Alles wie immer!

Der geneigte FCSP-Fan ist ja generell überzeugt, dass der DFB-Pokal aus einem jährlichen Spiel besteht und wenn das nicht reicht, wird noch ein Freundschaftsspiel im Namen einer „2. Runde“ gegen einen Erstligisten hinten an gehangen. Daher dürfte die Aufregung bei uns einfach auch noch weniger gegeben sein, als diese fürchterliche Veranstaltungsreihe, deren einziger Vorteil beim Sieg die Teilnahme am EUROPAPOKAAAAAL ist, bei anderen hervorruft. Die Auslosung bestätigte das nochmal: Paderborn. Das ungeliebte Dorf unter den Fußballvereinen. Die Wiese, die nicht zum Schlittenfahren taugt. Der Winter, der ohne Schnee aber verdammt kalt ist. (…) (Ja, ich bin Dorfkind. Merkste, he?)

Im Prinzip muss dieses Pokallos die späte Rache der blauen Münchner gewesen sein, denn nur dank deren noch größerem Versagen spielen die Schwarz-Blauen-irgendwas aus dem Niemandsland, das hart an Bielefeld erinnert, überhaupt noch in der dritten Liga. Also: Herzlichen Dank nach München. Nicht.

Man könnte nun natürlich argumentieren, dass man doch wenigstens ein „schönes“ Los für dieses eine Spiel im Jahr bekommen könnte. Irgendwas, was man sonst nicht als Gegner hat. Meinetwegen auch gern mal was Regionalligamäßiges aus NRW oder so. Irgendwas nicht alltägliches halt. Aber nein, es wird Paderborn. Das so ziemlich langweiligste Ziel überhaupt. Das Spannendste an Fahrten nach Paderborn wird immer die Frage sein, wie man die Gutscheine auf der Rückseite der Tickets für das Möbelhaus im  neben dem Stadion am dämlichsten auf den Kopf hauen kann. Irgendwann fahr ich da mal mit einer Couch weg, ich sags euch.

Und eigentlich könnte ich damit jetzt aufhören. Spannender wirds nicht. Da mir aber ein „Erhebe dich und schreib!“ entgegen geworfen wird, schreibe ich wohl doch noch weiter.

Ich machte mich am Montag erstmals mit lokalen Leuten aus der Fanszene auf den Weg, die ich durch 100 Zufälle in Sandhausen kennenlernte und es noch drei weitere Spiele brauchte, bis wir verstanden, dass wir alle aus der gleichen Stadt kommen. Nun gut. In Bochum dann schon mal über Paderborn gequatscht und das erstmals gemeinsam angegangen.

Die Fahrt über dominierte die Playlist des Todes (aka die pblcrw-playlist), die deutliche Nachwirkungen hatte (ein kleines Entschuldigung!-(haha!!) an das Büro unseres Fahrers, das jetzt auch astrein Wattenscheid Null Neun besingen kann) und der Konsum von Bier mit komischem Beigemischtem (aka Rakete). Wir kamen erstaunlich gut durch und konnten so noch in Straßen einbiegen, die nachher gesperrt wurden – sehr zum Missfallen der Anwohner, wie es schien. Paderborn ist halt echt nur ein Dorf und die Anwohner da am Stadion zeigten das von ihrer kleinkariertesten Dorfseite, die ich mir vorstellen kann. Während uns der eine Gute unter den dort wohnenden echt freundlich darauf hinwies, dass eines der drei in Reihe geparkten Autos von dem fußballhassenden Feldbesitzer definitiv zum Abschleppen freigegeben würde, und sogar einen Parkplatz auf seinem eigenen Hof anbot, patrouillierte der Rest mit Bleistift und Notizblock bewaffnet an den geparkten Autos vorbei.

„Was haben sie denn für eine Mission?“

-„Wir schreiben alle auswärtigen Kennzeichen auf!“

„Und dann?“

-„Melden wir das der Polizei.“

Richtiges rumdeutschen. Nachdem ich mit Lachen fertig war, wies ich die Anwohner darauf hin, dass in ihrer Straße weder die Zufahrt nur für Anlieger noch ein Parkverbot/Halteverbot gegeben war, auch wenn sie das nicht im Mindesten beeindruckte. Schließlich parkten da Fremde direkt gegenüber von ihren Häusern, die Einfahrten brav freilassend und sich so positionierend, dass man definitiv problemlos ausparken könnte. Diese Wilden! Chaoten! Randalierer! (Den Rest der möglichen Bezeichnungen entnehme man bitte dem Papiermüll mit den vier Buchstaben. Oder man lasse es.)

Wir machten uns schließlich auf den Weg Richtung Stadion und pöbelten dabei munter vor uns hin, was uns kurz komische Blick von sportlichen Jungs vor einem der Häuser in dieser Seitenstraße einbrachte, aber nichts weiter zur Folge hatte. Da die Blase drückte ging es schnell, gewohntermaßen mit einem Nümmerchen statt der eigentlich mitgebrachten Stickerpakete ins Möbelhaus Stadion hinein. Und wenn der Durst dann schon wieder anklopft, ergibt man sich halt auch der absolut katastrophalen Getränkeversorgung.

Unser Zaunfähnchen hatten wir scheinbar massiv dämlich aufgehangen, denn man sah es nachher auf sage und schreibe keinem Bild, weil immer irgendwer davor stand. Nun gut. Wir sind lernfähig und in Darmstadt ist eigentlich genug Platz am Zaun. Vielleicht klappt es da. Aber der Vollständigkeit halber mal hier ein Bild vom so gut wie fertigen aber noch nicht genähten Ergebnis:

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Zaunfähnchen, digga. (Hier noch in progress, mittlerweile fertig und genäht und mit Aufhängerstofffetzchen. Und ohne Panzerband.)

Es ist noch ein bisschen schöner geworden und für die erste gar nicht schlecht. Ich hatte jedenfalls viel Spaß beim Basteln. (Ja, es ist schief. Wir hängen es einfach nie gerade auf, dann geht das.)

Wir suchten uns dann recht zeitig einen Platz im Block, weil man in Paderborn wirklich überall aber nicht irgendwo im Bereich des Aufgangs stehen möchte (#fuereuchgetestet). Das gewohnte Geplänkel vor dem Spiel begann, kurz unterbrochen von wilden „Sani!“-Rufen des halben Blocks. Es folgten unendlich lange Minuten bis dann tatsächlich mal Sanitäter auf dem Weg durch den Block waren und das lag definitiv nicht daran, dass man keinen Platz gemacht hat (das hat wunderbar funktioniert!) sondern es dauerte einfach tierisch lange, bis die überhaupt im Block waren. Manchmal erschreckend, wenn man sieht, wie lange sich das ziehen kann, bis Hilfe unterwegs ist.

Naja nun. Irgendwann war da halt auch noch Fußball. Oder sowas ähnliches, bei dem zumindest eine Seite ziemlich planlos durch den Strafraum irrte. Es kam noch Pech dazu und überhaupt war das Spiel getreu dem Motto „Erhebe dich und lauf“ … weit weg davon. Alles großer großer Mist.

Da half auch das Halbzeitlied nicht, das zumindest daran erinnerte, dass wir die Hälfte dieses Dramas geschafft hatten. Nun gut. Mehr muss ich eigentlich nicht zum Gekicke sagen, oder?

Tjoa. Und wie groß der Frust war, dass dieses Spiel so dämlich, wenn auch erwartet, verloren ging, sah man daran, dass ich auf die Frage, wie wir gespielt hätten „2:0“ statt dem richtigen „2:1“ antwortete. Nicht mal das letzte Tor konnte da noch helfen.

