Archiv für den Monat November 2015

Eben „Nicht nur Fußball“.

Schon wieder liegt eines dieser Wackelspiele hinter mir: Zu Anfang der Saison hatte ich persönlich zwei Wackelkandidaten an Auswärtsspielen, bei denen ich zu einem „Fahre ich wohl nicht an“ tendierte. Nummer Eins war Leipzig und – nun ja, da bin ich hingefahren (zum Glück!). Das zweite war München. Erst im Februar hatte ich mich auf den weiten Weg nach München gemacht, in der Hoffnung, meinen magischen FC endlich siegen zu sehen. Dass das vollkommen nach hinten los ging, ist wohl kein Geheimnis. Niederlage dank Eigentor, fürchterliche Stimmung dank vor leerer Plätze trostlos wirkender Allianz Arena und absoluter Frust. Puh. Nein, da hatte ich schon beschlossen „Nach München fahr ich erst wieder zum Fußball, wenn Sechzig nicht mehr in Fröttmaning spielt“. Ihr merkt schon: An der Konsequenz in meinen Entscheidungen mangelt es gewaltig. So machten wir uns also zu zweit auf den Weg nach München, um uns Samstag die Boys in Brown und Sonntag das kleine Münchner Derby anzuschauen.

Wir kamen am Freitag erst recht spät an und widmeten uns dann erst einmal der Etablierung einer kleinen Tradition (ab zwei mal Ausführung ist das Tradition, beschlossen!), dass wir den ersten Abend in München immer in einem Irish Pub beginnen. Es artete dieses Mal glücklicherweise nicht ganz so aus und so war der Start in den Samstag auch nicht derart fürchterlich, wie im Februar.

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Anders gesagt: Man machte sich nach dem Frühstück extrem entspannt auf den Weg Richtung Fröttmaning. Im Gegensatz zum Spiel im Februar wurde diese Fahrt mit der U6 auch nicht unerträglich lang, weil man ausnahmsweise mal keine Proleten-60er im Abteil hatte. Man wird es wohl schon merken, aber die hab ich nicht sonderlich gern.

So aber kam man wirklich entspannt an der Arena an, die in ihrem an Sechziger-Spieltagen üblichen tristen Grau vor uns lag. So krass wie beim letzten Aufeinandertreffen fand ich dieses Mal auch das Polizeiaufgebot nicht, wo man doch nach den Ereignissen der letzten Wochen fast schon mit mehr gerechnet hätte. Auch der Einlass kam mir nicht verschärft kontrolliert vor, wobei ich allerdings mit einem halben Hörsturz das Stadion betrat, weil die Dame an der Kontrolle es nicht müde wurde, die jeweils vor ihr stehende Dame mit „Jacke auf! Mütze runter! Tasche auf!“ derart anzubrüllen, dass es ein Wunder war, dass nicht noch am Ende der Schlange schon reagiert wurde.

Das Bier schmeckte dieses Mal auch nicht ganz so fürchterlich, wie im Februar, aber das konnte auch daran liegen, dass man den Tag eben nicht mit einer derartigen Katerstimmung begonnen hatte, wie beim letzten Mal. „Gut schmecken“ ist allerdings immer noch anders.

Man traf sich dann noch mit einigen eher analog bekannten Nasen & auch dem ein oder anderen Twitterer wurde schnell Hallo gesagt – ein schönes Aufeinandertreffen, wenn auch teils sehr kurz. Mich hat es jedenfalls gefreut, noch mehr von euch mal wirklich die Hand schütteln zu können und natürlich einige der bereits bekannten nochmal wieder zu sehen. Das nächste Mal vielleicht ein bisschen länger 😉

Wir verteilten uns dann irgendwann auch über den Block und da stutzte man ja doch direkt das erste Mal: Wo zur Hölle war USP? Der Block war zwar schon recht gut gefüllt, aber das Fehlen der Ultràs war doch eindeutig. Man sang sich nicht ein und selbst da keimte schon die Befürchtung auf, dass es absolut unkoordiniert zu einem wahren Desaster im Support kommen würde. Wie schlimm aber, das ahnte da wohl noch keiner. Wir verblieben mit der Hoffnung, dass sie irgendwann plötzlich einfach auftauchen würden und man dann erst so richtig los legen können würde. Nun ja, weit gefehlt.

Das Spiel wurde angepfiffen, mit einer gar nicht veränderten Startelf gegenüber dem Düsseldorfspiel, das ja auch wahrlich keinen Grund für irgendeine Veränderung geboten hätte. Allerdings ging es mir jetzt nicht unbedingt so, dass ich siegessicher in dieses Spiel gegangen wäre – dann hätte ich wohl die letzten paar Jahre sehr erfolgreich verdrängt, wo man ja doch unheimlich gerne und auch gerade für die Münchner mal Aufbaugegner spielte. Ich hatte irgendwie überhaupt kein Gefühl zum Spiel und das kommt selten genug vor. Normalerweise gibt es immer ein klares „Wir werden vollkommen vermöbelt“ oder ein „Wir gewinnen das“ (und werden dann vollkommen vermöbelt) Gefühl. Hier aber gar nichts. Ich schob es darauf, dass für das Wochenende so viel geplant war, dass der Fußball beinahe an den Rand rückte.

Allerdings kann ich im Nachhinein nun auch sagen, dass mir die „Sorge“ über einen schlechten Support wohl auch eine Menge der Gedanken zum Spiel blockierte. In München kann der Support eigentlich nicht gut sein: Die Arena ist viel viel viel zu groß für ein Zweitligaspiel, von den Sechzigern kommt jetzt auch nicht unbedingt so viel, dass man zwingend dagegen halten muss und noch dazu verliert sich die Stimmung im Block unter anderem durch die blöde Bauweise und natürlich durch absolut hirnrissige Verbote. Warum zur Hölle verbietet man Megafone? Das kann doch dann gar nichts werden.

Nun ja, so richtig viel bekam ich nicht vom Spielgeschehen mit, mal abgesehen davon, dass es nicht lief. Normalerweise liegt das ja daran, dass ich eben an einem bis zwei Enden ein wenig zu kurz geraten bin und mich sowieso immer hinter Fahnen positioniere. Es gab aber keine Fahnen und komplett sehen konnte ich das Spielfeld auch. Aber so blöd das klingt: Mir fehlte komplett der Zugriff aufs Spiel. Ich fluchte zwar munter von mich hin, wenn irgendwas komplett daneben ging, aber der viel größere Frust war darin gelagert, dass einfach überhaupt kein Support aufkam. Jedoch immer noch begleitet von der Hoffnung „alles würde besser“ wenn doch endlich USP den Block erreichen würde.

