet John Verhoek noch ein Tor oben drauf setzen konnte und in dieser Situation hätte ich es niemandem mehr gegönnt als ihm. Auch weiterhin, ynwa John!

Ja, und das wars dann irgendwie vom Spiel. Ewald wurde noch ein wenig gefeiert und wie das Fangirl schon ansprach, war es ein wenig befremdlich zu sehen, wie die Mannschaft da in der Ecke bei uns stand und eigentlich nicht richtig wusste, was sie machen sollte. Andererseits bin ich die letzte, die bei den Ewald-Gesängen nicht mitmischt. Vielleicht sollte man aber auch demnächst einfach nochmal was anderes singen, wenn die Jungs da unten stehen.

Ewald beeindruckte noch mit einer kleinen artistischen Klettereinlage und auch Enis Alushi gesellte sich noch zu den Zuschauern auf den Sitzplätzen, immer gern gesehen. Wir haben da eine ziemlich coole Mannschaft stehen, das muss man echt so sagen.

 

Drumrumgepöbel.

So, und weil man so viel Getippse über Fußball von mir ja gar nicht gewöhnt ist, kommt hier noch der Rest vom Drumherum. Die Stimmung bei uns fand ich okay. Sie war nicht schlecht, hätte aber noch besser gehen können. Woran das mutmaßlich gelegen haben könnte, kann man bei der Breitseite St. Pauli  nachlesen und der Einschätzung bezüglich des Alkoholpegels muss ich mich anschließen. Bereits vor dem Spiel stolperten da einige in einem Maße herum, dass man froh sein konnte, wenn sie überhaupt eine der Toiletten noch trafen, ob nun die für Damen oder Herren. Unangenehm.

Was mich noch eher nervte, war ein Fan vor mir, der versuchte alle anderen in ihrer Betonung zu belehren. Gerade im Lichte der „Ich lass mir meine Art des Supports nicht vorschreiben“-Diskussionen: Ich lass mir genau von einem vorschreiben, wie ich supporte und das ist der Mann am Zaun. Wenn ich lieber ein langgezogenes „eeey“ am Ende von „St. Paaaaauleeeey“ sagen will, dann tu ich das, verdammt nochmal. Da kann man mir noch so häufig „St. Pauliiiiii, mit iiiii!“ entgegen brüllen. Wenn man schon so bedacht darauf ist, die „richtige Art des Supports“ durchzuboxen, dann verschwende man doch bitte nicht die andere Hälfte der Fangesänge damit, immer ein „mit iiiii!“ nach zu schieben. So. Genug gemeckert, das musste raus, nervte nämlich auf Dauer unheimlich.

Das hat mit Fuß, das hat mit Ball, das hat mit Fußball nichts zu tun!

Der Gesang kam dann tatsächlich auch mal bei uns auf und zwar im Zuge der Halbzeitshow. Die war … naja, zumindest fragwürdig. Ich bin generell nicht der Fan von Cheerleadern beim Fußball und wenn die dann auch noch derart jung sind, nun ja. Die Beschallung mit Technogedöns war auch eher so semi-toll und deswegen passte der Chant für mich auf jeden Fall recht gut.

Gekrönt wurde all das allerdings von der Halbzeit-Blockfahne im Duisburger Block. Das … uff, ne, das hab ich so noch nicht erlebt und ich hoffe, das muss ich auch nie wieder sehen: Eine Werbeblockfahne? Ernsthaft? Wie scheiße ist das denn? Naja, überspringt lieber den „heute-König“-Tag und bleibt bei den Zebras.

 

Damit hab ich aber auch eigentlich genug gemeckert. Wir machten uns irgendwie auf den unfassbar weiten Weg zurück zum Hauptbahnhof, wo dann gerade noch die Bahn erwischt und sogar noch kurz ein weiteres Hallo gesagt wurde. Der Zug fuhr dann auch plötzlich vollkommen anders und wo ich eigentlich erst in Bochum hätte umsteigen müssen, hatte ich dann zusehen müssen, dass ich noch in Essen raus kam, weil ich sonst unfreiwillig in Dortmund gelandet wäre. Nicht ganz der Plan.

Am Bahnhof dann also schnell nachgeschaut wann der nächste Zug in die Heimatstadt fuhr und festgestellt, dass ich noch etwa eine Minute bis zur Abfahrt hatte. Fluchend also mal wieder einen Sprint angesetzt und auch den Zug gerade noch so bekommen. In der Heimatstadt angekommen, sah ich leider meinen Bus auch schon bei der Zugeinfahrt an der Haltestelle warten:

Der Tag endete dann in der Heimat genau so wie er begonnen hatte: Mit einem Sprint zum Bus.

Forza!

 

Wer noch nicht genug Text hatte, dem sei der Gang hier entlang empfohlen:

http://www.breitseite-stpauli.de/duisburg_auswaerts.htm

http://niceguys.blogsport.de/2016/02/29/senfdazu15/

https://fcspsouthendscum.wordpress.com/2016/02/29/matchday-23-msv-duisburg-fc-sankt-pauli-0-2/

https://fangirl1910.wordpress.com/2016/03/01/lost-in-duisburg/

https://kleinertod.wordpress.com/2016/02/29/aus-der-not-drei-punkte-gemacht-fcsp-auswaertssieg-in-duisburg/

Zebrastreifen am Horizont

Grenzenlos, Glitzer-Pompons & ganz viel Glück