Archiv für den Monat Dezember 2015

Parkhäuser – immer diese Parkhäuser!

Wenig Fußball, viel drumherum und eigentlich doch nur Rumgedruckse.

Bielefeld. Puh, also ich muss ja zugeben, dass Bielefeld zu den Städten gehört, in die es mich nur dank des Fußballs verschlagen hat. Ohne die Auswärtsfahrt am Montag fällt mir gerade nicht unbedingt auch nur ein Grund ein, warum ich die non-existente Stadt hätte ansteuern sollen. So aber war es eines der wenigen verbliebenen(aktuellen) Zweitligastadien, die mir noch in der Statistik fehlen und da es ja auch noch das letzte Spiel des Jahres für mich war, freute ich mich wie eine Blöde auf die Fahrt.

Wie schon zuvor in Braunschweig, bot es sich nicht unbedingt an, mit dem Zug anzureisen (Dank an die DFL für diese vollkommen wundertastische Ansetzung!), wäre ich doch da dann irgendwo im Ruhrgebiet auf dem Rückweg gestrandet. Am besten noch in Hagen. Oh himmel hilf.

Daher machte ich mich dann alleine auf den Weg nach Bielefeld und vertrieb mir die Autofahrt mit Autobahntourette, wildem Rumgefluche und lautem, schiefen Mitsingen der Autoplaylist. Bis auf eine kurze Schrecksekunde, wo alle mal eben von Tempo 140 auf 0 runter gehen mussten, weil irgendein Dappes meinte, dringend eine Baustellenwarnleuchtenhalterungssäule (wie zur Hölle nennt man die Dinger mit den roten Streifen?) umsäbeln zu müssen, verlief die Fahrt vollkommen ereignislos, wenn man den üblichen Wahnsinn mancher Autofahrer, mich eingeschlossen, mal außen vor lässt.

Der wahre Spaß begann dann eigentlich mit der Abfahrt von der Autobahn, Richtung Innenstadt. Also … ich will ja jetzt nichts sagen, aber es ist ja weithin bekannt, dass ich nicht so unbedingt gut Busfahren kann. Naja, Busfahren kann ich – ich komm nur nicht immer da raus, wo ich eigentlich hin möchte. So ähnlich geht das manchmal mit dem Autofahren auch, allerdings ist das deutlich seltener und beschränkt sich meist auf die Parkplatzsuche in irgendeiner mir nicht unbedingt bekannten Stadt.

Ich hatte jedenfalls genügend Zeit um mir Gedanken darüber zu machen, wo ich denn überhaupt parken wollte, da die Ampelphase der Kreuzung direkt nach der Abfahrt jedes Mal nur drei Autos durchließ. Man hatte ja auch im Forum vorher lesen können, dass wohl das Uniparkhaus am besten geeignet sei um an Spieltagen seinen fahrbaren Untersatz ins Trockene zu bringen, kurzerhand wurde also das angesteuert. Mit Umwegen. Ohne wäre es ja auch langweilig!

Während mich also der Schilderwald an einer nicht unbedingt kleinen Kreuzung derart verwirrte, dass ich statt nach rechts, nach links abbog – ich könnte schwören, das Schild hätte mir auch gesagt, ich solle genau DAS tun! (auf dem Rückweg zeigte das linke Ding dann was anderes an, hust) – war irgendwie schon zu erahnen, dass ich im Leben nicht den Weg vom Parkhaus zum Stadion „einfach so“ finden würde. Ihr könnt jetzt lästern, wie ihr mögt, aber mit mir wird es schlicht und ergreifend nicht langweilig. Punkt.

Aber ich weiß eben auch um meine Fähigkeiten in der Navigation und deswegen klinkte ich mich direkt nach dem Aussteigen bei zwei anderen ein, die ich mit einem „Wollt ihr etwa aaauch zum Fußball? Nehmt mich miiit!“ für mich gewinnen konnte. Gut, das waren Bielefelder, aber die zwei waren echt cool drauf. Der Hass konnte ja später noch kommen.