Irgendwann stürmten sie den dann auch. Es kam für eine Weile sowas wie Stimmung auf – und verflog dann komplett. Sie waren kaum da, die altbekannten Nasen hatten die Erhöhung erklommen, da war er auch schon wieder weg. Weiterhin kein wirklich koordinierter Support. Der Mensch der das da am Zaun gemacht hat, gab sich zwar alle Mühe aber es funktionierte einfach überhaupt nicht. Wir standen noch in der unteren Hälfte im Block und es kam einfach überhaupt nichts bei uns an, was mal länger als 30 Sekunden aufgegriffen wurde.

Kurzum: Es machte mich fuchsteufelswild. Ich fluchte vor mich hin und mittlerweile war mir das Spiel da unten völlig egal. Ich befluchte auch die Gegentreffer, aber was mich deutlich mehr frustete war diese gefühlte Hilflosigkeit, die ich immer bekomme, wenn man sich bei einem schlechten Spiel dann nicht einfach in den Support flüchten kann. Deswegen kann ich auch einfach nicht viel über das Spiel sagen und das trotz besserer Sicht, aber vom Support her … ach du Schande.

Nach und nach erkannte ich dann auch, dass die Banner alle auf dem Kopf standen. Ich weiß allerdings immer noch nicht, was da vorgefallen ist, mich würde aber nicht wundern, wenn es was größeres gewesen wäre, wo doch mehrere Ultrà-Gruppierungen an diesem Wochenende von massiven Restriktionen bis zum Ausschluss vom Spiel getroffen wurden. Mich würde wirklich interessieren, was da speziell bei uns zum Umdrehen der Banner führte.

Zurück zum Spiel: Tierisch gefreut hab ich mich über die Rückkehr von Enis Alushi ins Team. Die letzten Wochen über, kam bei mir immer mal wieder das Gefühl auf, dass er gerade Ratsche noch zu ein wenig mehr Sicherheit verhelfen könnte. Nicht, dass Ratsche unglaublich unsicher wäre, aber er macht einfach viel und dass dann gehäuft Fehler vorkommen ist irgendwo auch klar. Für mich war Alushi meist der ruhigere Part im Mittelfeld, der ab und an auch erst einmal für Ordnung sorgen kann, bevor man zum Angriff übergeht. Und er könnte eben auch der sein, der mal brüllt. So richtig laut. Wenn es eben nicht läuft.

Zu Dudziaks Einwechslung kann ich mal so überhaupt nichts sagen, weil mir nur ab und an der Neublonde im Spiel auffiel. Keine Ahnung also.

Das wirklich bemerkenswerteste was während dem Spiel bei uns Umstehenden für … eine stimmliche Regung sorgte, war der Moment, als eine Taube oben hoch am Arena Dach genau gegen die einzige gespannte Leitung steuerte und erst einmal abstürzte. Und das sagt dann eigentlich schon alles.

Moment, nein, eines noch. Kurzer Sprung zurück zum Einlaufen der Mannschaften, bzw. zur Bekanntgabe der Aufstellung von den blauen Münchnern: Ein ganz besonders „witziger“ Vertreter im Block meinte tatsächlich, er müsse jedem Spieler den Titel „Hurensohn“ verpassen. Dass das gar nicht mal so cool war, wie er zu glauben schien, äußerte sich in den lautstarken und sehr (!) deutlichen Reaktionen seines Umfelds. Das ist nicht cool. Das wird es niemals sein. Und geduldet wird das in unserem Block schon mal gar nicht. Der Gute hat sich dann im Verlauf des Spiels auch scheinbar einen anderen Platz zum Schauen gesucht, aufzufinden war er da jedenfalls nicht mehr in der Nähe. Gut so, kannst auch zukünftig einfach direkt wegbleiben, wenn du ohne solche Eskapaden nicht leben kannst.

Und damit komme ich dann auch zu meinem Fazit zu diesem Spiel: Wäre es an diesem Wochenende nur um das Spiel gegangen, wäre es die mit Abstand schlechteste Auswärtsfahrt meines Lebens gewesen. Noch immer grummelt in mir eine gewisse Wut, dass der Support so richtig beschissen war und da kann ich beim besten Willen auch keine anderen Worte für finden. Das war schlecht, das war scheiße und das will ich nie wieder so erleben. Dieses Mal könnte ich es wirklich ernst meinen, dass ich erst wieder nach München zum Auswärtsspiel fahre, wenn wir entweder gegen die Roten spielen oder die Blauen endlich in ihr Stadion an der Grünwalderstraße, pardon!, in die Hermann-Gerland-Kampfbahn (hehe) zurückgekehrt sind. DAS hätte wirklich was.

Es war und bleibt hoffentlich das schlimmste Spiel des magischen FC, das ich persönlich erlebt habe und da gibt es andere Kandidaten wie ein horrorosisimo Spiel in Karlsruhe oder eine 4:0 Niederlage in Köln. Nein, das war scheiße und das will ich so einfach nicht noch einmal erleben.

 

Aber: Glücklicherweise kann man nur ein weiteres Mal erwähnen, dass Fußball eben nicht nur Fußball ist. Er ermöglicht einem, ganz wundervolle Menschen zu treffen, kennen zu lernen und tolle Abende & Tage mit ihnen zu verbringen. Der Nachmittag & Abend in München waren etwas, das dieses ganze Wochenende zu einem wirklich besonderen gemacht hat und ich sage es ganz ehrlich, dass es mir ein riesiges Fest war, jeden einzelnen von euch treffen zu dürfen. Es war ein richtig, richtig toller Abend und auch der Sonntag war noch wirklich schön. Mir bleibt da nicht viel mehr zu sagen, als dass ich sehr dankbar bin, euch alle habe kennen lernen oder wieder treffen zu dürfen und es ist nicht übertrieben gesagt, wenn ich meine, dass ihr mir das Wochenende gerettet habt. Vielen, vielen Dank dafür!

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Am Sonntag machten wir dann noch einen kleinen Ausflug ( der war wirklich klein, einmal die Straße runter vom Hotel…) zum Wahlstadion der Sechziger. Das kleine Münchner Derby stand an und ein Stadion wie die Hermann-Gerland-Kampfbahn lässt man sich ja genauso wenig entgehen, wie eben ein kleines Derby. So stellten wir uns bei eisigen Temperaturen mit unter die Bayern und konnten  mussten Zeuge eines ziemlich deutlichen Siegs der Blauen Münchner werden.

