Archiv für den Monat September 2015

Vorbeigeratscht.

Tja, komischerweise kommt die Motivation zum Schreiben eines Spieltagsfazits, bzw. gleich zweien heute, immer, sobald mir ein schlechtes Wortspiel als Titel eingefallen ist. Also hier der nachträgliche Spieltagsbericht zum Auswärtsspiel in Braunschweig und ein paar Worte zum gestern abgepfiffenen Heimspiel gegen Heidenheim.

Es war für mich in meiner ersten Dauerkartensaison mal wieder Zeit für eine Premiere: Zum einen war ich vorher noch nie in Braunschweig und freu mich immer, ein neues Stadion zu sehen, zum anderen fuhr ich das erste Mal wirklich komplett alleine. In Darmstadt standen meine Leute ja nur auf der anderen Seite, aber dieses Mal gings leider komplett allein los. Es war auch nun eine angenehmere Zeit um loszufahren, so ging es dann am Sonntag Morgen um halb neun mit einer Menge Kaffee los auf die Autobahn und ab Richtung Braunschweig.

Die Fahrt lief bis zur Ausfahrt problemlos. Ab da forderte mein Navi mich dann doch zu einem Zweikampf auf, der weniger angenehm war. Zwar hatte ich gelesen, was die Braunschweiger als Faninfos vorher rausgegeben hatten, aber so richtig am Schirm hatte ich es auch nicht mehr, fuhr also eine Ausfahrt weiter und gurkte dann irgendwo durch die Innenstadt. Einen wirklichen Parkplatz (auf P4 darf man ja nich‘), fand ich dann auch nicht, also wurde sich irgendwo frei nach dem Prinzip „Dreistigkeit siegt“ noch ziemlich knapp in eine österreichische Straße im Wohngebiet gestellt. Da mich die ganze Ausfahrtsaktion dann doch mehr Zeit gekostet hatte als eigentlich eingeplant, gings zügig zum Stadion und da traf man dann gleich auch auf bekannte Nasen. Die haben mich wirklich sehr herzlich einfach mit aufgenommen und einmal mehr freute ich mich über den Umgang miteinander, den ich bei uns in der Kurve am eigenen Leibe bisher nur positiv empfinden konnte.

Zum Ankommen im Stadion an sich muss man ja eigentlich nicht mehr viel sagen: Recht nervige Kontrollen, es werden kollektiv alle Sticker abgenommen, selbst wenn man nur einen in dem gerade gekauften Fanzine hat und nun ja, nicht wirkliche Wohlfühlatmosphäre, wenn einfach jede Fahne ausgebreitet werden muss. Aber: Irgendwann war man ja drin und so richtig konsequent lief die Trennung von Steh- und Sitzplätzen dann ja auch nicht.

Das Kaltgetränk konnte man sich dann ja auch direkt schenken, weil es eben für die bösen bösen Sankt Paulianer natürlich nur alkoholfreies Bier gibt – aber mal ehrlich: Wer es schafft, sich bei den Preisen erst im Stadion zu betrinken, puh. (Nicht, dass das Ziel sein sollte.) Naja, Wie auch immer.

Man sang sich gemeinsam ein, dieses mal eigentlich nur kontinuierlich mit einem Lied, was ich ganz gut gebrauchen konnte, ich bekomms nämlich immer noch nicht auf die Reihe. Zum Einmarsch der Mannschaften zeigten die Braunschweiger eine schwarze Choreo mit einem einzigen Bengalo vorne, die wohl ein Abschied von einem kürzlich Verstorbenen war. (Nachtrag: Eine Choreographie für einen im letzten Jahr verstorbenen Fan, der erst 16 Jahre alt war) Falls jemand mehr dazu weiß, würde ich mich freuen, das zu hören, bei meiner kurzen Recherche war ich da auf nichts gestoßen. Auf anderes zwar, aber dazu später.

Zum Spiel auch dieses Mal nur ein kurzer Abschnitt: Die Braunschweiger waren ja zuletzt wohl das am meisten mit Lob bedachte Team, doch auch das ließ bei mir nicht wirklich eine Art „Ehrfurcht“ aufkommen, wie ich sie im letzten Jahr so ungefähr bei jedem Team empfinden musste. Im Gegenteil, eigentlich war ich mir ziemlich sicher, dass das keine unlösbare Aufgabe sein sollte, gegen die Löwen was mit zu nehmen. Worin diese Sicherheit aber definitiv nicht begründet lag, war die Statistik der vergangenen Spiele, denn auch wenn die doch recht – überaus – positiv für uns ausfiel, hatte ich die Spiele gegen Braunschweig immer als unangenehm im Kopf.