Im Endeffekt war das das Beste was ich machen konnte, weil den Weg, den die zwei mich führten, hätte ich niemals selbst so gefunden. Und ich war auch nicht unbedingt böse drum, dass ich den Weg durch die teils gar nicht oder nur spärlich beleuchteten Stadtparkanlagen nicht gänzlich allein antreten musste. In Bielefeld geht das zwar noch, aber wenn ich mir sowas irgendwo im Osten oder bei Braunschweig vorstelle – uff, ne, da will ich echt nicht alleine durch.

Immerhin war ich, als ich mich dann wirklich alleine auf den Weg machen musste, schon mal in Sichtweite des Parkhauses Stadions. Dass das leider nicht unbedingt bedeutete, schnell da zu sein, musste ich dann in der folgenden halben Stunde feststellen, denn obwohl ich, wäre ich einfach nur geradeaus gegangen, schon am Stadion gewesen wäre, erforderte es noch einen kompletten Rundgang um das Stadion, die Anlagen drumherum, mindestens eine Schrebergartenanlage, zwölf Wohngebiete und dreimal Bielefeld selbst, bis ich zum Gästeeingang gelangt war. Ich hab auf der Wanderschaft auch überhaupt nie nach dem Weg gefragt (nie >= 5 oder so) .

Aber hey, irgendwann finde auch ich den Eingang. Und da war ich mir dann aber doch nicht ganz so sicher, sieht doch das Stadion eher einem Parkhaus ähnlich als einem … öhm. Stadion. Schon wieder Parkhäuser!

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Da! Einwandfreies Parkhaus – oder so.

Auf jeden Fall husch zum Eingang, dahinter wurde ich ja doch schon erwartet. Die Dame an der Kontrolle war erfrischend herzlich und unglaublich gut gelaunt. Wir scherzten eigentlich die ganze Zeit und sie witzelte mit und so könnte das echt immer laufen. Auch wenn ich neben mir sah, dass viele (männliche?) Fans sogar ihr Portemonnaie bis auf das letzte Fach vorzeigen und die Kleber abtreten mussten.

Erst einmal das Stadion gestürmt und auch relativ schnell die bekannten Nasen gefunden – schön euch getroffen zu haben! Vielleicht machte der kleine Exkurs zu USP ja auch ein bisschen Spaß und verstörte nicht nur, hihi.

Naja, auf jeden Fall gings dann rauf auf den Rang und alter, ist das ein bescheidener Gästeblock. Die Jungs und Mädels die ganz links (mit Blick aufs Spielfeld) standen und schon wieder wie auf der Geraden ausgerichtet waren müssen ja wirklich die Sahneplätze gehabt haben. Oh mann. Aber – es geht schlimmer, das muss man da ja auch noch im Kopf behalten.

Der Blick aus dem Block

Der Blick aus dem Block heraus.

Links oberhalb von uns in dem leeren Block auf der Gerade postierten sich dann irgendwann auch Polizisten, inklusive einer Kamera. Ich denke, da muss man nicht viel zu sagen, außer dass es richtig stinkt, dauerhaft gefilmt zu werden. Alles weitere dazu werde ich an dieser Stelle für mich behalten und nicht in die  – oder zumindest einen kleinen Teil davon – Öffentlichkeit hinaus posaunen, wenn in der Hinsicht ja eigentlich Konsens herrscht. Generalverdacht ist halt immer scheiße.

Mir persönlich war der Tag eines Supporters ja schon gerettet, als ich sah, wer da unten auf den Zaun kletterte. Umso besser, wenn endlich mal ein klein bisschen Hass im Spiel ist. Mir wurde ja schon unterstellt ich sei „zahm“ und meine Fangeneration ohne Hass, aber die alten Hasen haben halt keine Ahnung (Schönen Gruß an euch!).