 

Für uns ging es also dann im absoluten Niederlagenblues nach Hause. Aber ich habe ganz viele liebe Menschen zumindest mal kurz knuddeln können, anderen über 90 Minuten hinweg ins Ohr pöbeln dürfen (mad props, mate, du hast mir zwischenzeitlich etwas leid getan) und sowieso endlich wieder auswärts.

Freitag schon wieder. Huch. Schlag auf Schlag, aber auf Darmstadt freu ich mich richtig. Jedenfalls die Stadt. Und die Leute. Und vielleicht nicht den Fußball.

Wir sehen uns.

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Blockpogo

„Gibt es sowas wie einen Sommerpausenschaden?“, fragte ich gestern und bekam zur Antwort, dass ich ja dann erst jetzt einen haben dürfte. So startet man in die neue Saison: Pöbelnd. Es war eine lange Sommerpause und irgendwie doch eine kurze, so viel los, dass man kaum dazu kam, den Fußball zu vermissen – das war gelogen – oder Vorfreude aufkommen zu lassen – das auch. Die Anzugträger der DFL fanden es jedenfalls eine gute Idee, die neue Saison da starten zu lassen, wo wir aufgehört haben: Auswärts in Bochum. Und wenn auch sonst nur Kritik an den Ansetzungen berechtigt ist, diese war die eine, die mir sehr entgegen kam. Direkt wieder in Bochum spielen zu dürfen, nachdem man die grandiose Rückrunde einer mittelmäßigen Saison (katastrophale Hinrunde + grandiose Rückrunde = Mittelmaß?) dort beschließen konnte, stimmte jedenfalls mich direkt darauf ein, dass wir einfach so weiter machen würden, als hätte es keine Pause gegeben.  Es ging jedenfalls wieder gewohntermaßen an einem Freitag nach Bochum (6/7 Spiele Stand 2010-2017) nachdem das vorige Spiel ja völlig unerwarteterweise auf einen Sonntag terminiert wurde. Alles wie immer also und damit zum siebten Mal in Folge auswärts nach Bochum.

Es war also das Auftaktspiel und damit eine Anstoßzeit, die nicht so ganz bahnfahrerfreundlich ist: Wenn man um 20.30 Uhr erst anfängt, komme sogar ich nicht mehr heim und dabei ist Bochum vermutlich das Spiel mit der geringsten Entfernung für mich. Da ich absolut keine Lust auf Hetzen, Schienenersatzverkehr und im schlimmsten Fall Stranden in Hohenlimburg hatte, machte ich mich mit dem Auto auf den Weg gen Bochum und kämpfte mich munter mit Musik die das, was sie an Qualität einbüßt, mit der Lautstärke wieder wett macht durch die Staus auf NRWs Straßen. Die andere Hälfte der Pöbelcrew lichthupte sich schon an der Ampel zum Parkhaus hinter mir ein und entspannter, wie zeitlich passender, kann man vermutlich gar nicht ankommen.

Der Weg zum Stadion war also ein kürzerer als der sonst so zelebrierte Fußweg vom Bahnhof, aber das ließ natürlich viel mehr Zeit, um liebe Menschen vor dem Stadion noch grundlos anzupöbeln. Wobei … zugegebenermaßen war ich gestern so flauschig unterwegs, dass es ein Weilchen dauerte, um auf Pöbelbetriebstemperatur zu kommen. Es war mir ein Fest euch Nasen so schnell nach der Sommerpause wiederzusehen und … naja, ein gewisser S. muss halt jetzt immer mit auswärts fahren. Bescheid.

Der Gästeblock in Bochum macht es ja nun leider nötig, sich relativ früh hinein zu begeben, falls man einen Platz finden möchte, an dem man seine Füße nebeneinander statt übereinander platzieren kann. Es ging also durch die Kontrollen, die vorsichtshalber auch mal meine dank eines „Wir haben den Stoff für die Ärmel für den Rollkragen verwendet“-Shirts (ja, sowas gibts und nennt sich „Mode“, hab ich mir sagen lassen) unbedeckten Arme abtasteten. Wegen der Sicherheit, ihr versteht.

Sonst ging es gewohnt entspannt ab in den Block in eine schöne Gruppe hinein und noch viel entspannter gen Anstoß. Hahaha, nicht. Ich muss ehrlich gesagt zugeben, dass ich mich nicht daran erinnern kann, eine Eröffnungszeremonie der 2. Bundesliga jemals gesehen zu haben – allerdings weiß ich auch nicht, ob das daran liegt, dass wir nie das Eröffnungspiel hatten oder es so einen Quatsch einfach noch nicht lange gibt. Keine Ahnung. Auf jeden Fall gibt es den Schnickschnack jetzt und war so ziemlich das Sinnbild der Eventisierung des Fußballs, wenn man so will. Dass man da gerade bei der Paarung des Vfl Bochum und des FC Sankt Pauli nicht unbedingt die Vereine dazu ausgewählt hat, die so einen Quatsch jubelnd begrüßen, hätte man sich vielleicht denken können. Hören konnte man es jedenfalls. In gemeinsamer Aktion hüllte man das Stadion in Trillerpfeifen-Lärm und kritische Banner wurden entrollt: Auf unserer Seite dürfte das „Fick dich, DFB!“ vermutlich wieder einige Euro auf Wanderschaft schicken (Worth it!) und auf Seiten Bochums hatte man sich in mehr Text geäußert. Dort war zum einen „Wir pfeifen auf eure Show!“ und „Wir wollen keine Show, scheißen aufs Event, wollen einfach Fußball, wie man ihn von klein auf kennt“ zu lesen. Untermalt wurden die Banner mit einem gellenden Pfeifkonzert, das einigen noch heute Tinnitus-ähnlich in den Ohren klingen dürfte, sowie  „Fußballmafia DFB!“ und „Scheiß DFB!“-Wechselgesängen zwischen Heim- und Gästeblock. An dieser Stelle wie an so ziemlich jeder anderen: Herz für euch, Vfl und eure aktiven Fans.

Nachdem man dieses absolut unnötige Vorgeplänkel dann hinter sich gebrachte hatte, startete die Saison mit einem, meiner Meinung nach, Duell auf Augenhöhe, wobei ich hier zugeben muss, natürlich nicht das komplette Feld im Blick zu haben, weil es die Bebauung des Gästeblocks einfach nicht hergibt. Dass das meiner Liebe (und es ist im verflixten siebten Jahr nichts anderes!) zu den Fahrten nach Bochum keinen Abbruch tut, muss ich eigentlich nicht mal mehr erwähnen. Es ging munter hin und her – auf dem Rasen und im Block nicht weniger. Die erste Halbzeit war eigentlich ein kompletter Pogo: Jeder hatte Bock, jeder wollte, jeder war so richtig heiß auf dieses Spiel, diese Saison. Es war dieser wunderbare erste Spieltag an dem einfach alles möglich ist. Wo noch keine Abstiegssorgen in den Köpfen festsitzen oder sich der „Wir müssen gewinnen, wenn wir dranbleiben wollen“-Gedanke bei Aufstiegsaspiranten einnistet. Es ist dieser eine Spieltag, an dem alles offen ist.

So verhielt sich auch der Block, jedenfalls in der ersten Halbzeit. Viel Bewegung, viel Support und für mich die notwendige Korrektur des letzten Spiels, auch wenn da viele nicht mit mir übereinstimmen. Es fetzte einfach und in der Halbzeit fragte ich vermutlich mit glühenden Augen, ob wir das nicht einfach eine ganze Saison lang machen könnten. 34 Spieltage + 6 Spiele außerhalb, hehe, so wie diese erste Halbzeit. Das wärs.