Mir fiel ein weiteres Mal auf, dass ich dieses ganze „Tod und Hass dem [beliebiges drei-buchstabiges-Vereinskürzel einsetzen]“-Gedöns einfach nicht ausstehen kann. Ja, klar, Derbystimmung, aber da gibts andere Sachen, die man singen kann. Einen Punkt aber gab es, den die Sechziger verbal anbrachten, dem ich leider zustimmen musste „Und schon wieder keine Stimmung, FCB…“

Das traf leider doch recht gut zu.

Nach dem Spiel noch eine echt bescheuerte Polizeisperre erlebt, die uns nicht mal (wohlgemerkt komplett in zivil und ohne jegliche sichtbare Fanutensilien unterwegs) Richtung Hotel ziehen lassen wollte. So fror man sich sinnloserweise noch mehr Körperteile ab, weil in die freigegebene Richtung natürlich auch nichts voran ging. Ungünstig, sinnfrei und absolut bescheuert.

So. Was bleibt? Münchner Bier ist geil. Die Münchner an sich auch. Ich mag euch. Ich mag München. Und ich komme gerne wieder. Aber dann beschränken München und ich uns auf das, was wir zusammen können: Bier trinken.

 

Und irgendwie ist aus einem Text, den ich vorher wohl auf maximal 700 Wörter geschätzt hätte nun doch ein Brocken geworden. So kanns gehen.

Ich freue mich nun auf das Auswärtsspiel in Lautern, auf den umso lauteren (höhöhöhö) Support und einfach mal darüber, dass wir nach einem richtig und komplett verpatzten Spiel immer noch Platz drei inne haben. Is‘ doch wat!

Man sieht sich! Hoffentlich dann wieder in lautstark und auch im Stadion gut gelaunt. 🙂

Mehr zum FCSP und gerade dem aktuell „aufsehenerregenden“ Antrag an die DFL findet ihr hier:

München ist keine Reise wert (und DFL Gedöns) beim Magischer FC

Ein wirklich lesenswerter Kommentar zum DFL Gedöns vom Übersteiger

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Drei mal eins macht vier.

Es sind und bleiben die spontanen Aktionen, die einem länger im Gedächtnis bleiben werden und meist für eine gute Erinnerung sorgen können. So auch meine spontane Aktion diese Woche, die besser wohl kaum hätte ausgehen können, soviel sei auf jeden Fall schon einmal gesagt. Letzte Woche überkam mich plötzlich und unerwartet massives Heim-Fernweh nach dem Millerntor. Und nach Hamburg. Und allem voran nach dem magischen FC. Es kann ja nicht angehen, dass man sich gerade daran gewöhnt hat, alle zwei Wochen irgendeine irrwitzige Fahrt anzutreten und dann plötzlich drei Wochen Pause sein soll. Also nein, nicht mit mir. Und da München noch so schrecklich weit weg war, verlieh ich meinem „Kummer“ ein twitterisches Sprachrohr und wurde sogleich erhört.

Da saß ich nun, hatte ein Ticket sicher und wollte eigentlich nur noch los. Der Dienstplan für den Dienstag machte mir zwar erst einen Strich durch die Rechnung, doch dank wundervoller Kolleginnen, die warum auch immer diesen Fußballwahnsinn mit mir immer noch mit machen, konnte so getauscht werden, dass Problem Nummer 2 nun auch gelöst war.

Blieben noch drei und vier. Drei hätte theoretisch einfach gelöst werden können, da ich aber mal wieder Sachen vor mir her schob (wenn auch ausnahmsweise mal mit gutem Grund) musste die Anfahrt dann doch noch einmal umgeplant werden und statt komfortabel in 5 Stunden mit dem ICE ging es dann aber immerhin mit sehr unterhaltsamer Sitznachbarin in 7 Stunden mit dem Bus nach Hamburg.

Das letzte Problem – der Schlafplatz – war auch erstaunlich schnell geklärt und dann konnte es eigentlich los gehen.

Es passierte also etwas, das nur mit Fußball zu tun haben konnte, denn ich freute mich tatsächlich auf einen Montag. Nun ja, sowas macht die zweite Liga halt irgendwann mit dir. Ich setzte mich also am Montag Morgen in den Bus und machte mich auf die Socken nach Hamburg. Im Gepäck und auf den Ohren der von der Länge ja perfekt passende Millernton – auch wenn ich zugeben muss, dass zwischendurch die Gedanken mal etwas abschweiften, wenn ich einem von Okes Gedankensprüngen nicht mehr folgen konnte – gefolgt von dem VdS-Gespräch für das Spiel gegen die Fortuna. Der Rest der Zeit wurde mit der Sitznachbarin verquatscht und dann war man eigentlich auch schon in Hamburg.

Der Weg vom Hauptbahnhof zum Stadion war im Vergleich zur restlichen Anreise ja ein Klacks und dann stand ich plötzlich vor einem von Blinkelichtern umgebenen Millerntor. Hachja, da fühlt man sich doch gleich wohler. Extrem unkompliziert fand ich dann die Gepäckabgabe und an dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an alle die mir in der Hinsicht mit konstruktiven Tipps oder Anregungen weiter geholfen haben.

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Auch wenn ich doch kurz versucht war, der USP-Einladung zum Freibier zu folgen, traf man sich dann doch eher vor den Fanräumen. Unerwarteterweise auch einige Menschen hinter dem Twitterhandle, mit denen ich so jetzt gar nicht gerechnet hätte. Es war durch die Bank weg schön euch zu treffen und hat viel Spaß gemacht, euch mal in Persona kennen lernen bzw. wieder treffen zu dürfen.

Nach dem ein oder anderen Bier (huch, jetzt bestätige ich schon wieder ein vollkommen falsches Bild von mir), bisschen Gequatsche und dem allgemeinen Spieltagsvorgeplänkel machten wir uns dann schließlich auf den Weg zu den Stehplätzen der Gegengerade. Dort angekommen musste man dann leider feststellen, dass wir doch ein bisschen früher hätten gehen sollen und so zog es uns in Block E. Uff. So weit weg von der Süd war ich noch nie und kurz hatte ich wirklich Bedenken, ob das denn ein so spaßiger Abend werden könne, wie ich ihn mir erhofft hatte.

Wer zuletzt hier so ein bisschen mitgelesen hat oder mein Twittergeschwätz schon mal liest, hat sicherlich mitbekommen, dass ich derzeit dem Supportstil der Ultras verfallen bin und das eigentlich auch Spiel für Spiel exzessiv ausleben möchte. Wenn mir das – aufgrund einer totenstillen Umgebung, ich erinnere mich da an das Auswärtsspiel in Karlsruhe, was mich frustrierter denn je zurück ließ – nicht möglich ist, motz ich gerne herum. Das kann ja keiner wollen, also musste das Umfeld dann eben damit leben, dass außer den brav schweigenden Menschen auf der Gegengerade eben noch ein Drei-Mann-Supportblöckchen unter ihnen stand, das lauter gröhlte, als der Rest. Nuun, mussten sie halt durch. Man muss es aber wirklich zu Gute halten, dass es die Frauen neben mir eher zu amüsieren als zu nerven schien, also hatte ich dann in gewisser Weise doch noch meinen Mini-Support, auch wenn ich mich darauf freue, in München wieder alles geben zu können und das 90 Minuten lang.