Aber es ist halt doch nicht derart häufig, dass bei uns mal Schmähgesänge zum Gegner aufkommen und dann fehlt eben manchmal ein wenig Hass. Umso schöner, dass sich nach Leipzig, Braunschweig zähl ich nicht, endlich nochmal die Gelegenheit dazu bot! Mir blieb es auch noch einige Tage im Kopf hängen, aber das ist ein anderes Thema.

Die Stimmung an sich fand ich ganz ordentlich, aber so ein richtiger Burner war das jetzt auch noch nicht. Ich bin ganz ehrlich gespannt, wie das nächstes Jahr so wird, jetzt wo die „Ergebnisse“ der Verhandlungen ja feststehen. Puh. Nicht ohne. Aber weiteres dazu ist hier bei USP nachzulesen.

Das Spiel an sich ist so sicherlich im Ergebnis okay. Meiner Meinung nach hätte da nicht ein Tor fallen dürfen, das wäre auf keiner Seite verdient gewesen. Mal wieder herausragend: Himmelmann! ❤ Das wird ja fast zur Gewohnheit hier, schön, dass wir auf ihn zählen können.

Tja nun. Viel mehr werde ich hier jetzt auch nicht mehr fest halten. Bielefeld war mein letztes Spiel 2015, da ich auch das KSC Spiel nicht verfolgen können werde, aber Fußball geht einfach nicht immer vor.

Was bleibt nun, nach der ersten Hälfte? Ich durfte ein paar richtig, richtig gute Fahrten erleben, hab die Dauerkarte in keinster Weise bereut und unheimlich viele Menschen kennen lernen dürfen, die ich ohne den Fußball nie getroffen hätte. 2016 darf gerne so weiter gehen, allerdings bitte auch weiter mit einem gut gefüllten Block. Kommt gut ins Neue Jahr, passt bitte auf euch auf und ich freue mich einige von euch 2016 wieder zu sehen oder kennen zu lernen.

In diesem Sinne,

Diffidati con noi! 

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Vermisst – Der #FCSP am Betzenberg

Kaiserslautern und der 1. FCK. Tatsächlich eine der wenigen Kombinationen, wo ich weder mit der Stadt noch mit dem Verein in irgendeiner Weise ein Problem hab. Ist mittlerweile selten geworden, aber das auch wohl aus unterschiedlichen Gründen. Aber zu Kaiserslautern habe ich halt im Prinzip genau eine Erinnerung und das ist das Spiel in der ersten Jahreshälfte.

Der FC St. Pauli reiste damals als krasser Außenseiter an, der FCK wedelte mit einer Serie von über einem Jahr, in dem sie daheim nicht mehr geschlagen worden waren. Daran würde wohl auch der aufmuckende FC St. Pauli nichts ändern können, oder? ODER?

Aber wie. Ich erinnere mich sehr gern an die Fahrt, weil sie einfach unheimlich Spaß gemacht hat und ich die Stimmung am Betzenberg zumindest von uns Gästen im Stadion und die gesamte Atmosphäre in der Stadt nachher wirklich grandios fand.

Man sollte also meinen, ich sei mit ziemlich großen Erwartungen angereist – mitnichten. Nach dem Spiel gegen Nürnberg war mir die Lust nämlich erst einmal gehörig vergangen, sodass manch eins schon meinte, mich zwingen zu müssen  (zwingen. Zu einem FCSP Spiel. Merkt ihr selbst?) aber natürlich lasse ich mir kein Spiel entgehen, wenn es nicht sein muss. Also wurde sich am Samstagmittag in den Bus Richtung Mannheim gesetzt, um da schon mal bei Teil 1 der Begleitung einfallen zu können.

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Mannheims Wasserturm umzingelt vom Weihnachtsmarkt.

Es wurde sich mit einem wirklich schönen, entspannten und total durchgeknallten Abend schon mal auf den Spieltag eingestimmt und dann kam ja irgendwie einer der schönsten Parts; Wir konnten ausschlafen. Da Mannheim und Lautern ja jetzt nicht so unheimlich weit entfernt von einander lagen, malten wir uns die Anreise natürlich auch als extrem unkompliziert aus. Wurde sie dann nicht ganz.