Die zweite Halbzeit flaute etwas ab, man probierte das neue Liedgut mal aus, das nicht so richtig fetzen will (Ich vote wenn für die zweite Strophe) und wir waren uns einig, dass „kleinauf“ auch für die gilt, die einfach nie groß geworden sind, von daher passte das schon. Der krönenden Höhepunkt war dann natürlich Buchtis Tor. Und ab da setzte sich dann irgendwie doch das neue Lied im Ohr fest.

Die Kurve explodiert und die Zeit steht still, Sankt Pauli siegen sehen ist was ich will!

Passte. Haben wir. Lief. Tabellenführung, Sieg im Ruhrgebiet und immer noch eines der absoluten Lieblingsspiele. Das nächste Mal aber lieber wieder mit dem Zug, auch wenn Parkhauspartys schon irgendwas haben, so dauert das doch ganz schön lang.

Okay, ich bin echt noch viel zu flauschig unterwegs. Aber die DFL wird das schon wieder richten: Am zweiten Spieltag die Fahrradlichter? Bis dahin kocht die Betriebstemperatur.

Wir sehen uns in Paderborn in alter Frische, mit schlechten Manieren und lautem Gepöbel. #alleswieimmer

 

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How Not To „Auswärtsfahrt“

Es ist ja immer wieder so: Wenn man sich so richtig, so richtig richtig richtig, auf etwas freut, dann geht die Wahrscheinlichkeit, dass es völlig in die Hose geht, gegen 100%. Es ist einfach so. Wiederum werden die Fahrten, auf die man am wenigsten Lust hat oft die, die man am meisten genossen hat. So stand Bochum eigentlich von vornherein nicht unter einem guten Stern, denn sobald die Spieltage angesetzt waren und ich unser Auswärtsspiel in Bochum auf dem letzten Spieltag und damit zum ersten Mal in 5 Jahren nicht Freitagabend entdeckte stieg die Vorfreude von Woche zu Woche immer mehr. Das Spiel in Bochum war damals das erste, das ich mit dem magischen FC erlebte und ist seither das liebste, die Gründe dafür listete ich schon zur Genüge auf, aber tatsächlich habe ich bisher auch noch niemanden widersprechen hören: Bochum ist einfach immer entspannt, wenn auch der Stehblock einiges an Kritik einstecken muss. Aber dazu später mehr. Vorweg nur eines: Es wäre fast gelungen, mir diese eine liebste Fahrt des Jahres völlig zu verderben und dafür muss schon einiges passieren. Wer also lieber in Herzchenaugen-Erinnerung an das letzte Spiel der Saison schwelgen mag, der spare sich diesen Text, gehe raus in die Sonne und trinke einen Kaffee-Tee-Was-auch-immer.

Da sich die Pöbelcrew kollektiv auf dieses „fast Heimspiel“ freute, wollten wir gleich mal mit Verstärkung anreisen. Wollten. Ich machte mich morgens auf den Weg mit dem Bus in die Stadt und von dort sehr entspannt mit dem Regio nach Bochum. Noch nicht mal losgefahren erreichte mich dann die Nachricht, dass beide Mitfahrer nicht kommen könnten und die Gründe dafür massiv bedrückend waren. Mit mulmigem Gefühl und natürlich direkt mal so richtig mieser Laune nuckelte ich also alleine an meinem Sonntagmorgenbier (nehmt das, all ihr „Warum man dann schon Bier trinken muss“-Skandierer!) und rollte den Rest des Weges gen Bochum.

[Zwischen dem ersten und dem folgenden Absatz liegen nun auch schon wieder fast zwei Wochen. Es ist ein bisschen Wut verflogen, der Text wird eigentlich nur der Vollständigkeit halber beendet, da er „berichttechnisch“ ja eigentlich keine Relevanz mehr hat (sofern es je eine gab)]

In Bochum angekommen blieb mir noch fast eine Stunde bis zur planmäßigen Ankunft des Sonderzugs, für deren Dauer ich mich strategisch clever mitten in der Bahnhofshalle platzierte und somit gleich mal einem Ausbrecher der Bezugsgruppe in die Arme lief, der schon länger im Pott weilte. Zu zweit wartete es sich dann doch direkt leichter und dass der Sonderzug auch noch überpünktlich kam, machte das Ganze natürlich noch besser.

Am Sonderzug die magischen Otter in Empfang genommen, mein Bronze-Trikot verteilt und sich schließlich geschlossen, frohen Mutes und etwas müde auf den schönen und immer wieder geliebten Fußweg zum Stadion gemacht. Das Verteilen der nun leider übrig gebliebenen Karten war auch schnell erledigt und so konnten wir uns relativ zügig auch ins Stadion begeben. Die Kontrollen waren ganz nach meinem Geschmack: Ohne großes Zinober um Sticker, entspannt, freundlich. Geht halt auch klar ohne dass gleich die komplette Fußballwelt aus den Fugen fällt.

Eine kurze Anmerkung zu den Trikots: Dass ich mich erstmals seit einer nicht unerheblichen Weile im Trikot auf den Weg zum Fußball machte, fühlte sich per sé schon komisch an. Angemacht wurde ich zwar nur in der Heimatstadt von zwei Dortmundern für meine Trikotauswahl, aber man hörte ja nun nachher nicht selten von Leuten, die Trikotpolizei spielten. Mal ehrlich: Solche Mottos sind Spaß. Wenn da jemand meint, im Dress der Vorstadt aufzulaufen kann man das ruhig scheiße finden, aber absolut nichts dagegen sagen. Ihr habt dazu nichts zu sagen. Das ist genauso scheiße, wie jemand für die Auswahl eines T-Shirts anzumackern. Geht einfach gar nicht, fasst sich aber wunderbar in den Rest des Tages ein.

Während wir uns nämlich noch der absolut fürchterlichen Versorgungslage im Gästeblock ergaben, zog der stimmungsfördernde Teil des Auswärtsmobs statt wie gewohnt in den Steher einfach mal in den Sitzer. Kann man schon machen. Muss man aber nicht. Kann man auch besser kommunizieren – oder halt so den halben Steher verlieren. Wie immer man mag.

Ich persönlich stehe der Aktion allein schon extrem (!) kritisch gegenüber – und wenn mir jetzt einer USP-Bashing vorwerfen will, bitte, der lese sich gerne meinen Twitterauftritt mal durch, aber hey, pöbeln geht immer – weil sie in den Wochen vorher von den Fahrradlichtern aus dem Osten UND den Ostwestfalen gebracht wurde. Muss man alles nachmachen? Als superneuetotaltollenochniedagewesene Idee hinstellen? Naja, wie gesagt: Ich stehe der Aktion nicht so super positiv gegenüber.

Das hätte man vielleicht damit ändern können, dass man eben noch mehr Leuten die Möglichkeit gibt, mitzuziehen. So standen nicht wenige später motzig im Stehblock – da nehme ich mich definitiv nicht von aus – schauen zu dem Pulk rüber, indem sie sonst mitten drin stehen und denken sich auch ihren Teil. Joa.

Und wenn man nicht alle mitnehmen möchte, okay, kann ich auch akzeptieren, aber dann ginge es halt auch, zumindest einen der Jungs am Zaun in Richtung des Stehers zu platzieren. Dann ginge halt nicht ganz so viel verloren, wie es jetzt in diesem Fall dann leider doch der Fall war. Vor allem aber: Unterschätze niemals die Macht eines Stehblocks ohne „Führung“. Klar, in diesem Falle ging das in der Halbzeit dann ganz gut mit dem eigenständig aufgenommenen „I just can’t get enough“ aber mir persönlich ging da viel zu viel Potential ab. Was hätte das fetzen können …

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Mein lieber Vfl, bitte mach kein Scheiß.