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Tja, und dann müsste man langsam mal zum Spiel kommen, oder? Man merkt wohl kaum, dass ich das ein bisschen vor mir herschiebe, aber nicht, weil es so schauerlich gewesen wäre, sondern weil mir eigentlich immer noch jegliche Worte dafür fehlen.

Fangen wir vorn an. Mir war ja nun heute die große Bürde aufgeehrt worden, eeeh… die große Ehre aufgebürdet worden, mal wieder Lenny Thy in des Fangirls Abwesenheit zu sitten. In Leipzig hatte sich das als recht erfolgreich herausgestellt, auch wenn ich heute noch nicht so richtig weiß, wie das eigentlich funktionieren konnte.

Nun gut, die Erwartungen waren also nicht unbedingt gering. Die Konkurrenz hatte zu unseren Gunsten gespielt, ja gar verloren. Es war ein Spiel gegen einen Verein, dem ich persönlich beinahe sämtliche Antipathie, die in der zweiten Liga nicht für Leipzig oder Braunschweig drauf geht, entgegenbringe. Und ich war mal wieder 1000 Kilometer in zwei Tagen unterwegs, um ein Spiel zu sehen.

Kurzum: Das konnte nichts anderes geben als ein 0:3 aus unserer Sicht. War ja klar. Hihi.

So ungefähr mit dem Gefühl ging ich dann in die erste Halbzeit und da machte mir am Anfang dann doch der in Massen Maßen konsumierte Hopfenblütensaft das Leben ein wenig schwer. Ja, warum erzähl ich euch das? Müsst ihr leider durch, denn ich habe mich das erste Mal in 5 Jahren Auswärtsfahrerei dazu hinreißen lassen, während des Spiels die sanitären Anlagen aufzusuchen.

Und natürlich war dann ja klar was passierte. Es brandeten Stimmengewirre auf, verstummten, und dann pure verbale Eskalation. Meine Leidensgenossinnen und ich fluchten um die Wette und kehrten dann auf die Ränge zurück, in dem Wissen, dass wir ein Tor gepinkelt hatten.

Anfangs konnte sich nur ein Teil von mir freuen, denn irgendwie befürchtete ich doch nun, so weit gefahren zu sein, um dann das womöglich, nein, sogar ziemlich wahrscheinlich, einzige Tor des Spiels verpasst zu haben. Da kam ja doch fast Frust auf, Menno!

Und vor allem: Was würde ich mir denn nach dem Spiel anhören dürfen? Darf ich nun auch nicht mehr mitfahren, damit Lenny Tore schießt? Oder schließt man mich gar bald auf den Damentoiletten ein? Ojweh.

Glücklicherweise hatte ich gerade damit aufgehört mich zu ärgern, als Lenny mir auch jeglichen Grund dazu nahm. Es war generell zu einem Spiel geworden, wo die Düsseldorfer zu dem Zeitpunkt ein wenig überfordert wirkten und dann bekam Sobota auch noch einen Freistoß, den er ohne jeglichen Schnörkel auf Ziereis (Yeah, Ziere! Drei Jahre!) brachte, der allerdings an den Pfosten köpfte. Von dort prallte der Ball vor – na klar! – die Füße unseres Stürmers Lenny Thy. Ein klassisches Abstaubertor. Und eines das ich tatsächlich mal komplett sehen konnte.

Ich war also besänftigt. Jedenfalls für einen Moment. Denn danach hagelte es Chance um Chance, allesamt scheiterten sie entweder im letzten Moment oder Rensing bekam noch irgendwie einen Finger dazwischen (Sobiech, Choi, Ratsche, Maier). Junge, das muss man auch mal festhalten: Was hat der Mann gehalten! Wahnsinn. Da dürfte man sich fast ärgern, wenn man den an den Erzrivalen verloren hätte. Oh. Hups.

Bei uns in der Ecke hatte sich der „Das rächt sich!“-Gedanke schon aus der Paranoia der letzten Spiele verfestigt, als es in die Pause ging. Aber eigentlich war das, was da unten passierte, bockstark. Die Defensive stand wie eine Eins, mit einem überragenden Waldemar Sobota davor, der einfach richtig Bock hatte, noch eine Reihe davor dann ein Stürmer der tatsächlich Tore schießt – ja ist das denn noch mein St. Pauli?

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Glücklicherweise ja und noch viel glücklichererweise haben sie in Hälfte zwei halt damit auch einfach mal nicht aufgehört. Die Düsseldorfer hatten zwar scheinbar einen ordentlichen Einlauf des Trainers bekommen, denn so wie sie plötzlich spielten, musste sich das irgendwas getan haben. Aber dennoch: Die Abwehrreihe des magischen FC kam selten überhaupt einmal in die Bredouille und wenn dann wurde eigentlich doch immer noch halbwegs souverän geklärt. Ehrlich könnte man sagen, dass die Düsseldorfer eben ab dem Überschreiten der Linie zum Sechzehner jegliche Torgefahr verloren.

Im Gegenzug dazu gab es auch immer mal wieder Chancen für die Boys in Brown und das zwang Düsseldorfs Trainer dann tatsächlich aufs Ganze zu gehen und die Offensive mit zwei Spielern zu verstärken. Stellte sich als nicht unbedingt die beste Lösung heraus, wo kurz später Sobota auf Thy flankte, der die Kugel eiskalt mit dem Kopf dem Netz zuführte.

Ein wahres Träumchen. Fantasthysch. Thyrisch gut… (Für weitere & kreativere Varianten der thyffliegenden Wortspielchen muss man ja nur auf Twitter verweisen)

Bei uns brandete dann kurz mal ein „Nur noch sechs! Nur noch sechs!“-Rüfchen auf, das sonst vermessener nicht hätte sein können, doch an einem Tag wie heute, wo ein St. Paulianer Stürmer einen Dreierpack schnürt und mit Schleifchen versieht, ist wahrlich alles möglich.

Da war dann sogar ich eigentlich sicher, dass wir das Ding nicht mehr verlieren würden. Wir könnten, klar, aber wir würden einfach nicht.