Das Maß der Dinge sind für mich also derzeit nicht die Braunschweiger, aber Distanzschüsse von Sebastian Maier. Der war auch eigentlich der erste, der wirklich ein wenig Torgefahr ins Spiel brachte und ärgerte mal wieder einen Torhüter mit seinem Flatterball-Distanzschuss-Freistil. Zwar brachte er den Braunschweiger Keeper hier noch nicht wirklich in die Bredouille, da der Schuss dann doch ein wenig zu viel Schwung erfahren hatte und links am Tor vorbeiratschte.

Ansonsten sah das, was die Kiezkicker bis dahin so zeigten, schon sehr vielversprechend aus: Pässe, die ankommen, sind für mich immer noch reiner Luxus und davon zeigten sie dann doch einige. Und was nach den ersten Minuten immer deutlicher wurde: Wir hatten den Ball. Das können wir doch eigentlich gar nicht.

Ballbesitzfußball ist ja bis zuletzt, trotz den Beteuerungen Ewalds dort hin kommen zu wollen, eher was für die anderen gewesen. Die Boys in Brown lauerten eher auf Konter – ganz anders in Braunschweig. Mehr als 60 Prozent Ballbesitz, sichere Zuspiele im Mittelfeld, keine Herzinfarktgefahr im Sechzehner – ist das wirklich noch mein St. Pauli? (Dumme Frage.) Jedenfalls nicht das letzter Saison.

Auch Distanzschüsse scheinen nun „das Ding!“ zu sein, meine Vermutung liegt ja nur darin, dass nicht nur ich ein wenig eingeschnappt ob des Halstenberg-Wechsels war und die Jungs jetzt unbedingt etwas frei nach dem Motto „Was du kannst, können wir auch!“ beweisen wollen. Weiter so, das läuft!

Neben Buba und Dudziak, die beide aus der Distanz scheiterten, war tatsächlich in der Offensive einmal mehr Ratsche der auffälligste Mann. Flink wie immer, mit einer stetig besser werdenden Ballkontrolle und zu meiner großen Freude langsam robuster im Zweikampf, zwirbelte er immer mal wieder das Mittelfeld vollkommen durcheinander. Mir gefällt es richtig gut, wie er hinter jedem verlorenen Ball geht, das einzige was ich ihm jedoch ankreiden würde, ist die Häufigkeit, mit der er doch immer noch Bälle verliert, sobald er dem Sechzehner näher kommt. Aber das mag auch mein Eindruck vermischt mit dem Heidenheim-Spiel sein (Zukunft, biaatch).

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Nun gut, in der zweiten Halbzeit hatten die Braunschweiger dann auch mitbekommen, dass es hier doch noch um Fußball und nicht um interessant umgedichtete Zecken-Lieder geht und begannen dann doch recht furios. Sobota rettete und es ging in eine ausgeglichenere zweite Halbzeit. So richtig im Kopf geblieben, ist mir außer der obligatorischen Glanztat von Robin Himmelmann dann allerdings doch nicht unbedingt viel.

Eigentlich war man also sowohl an einem Auswärtssieg als auch an einer Niederlage haarscharf vorbeigeratscht. Ein Punkt war okay, es war mehr drin, mehr wäre aber hier nicht unbedingt verdient gewesen.

Aufmerksamkeit hat auf jeden Fall Ratsche erregt: bei meiner Recherche trieb es mich auch in ganz dunkle Gewässer, sodass ich im Braunschweiger Forum dann doch von regem Interesse an Ratsche las. Nix da, der bleibt schön bei uns. Und wenn er Dudziak nicht mehr durmelig spielt, könnte das da vorne auch ganz schön funktionieren. Apropos Dudziak: Es war nicht sein bestes Spiel, aber eine 5 des Kickers sah ich da jetzt auch nicht unbedingt. Dennoch war die Auswechslung und der Tausch durch Fafa in dem Moment der richtige Schritt, wo Fafa ja noch einmal mehr Spritzigkeit an den Tag legte.

Stimmungstechnisch hatte ich Spaß. Verdammt viel Spaß. Mittwochs noch – na gut, wieder – heiser zu sein, sich selbst beim Mitsingen herzlich auslachen, all das waren Anzeichen dafür, dass ich wieder wirklich Spaß im Block hatte. Das lag mit ziemlich großer Sicherheit auch massiv an den Umstehenden, mit denen das ganze einfach noch einen Ticken mehr Spaß machte.