Statt entspannt zur Tram zu schlendern, mussten wir hetzen. Und Statt da dann auf den Zug zu warten, entschieden wir uns (dumme Idee!) den Rest zu laufen. Dass uns die verdammte Bahn dann keine vier Minuten später ein- und überholte – war dann irgendwie zu erwarten.

Von da an wurde das „Hetzen“ dann zu Rennen. Wir rannten wie wild hinter der Straßenbahn her und da passierte natürlich genau das, was unvermeidbar ist: eines der Smartphones wittert die Chance und wagt den Sprung in die Freiheit. Ärgerlich – aber zumindest den Zug haben wir bekommen!

Von dem Zug dann zum anderen gerannt und auch den tatsächlich noch bekommen. Irgendwie war da doch was im  Busch. Zweimal so knapp den Zug noch erwischen, vermisst denn jemand das Karma?

In Kaiserslautern dann auch erstaunlich leicht den letzten Teil der Begleitung gefunden und eingesammelt, und dann ging es natürlich ab – ruff uff de Hügel.

Naja, ehrlich gesagt nicht direkt. Ich hatte – vorsichtshalber und mitdenkend wie ich nun mal bin (ja, da musste ich selbst lachen) mein komplettes Zeug aus Mannheim schon mitgenommen, damit man das nachher nicht mehr unbedingt noch einsammeln musste. Das wollte nun natürlich noch untergebracht werden und das eben nur ungern am Stadion. Also versuchten wir, zu den Schließfächern zu kommen – aufgehalten von den Polizisten.

„ST. PAULI IN DIE ANDERE RICHTUNG!“ knurrte mir da einer entgegen und ich war schon dabei die Jacke zu zu machen und weiter zu gehen als sein Kollege grinsend eingriff, während ich protestierte doch nur eben meine Tasche einschließen zu wollen.

„Warts’de mal zwei Minuten, dann kannst da rein.“ Schlichtete der andere und schwupps wurde ich durchgelassen. Wenn man mir das so sagt, ist das doch ein wenig netter. Auf dem Rückweg dann noch von dem gleichen Mensch in Grün ernsthaft interessiert gefragt worden, ob denn alles geklappt hätte und er wünschte sogar noch ein schönes Spiel. Insgesamt also immer noch kein wirklich schlechter Eindruck von der Polizei in Lautern. So machten wir uns dann wirklich auf den Weg den Hügel rauf.

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Das mag ich immer noch. Wenn ein Stadion fußläufig vom Bahnhof erreichbar ist, hat das einfach was. Noch dazu muss man sich selten Gedanken machen, wem man da über den Weg läuft, sowohl uniformiert als auch im Trikot ist mir da noch keine Person begegnet, die mir in irgendeiner Weise quer gekommen wäre.

Wir verblieben noch eine Weile auf dem Vorplatz des Stadions und machten uns dann schließlich auch auf den Weg rein. Kontrollen gewohnt unkompliziert, gewohnt lapidar. Man bekäme wirklich alles derart leicht ins Stadion, das ist schon fast angsteinflößend. Da mir die Lichtspiele aber ja bekanntlich ziemlich zusagen, bezieh ich das jetzt gerade natürlich nicht darauf.

Immerhin wurde kein Stress wegen Aufklebern gemacht, das wäre dann wirklich an Lächerlichkeit nicht zu überbieten gewesen, wenn man mal ehrlich ist.

Aber nun zu einem Thema, über das ich mich gar nicht genug aufregen kann: Warum dieses scheiß JustPay auch im Gästeblock? Macht es doch da den Gästen ein wenig leichter, als jedes Mal so eine Karte holen und auffüllen zu müssen. Das nervt einfach nur und gerade als purer Auswärtsfan ist es mir ein Grauen wenn ich mir vorstelle, dass das in mehreren Stadien so sein könnte. Jedes Mal neu holen und nachher wieder zurück bringen, macht doch einfach nur sehr wenig Sinn. Und jetzt kommt mir nicht mit „Kannst sie ja behalten“, was will ich damit? Ich weiß ja nicht mal, ob man im nächsten Jahr noch in der gleichen Liga spielt (und das jetzt eher am Beispiel letzter Saison, denn an dieser).