Nun weiß ich, dass viele von den Anwesenden den Support als „überragend“* (ersetzbar durch andere Superlative) empfunden wurde, aber ich komme auch hier nicht umhin zu denken, wie geil das hätte werden können, wenn man nicht Teile verloren hätte. Wie unfassbar viel stärker der Support noch hätte sein können, GERADE mit dem aufgeteilten breiten Block. So blieb für mich supporttechnisch definitiv bei einer der stärkeren Vorstellungen  der Saison eine ganze Menge Frust dabei.

Und das auch nicht zuletzt, weil man dann Leute im „supportenden“ Sitzer stehen sieht, die mehr damit beschäftigt sind, ihren Bizeps festzuhalten, im richtigen Licht zu positionieren oder zu prüfen ob der noch da ist, als den sonst ja immer „zu verteidigenden“ Verein wirklich mal zu supporten. Aber ist schon okay, manche jucken die ersten beiden Halbzeiten einfach nicht so wirklich. Jedem wie er mag. Oder so. Aber Respekt zolle ich für solche Auftritte definitiv nicht, wenn man auch noch uniform unterwegs und somit verdammt gut als Gruppe zu erkennen ist.

Ja, bis hier war viel Gemotze und ich muss euch enttäuschen, wenn ihr gehofft habt, das nun überstanden zu haben. Der folgende Teil ist für mich einer, der sich wieder über zwei Spiele aufgebaut hat und das erste davon war das letzte Saisonheimspiel „meiner“ Sportfreunde zuhause. Dort lief ich dank der zeitlichen Überschneidungen mit dem letzten Bundesligaspieltag alleine auf und damit kamen offenbar nicht alle klar. Man warf mir die Frage entgegen, ob mein Freund mich versetzt hätte oder warum ich als Frau alleine im Stadion sei.

Nun kann man sich vorstellen, dass man mich mit wenig schneller auf die Palme bringt, als mit solch dummen Sprüchen triefend vor Machismo und in Bochum stand dann eine junge Dame vor uns, die genau ALLE dieser dämlichen Sprüche „Frauen wollen nur Männer beim Fußball aufreißen“ für sie selbst bestätigte. Wenn man halt einfach nur die komplette Spielzeit ausprobiert, wie gut man am Wellenbrecher tanzen kann, dem Ordner (der übrigens der lässigste aller fucking Zeiten war, wenn auch er noch Grund für Aggression lieferte) schöne Augen und vor allem herzzerreißende Versprechungen machte – während der eigene Kerl direkt neben einem steht – KANNST du das natürlich machen, genauso können das aber Leute scheiße finden, die dann mit den von dir gewollt oder ungewollt bestätigten Vorurteilen zu kämpfen haben (ich möchte nicht sagen „Leute die ernsthaft zum Fußball fahren“, aber das liegt mir schon ziemlich drückend auf den Fingerspitzen).

Mich regte das ehrlich gesagt ob des Vorspiels am Tag zuvor ziemlich auf und ja, ich weiß, dass jeder im Block machen darf was er oder sie mag, aber … hey, das sind meist auch nicht die Leute, die dann nachher mit solch blöden Sprüchen zu kämpfen haben.

So oder so: Mackertum ist im Block und außerhalb definitiv scheiße.

Der Titel dieses Blogs hat leider nicht nur mit der dezimierten PBLCRW zu tun, sondern auch mit anderen Leuten im Block, die grundlegende Regeln einfach immer noch nicht verstanden haben. Gleiches galt für den Ordner direkt neben uns, der von uns höflich darauf hingewiesen wurde, dass in den Block filmen einfach gar nicht mal so geil ist, auch wenn es nur für die eigene Sammlung ist, es trotzdem immer wieder ignorierte und sich damit dann auch noch Stress mit weniger entspannten Teilen des Blocks einhandelte. Ähnliches galt für die Leute auf den Sitzern direkt neben dem Stehblock. Ja, fangt meinetwegen die Stimmung ein ABER RICHTET DIE KAMERA AUFS FELD. Nicht jeder, der im Steher zu finden ist, lässt sich gerne filmen und wenn man euch freundlich darauf hinweist, haltet euch dran. Die nächsten Hinweise büßen dann ebenso an Freundlichkeit an, wie eure Bereitschaft sich daran zu halten. Ich bin es auch ehrlich gesagt Leid, Diskussionen darüber zu führen, das sollte doch langsam wirklich bei jedem mal angekommen sein.

So. Das klingt alles ziemlich negativ, ich weiß. Aber das sind einfach die Teile, über die ich bloggen kann. Dass mir die Bezugsgruppe den Tag rettete und in guter Erinnerung bleiben lässt, schreibt sich nicht so leicht nieder. Aber es war ein weiteres Mal so und dafür bin ich sehr dankbar. Das war nun das zweite „Endspiel“, aber ohne Stress, das ich mit dieser tollen Truppe, wenn auch in anderen Besetzungen, erleben durfte und ich hoffe, dass es viele weitere geben wird. Die Pöbelcrew hat jedenfalls ganz viel Liebe für magische Otter. Wisst ihr Bescheid.

Damit dürfte dann auch fast alles gesagt sein. Meine nicht ganz perfekte Auswärtsfahrt wurde dann davon gekrönt, dass mir irgendein Depp am Bahnhof noch das Handy aus der Hand schlug und ich seither mit Splittern beim Tippen gesegnet bin, aber nicht mal das konnte mich noch aufregen. Dafür hatte ich schon viel zu viel Wut in verschiedene Richtungen rausgehauen.

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Was bleibt? Fulminanter Klassenerhalt. Immer noch ein einer Liga mit Bochum. Sich selbst dekapitierende Löwen aus München. Eine schöne neue Auswärtsfahrt nach Regensburg. Massiv geile Kaderplanungen. Der halbe Abschied von Ewald.

Damit noch ein unfassbar großes Dankeschön für die letzten zwei Jahre. Danke, Ewald ❤

Und sonst so? Sommerpause. Hier im Block und auf Twitter. Man liest sich auf anderen Kanälen, wenn ihr mögt. Haltet die Ohren steif, bis Ende Juli. Die Auswärtsdauerkarte ist schon verlängert.

I just can’t get enough. 

 

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Von Fahnenflucht, Stressern & Steinwürfen – Spieltage 31-33

Saisonabschluss. Eigentlich, sorry Spoiler, geht es um rein gar nichts mehr und trotzdem wollen wir #allezusammen #allesraushauen. Dass ich manche Dinge einfach ein bisschen zu sehr wörtlich nehme und zum letzten Spiel tatsächlich nochmal so alles gegeben habe ist dann halt leider ein bisschen tragisch. Doch von vorn, ein bisschen was fehlt ja noch und dass ich das nachhole, habt ihr schlicht und ergreifend meiner unfassbaren Unfähigkeit den ÖPNFAV (Öffentlicher Pöbelcrew Nah Fern Alles Verkehr) zu nutzen, zu verdanken. Gern geschehen.