Auf dem Heimweg passierte mir natürlich noch der obligatorische Patzer: Ich verirrte mich mit dem Auto in eine Straße, die gerade von einem ziemlichen Menschenauflauf – warum auch immer – in blaugelb bevölkert war, weil ich auf der Suche nach einer Tanke nun mal wieder in Stadionnähe gelandet war. Dass ich die Dreistigkeit besaß, den Schal noch nicht abgenommen zu haben und ja sowieso da tanken wollte, wurde mit derben Pöbeleien quittiert, bis mir ein Braunschweiger hitzig zu brüllte, ich sollte sehen, dass ich da wegkäme, das „sonst“ führte er nicht weiter aus. Alleine im Auto und alles andere als konfliktfreudig suchte ich dann eilig das Weite und tankte stattdessen am hinterletzten Ende Braunschweigs in irgendeinem Industriegebiet. Immerhin: So lernte ich als Dorfkind an einem Tankautomaten zu tanken. Wäre jedoch irgendwo jemals die Chance gewesen auch nur einen Hauch Sympathie für die Braunschweiger zu empfinden, ist die nun definitiv verloren. Das Einzige, was sich da noch regt, ist der Mittelfinger. Gruß!

Für die Heimfahrt brauchte ich dann tatsächlich auch noch um einiges länger als die Hinfahrt, aber ich kam sicher und ziemlich müde wieder zuhause an. Mit 716 weiteren Kilometern für den magischen FC.

Nun war ich ja diese Woche ziemlich spät mit meinem Senf zum Auswärtsspiel und so hat mich das Mittwochsspiel gegen Heidenheim schon überholt. Lienen vertraute dieses Mal auf Verhoek statt Lenny Thy im Sturm der Startelf und ich komme einfach nicht umhin zu hoffen, dass das nur der englischen Woche wegen so war. Verhoek passt für mich derzeit einfach nicht in den Spielstil der Mannschaft und das machte sich auch in diesem Spiel wieder bemerkbar: Ja, er schaffte Räume und setzte sich robust im Sturm durch, aber gerade was man bei Lenny immer wieder sieht, diese unglaubliche Laufbereitschaft und der Willen, auch nach hinten engagiert mit zu arbeiten, fehlt mir bei Verhoek einfach komplett. Ich hoffe wirklich, dass bei ihm bald der Knoten platzt und er einfach mal nicht im Abseits steht, wenn er das Tor trifft.

Für Dudziak rutschte Buchtmann in die Startelf, womit ich vollkommen leben kann, auch wenn ich Dudziak gern spielen sehe, um beobachten zu können, wie er sich in der Mannschaft entwickelt.

Heidenheims Abwehr präsentierte sich wie bisher gewohnt extrem kompakt und die Kiezkicker bissen sich an den geschickt verschiebenden Verteidigern des FCH die Zähne aus. Verhoek hätte es beinahe geschafft, mich endlich zu überzeugen, doch der Brustabpraller segelte dann noch neben das Tor. Wenig später fiel ein Abseitstor Heidenheims, das jedoch zurecht nicht gegeben wurde.

Wo langsam mir der Geduldsfaden zu reißen drohte, schien es Maier da nicht anders zu gehen: Nach Vorlage von Ratsche nahm er mal wieder jeglichen Mut zusammen und begann Torhüter zu ärgern. Sein Flatterball segelte ins Netz und ich hoffe, dass Maier einfach so weiter macht. Läuft bei ihm und ich gönn es ihm unheimlich. Das Selbstbewusstsein mitnehmen und einfach drauf halten!

Mit der gelb-roten Karte für Heidenheims Wittek schienen die Boys in Brown jeglichen Antrieb verloren zu haben und ließen ihre Gegner einfach mal anrennen. Einerseits ist das etwas, das ich unbedingt verändert sehen möchte, andererseits war allerdings auch da selten die akute Torgefahr zu spüren.

Was bleibt sind also bisher mal lässige 4 Punkte aus zwei Spielen in einer englischen Woche, ein Ratsche, der derzeit richtig Bock hat und eine Verteidigung, die so souverän agiert, dass man über sie zuletzt wenige Worte verlieren musste. Ich freue mich immer noch unheimlich, dass der Lange mit der 3 bei uns auf dem Rasen steht, habe Spaß an der Spielweise von Ratsche und Dudziak und hoffe lediglich, am Samstag wieder Lenny starten zu sehen.