In München setzt man es doch auch aus für den Gästeblock. Zumindest die Möglichkeit geben, dass man noch mit Bargeld bezahlen kann, das wäre es doch. Und ich hätte auch nie gedacht, dass ich München abseits des Biers mal als gutes Vorbild nehmen würde. Nun ja, nicht ganz abseits des Biers…

Genug gemeckert. Wir machten uns schließlich auf, uns ein Plätzchen auf den Rängen zu suchen, was unglaublich leicht und unkompliziert gefunden war. Das kennt man ja auch schon mal anders. Dann galt es zu warten. Ich war kurz wirklich dankbar, dass ich nicht so in der Luft hing, wie beim letzten Besuch am Betze. Und dass mein Knie nicht so weh tat, wie „damals“. Aber irgendwie war ich auch aufgeregt.

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Ich hatte zum allerersten Mal eine Freundin dabei, der ich zeigen wollte, warum ich das alles auf mich nehme und diesem „kleinen Verein“ durch halb oder ganz Deutschland hinterher fahre. Die Jungs können das ja meist noch verstehen, aber bei meinen Freundinnen herrschte da immer ein Mix aus „Warum?“ und einem Hauch von Faszination – letzteres jedenfalls in diesem speziellen Fall. Ich war also natürlich wirklich gespannt, wie sich die Boys in Brown zeigen würden, wie die Stimmung wäre und ob ich am Ende sagen könnte, ich hätte da ein gutes Spiel für rausgesucht.

(Vorweg: Kann ich.)

Ansonsten war ich aber überhaupt nicht zappelig. Das war irgendwie ungewöhnlich, aber beim letzten Besuch in Lautern nicht anders: Ich erwartete nichts. Weder einen Sieg, noch eine Niederlage, ich hatte irgendwie absolut kein Gefühl wie dieses Spiel am Ende ausgehen würde. Eine kleine Hoffnung auf Schnecke Kalla jedoch machte sich schon in mir breit.

Mit Anpfiff richtete sich der Blick dann zur Hälfte aufs Spielfeld („I can’t see shit!“) und zur anderen auf die Jungs am / vorm / in der Nähe vom Zaun. Ich persönlich vermisste da mein Lieblingsgesicht, dafür kam dann immer mal wieder was mit „Diffidati“. Ehrlich gesagt hab ich immer noch absolut keinen Plan was da in München vorgefallen ist, mit welchen Konsequenzen man da nun umgehen muss und warum derzeit öfters mal ein Ruf für die Verbannten aufbraust. Das kannte ich bisher so bei uns noch nicht und wunderte mich eben ein wenig darüber (vollkommen wertungsfrei). [Mittlerweile bin ich hier etwas schlauer geworden, danke sehr!]

Stimmungstechnisch war der Anfang ganz ordentlich, nach München aber bereits eine wahre Wohltat, das kann ich eigentlich nicht anders sagen. Ab und an verebbte es mal ein wenig zu sehr, aber alles in allem ist das wirklich nicht zu verachten gewesen – so fühlte sich das jedenfalls im Stadion an.

Unterbrochen von einem ziemlich lauten Jubel. Gewohnterweise konnte ich natürlich kein Tor sehen und auf einmal brüllte alles los. Also brüllte ich mit, ganz einfach ist das. War da echt grad ein Tor gefallen? Nach diesem Gestochere im Strafraum? Tatsache, das Netz zappelte.

Da ich beim Schreiben dieses Abschnitts immer noch im Bus sitze und auf dem Heimweg bin, hab ich noch nicht ein Fernsehbild gesehen. Ich bin aber ziemlich gespannt darauf, das muss ich zugeben.