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Vorgegriffen: Heimweg, der Rhein und jemand der winkt ❤

FAHNENFLUCHT BEI FORTUNA

31. Spieltag: Fortuna Düsseldorf 1:3 FC St. Pauli

Nun, hier im IC nach Dortmund sitzend, finde ich dann endlich auch mal die Ruhe, noch über das Spiel bei Fortuna Düsseldorf zu schreiben, das mittlerweile auch schon ein paar Wochen in der Vergangenheit liegt. Es hatte ein wenig Endspielcharakter an diesem Freitag, der einer von denen war, bei dem man am liebsten 3 verschiedene Jacken eingepackt hätte und am Ende trotzdem entweder vollkommen verschwitzt oder komplett durchgefroren in dem Parkhaus von Stadion gestanden hätte. Auch die Faschos waren auf Tour und deswegen fuhr die Fraktion Pöbelcrew Süd unerkannt durch NRW, machte Abstecher in Bochum und Wattenscheid, bedachte beide Orte mit  den jeweiligen Hymnen, und stieß schließlich in Düsseldorf am Bahnhof zum Rest der Truppe, die sich eben nicht erst am Stadion zusammen finden wollte. Gemeinsam den letzten Wegrest angetreten und schließlich auch an der Esprit Arena angekommen.

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Ich gebe ehrlich zu, dass ich mittlerweile eine kleine Masse an Spielen gesehen habe und die Erinnerung an die einzelnen Spiele durchaus vermischt bis etwas undurchsichtig geworden ist, aber ich versuche zumindest mal noch eine kurze Übersicht rund um den Spieltag gegen einen direkten Konkurrenten (so wie die anderen 12 halt) zu geben, seht es mir nach, wenn es an manchen Stellen mehr oder weniger ausführlich ist.

Ein kurzes Wort zum Stadion sei mir erlaubt, wer jedoch eine längere Version bevorzugt, dem lege ich den Text aus der letzten Saison ans Herz, weil ich, ohne ihn noch einmal gelesen zu haben, mir nicht vorstellen kann, einen Artikel ohne Stadionbashing geschrieben zu haben. Es ist und bleibt ein fürchterlich herzloses Ding, das mein Mitfahrer bei seinem letzten Besuch bereits für ein Parkhaus gehalten hatte und damit meine Meinung absolut untermauert. Auch der ehemalige Gladbacher hatte nur ein „Ach, das Ding mit den bunten Sitzen, damit es aussieht, als wäre es voll?“ für die Esprit-Schuhkiste übrig. #nuffsaid

Wir erklommen die letzten Stufen bis zum Vorraum des Blocks, eroberten unbedacht noch Bier und Bratwurst, nur um dann beim Eingang zum Stehblock fest zu stellen, dass die Herren in Gelb ja noch die Tickets sehen wollten. Ein kurzes „hier, halt ma mein Bier!“ später, hatten beide Ordner beide Hände voll mit Bierbechern, während wir die Tickets zur Wiedervorlage suchten. Herrlich entspannter Umgang, sowohl am richtigen Eingang, wie auch hier wieder, man verabschiedete sich scherzend und tat das auch später beim Verlassen des Stadions.

Ein kurzer Exkurs, der die Herren der Schöpfung nicht betrifft: Es ist und bleibt ein Unding, dass man für den kompletten Stehblock eine niedrige einstellige Zahl an Toiletten für die Damen vorsieht. Wenn du dir sogar vor dem Spiel, mit noch massig Zeit im Rücken, da Ewigkeiten die Beine in den Bauch stehst, macht das halt per sé schon mal nicht wesentlich entspannter. Und ein entspannter Block ist ein friedlicher Block, just sayin.

Um ihren friedlichen Block fürchteten scheinbar auch die Ordner, als sich die „nicht spinnefeind gegenüberstehenden“ Ultragruppen ein kurzes Tête-Á-Tête lieferten, jedoch lediglich Devotionalien austauschten und kurz schnackten. Zurück zum entspannten Block im Abstiegskampf.

So weit man das halt entspannt nennen kann. Ich war massiv pessimistisch und das war eigentlich ein gutes Zeichen, durfte man aber natürlich nicht selbst so deuten, weil dann wäre da ja wieder dieser tückische Sack von Optimismus mit seinem miesen Kumpel Hoffnung und wenn ich eines nicht gebrauchen konnte, dann einen Kampf über 90 Minuten mit diesen Hauern.

Nun hatten wir im Block Plätze eingenommen, die vielversprechend waren, aber vom Umfeld her zu Beginn recht anstrengend. Als der Anpfiff näher rückte und die Schwenkfahnen ausgepackt wurden, reifte das allerdings zu nahezu unerträglich. Es war der leibhaftige Beweis für Murphy’s Law: Es gab genau zwei Schwenkfahnen und wir stehen direkt neben der, die unerträglich quietscht und knarzt und lauter als der scheiß Support war – scheiß in diesem Sinne sowohl als Prädikat für den Support als auch als stilistisch unterstützendes Fluchwort.

[Erlaubt mir einen weiteren Einwurf: Was zur Hölle ist so schwer daran zu verstehen, wie die Position eines Wortes die Bedeutung des zugehörigen Satzes komplett verändern kann? Wenn ich noch einmal hören muss, wie jemand „Scheiß XY, ihr seid uns weit unterlegen, seid zu schwach, ja und deswegen gewinnen WIR heute nur HIER“ statt „HIER heute nur WIR“ hören muss ist der Griff zu Schellen als Hilfsmittel nicht mehr fern. Kann doch nicht so schwer sein.]

Das Spiel als solches verdiente das Prädikat „scheiße“ allerdings auch, wenn auch weniger als „irre“. Ich fasse einfach kurz zusammen, warum ich es als das empfand, auch wenn das wohl tatsächlich ein eher kurzer Teil wird: Zum Einen startete es direkt ziemlich ruppig, die Düsseldorfer spielten so ellebogenlastig wie eh und je, sodass im Block zahlreiche Gelbe Karten gefordert, jedoch nie gegeben wurden. Bis es dann halt doch den ersten und zu dem Zeitpunkt auch noch einzigen Düsseldorfer traf – innerhalb weniger Minuten gleich zweimal, Ampelkarte, auf Wiedersehen.

Zu diesem Zeitpunkt hatten auch schon zwei Spieler das Feld verletzungsbedingt verlassen müssen: Zum einen unser Bernd Nehrig, zum anderen der Fortune Akpoguma, der sich schwerer verletzt hatte, als es zunächst aussah. An dieser Stelle noch späte, aber herzliche Genesungswünsche – eine hoffentlich baldige und vollständige Genesung! Aber das lieferte für mich auch wieder Grund zum Motzen, weil ich persönlich es ein Unding fand, wenn zwei Spieler direkt vorm Block offensichtlich schwerer verletzt am Boden liegen bleiben, die Ruhe im Stadion (und des Heimblocks) dazu zu nutzen, selbst umso lauter zu supporten. Muss halt nicht sein, auch einer von uns liegt da unten. Der Block war in dieser Frage allerdings sehr zwiegespalten und die Vorsänger definitiv auch, denn während einer abwinkten, ein anderer motzte, warum denn keiner mitmachte und schließlich der erste auch wieder Support einforderte, hatte sich der supportende Teil des Stehblocks eigentlich schon darauf geeinigt, dass man für die Dauer der Behandlung am Feld den Support aussetzte.

Dass man in Überzahl spielt, dürfte bei jedem Fan Zuversicht auslösen, sofern er nicht Braun-Weiß trägt, schließlich tun wir uns mit einem Mann mehr am Feld halt einfach mal so richtig schwer und so war das kein Wunder, dass es phasenweise so wirkte, als spielte Fortuna mit einem Mann mehr und nicht wir. Es kam wie es kommen musste: nur wenige Minuten nach dem Platzverweis  fiel das obligatorische Tor –  nur halt leider das falsche. Rückstand, Überzahl, das Ding war durch,  dachte ich jedenfalls und hatte damit die Rechnung definitiv ohne den Kampfgeist der Boys in Brown gemacht.