Das Sahnehäubchen, nein, lasst mich den Wortspielweg ein bisschen weiter gehen: Das Thy-Thypfelchen setzte unser Stürmer nach einem Tunnel von Ratsche und dem darauffolgenden Pass auf sich dann tatsächlich auch noch obenauf. 4 zu 0. VIER ZU FUCKING NULL.

Das war dann der neue Spitzenreiter in den FCSP-Spielen, die ich bisher gesehen habe und irgendwie zitterte ich ja doch noch fast ein bisschen, ob man dieses Mal denn „wenigstens“ auch noch die Null halten könnte. Tordifferenz und so.

Konnte man. Problemlos. Es war ein Fußballabend wie geschnitzt aus den Träumen einiger St. Paulianer – wenn auch mit Abstrichen, sonst hätte die Süd nämlich nicht auf dem Trockenen gesessen. Aber was ein wahnwitziges Spiel, das war einfach der absolute Wahnsinn.

Ein You’ll never walk alone kann sich halt auch mal wirklich schön anfühlen und muss nicht zwingend immer nur nach einer Niederlage gesungen werden. Dennoch wäre es tatsächlich nicht meine erste Wahl gewesen, was die Song-Feier-Auswahl angeht. Aber eigentlich war das ja absolut wurscht, da brauchte man nur Lenny ins Gesicht schauen. Wie der sich freute!

Da machte man sich ja noch einmal mehr Gedanken um das liebe Fangirl. Du musst übrigens weiter mit fahren. An mir kanns ja nicht gelegen haben, wo ich den Guten doch in Hälfte 1 sogar alleine seinem Schicksal überließ. Das war womöglich das „Hört mal auf mit eurem Aberglauben!“ auf Lenny Art. Aber das sehen wir ja definitiv in München, da zeigt er uns das dann einfach nochmal. Oder erklärt John, wie das so geht.

Es war halt wirklich ein Träumchen. Und da wir ja alle so kreativ waren, mach ich das doch auch mal noch. Achtung, der kommt flach.

 

Ein mal drei macht vier, widde widde wit macht uns zum zweiten!

Thy macht sich die Welt, widde widde wie sie uns gefällt…

 

Oja, das kam wirklich flach, aber egal. Es passt. Und wenn ihr jetzt auch immer noch nicht genug davon habt, so wie ich (die Müdigkeit nach maximal einer Stunde Schlaf und nun schon wieder fast fünf Stunden Zugfahrt zwingt mich hier glücklicherweise zum Ende), dann kann ich euch diese Texte hier nur sehr ans Herz legen:

14.Spieltag (H) – ForThyna Düsseldorf

https://fangirl1910.wordpress.com/2015/11/09/kann-man-mal-so-machen/

Ganz wirklich wundervolle Fotos wie immer bei

Vier gewinnt

Und zum wirklichen Abschluss dann noch ein paar Tweets aus dem Kontext gerissen:

 

 

Auch sehr schön: Die Geschichte einer Ente.

 

 

 

 

 

 

So. Und das war’s auch schon. Ich bin schon fast wieder zuhause und verleibe mit einem lauten, dröhnenden Ohrwurm.

 

Thy aaaaaaamooo, thy amo, thyy aaaaamoooo ❤

Getaggt mit , ,

Hier im Ruhrgebiet, holen wir kein‘ Auswärtssieg.

Das Ruhrstadion. Irgendwie kann man auch sagen, dass damit alles anfing. Es war mein zweites Ligaspiel des FC St. Pauli, das erste überhaupt war das Auswärtsspiel wenige Wochen zuvor in Duisburg, deren Bratwurst in meinem persönlichen Ranking bis heute noch ihresgleichen sucht. Mit Bochum stieg also der Zähler der FCSP Spiele auf ganze zwei! Und irgendwie fing damit etwas an, das sich noch einige Jahre länger hinziehen würde. Die drei Punkte konnten wir damals aber mitnehmen.

Danach dauerte es fast ein Jahr, bis ich wieder die Reise nach Bochum antreten konnte und mal abgesehen davon, dass ich das Stadion vom ersten Spiel an absolut geliebt habe und es – das Millerntor natürlich weit außerhalb des Rankings – mir eines der liebsten der bisher erlebten ist, waren zu der Zeit auch aufgrund des Alters und der mangelnden Möglichkeiten irgendwo hinzukommen, Spiele doch noch sehr rar gesät. Damit war Bochum per sé etwas sehr besonderes und das riss auch mit diesem Spiel nicht ab. Die Tickets waren ein Geschenk der besten Freunde und so fand ich mich plötzlich auf der falschen Seite des Stadions im richtigen Trikot wieder. Noch heute: Ey, ihr Bochumer, ihr ward da extrem kulant. Nicht eine Pöbelei gehört und dabei wäre die absolut berechtigt gewesen. Punkte gab es dieses Mal keine, schon gar keine drei, dafür aber drei unbeantwortete Gegentore. Extrem bitter, tat dem Ruhrstadion aber keinen Abbruch in meinem Ranking.

Auch wenn ich scherzte, vielleicht einfach nie wieder nach Bochum zum Spiel zu fahren, waren schließlich keine vier Monate vergangen, bis ich wieder dort stand. Ein furioses Spiel, das mir alles abverlangte und am Ende mit einer Punkteteilung abgepfiffen wurde. Verhoek Tore waren das übrigens, die nähme ich auch aktuell gerne nochmal.

Tja, und dann kam dieses irrwitzige Spiel aus letztem Dezember. 6 Tore, je ein Punkt und ein absolut proppenvoller Gästeblock. Das Spiel hab ich geliebt und wurde beim Torjubel irgendwann beinahe bis nach unten durch gereicht, hätte mein werter Mitfahrer mich nicht doch noch gerade so festgepackt. Eigentlich wollte ich hier jetzt den Text zu dem Spiel „damals“ verlinken aber dann fiel mir auf, dass ich da ja noch gar nicht regelmäßig über die Fahrten geschrieben habe. Schade, das hätte ich gern selbst noch einmal durch einen solchen Text nacherlebt.

Nun gut, dieses Jahr war also mein Fünfjähriges mit Bochum und dem wundervollen Ruhrstadion. Das ist was besonderes, wenn man erst seit fünf Jahren zu Spielen fährt und erst wirklich viele Spiele seit zwei Jahren mitnimmt. Ich freute mich jedenfalls die ganze Woche wie eine Blöde auf diese Fahrt und begab mich dann auch recht früh schon auf den Weg ins Ruhrgebiet. Und natürlich an einem Freitagabend. Ich hab eben mal nachgeschaut und mein Gefühl trügte tatsächlich nicht: Jedes Auswärtsspiel in Bochum war in den letzten 5 Jahren an einem Freitagabend. Nuuun gut.