(Anmerkung: Auch nachdem ich nun Fernsehbilder gesehen hab, ist das für mich kein Eigentor.)

Dieses unglaublich frühe Thy-Löweeigentor-Tor nahm ein bisschen den Schwung aus dem Support find ich. Klar, es brandete kurz einmal richtig auf, aber danach war jeder vermutlich entweder noch so überrumpelt oder gerade so glücklich, wenn er sich genauso wenige Chancen ausgerechnet hatte, wie ich, dass der Support mal ein wenig – ich klaue hier mal eine Ausdrucksweise, mit schönem Gruß nach Hamburg 😉 – gesättigt wirkte.

Ab hier wird’s jetzt noch chaotischer als eh schon, weil ich nur Brocken von Eindrücken wiedergeben werde, sie aber dem zeitlichen Verlauf nicht mehr wirklich zuordnen kann. Im Großen und Ganzen fehlte mir heute ein wenig die Abwechslung in den Fangesängen, manche die sonst sehr gerne und sehr gerne lautstark gesungen wurden vermisste ich komplett. Dafür aber kam endlich nochmal ein ordentlicher Wechselgesang mit dem Oberrang zustande und dann auch noch „We love St. Pauli“, das hatte mir davor viele Spiele lang in gewisser Maßen gefehlt.

Ich las irgendwo die Anmerkung (ich kann leider gerade wirklich nicht mehr zu ordnen, wo das war, wenn sich hier jemand wieder findet, freue ich mich über einen Link), dass eigentlich nur ein Bruchteil der Lieder gesungen wird, die theoretisch zur Verfügung ständen. Da finde ich mich mit meiner Meinung ein bisschen wieder, wo ich doch gerade in den (Auswärts-)Spielen davor eine deutliche Entwicklung in der Abwechslung vom Dauersingsang (<3) bemerkt hatte.

Puh, das war ein komischer Satz. Weiter im Text, lächeln und winken, im Zweifel Riverdance, und hoffen, dass sich das keiner bis zum Kritik schreiben merken kann.

Ich für meinen Teil hatte jedenfalls Spaß am Support. Klar, der geht mir selten wirklich ab, aber irgendwie tut so ein Spiel doch immer wirklich gut, wenn es auf eine Fahrt folgt, nach der ich wohl einen kompletten Blogpost mit Flüchen hätte füllen können, wenn ich gewollt hätte.

Das Spiel am Platz bekam davon aber nicht so viel mit. Es lag dauernd irgendwer, wenn gerade niemand (meist in rot) lag, dann trat jemand und wenn selbst das nicht der Fall war, dann wurde gemeckert. Achja, Lautern. Zwischendurch gab es auch mal Rudelbildung, Schubsen der Lautrer, schimpfen der Boys in Brown, Getrete auf beiden Seiten.

Mir war in dem Chaos ehrlich gesagt nicht mal aufgefallen, dass Maierchen gar nicht mehr mit in die zweite Halbzeit gegangen war und fehlte mir dann plötzlich. Mal abgesehen von dem Trauerspiel, was da am Platz mit eigentlich viel zu wenigen Karten ( vor allem wegen Meckerns, Rumgezeter und sowas) abging, verschafften sich die Boys in Brown doch ab und an mal eine Chance, auch wenn die Lautrer wirklich anrannten, wie die Blöden. Man konnte ihnen zumindest nicht vorwerfen, sie hätten irgendwas unversucht gelassen. Nur mit dem Treffen, das wollte zum Glück nicht so recht funktionieren.

