Archiv für den Monat April 2015

KSC Ole ole – oder so.

Hm. Einen Tag nach dem Spiel ist immer noch nicht viel wieder da: Die Hoffnung, die nach Montag unwillkürlich in wohl jedem Braun-Weißen aufgekeimt war, ist zumindest bei mir ziemlich kümmerlich eingegangen. Erinnert mich ein wenig an meine Pflanzen, wobei ich meine Hoffnung und den Fußballoptimismus eigentlich bisher besser pflegen konnte, als die grünen Dinger in Töpfen. Die sind nämlich bisher wirklich meist eingegangen.

Nun, die Hoffnung die in mir aufgekeimt war – irgendwie ähnelte sie dem kleinen Groot am Ende von Guardians, fröhlich vor sich hintanzend – wurde von Rouwen Hennings Latschen einfach zermatscht. Auch das war eigentlich nicht verwunderlich, schließlich ist der Gute ja ein ehemaliger Braun-Weißer, dass er traf, dürfte also kaum jemanden überrascht haben, denn mit „gewisser Regelmäßigkeit“ treffen eben ja die Ehemaligen gegen uns – und das ist die Untertreibung des Jahrzehnts, aber das wisst ihr ja eh.

Für mich persönlich stand die Fahrt seit Anfang der Woche echt auf der Kippe. Mich hatte es ein wenig, bisschen viel, ziemlich erwischt und aus purer Angst die Fahrt nicht machen zu können, zumal ich selbst fahren müsste, schleppte ich mich schließlich Donnerstag zum Hausarzt. Der versorgte mich mit einer Monsterpackung Penicillin, schwor mich auf Bettruhe ein und wusste selbst, dass das nichts geben würde. Recht hatte er.

Freitag, in der Lage Auto zu fahren, aber von „fit“ weit entfernt, ging es also mittags recht zeitig los. Der Wochenendverkehr ist ja grad zum Ende der Ferien echt nicht einzuschätzen und durch einen kleinen Exkurs, der mit ein bisschen mehr Schusseligkeit wohl in München geendet hätte (Memo an mich selbst: Nach Schildern fahren, Navis sind kacke), war das gar kein unberechtigter Grund zur Sorge, mal wieder zu knapp zum Spiel zu kommen. Erstaunlicherweise kamen wir ohne einen richtigen Stau durch und waren gut zwei Stunden vor Anpfiff im Grünen und Warmen. Im Wald. Vorm Stadion.

Muss ich ja echt sagen, ich weiß nicht wirklich warum, aber das Wildparkstadion hat sich direkt mal unter die bevorzugten Stadien geschlichen. Liegt vielleicht am Wetter – wobei, nein, in Frankfurt war bisher auch immer Bombenwetter und das Stadion ist immer noch kacke – oder einfach noch an der Euphorie vor dem Spiel, keine Ahnung, mir gefiels da und so der Fußballgott ein Herz für Braunweiße hat, bin ich nächstes Jahr auch wieder mit da.

Der erste Grund zum Schmunzeln war dann das tatsächlich ausschließlich alkoholfreie Getränkeangebot, der schlug beim Blick auf die Preise allerdings schlagartig um: 4 Euro für alles trinkbares und 1 Euro Pfand auf Plastikbecher, die so wabblig waren, dass man beim Aufgang zu den Rängen bereits die Hälfte verschüttete. (WER HAT DIESE BESCHEUERTEN STUFEN GEBAUT? Mag der Grund für die Alkohollosigkeit sein, mit kommt man da nicht unfallfrei runter; nur als kurzer Exkurs dazu, was mir bei den Stufen einfiel beschränkte sich auf „What is this? Steps for ants?“, wer solche Abstände da hin baut muss echt fies sein)

Aber auch das vertrieb mir die positive Grundstimmung noch nicht, denn die Bratwurst schmeckte ja. Und mit Essen bin ich leicht zu bestechen.

Die Zeit ließ sich gut vertreiben, wir suchten uns ein Plätzchen im linken Bereich des Stehblocks (auf den Platz schauend links) und das sollte im Endeffekt für mich der größte Fehler des Abends sein.

Zum Spiel mag ich gar nicht viel schreiben, ehrlich gesagt. Ich denke das können andere qualifizierter, besser und vielleicht auch objektiver, denn ich muss zugeben, dass ich wegen dem Stand der Sonne und den dunklen Trikots beider Mannschaften, die ich nur an den Hosen unterscheiden konnte, zum Teil nur am Laufstil ausmachen konnte ob das jetzt einer unserer Jungs  oder der Kalsruher da am Ball war.

Aber kurz vorher noch was anderes: Vor dem Spiel machten KSC-Kiddies die Runde durchs Stadion, Laola-Wellen-verursachend und allseits „Awwww“-verschuldend. Da wuchs bei mir doch die Hoffnung auf einen zumindest stimmungsvollen Abend im Block enorm, weil so weit ich es ausmachen konnte, auch von unserer Seite alle mit machten. Gefolgt von einem Schlachtruf, aber hey, wir waren doch nette Gäste.