Die kuriosen Situationen hatten nur definitiv noch was im Ärmel und das waren unter anderem Freistöße, die von allen für Elfer gehalten wurden, einen weiteren Platzverweis und eine Gelbe Karte NACH Abpfiff direkt vom Gästeblock. Kuriositätenkabinett, aber mein Hirn vermag es gerade nicht mehr in die richtige Reihenfolge – außer natürlich die gelbe… – zu setzen. Am Ende stand es – verdient, versteht sich – 3-1 für die Boys in Brown und da keimte dann doch sowas wie Hoffnung auf.

Auf dem Weg zurück dann noch einen Teil der Kofferraum-Krew aus Aue wieder getroffen und eine recht entspannte, wenn auch lange und umwegvolle Heimfahrt gehabt.

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Very Important Pöbler parken halt auf dem VIP-Parkplatz.

„LEICHT NACH STRESS AUSSEHEND“

32. Spieltag: 1. FC Kaiserslautern 1:2 FC St. Pauli

Eine passende Beschreibung für vieles: einen bestimmten Typ, einen Spieltag, eine Anfahrt … Startend daheim war das erste Ziel des Tages Hagen gegen Mittag und während das Pöbelcrew-Taxi seine Stau-Odyssee scheinbar schon hinter sich hatte, schmetterte ich direkt auf den Stau ganze drei (!!) Kilometer vor meiner Ausfahrt zu und ließ auf mich warten. Am Treffpunkt selbst zum Rest der „Punkte sind nicht so wichtig für die Region wie der FCK“-Bande und wir machten uns auf einen etwas umweg-, stark stau- und schon ziemlich verpätungsbehafteten Weg zum Spiel. Hatten wir vorher ein ziemlich lässiges Zeitpolster so schrumpfte dieses scheinbar mit jedem geschafften Kilometer signifikant bis man schließlich kurz vor Lautern doch unruhig auf dem Sitz hin und her rutschte.

Aber für dieses Spiel hatten wir Glück in Form eines Parkplatzes der Presseleute und Very Important Penises, eeeh… VIPs. So kamen wir dann doch noch rechtzeitig im Stadion an – vorbei an all den leicht nach Stress aussehenden Lautrern, denen wir unsere braun-weiße Identität dann doch lieber nicht unter die Nase rieben. Bis dahin hatte ich auch fast verdrängt, dass zwar die Kontrolle lasch aber das Vorhaben im Stadion etwas zu essen und zu trinken zu bekommen ein umso härteres war. Mal ehrlich, liebe JustPay’ler: Wie schafft man es, mit einem so beschissenen Geschäft, so dreckigem Vorgehen und dermaßen hohen Einnahmen durch miese Art pleite zu gehen? Wie? Einfach wie? Ihr bekommt Milliarden in den Arsch geblasen, weil es nahezu unmöglich ist, beim Zurückholen des auf den Karten verbliebenen Geldes nicht ein Jahr Lebenszeit, sämtliche Nerven oder die gute Laune aufs Spiel zu setzen. Aber mal ab davon: Lieber FCK: Genau eine Stelle um nachher die Becher und die Karten abzugeben, während sich eure Leute an den Getränkeständen, die zumindest eines davon annehmen könnten, die Beine in den Bauch stehen ist halt schon maximal bescheuert wenn nicht sogar berechnend, was das Ganze auf komplett neue Ebenen von „Habt ihr sie noch alle?“ hebt.

Ähnliches würde ich bei der Anzahl der Damenklos anmerken wollen. Aber dass die wichtigen Männer immer noch nicht begriffen haben, dass tatsächlich Frauen auch zum Fußball gehen, wundert mich genauso wenig wie die Schlange vorm Damenklo, wenns nicht mal fünf Kabinen für einen kompletten Block gibt. Super!

Der Block an sich war für mich persönlich, und der zweite Teil der #pblcrw stimmte mir da genervt zu, einer der schlimmsten der letzten Zeit:  Besoffen als hätte es einen Sonderzug gegeben, dämlich in die falschen Richtungen pöbelnd und vor allem dauernd „Wir sind Zecken“-anstimmend. Einfach nur sau nervig, vor allem wenn man die ganze Zeit die Leute mit seinen Schultern trägt, die es weder schaffen „Sankt Pauli“ noch unfallfrei und halbwegs verständlich auszusprechen, geschweige denn auch nur einmal den Takt beim „mit“-klatschen getroffen haben. #antialles

Bei mir wuchsen also minütlich die Aggressionen, nicht zuletzt davon gekrönt, eine Schwenkfahne in die Fresse zu kriegen, weil auch der Fahnenmensch nicht mehr in der Lage dazu war, eine scheiß Fahne fest zu halten – aber Bier holen ging ganz gut, jedenfalls wenn man „sich rücksichtslos durch den Block zu tanken“ als erfolgreich bezeichnet. Kinder, ich bin die letzte die „Fahnen runter“ brüllen würde, vergesst das nicht.

Was hatten wir also? Eine nicht nur leicht nach Stress aussehende pblcrw’in und ein ziemlich verkorkstes Spiel, das genau so war, wie man eines am Betze halt erwartet: Easy bis zur letzten Minute und dann noch fast zweistellig verlieren können, sich aber irgendwie zum Sieg zittern und freuen können.

Bemerkenswert dabei: Nach Abpfiff gab es keinen richtigen Jubel. Alle standen im Block, schauten sich an und hofften, dass es das jetzt war, dass wir durch sind. Aber so richtig freuen konnte man sich noch nicht, auch wenn das natürlich massiv wichtige Punkte waren, die da eingefahren wurden, aber solange eben noch die rechnerische Möglichkeit bestand, doch noch auf einen Abstiegs- oder Relegationsplatz zu rutschen, war für mich noch keine Erleichterung greifbar.

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„1. FC Kaiserslautern – Unzerstörbar!“ … naja, fast.

Für mich eines der Highlights des Spieles: Der eine Moment, in dem die komplette rote, pöbelnd-pfeifende Kurve des FCK hinter dem „1. FC Kaiserslautern – unzerstörbar!“-Banner komplett erstarrte. Keine Bewegung, kein Gesang – geschlagen.

Es folgte eine äußerst entspannte Rückfahrt, gerade für mich, die ich sobald Hunger kein Thema mehr war, seelenruhig auf der Rückbank schlief und erst wieder richtig wach wurde, als ich selbst wieder hinter das Steuer musste. Nicht selbst fahren zu müssen war also super, aber kein Vergleich zur Gesellschaft. Das hat viel Spaß gemacht, ich danke euch!

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EIN STEINWURF WEG VOM HAFEN – DORTMUND IST NICHT HOLLAND, DIGGER. 

33. Spieltag: FC St. Pauli 1:1 Spielvereinigung Greuther Fürth 

Es ist jedes Mal so: Wenn ich sage, dass ich was bestimmt nicht tue und dieses „was“ einen Fußballkontext hat, dürftet ihr gerne Geld darauf setzen, dass ich es doch tu. In diesem Fall war es: „Ich fahr diese Saison nicht mehr zum Heimspiel“, zack, hatte ich eine Südkarte dank des lieben und weltbesten Teddys, und war schon so gut wie auf dem Weg.