Immerhin schoss Lenny dann ja noch ein zweites Tor, das ihm auch nicht aberkannt wurde, wie das erste (Fußballmafia DFL!), was mich in einem Schauer der Freude und des Biers stehen ließ. Es soll ja Leute geben, die das von Anfang an erwartet haben. Wenn Lenny jetzt auch noch in Bielefeld auf der Alm trifft, dann lass ich da mit mir reden, vorher aber definitiv nicht. Sonst muss ich ja wen neues für mein Objekt des Fangirlism suchen, um mich zu vertreten. (Ich hätte da zwar eine Idee, aber ich glaube, das bekomm ich nicht durchgesetzt… 😉 )

Aber es war irgendwie auch fast schon klar (so ungefähr seit Minute 3), dass es noch bei uns rappeln würde. Lautern gelang der Anschlusstreffer und ab da galt es mal wieder zu zittern. Aber nicht ganz so schlimm wie sonst. Manchmal gibt es da ja Spiele, da bekommt man beinahe Kammerflimmern, wenn der Ball nur in unsere Hälfte schlittert. Aber hier ging es. Robin hielt mal wieder was das Zeug hält und irgendwie hielten wir die Führung fest.

Und dann war Schluss. Pfiff. Ende. Spiel vorbei. Jubel pur. Mit vor Bier nass triefender Mütze im Gästeblock endlich nochmal einen Sieg feiern. Überglücklich wandte ich mich an meine Begleitung, der ich dann natürlich eröffnete, sie müsse nun halt immer mitkommen, wenn wir dann gewinnen. Nach Leipzig war es echt einfach nur geil, endlich nochmal auswärts zu gewinnen. Im Gegensatz zu euch heimverwöhnten, ist das ja erst der dritte Sieg den ich feiern durfte, diese Saison.

Himmel. Sind das Luxusprobleme. Genauso, wie später über Tor oder Eigentor zu diskutieren, oder zu überlegen, welcher der Ersatzspieler noch ein bisschen mehr Sicherheit hätte reinbringen können. Im Endeffekt ist das alles Ewalds Bier und der braut das ziemlich grandios. Natürlich bleibt abzuwarten, wie die zwei verbleibenden Spiele vor der Winterpause aussehen werden, aber ich glaube es trifft noch für beinahe alle zu, wenn man sagt „In Ewald we trust“. Für meinen Teil stimmt das und auch wenn ich eigentlich dem Personkult abschwören wollte, nachdem ich mein braunweißes Herz immer an unsere großartigen Stürmer verloren habe (Günni! Und Ebbe natürlich!), die es dann, zumindest zum Teil, dreist einfach mitgenommen haben, der Ewald ist ein Guter. Und verdient jegliches Feiern seiner Person nach Abpfiff. Was er da aus dieser Mannschaft, die ja mit wenigen Ausnahmen noch die gleiche und doch eine komplett andere Mannschaft ist, als letztes Jahr, herausgeholt hat, ist der absolute Wahnsinn.

Wir sind dritter. DRITTER VERDAMMTE AXT! Ist das geil. Nach letzter Saison wäre ich froh gewesen, wenn wir ein paar Punkte mehr gesammelt hätten in der Hinrunde und jetzt stehen wir mit einer Bilanz da, die mit einem Fast-Absteiger von letztem Jahr nicht mehr viel zu tun hat. Geil. Heute gab es überall die Zusammenfassung von den vergangenen 34 Spieltagen mit Ewald als Boss zu lesen und das geht runter wie ´n Schnitzelbrötchen bei Heißhunger.

Wenn man mal überlegt, dass wir die jetzige Punktzahl letzte Saison am 30. Spieltag noch nicht hatten, feiert es sich noch drei mal besser. Dennoch bin ich immer noch der Meinung, dass das vom Support her besser geht. Mann, das ist der Betze. Die meinen doch immer da brennt es und wenn es halt nicht von den „Engelchen“ mit angeklebten Teufelshörnern kommt, dann ja wohl von uns!

Ansonsten werde ich die Fans des ersten Vereins feiern, die sich mal was anderes einfallen lassen, als Scheiß St. Pauli. Leute, da gibts so viele Möglichkeiten – werdet doch mal ein bisschen kreativ!