„Die Bahn ist voll, die Bahn ist voll. Sie kann nicht mehr fahrn- ko ko di, ko ko da…“ 

Ja, nun. Da fährt dann tatsächlich mal ein Zug von der Heimatstadt direkt zum Auswärtsspielort und dann sind das zwei Abteile an einem Freitag Nachmittag. Merkt ihr selbst, oder? Das lief nicht, das konnte nicht laufen und das konnte auch erst einmal nicht los fahren. Es waren viel zu viele Menschen mit viel zu viel Gepäck im Zug, die Türen gingen nicht mehr zu und es musste erst einmal umgeschichtet werden, damit wir überhaupt fahren konnten. Ich war eine der Glücklichen, die in einem Vierer noch einen Platz nebst zwei Studenten und einer kurz verunsicherten Omi fand. Die Verunsicherung verflog allerdings schnell ob einer sehr angenehmen Unterhaltung inklusive Witzeleien über die Bahn und das Wochenende. Nett, ehrlich.

Dennoch war ich nicht wirklich bös drum, dass wir uns Bochum dann doch immer schneller näherten. Mit der Info, dass irgendwas mit Duegida sei, hatte ich versucht mich zumindest so zu kleiden, dass ich mit wenigen Handgriffen, den Totenkopf und den Schal verbergen konnte, verpennte es allerdings trotzdem, als die ersten Thor-Steinar-Fritzen an mir vorbei liefen. Ich wurde beruhigter, je mehr Bochumer Fans sich in den Zug begaben, weil ich zumindest das Gefühl hatte, nicht ganz allein zu sein.

Endlich in Bochum angekommen noch überraschend eine absolut nicht fußballbegeisterte Freundin getroffen, die scheinbar im gleichen Zug gesessen hatte. Witzig, fand sie auch, hatte sie mich doch noch nie wie sie sagte, „in voller Montur“ gesehen.

Erstaunlich einfach fand man dann auch den ersten Mitfahrer, auf den zweiten mussten wir dank der anderen Fahrtrouten aufgrund des Stellwerkbrands noch eine halbe Stunde warten, aber das ist ja durchaus auch erträglich. Gerade wo wir dieses Mal früh genug in Bochum waren um auch ganz entspannt zum Stadion tingeln zu können, ohne den Bus nehmen zu müssen.

Und damit kommen wir auch schon zum ersten Teil von meiner Ode ans Ruhrstadion. Du läufst die Straße entlang, ganz normale Häuser, dann kommt auf der rechten Seite die große Wiese, wo teils auch bei Auswärtsspielen kein Parkplatz ist, wenn ich mich recht entsinne, und dann siehst du die Flutlichtmasten. Nach dem Spiel scherzten wir mit einem Bochumer, dass wir die einfach das nächste Mal mitnehmen und in Hamburg wieder aufstellen. Flutlichtmasten ftw und gegen die moderne Beleuchtung! \o/ /o\  \o/ /o\  \o/ /o\  \o/ /o\  \o/ /o\  (…) [Man denke sich den Takt hinzu.]

Ich liebe es auf jeden Fall, wenn plötzlich ein Stadion vor dir aufragt und wenn jetzt noch der richtige Schriftzug auf den Außenwänden prangen würde, wäre es ja sogar noch einen Ticken schöner. Aber man arbeitet ja daran.

Der Einlass war dieses Mal überaus unkompliziert, die Ordnerin extrem lässig und verdammt gut gelaunt, sodass man sogar gemeinsam scherzte. Schön, noch so ein Grund, warum ich immer wieder gerne nach Bochum komme.

Im Vergleich zum letzten Jahr fand man auch sehr leicht einen netten Stehplatz, sicherheitshalber so, dass ich beide Tore nicht im Blick hatte, denn nur so fallen ja die Tore. Nicht nur bei Spielen des magischen FC wird das so gehandhabt, auch als ich Dienstag noch einmal dem SV Darmstadt 98 einen Besuch abstattete dirigierte die Lilie des Vertrauens mich so, dass ich ja kein Tor im Blick hatte. Funktioniert, doppelt.

Man sang sich ein, ich hatte schon jetzt meine wahre Freude und merkte allerdings auch, dass spätestens zur Halbzeit mein generell nicht schöner Singsang vermutlich zu einem elenden, aber immerhin noch lauten Krächzen verkommen würde. Schietegal, so muss das.

Kurz vor Anpfiff zogen dann die Bochumer auf der Osttribüne eine große, blau-weiße Choreo hoch, die „Ruhrstadion“ mit der der Untertapete „Wir ham numal das schönste Stadion der Liga – ohne Wenn und Aber.“ zierte. Kann man ja, mal wieder das Millerntor außerhalb jeglicher Wertung <3, nicht mal wirklich abstreiten. Zumindest nicht ernsthaft.

Fotos davon konnten wir von unserer Position keine machen, wo man doch direkt angeherrscht wurde, es doch bitte zu unterlassen aus dem Block heraus zu fotografieren. Huch? Also dass es zu unterlassen ist, in den Block hinein zu fotografieren, geschenkt, ist kein Ding, ich will ja auch nicht auf jedem x-beliebigen Foto zu erkennen sein. Aber aus dem Block heraus? Wo ist das Problem, wenn man das Spielfeld und die Choreo vom Gegner fotografiert, maximal ein bemützter Hinterkopf zu sehen ist (und der ja normalerweise schon nicht)? Wenn mir irgendwer was fundiertes dazu sagen kann, wäre ich dankbar für eine Erklärung, aber derzeit ist es mir absolut unerklärlich, warum man das nicht machen darf. Ist mir auch so und in der Herrigkeit noch nicht passiert, verdutzte mich aber zu sehr, um mich weiter zu erkundigen.

Daher gibt es von mir auch nur ein extrem verwackeltes Foto und sonst nichts verwertbares, dem konfliktscheuen Wesen sei dank. Nun ja. Das nächste Mal frage ich besser alle Umstehenden, ob ich ein Foto machen darf, mit dem sie rein gar nichts zu tun haben (Zynismus aus).

Zu meiner Freude verebbten allerdings die „Das sieht scheiße aus“-Rufe aus unserem Block sehr schnell und waren generell nicht sonderlich laut. Eine Choreo, die für den richtigen Stadionnamen kämpft, muss man nicht derart betiteln und scheiße sah das auch ganz sicher nicht aus.

Es folgte der Anpfiff und damit ging es für mich in ein Spiel, bei dem ich die Tore nicht sehen konnte und das Geschehen im Mittelfeld Stroboskopartig von den geschwenkten Fahnen unterbrochen wurde. Würde mich das stören, stünde ich längst nicht mehr im Stehblock, sondern hätte mir einen Sitzer als Dauerkarte gewünscht. Passend dazu gab es am Dienstag eine kurze Unterhaltung mit einer Teilzeit-Lilie, die sich erstaunt darüber zeigte, dass die Hannoveraner bei all den Fahnen im Gästeblock doch gar nichts sehen könnten. Man schmunzelte gemeinsam.