Stimmungsvoll. Hm. Im Folgenden kann ich nur über das berichten, was ich empfunden und erlebt habe. Was mich echt wütend macht. Dazu sei gesagt, dass ich einen Stadionbesuch lebe, wenn ich zum magischen FC gehe. Natürlich schau ich mir auch einige andere Spiele an, aber richtig neutral bin ich eigentlich nie (letztes Beispiel war mein Exkurs ins Westfalenstadion, der nicht ganz so neutral endete). Wenn ich zu meinem Verein gehe, brülle ich, hüpfe ich, singe ich und pöbel ich mir die gottverdammte Seele aus dem Leib. Ja, ich weiß, dass nicht alle so ins Stadion gehen. Und im Endeffekt weiß ich auch, dass ich vermutlich falsche Erwartungen hatte, weil wir einfach SO VIELE waren, dafür, dass Karlsruhe von Hamburg so verdammt weit weg ist. Aber trotzdem: Während sich die Ultras, die üblichen Verdächtigen, die Vielfahrer und ich weiß nicht wer noch alles, sich rechts unten den Arsch aufgerissen haben, kam ich mir vor wie unter Blocktouristen.

Entschuldigt den Begriff, ich will hier wirklich keinem auf die Füße treten, der sich da hinstellt und mit die Mannschaft anfeuert. Ich erwarte auch von keinem, dass er 90 Minuten dauer-durch-dudelt. Das geht mir ja selbst auf den … auf die Nerven. Aber wie kann ich mich denn dahin stellen, die Arme verschränkt, nicht mal bei den „Schlachtrufen“, die ja weder textlich, noch melodisch, noch ausdauertechnisch anspruchsvoll sind, den Mund aufmachend?

Mein lieber schwarz-gelber Begleiter wies mich nachher darauf hin, dass ein paar Reihen vor uns jemand rund gemacht wurde, weil er durchgängig nur am Motzen war. „Zum Fansein gehört nicht nur motzen, sondern auch anfeuern“ oder so ähnlich. Das fasst es gut zusammen. Um mich herum standen definitiv einige Leute, die sonst nicht zum magischen FC gehen, ist ja alles cool. Aber es waren auch genug andere da, warum war es dann trotzdem so verdammt leise?

Wie gesagt, rechter Hand von mir, alles ok, das war durchgängig mit Stimmung durchzogen, auch wenn sich das mit den oberen Reihen immer mehr lichtete, aber echt, die linke obere Hälfte war wirklich passend zur aktuellen Tabellensituation.

Das war ein gottverdammter Trauermarsch.

Mit Ausnahme von ein, zwei Stimmen hinter mir, waren sonst kaum Leute zu hören. Verdammt nochmal, ich stand mit Fieber, einer eitrigen Mandelentzündung und mit so wenig Luft da, dass mich selbst das Hüpfen vollkommen erschöpfte und der Rest schafft es nicht mal, simple, nicht mal dauerhaft gedudelte Lieder für einen Moment mitzusingen?

Ich für meinen Teil bekam heute morgen keinen Ton raus und flüsterte mich durch den Arbeitstag. Am Freitag frustrierte mich jedoch die Stimmungslage in meinem Steher-Umfeld eigentlich mehr als das Spiel. Deutlich mehr. Es kam wohl irgendwann alles zusammen, die generell angeschlagene Gesundheit, die hämmernden Halsschmerzen, die Frustration über die Stimmung und die Hilflosigkeit gegenüber dem, was auf dem Feld passierte – ich stand einmal mehr mit Tränen in den Augen dort im Block.

Ich war nicht mal traurig, ich war einfach nur wütend. Wütend darüber, dass ich wusste, nicht alles gegeben zu haben. Ich hätte noch lauter brüllen können, wenn um mich rum auch lauter gebrüllt worden wäre, weil ich genau weiß, dass es mich dann nochmal mehr anstachelt. Vielleicht hätte man mit einem noch besseren Support doch noch mehr erreicht?

Ich hasse sowas. Ich hasse es einfach so sehr, im Nachhinein darüber nachdenken zu müssen, warum es nun schon wieder nicht gereicht hat.

Und dann muss ich mich halt mal auskotzen, ob auf den 260 Kilometern bis nach Hause oder eben hier im Text. Dabei weiß ich ja, dass diejenigen, die das hier überhaupt lesen, sowieso nicht zu der Gruppe gehören, über die ich schimpfte. (Es sei denn, ihr steht neuerdings am Handy spielend in der Kurve. Dann doch.)

Aber jetzt hab ich mich genug ausgekotzt. Der KSC ist mir immer noch nicht unsympathisch, das hat er einigen Vereinen voraus, bei denen ich so ein Kackspiel gesehen habe. Sollten   Wenn wir dann nächstes Jahr wieder nach Karlsruhe fahren, sofern sie den Aufstieg nicht packen, freu ich mich auf den Trip. Das Stadion mag ich, das kann mir auch so ein Spiel nicht nehmen. Und auch wenn mich das Spiel so richtig genervt hat, weiß ich doch, dass es mich eh nicht davon abhalten wird, bald wieder im Gästeblock, oder vielleicht doch endlich nochmal am Millerntor zu stehen, und genauso blauäugig die durch und durch besten Fans für mich beim Support erleben zu wollen.

Und damit ist jetzt wirklich Schluss. Wir sehen uns in Kaiserslautern. Ich bin die, die wie ’ne Blöde grinsend zum Stadion läuft, um sich die Nase polieren zu lassen.

 

… braun-weiß sind uns’re Farben und das seit 1910!

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