„So gut wie“ ist da allerdings das Stichwort. Es folgt: Ein weiteres Kapitel meines Kampfes mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auf Rädern. Da der Trip eigentlich nicht so ganz eingeplant war und vor allem das Konto gequält ächzte ob meiner Pläne, wählte ich für die Hinfahrt die günstigere aber zeitintensivere Anreisevariante mit dem Flixbus. Und bevor ihr motzt, dass ich hier Werbung für ein Unternehmen unterbringe: Es ist alles andere als das. Versprochen.

Bisher hatte ich zu den Menschen gehört, die noch keine Scherereien mit diesem speziellen Anbieter erleben musste, doch dass sich das gleich in solcher Heftigkeit ändern sollte, damit hatte ich, entspannt an der Haltestelle sitzend nicht gerechnet. Mit einer gewissen Verspätung rechnete ich schon aus den bisherigen Erfahrungen, daher blieb ich als eine der wenigen auch dann noch entspannt, als die vierte Linie, die nicht unsere war, anhielt, ent- und wieder belud und ohne uns weiter fuhr. Nach über einer Stunde ohne Verspätungsnachricht wurde allerdings auch ich langsam stutzig.

Bis die Jungs, die mit mir und einer Bremerin dort warteten, wutentbrannt zu uns stapften, um uns mitzuteilen, dass man den Bus ersatzlos gestrichen habe und keine Meldung davon gemacht hatte, sondern uns dort einfach hätte sitzen lassen OHNE uns mitzuteilen, dass sämtliche Tickets auf den nachmittags erst startenden Bus (wohlgemerkt mit über drei Stunden Zeitunterschied!) hatte. Ganz große Arschlochaktion, werte Flixbus-Bosse. Das war mies und zwar so richtig und es kann gut sein, dass dies auch meine letzte Fahrt mit euch war, wenn ihr so zuverlässig und noch viel stärker im Krisenmanagement seid.

Nun hatte ich das Glück, dass ich mich mit besagter Bremerin wirklich gut unterhalten hatte und wir kurzerhand beschlossen, mit dem Auto zumindest gemeinsam bis Bremen anzureisen. Mit vielen Staus, einem erheblichen zeitlichen und finanziellen Mehraufwand und jeder Menge Stress kam ich schließlich doch noch in Bremen an und enterte den Zug gen Hamburg. So hatte ich mir meine Fahrt definitiv nicht vorgestellt, aber ändern konnte man es nun auch nicht mehr. Also ordentlich gepöbelt, sich damit abgefunden und gut war. [Ist das dieses Alt werden? Vor zwei Jahren hätte ich mich viel länger darüber aufgeregt.]

Erst einmal in HH angekommen lieb in Empfang genommen worden, direkt weiter gezogen und einen Abend mit der Bezugsgruppe verpasst, die ich, hätte ich mal Konsequenz in meinem „Ne, diese Saison nur ein Heimspiel!“ walten lassen, definitiv viel zu sehr vermisst hätte. Hoch lebe meine Inkonsequenz. Der Abend war lang, die Nacht kurz und der Deadpool-„Shooop“-Ohrwurm nahezu tödlich. Aber hachja, dafür gibts gar nicht genug Herzchen.

Der Spieltag begann dann mit einem ausgiebigen Frühstück, drei Brötchen für jeden!, und dem langsamen Pilgern zum Millerntor. Das Wetterchen hatte sich der Laune angepasst und so strahlte vom Hamburger Aprilhimmel eine Sonne entgegen, die auch nochmal alles geben wollte. Wir arbeiteten noch etwas an unserem Strahlen, glimmten wir zu dem Zeitpunkt wohl noch eher müde vor uns hin – aber das sollte ja alles noch kommen.

Im Stadion den Stammplatz der Gruppe erobert und sich erst einmal auf den Stufen sitzend im Kräfte sammeln geprobt. Vielleicht sollten wir demnächst eher nach den Spielen los ziehen und nicht am Abend vorher, aber dann kommen ja wieder andere Dinge in die Quere, wie arbeiten. Wobei, wenn es nach manchem Twitterer geht, tu zumindest ich das ja nicht. [Gruß!]

Ich mag zum Spielgeschehen eigentlich gar nicht so viel sagen, aber erlaubt mir Worte zum gewohnten „Drumherum“: Rainer wurde als Stadionsprecher verabschiedet und das stellte für mich eine der wenigen Gelegenheit dar, in denen ein „You’ll Never Walk Alone“ wirklich mal nicht deplatziert sondern regelrecht angebracht ist. Vielen Dank für die vielen Jahre hinter dem Mikro und viel Spaß zurück auf der Tribüne. Alles Gute.

Zum Einlauf/Anpfiff explodierte im Gästeblock stilecht Hulk, jedenfalls ließ die saftige Rauchwolke darauf schließen. Wie immer: Pyrotechnik im richtigen Einsatz ist alles, aber kein Verbrechen, demnach ein hulkfetter Daumen hoch in Richtung der Fürther.

Das Spiel verlief in Etwa so, wie man sich eines vorstellt, wenn man kurz davor nach einer derbe anstrengenden und kraftraubenden Saison den Klassenerhalt klar gemacht bekommen hat [SO nach Würzburg & Bochum!], und dann halt noch die Saison irgendwie zu Ende spielen muss, aber der Druck völlig weg ist, während der befreite Spaß noch nicht ganz seinen Weg zurück auf den Rasen gefunden hat. Mit einem 1:1 war das gut bedient und da konnte auch keiner meckern, wie ich finde. Weder für die Spielvereinigung noch für uns ging es um mehr als Fernsehgelder und dann passte das halt schon.

Zum Abpfiff explodierte bei uns dann noch ein Mini-Hulk und irgendwas in gelb, die Mannschaft ließ sich ordentlich feiern und bis die bei uns angekommen waren, hatten wir fünf mal versucht, „Ein Steinwurf weg vom Hafen“ bis zu T. am Zaun zu transportieren, bei dem wohl leider nur die Geste zu „macht den Kopf kapuuuutt“ ankam, was das Ganze aber nicht minder lustig machte. Egal, wir feierten munter vor uns hin, bis die Mannschaft ihre Runde vor der Süd beendete und sich auch dort gebührend feiern ließen.

Und so hätte ein schöner Fußballtag enden können. Hätte. Aber nein, es gibt ja Leute, die profilieren sich darüber, in massiver Überzahl mal Jagd auf Fürther zu machen. Kannst du machen, dann bist du aber ein Dulli – und was für einer. Gerade auf Fürth, mit denen man so absolut gar keine negativen Verträge hat … aber hey, jeder definiert sein Selbstbewusstsein anders. Wenn ihr dafür mit so vielen auf so wenige ohne Fan-Utensilien und in Laufspiele gehen wollt, bitte – aber sucht euch doch vielleicht Leute, die Bock drauf haben, sich mit euch zu keilen. Davon soll es ja genug geben.

Wir ließen den Tag nicht bei Freibier und am Knust, sondern in der Nähe davon und mit ganz viel Ruhe in der Sonne ausklingen. Nach einer solchen Saison soll durchatmen ja auch mal erlaubt sein. Genau dafür hatte ich mir auch noch den Montag freigeschaufelt und wollte erst gegen Abend den Heimweg wieder antreten, damit ich den Tag über noch mit den lieben Menschen verbringen konnte, die die Saison über viel zu kurz gekommen sind. Ein richtig dickes Herz an euch, der Tag war ein wirklich schöner und ich hab die gemütlichen Treffen mit euch sehr genossen. ❤

Dass wir den Tag dann vielleicht ein wenig zu entspannt ausklingen ließen, endete in meiner wahren Öffi-Misere: Während sämtliche [!!] Bahnverbindungen in HH ankommend mindestens 30 Minuten Verspätung vorzuweisen hatten, kam mein gebuchter ICE natürlich pünktlich und wurde trotz rekordverdächtigem Sprint um EINE verdammte Minute verpasst. Eine. Ärgerlich. Kurz den Bahnhof zusammengeflucht, sich dann zusammen gerissen und eine Alternative dank Pflichttermin am nächsten Morgen gesucht, wie ich denn bitte noch pünktlich heim komme.