Gut, gehen wir ins Spiel. Die ersten zehn Minuten waren eigentlich genau das, wie überall in den letzten Spielen: Man testete sich ein wenig gegenseitig, noch keine richtige Torgefahr, erst einmal ins Spiel kommen. Allerdings sah man auch schon in den ersten Minuten, dass die Bochumer unsere Defensive deutlich mehr fordern würden, als zum Beispiel Freiburg und ja, auch Union es vorher getan haben. Es war erstmals doch wieder ein „Zittern“ dabei, wenn ein Ball von der Abwehr nicht gleich geklärt wurde.

Und dann, aus dem Nichts, verlängert Thy den Ball auf Ex-Bochumer Ratsche, der Schnecke den Ball auflegt – Kopfball. Tor. Für uns. Ach du.

Ja, kurze Eskalation und man war noch gar nicht so richtig fertig mit freuen (wird man das je?), da stolpert Terodde plötzlich mitsamt Ball in unserem Strafraum herum. Irgendwer schießt und Himmelmann pariert, der Ball leider immer noch im Spiel. Zweiter Schuss, dieses Mal Terodde, zack, Tor. Ausgleich. Gottverdammt, ja sind wir denn Darmstadt oder was?

Leider war Ratsche an dem Gegentor fast genauso beteiligt wie an unserem Tor, er köpfte zum Gegner, holte den Ball wieder und spielte wieder zum Gegner, wodurch die ganze Situation erst möglich wurde. Schade.

Als ich mir diese Szene bei Sky nachher nochmal ansah, konnte man nur mal wieder extrem froh sein, das Spiel im Stadion gesehen zu haben. Potofski als Kommentator gab da doch gleich wieder alles und meinte – wie originell – über Lienens Schriftführung sagen zu müssen, er schriebe seit Jahren an seinen Memoiren. Mein lieber Herr Potofski, Ewald hat wenigsten mehr als Dummzüch zu erzählen.

So, kurzer Einschub Ende. Lass Ewald.

Eigentlich hätte man also nach diesen beiden Toren aufhören können, das Spiel zu schauen, aber so richtig gut, wäre die Entscheidung auch nicht gewesen. Das, was später da noch auf dem Feld passierte, war ein offener Schlagabtausch zweier der besseren Mannschaften in einer kampfstarken zweiten Liga. Für den neutralen Zuschauer sicherlich nicht schön aber doch interessant anzusehen, für mich ein nervenzehrendes Spiel, wo die Abwehr doch das ein oder andere Mal gegen einen Simon T. strauchelte.

Apropos, den hätte ich gern. Also ich nähm natürlich auch einen gewissen Nils P., aber mit Simon T. wäre ich ja schon zufrieden – genügsam wie ich bin. Hauptsache irgendwer, der mit Bällen im Strafraum was anfangen kann und sonst nicht unbedingt IV spielt.

Zu viel gewünscht? Hm.

Auf dem Feld foulte nun Ratsche mehrmals. Das ist etwas, an das ich mich wahrscheinlich in 2 Jahren noch nicht gewöhnt haben würde (Konjunktiv hoch x, falls der blonde Wirbelwind dann noch in Braun und weiß aufläuft), dass Ratsche nicht mehr immer der Gefoulte, sondern der Foulende ist. Irgendwie surreal. Der tut nix, der will nur spielen. Oder so.

Tatsächlich war er wieder mit einigen schönen Aktionen dabei, verlor aber auch immer wieder mal direkt danach mit ungenauen Pässen den Ball an die Bochumer. Wenn er das noch abgestellt bekommt, so wie er die „Foulanfälligkeit abgestellt“ hat, dann dürfte das noch richtig spannend mit ihm im Mittelfeld werden. Dennoch fehlt mir da momentan ein Enis Alushi enorm, irgendwie brachte er noch mehr Ruhe und Sicherheit in den Spielaufbau, als so ein quirliger Ratsche zusammen mit Buchti.

Mir blieb weiterhin ein verbaler Zusammenstoß von Ziereis und Terodde in Erinnerung, als Eisfeld volle Kaschemme in Himmelmann reinrauschte, der sich jedoch nicht mal beirren ließ und direkt wieder aufsprang. Noch so ein Grund, warum du ein feiner Kerl bist, Robin. Einige wären da erst mal liegen geblieben.

Auch da wurde mir dann erst beim Anschauen der Sky-Wiederholung bewusst, dass es aus dem Bochumer Block „Scheiß St. Pauli“-Rufe gab, die bei uns ja nicht mal angekommen sind. Die „Antwort“, war ja eigentlich keine, aber das was dann von uns kam, war ohnehin deutlich lauter und von Bochum nicht so viel zu hören.

Generell waren wir bis zu dem Zeitpunkt in der Fernsehübertragung durchgängig deutlich zu hören, wenn auch hin und wieder mal von aufschwappendem Bochumer Gesang unterbrochen bzw. leicht übertönt. Das allerdings schien wirklich eher spielverlaufsbezogen und da mach ich dann doch lieber Dauersingsang.

Den fand ich dieses Mal aber auch wirklich nicht unangenehm oder nervig. Nach der kurzen Ansage an den oberen Teil des Blocks war die Stimmung meiner Meinung nach auch echt gut, viele machten mit, ich brüllte mir einmal mehr die Stimmbänder in Fetzen und hatte einfach verdammt viel Spaß beim Laut sein. Klar, in Halbzeit zwei zog sich ein Lied ziemlich lang, aber man muss auch einfach mal sagen, dass es nie dermaßen zu verebben drohte, dass man es hätte abbrechen müssen oder sollen. Zwischendurch hatte ich sogar das Gefühl, dass die Jungs unten mal wechseln wollten, es aber derart gut lief, dass man wohl fürchtete, mit einem Wechsel ein paar Stimmen zu verlieren. Aber das ist nur eine Vermutung, mich überkam dieses Gefühl irgendwie.

Das zum nicht-spielverlaufsbezogenen Support. Auf dem Feld war es mittlerweile zu einem offenen Scharmützel der Abwehr- und Sturmreihen gekommen, jeder durfte Mal, vor allem Robin Himmelmann, der die (ich weiß nicht mehr genau wann) aufgetretenen „Himmelmann, Himmelmann!“-Rufe absolut verdient hatte, so wie er die Kiste sauber hielt. Echt, grandiose Leistung und ich bin einmal mehr froh, dass Robin das Tor übernommen hat.