Alles wie immer. Oder auch nicht. Nach dem Freiburg Spiel heißt es nun immer noch Platz drei und ich könnte mich vielleicht daran gewöhnen. Aber erst mal gilt es noch 23 Punkte zu sammeln. Danach sehen wir weiter.

 

Bis Samstag in Paderborn!

Forza,

Leonie

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We’re melting away.

Der Bornheimer Hang. Ich dachte schon beim ersten Mal, da könnte es doch was zu holen geben, aber außer einem Leckie-Tor gab es da nichts. Beim zweiten mal gab es was?, hey, einen Punkt und ein Ziereis-Eigentor zum zwischenzeitlichen Ausgleich. Beim dritten Mal waren es Darmstädter um mich rum und beim vierten Mal … nun, einen ordentlichen Sonnenbrand. Wie immer eigentlich.

USP rief auf in rot zu kommen und ich durchwühlte als erstes dann mal meinen Kleiderschrank. Außer einem Sportfreunde Siegen-Aufstiegstshirt von 2005 in das ich bis heute nicht hinein gewachsen bin, fand sich da nur eine Bluse. Gut. So overdressed hab ich mich auch selten fürs Stadion gefühlt, aber für die Sache sei es ok.

Es ging also nach einem erstaunlich entspannten Morgen auf den mittlerweile gut bekannten Weg nach Frankfurt. Mit dem Zug keine 90 Minuten, mein persönliches Luxusspiel der Saison – keine Anfahrtskosten, dank der Grenze zu Hessen, keine lange Anfahrt, sehr angenehm erreichbar. Hachja. Das eine wirklich einfache Spiel der Saison. Also die Anfahrt.

Ich mag sogar irgendwie den Weg zum Stadion. Es geht durchs Grüne, eigentlich scheint immer die Sonne (4/4 Spielen war es sogar ziemlich heiß) und irgendwie hat das was. So alle gemeinsam zu dem kleinen Vorplatz, wo man sich nochmal sammeln kann, dann alles loswerden muss, was nicht unbedingt zu schade zum Werfen ist (Zählt der Kindle denn auch?) und dann schnell rechtzeitig ins Stadion. Ja. Haha, nicht.

Angekommen am Stadion schnell die zweite Karte für Paderborn entgegen genommen und noch mehr Twittermenschen persönlich (wieder)getroffen. War schön euch zu sehen, auch wenn es wirklich kurz war!

Dann teilte sich das Ganze ein wenig auf und während wir noch auf einen Nachzügler warteten, machte sich der Großteil schon auf den Weg ins Stadion, bzw. ans Ende der Schlange an den Eingängen. Ernsthaft, ich war noch nie mehr als 20 Minuten vor Anpfiff auf den Rängen, glaube ich. Immer kurz vor knapp. So auch Sonntag. Als der Nachzügler eintraf dann schnell noch mit herein gemogelt und ab zu den Menschen in rot.

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Wir kamen mehr oder weniger genau rechtzeitig zur Blockfahne an, die wirklich schick aussah. Darunter wurde die Hitze allerdings nochmal unerträglicher, wo ja selbst der gelegentliche Windstoß, Lufthauch ach was, das Lüftchen, das wohl von einem umfallenden Sack Reis mal irgendwo produziert wurde, nicht mehr spürbar war. Dementsprechend verabschiedete sich die Fahne nochmal kurz um den Blick frei auf noch mehr Hitze zu geben.

Ich mag hier jetzt keine Grundsatzdiskussion anfangen, dafür gibts das Forum, wo man nochmal 10 Jahre alte Argumente frisch aufgewärmt aufgetischt auf der Menükarte finden kann. Mir persönlich gefällt es, solang man die Dinger eben festhält und nicht irgendwo hinschmeißt oder gar schießt. Gerade in Frankfurt verzog sich der Dunst ja auch recht schnell und nicht mal der – zugegeben, „frische“ –  Schiri wartete mit dem Anpfiff auf das Abbrennen der Fackeln.

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Die Frankfurter zeigten ein schönes Banner mit „In Heidenau, FFM und überall: Refugees Welcome!“.

Zu den Spielen in Frankfurt kann ich irgendwie selten etwas konstruktives sagen, wo ich eigentlich auch selten wirklich etwas sehe. Liegt jetzt mal weniger an der eigenen Größe als an dem ganzen Umfeld, was mir doch meist mehr Aufmerksamkeit abverlangt, als das Spielgeschehen. Zumal das generell meist ja eher  … mager ist, was wir in Frankfurt zu sehen bekommen. Jedenfalls wenn wir der Gegner sind.

