Archiv für den Monat November 2014

Dosenschießen. Oder so.

Es folgt: Ein absolut subjektiver Text, mein Empfinden zum heutigen Spiel, der erste Blogpost überhaupt und einfach mal notwendiges Runterschreiben der Gedanken nach der Niederlage. Oder einfach: Die Suche nach einem Abschluss für ein echt bescheidenes Fußballwochenende.

Ich bin echt niemand, der in Sachen Fußball alles schwarzmalt. Ich glaube, auch wenn ich manchmal anderes sage, letztendlich immer daran, dass alles noch irgendwie gut wird. Ob es nun gegen den Abstieg, zum Aufstieg hin oder doch „nur“ um einen Auswärtssieg geht. Klassischer Fußballoptimist, irgendwo muss ja schließlich alles gewohnte Bahnen laufen.

Hätte ich meinen Verein jede Woche überragend siegen sehen wollen, wäre ich wohl kaum zum FC St. Pauli gekommen. Wenn man die Liebe zum Verein in der Abstiegssaison entdeckt, kann das wohl auch schlecht anders sein. Aber was ich jede Woche sehen will, ist, dass die 11 Mann da unten am Platz kämpfen. Dass sie sich den Arsch dafür aufreißen, auch nur den Ball zu bekommen, darum kämpfen ihn zu halten und zur Not auch mal mit einer grenzwertigen gelben Karte eine klare Torchance verhindern. DAS will ich sehen. Wenn man dann eine Klatsche bekommt, ist sie halb so schlimm. Sagen zu können „Wir haben alles auf den Platz geschmissen, was wir hatten“ ist mehr wert, als so mancher Punkt. Es ist mir auch vollkommen egal, in welcher Liga ich da stehen werde und mir die Seele aus dem Leib schreie, weil ich will, dass der Support unten auf dem Rasen ankommt. Vielleicht das letzte notwendige Fünkchen ist, das fehlt, um sich doch nochmal mit allem in die Zweikämpfe zu schmeißen. Ich will nur einfach sehen, dass es ankommt. Dass man sich bemüht.

Es gab schon deutlich schlimmere Spiele, als das heute, auch wenn es immer noch ziemlich weh tut. Ich glaub, ich war selten während der Zweitligazeit so niedergeschlagen, wie nach dem Spiel gegen den KSC, aber heute war es irgendwie komisch. In der ersten Hälfte musste meine Couch einiges aushalten, ich pöbelte so vor mich hin. Blieb ja auch kaum was anderes übrig. Man kann nun mal keine Zweikämpfe gewinnen, wenn man nicht in sie rein geht. Vollkommene Überlegenheit der Dosen, die dann auch noch meinen Ratsche kaputt zu treten. Absolute Eskalation daheim. Ein Glück, dass meine Nachbarn zum Großteil fast taub oder weit genug weg sind.

Aber irgendwie waren es wieder diese klassischen Gegentore, bei denen man im Ansatz schon erkennt, dass die reingehen werden. Jedes Mal wieder das gleiche. Die Abwehr vollkommen hilflos, Tschauner zum Teil ebenfalls. Kurt war meiner Meinung nach heute zum Teil wirklich überfordert, Ziereis fiel mir eher durch wirklich dumme ungeschickte Fehler auf, die dann nochmal richtig gefährlich wurden. Verhoek schoss das gefühlt 100. Tor, das wegen Abseits zu Recht nicht gegeben wurde. Alushis Ausgleich gefiel. Sehr sogar. Vor allem, dass er nicht nochmal abgespielt hat, sondern selbst die Eier in die Hand nahm und mal schoss. Das sah man in den letzten Wochen auch eher selten. Eher, dass dann noch fünfmal (gut, zweimal) im 16- bzw. 5-Meter-Raum hin und her gespielt wurde, ehe der Ball dann doch wieder vollkommen ungefährlich wurde. Hey, ein kleiner Lichtblick.

Ich glaub ich will auch gar nicht mehr zum Spiel sagen, da gibts auch nicht viel, finde ich. Die Schreie nach einem neuen Trainer versteh ich nicht und tolerier ich auch nicht, denn ich glaube kaum, dass man an dem Problem, was die Mannschaft derzeit zu haben scheint (Kampfgeist? Einfach mal in die Zweikämpfe gehen? Instant-Eier-Wachsen-Lassen? Zum Teil Laufbereitschaft?)  mit einem neuen Trainer was reißen kann. Im Gegenteil, dann ist noch mehr Unruhe drin. Lasst Meggi mal machen. (Siehste, Fußballoptimist.)

Achja, und dass Budimir noch nicht eingeschlagen ist, kann ich auch nicht als Vorwurf verstehen. Klar, man hat ordentlich Geld für ihn rausgeschmissen, aber so richtig viele Einsätze hatte er noch nicht. Und wenn hinten nix funktioniert, die Bälle im Mittelfeld schon wieder längst verloren sind – was kann ein Stürmer dann großartig ausrichten, wenn er keine Tore schießt? Meine bescheidene Meinung, aber Spielergebashe kann ich einfach nicht ausstehen. Auch wenns nicht unbedingt auf diese Woche bezogen ist.

Achja, doch, ich hab was vergessen: Wenn auch nur minimal, ich fand die zweite Halbzeit doch wirklich besser. Da war zumindest ein bisschen von dem zu erkennen, was ich oben forderte: Kampfgeist, dass man halt doch noch versucht hinter dem Ball herzugehen, auch wenn die Chance ihn zu bekommen, vielleicht sehr gering ist. Mir egal, die sollen rennen. Sich bewegen. Sich den Arsch aufreißen.

Genauso wie die Fans es jede Woche für sie tun. Großartiger Support in Leipzig, ich hab das wirklich gefeiert. Laut Kommentator waren 7000 Braun Weiße dort. 7000!

Ich würde mich wirklich freuen, endlich nochmal ein Spiel zu sehen, in dem alle alles geben. Und sich dafür belohnen. Ihr wisst also, was ich dem Weihnachtsmann geschickt hab.

So. Und jetzt freu ich mich darauf, in Bochum wieder Teil dieser großartigen Fanszene sein zu dürfen und fiebere dem Spiel in zwei Wochen entgegen. Ich werd da sein. Mir die Seele aus dem Leib brüllen. Und hoffen, dass man auf dem Feld ähnlich viel gibt.

Damit solls dann auch genug des Geschreibes sein, aber irgendwie musste ich einfach mal einen Abschluss für ein absolut bescheidenes und devastating (wie auch immer ich das auf Deutsch sage) Fußballwochenende finden. Und dass ich dafür einen Blogpost brauchte, der mein allererster ist, sagt auch alles.

Also: Man sieht sich im Gästeblock, ich freu mich trotzdem noch Woche für Woche auf die Spiele. Und lege mir schon mal den Totenkopf-Pulli für das „Trotz-Tragen“ morgen raus.

Forza, #fcsp!

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