Den Elfer kann man absolut geben, da gab es für mich im Stadion und auch nach der Einsicht der Fernsehbilder keinen Grund zum Zweifel, auch wenn ich mich kurz über die Art des Fallens von Dudziak wunderte. Im Endeffekt war es ja eh egal, wo Sobiech doch erstmals den Ball auf die Reise vom Punkt über das Tor schickte. Das war vielleicht ein bisschen zu schön gewollt, aber wenn du auf die oberen Ecken zielst, ist halt einfach die Gefahr da, dass der auch mal drüber geht.

Nach dem Elfer drehte Bochum nur leider ziemlich auf und das war tatsächlich der erste Moment, wo ich unsere Abwehrreihen richtig gefordert sah. Sobiech und Ziereis unglaublich gut im Zentrum, auch wenn sie alle Hände voll zu tun hatten. Mit Hornschuh haben sie auf Außen aber auch richtig gute Unterstützung bekommen und auf Buba ist derzeit ja eigentlich generell Verlass. Aber: Die Bochumer Jungs um Terodde verlangten ihnen einiges ab. Umso zufriedener ließ es mich zurück, als schließlich die Angriffswelle zwischendurch mal verebbte und immer noch bei beiden die eins stand.

Für Aufsehen sorgten dann noch ein Alu-Treffer der Bochumer und der Maier-Freistoß, der leider auch nicht ganz so knapp über das Tor von Andi Luthe (Aaaaandi Luuuuuthe, sorry, zu viel Bochum.) segelte. Dennoch, ein kurzer Moment des „Hey, wir sind auch noch da und eigentlich wollen wir mehr als einen Punkt!“.

Genau diese Haltung gefiel mir unheimlich gut. Dieses „Wir geben nicht auf“, „Uns doch egal, wer ihr seid, wir wollen trotzdem gewinnen“-Nachvornepreschen-Ding. Klasse. Sich einfach nicht aufgeben und genau wissen, dass man derzeit eigentlich gar nicht mal schlecht dar steht.

Und dennoch ist die Punkteteilung, ich denke sogar für beide Mannschaften, mehr als gerecht. Ich war definitiv zufrieden und das Spiel hat mir unheimlich viel Spaß beschert. Die beiden Trainer zeigten sich ja auch recht zufrieden mit den Leistungen ihrer Mannschaften und insgeheim fragte ich mich im Nachhinein, ob Verbeek und Ewald ab und an gemeinsam Journalisten frühstücken gehen. Vorstellbar wäre es.

Nach dem Spiel war ja noch nicht alles vorbei. Erst galt es sich noch irgendwie zu den sanitären Anlagen durchzukämpfen – ernsthaft, Bochum, ich mecker ja nix über euch, aber die Situation war echt beschi… bescheiden im Gästeblock. Dass du als Frau erst noch in den anderen Block musstest und da dann auch nur derart wenige Toiletten zur Verfügung standen, deren Türen man auf jeden Fall teils nicht mal mehr verriegeln oder zumindest schließen konnte … puh, ne, das sag ich ganz ehrlich und deutlich: Das war verdammter Mist.

Aber auch echt der einzige Punkt, den ich auf meiner imaginären „Meckerliste“ habe.

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Nach dem Spiel versammelten sich die Bochumer dann ja vor der JVA und positionierten sich klar in der Diskussion um die Namensvergabe des Stadions. „Ruhrstadion für immer und ewig“ – Punkt. Das ist für mich so und dabei komm ich nur einmal in der Saison rum. Ich fands eine gute Sache, nach der doch ziemlich klaren Ansage an die auf den Marsch aufspringen wollende Deppentruppe aus Bochum und Wattenscheid hatten sich davon zumindest auch keine erkennbar blicken lassen und so schauten wir uns das Ganze dann zumindest eine Weile noch an. Ernsthaft, ich hoffe ihr bekommt das durchgesetzt.

Am Hauptbahnhof angekommen dann noch schnell was an Proviant für die Heimfahrt gekauft – Lesestoff hatte ich mir im Stadion bereits gesichert – und dann mal prompt den nächsten Zug verpasst. Also galt es noch eine Stunde zu warten und da kam man halt mit einer Bochumer Truppe ins Gespräch. Mit denen wurde die Heimfahrt dann noch alles von netter Unterhaltung, über Eskalation des Einen und versuchte Schlichtung durch die anderen, bis hin zum Fremdschämen wie ich es in meinem Leben noch nicht getan habe.

Mein Gewissen erforderte schließlich einiges an Besänftigung, doch dafür reichte die restliche Heimfahrt definitiv aus – auch um das Gespräch mit Leuten zu suchen, die eben von dem einen aus der Truppe gestört worden waren. Es blieb aber auch genug Zeit, um darüber nachzudenken, dass ich nach zwei Jahren intensiver Auswärtsfahrerei so etwas in unseren Reihen noch nicht erlebt habe und das obwohl eben doch die ein oder andere feuchtfröhliche Fahrt dabei war.

Ich verbleibe also einmal mehr mit extremer Dankbarkeit für dieses „Wohlfühlgefühl“ im Block und dass solche Proletenfans bei uns zwar auch vorhanden sind, aber eben doch meist in kleinerem Rahmen.

Was bleibt sonst noch? Noch 17 Punkte bis zum Klassenerhalt. Derzeit immer noch Platz 3. Gegen Platz 1 und 2 gewonnen, gegen Platz 4 zumindest einen Punkt geholt. Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und sage: Läuft bei uns.

Aber eines mach ich auch noch: Lebkuchenessend ist es ja nun schon fast an der Zeit, einen Nils P. oder Simon T. auf den Wunschzettel für den magischen FC zu schreiben.

Mit ganz lieben Grüßen an den Weihnachtsmann & meine beiden wundervollen Mitfahrer für dieses Spiel in diesem genialen Stadion, sowie an den Rest des herrlich lauten Gästeblocks,

die Lewi.

 

Weiterhin getextet haben:

http://rilrec.de/13/index.php/de/onlinezine/605-151030vfl

http://randnotizen.schuninio.de/tief-im-westen/

https://fangirl1910.wordpress.com/2015/11/01/hier-im-ruhrgebiet/

https://kleinertod.wordpress.com/2015/11/01/die-schnecke-macht-den-unterschied-fcsp-unentschieden-nach-einem-riesenspiel-beim-vfl/?utm_source=dlvr.it&utm_medium=facebook

 

Fotos aus dem Stadion:

http://www.1848er.eu/index.php/fotos/02bundesliga-saison-2015-2016/13spieltag-vfl-fc-sankt-pauli

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