Ewig kann man so einen Sieg ja leider nicht feiern, da folgt dann irgendwann der Abstieg. Also der aus dem Stadion. Wir fielen noch beim Imbiss am Fuß des Stadions ein und sorgten da für Lacher, da gerade wir zwei Mädels nicht satt wurden. Nach der obligatorischen Bratwurst wechselten wir einen Blick, fingen an zu Lachen und holten dann noch das Schnitzelbrötchen hinterher. Unter ungläubigen Blicken des Imbissmannes, der sichtlich Spaß hatte, zogen wir dann langsam zurück zum Bahnhof.

Das langsam zu machen, war eine weitere etwas dümmere Idee. Den ersten Zug bekamen wir nicht mehr, weil die Türen gerade verriegelt waren. In den zweiten schlüpften wir noch hinein. Und gerade als auch diese Türen verriegelt waren – wir aber nun im Inneren des Zugs – fiel uns ein, dass wir etwas vergessen hatten.

Die Tasche. Im Spind.

Verdammte Scheiße, wir kamen nicht mehr raus und tadaaa, schon wieder hab ich den Award für die dümmste Aktion des Monats bereits am 6. des selbigen so richtig verdient. Aber Freunde, der Monat ist noch lang, ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich selbst noch toppen kann. Wir fuhren also bis zum nächsten Bahnhof, stiegen da aus und fuhren wieder zurück nach Lautern. Schnell die Tasche holen und wieder ab in den Zug, da sollte man doch meinen, dass ich nicht noch mehr Blödsinn machen kann. Dass ihr mich aber auch immer wieder unterschätzt …

Wir standen in einer Ecke, wo außer zwei tierisch nervigen St. Paulianern – naja, sie war nervig, er ging – und Teil oder Vollzeit-Lilien, keine Ahnung, nur Lauterer und sogar ein Typ mit der blauen Raute auf dem Unterarm standen. Puh. Die Lauterer stellten sich als die witzigsten Reisegefährten heraus, ein doch ein wenig angedüselter Vater mit seinem 15jährigen Sohnemann waren wirklich lustig. Der Vater bemerkte irgendwann den Dalmatiner im Abteil und da nahm das Unheil seinen Lauf.

„Kuck mal, da ist ein Dalmatiner!“

Der Sohn entnervt auf mich deutend: „Toll. Und da ist eine Frau.“

Und weil ich meine Klappe einfach nicht halten kann: „Ich hab aber keine Punkte. Oh. Warte – doch! Drei sogar!“

Halblaut, durchs halbe Abteil. Immerhin sorgte es für allgemeine Erheiterung und während ich mich noch über die mal wieder extreeeeem kurze Leitung zwischen Hirn und Mund ärgerte, die mich immer mal wieder in Schwierigkeiten bringt, fing der Sohn an zu lachen und grinste, der sei wirklich verdammt gut gewesen.

Immerhin, Lautern, bei euch bring ich mich mit solchen Aktionen nicht in Schwierigkeiten. Schön, dass man immer noch zusammen und miteinander lachen kann. Hassen gelernt hab ich euch Fans jedenfalls noch nicht. Eure Schwalbenkönige von Spieler … nunja.

So. Was bleibt nun? Ich werde hoffentlich nie wieder eine Tasche vergessen, wenn doch dürft ihr mich ewig verspotten. Der Mannheimer Weihnachtsmarkt kann was. Der Kiezkieker hatte ein geiles Cover und den besten Aufkleber ü-ber-haupt! Und ich hab richtig Bock auf Bielefeld, aus diversen Gründen.

Ich freu mich drauf. Bis dahin gibts hier noch mehr Lesestoff und vielleicht auch mehr zum Spiel:

Die 88-jährige Nonne trifft in der 30. Minute auf das Betze-Dreamteam

https://pegnitzpiraten.wordpress.com/2015/12/07/1-fc-kaiserslauten-fc-st-pauli/

Verein am Wochenende (49/2015), inkl. FCK – FCSP

Mannheim ist mir doch recht sympathisch.

Mannheim ist mir doch recht sympathisch.