Mein Eindruck vom Spielgeschehen lässt sich auch ehrlich in dem berühmten „Sommerfußball“ zusammenfassen. Da passierte nicht viel, eine Führung hatte keine der beiden Mannschaften wirklich verdient, weil eigentlich nichts wirklich zwingendes an Chancen zu sehen war. Ein paar Zuckerzuspiele von Buchtmann auf Thy, der die allerdings nicht wirklich verwerten konnte und am Frankfurter Schlussmann scheiterte. Vom FSV blieben mir so mal keine wirklichen Chancen in Erinnerung, aber wie gesagt: Ich widmete mich dem „nicht schmelzen“ und lauthals mitsingen. Das macht momentan einfach Spaß. War in Leipzig schon grandios und Frankfurt reihte sich da ein, auch an der Flimmerkiste kann ich nach dem „Stimmungscheck“ doch recht zufriedengestellt sagen: Das klang gut.

Ganz besonders wird mir wohl der etwas andere Song im Block in Erinnerung bleiben: Etwa Mitte der ersten Halbzeit, wo die Hitze gerade alle zu erdrücken drohte, stimmte man „Like ice in the sunshine“ an. Herrlich. Selten so schön spontane und doch funktionierende Einfälle erlebt. Die Textstelle mit „I’m melting away“ hatte ja auch nicht nur in einer Hinsicht was Wahres an sich, wo man in Frankfurt ja eigentlich immer mit einem Sonnenbrand heimfährt.

Auch wenn ich mich immer ein wenig frage, warum, aber den Ständen gingen dann sehr bald die Getränke aus. Gab es anfangs noch alkoholfreies Bier, so blieb am Ende nur noch Apfelwein, der bei der Witterung wohl eher dem Schmelzen (der Gehirnzellen) nicht unbedingt abträglich war.

Nun ja. Dann sind wir halt geschmolzen. War noch was? Ich glaube, ich wüsste nichts.

Ein wenig geschmolzen ist allerdings auch unser Kader. Mittlerweile – mit dem Ende der Transferperiode – kann ich den Abgang von Halste ganz gut verkraften. Wie viele schon schrieben: Lieber jetzt und uns 1/5 des Gesamtetats einbringend als nächstes Jahr sang- und scheinlos. Dass es ausgerechnet Red Bull sein muss … puh. Nein, da kann ich kein wirkliches Verständnis für aufbringen, gerade wo ja offenbar auch Interesse von aktuellen Bundesligisten vorhanden war. Aber da werden dann wohl noch andere Faktoren als die Ligazugehörigkeit eine Rolle gespielt haben, über die ich mir kein Urteil erlauben kann und will. Ich persönlich finde es sehr schade und der schnippische Teil in mir hofft, dass wir ihm im Rückspiel schon doppelt zeigen können, was er da verlassen hat, stimmungstechnisch und vielleicht ja sogar spielerisch. Am schönsten wäre es doch wirklich, wenn man dann vor RB stünde, aber das ist und bleibt mit der letzten Saison im Rücken dann doch eher Tagträumerei. Allerdings lasse ich mich nur zu gern vom Gegenteil überzeugen.

Es bleibt also, Halste für die zwei klasse Jahre zu danken, für die grandiosen Tore und die, bei denen er gerade noch dazwischen grätschte – und für die Verbundenheit, die er doch zwischenzeitlich zum Verein zeigte. Mir wird immer der weinende Halstenberg im Kopf bleiben, der letzte Saison geknickt vom Platz schlich. Einen schlechten Menschen muss man aus ihm wegen einem Wechsel nicht machen, ich wünsche ihm weiterhin alles gute und den baldigen Aufstieg zu einem richtigen Verein. Mach’s gut, Jung, danke für alles.

So, und dann fällt mir auch nicht mehr viel ein, außer noch einmal über meinen Sonnewpid-2015-09-01-21.47.32.jpg.jpegnbrand zu jammern. Das mit dem „Kommt alle in Rot“ hatte ich dann doch eher
missverstanden:

Und damit sind wir dann auch schon am Ende eines ungewöhnlich kurzen Auswärtsberichts. Aber es folgen diese Saison ja noch hoffentlich genug, um das wieder auszugleichen. Nu‘ ruht euch alle in der Pause und in Braunschweig sehen wir uns dann in alter Frische wieder. Bis dahin!