Es fand sich eine, teuer und nur halb bis nach Hause, schließlich würde ich in Dortmund  stranden, irgendwann nachts, und musste nun auf Kulanz von daheim hoffen. Da ich D. schon mal aus Holland auf einen Dienstag abholte, verlief das Gespräch in etwa so:

„Kannst du mich später in Dortmund abholen?“

-„Orrr…  ernsthaft?“

„Ey! Dortmund ist nicht Holland!“

-„…“

Mit 57 (!!!) Minuten Verspätung kam ich schließlich mit dem teuren und nicht einmal kontrollierten Ticket des Nachts in Dortmund an und ärgerte mich, dass wir nicht noch drei günstige Minuten länger hatten im Niemandsland stehen bleiben können. Aber nein, so wurde es unnötig teuer, langwierig und ungemein anstrengend – ein weiterer Beweis dafür, dass die Öffis und ich einfach niemals so richtige Freunde werden können.

Nun gut, aber die Fahrt war es definitiv wert und allein schon um die Magischen Otter vor der Sommerpause noch einmal fest drücken zu können hätte ich die Fahrt direkt nochmal angetreten.

Alles halb so wild also, aber Dortmund ist halt nicht Holland.

Ein Steinwurf weg vom Hafen, da steht das Millerntor,

da kann man gern vorbei schauen, man hat ja sonst nichts vor,

braun-weiß sind unsere Farben, braun-weiß ist unser Blut,

wir nehmen auch gern mal Drogen, das macht den Kopf kapuuuuuutt ❤

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Heute bitte keine Punkte, ich bin krankgeschrieben.

Was könnte man so alles an einem Freitag machen? Ein bisschen arbeiten, mittags „Hoch wp-1491295805228.jpgdie Hände, Wochenende!“ rufen und sich mit Freunden zum Essen, auf n Bier oder zum Tanzen treffen. Ein ganz normales Wochenende feiern, eben. Aber dann gibt es da halt auch noch eine andere Möglichkeit: Man kann sich freinehmen (Danke DFL!), sich trotzdem den Wecker stellen und sich morgens mit jeder Menge Kaffee auf den Weg in irgendeines der Stadien dieses Landes machen. Könnte man. Könnte man aber auch lassen. Der letzte Freitag war definitiv eher ein Paradebeispiel für letzteres. Ein ganz großes „Warum machen wir den Scheiß eigentlich?“ neben einem „Wir wissen doch alle warum“ bis hin zu einem „Wir wissen es besser und machen es trotzdem“. Willkommen zu meinem Spiel… haha, Fahrtenbericht ins Erzgebirge nach Aue. Ich würde viel Spaß wünschen, doch den suchten wir auch am Freitag vergeblich.

Da sich die Pöbelcrew wieder gemeinsam auf den Weg machen wollte, führte mich mein erstes Wegstück noch alleine in Richtung der zweiten Hälfte, dort wurde schnell noch die Kaffeereserve aufgetankt und dann ging es auch schon sehr zeitig auf die Bahn Richtung Osten. Wir hatten die Route über Kassel gewählt und da das nun mal an einem Freitag doch recht riskant war, uns dementsprechend früh auf den Weg gemacht. Bis auf eine kleine Stauung durch Gaffer verursacht, die dringend einen Blick auf den Unfall auf der anderen Bahnseite werfen mussten – für Leute wie euch wurde übrigens das Konzept „Hölle“ entworfen, rot in there please! – kamen wir allerdings super gut durch und konnten uns wirklich Zeit lassen. So fuhr man irgendwo auf dem Weg auf einer Raststätte, die irgendwas mit „Eichel …“ (Dank @nurderTim merkte ich mir das) hieß, zu einer Pause ein und traf sogleich auf andere Sankt Paulianer, die wohl das gleiche Ziel hatten wie wir. Dass sie dort auch mit allem Gepäck ankamen, glich allerdings einem Wunder, dann als wir gerade ausstiegen, wollten sie ihre Fahrt fortsetzen – mit offenem Kofferraum. Mach mal den Kofferraum zu, bevor du losfährst, Digga! [Wir konnten uns glücklicherweise bemerkbar machen, sodass wohl doch alle komplett im Osten ankamen.]

Eine ausgedehnte Kaffeepause später rissen wir auch das letzte Wegstück noch ab und bogen irgendwann von der Autobahn auf die Landstraßen und die kuriose Wegbeschreibung zum Gästeparkplatz ab. „Da war irgendwas mit Hartenstein. Und Lößnitz. Und Alber…Alberroda?“ So richtig Plan hatten wir nicht, aber wir fragten uns einfach durch und kamen schließlich auch an dem richtigen Parkplatz an – allerdings vor den Ordnern, die die Gebühren eintreiben sollten. Wie so ziemlich jedes Auto der ersten drei Reihen. Wer kann denn auch damit rechnen, dass Fans schon um 16 Uhr eintrudeln, wenn um 18.30 Uhr Anpfiff ist? Und dann auch noch Wechselgeld dabei haben? Viel zu viel verlangt, wenn ihr mich fragt.

Wir trafen noch ein paar sehr lustige andere Fans und marschierten schließlich in Richtung der Shuttlebusse, die uns tatsächlich bis direkt vor den Gästeeingang chauffierten. Ehrlich gesagt hätte ich das Stadion nicht als solches erkannt, wäre ich einfach daran vorbei gefahren, ich hätte es doch eher für ein Industriegebäude gehalten. Die Mannschaft kam kurz nach uns an und da konnte es ja eigentlich losgehen, also auf hinein in dieses halbfertige, halbgroßartige und halbfürchterliche Stadion.

Der Weg hinein war für mich persönlich schon ein sehr unangenehmer. Muskelprotze, nebeneinander stehend, die Arme verschränkt und abfällig drein schauend … das waren die Klischeeordner, die sonst bei anderen Vereinen für Chaos sorgen, wenn sie nicht bei Aue-Spielen abwertende Kommentare zu den Gästefans ablassen. Zum „Kein Fußball den Faschisten“-Shirt kam ein „Nettes T-Shirt.“, das vor Ironie nur so triefte und das „Fight Fascism, Eat Nazis!“-Shirt wurde gar mit einem „Na, dann kämpft mal schön.“ kommentiert. Äußerst sympathisch, die Herren. Die Dame, die die weitere Kontrolle bei mir durchführte, war hingegen recht freundlich.

Eine kurze Bestandsaufnahme später, schnappten wir uns ein Kaltgetränk – Vollbier, überraschenderweise – und suchten uns einen strategisch cleveren Platz am Eingang auf der Kurve. Die ersten Bezugsmenschen ließen nicht lange auf sich warten und man traf noch einige weitere, von denen man es nicht unbedingt erwartet hätte. Sehr schön, machte Spaß! Unter anderem traf man auch die Kölner-Kofferraum-KCrew wieder und wp-1491293394426.jpgsollte das einer von euch lesen, haut mich mal auf Twitter an, ihr ward cool.

Man konnte aber natürlich nicht nach Aue fahren und dann den einzigen Grund vergessen, sich auf den weiten Weg dorthin gemacht zu haben: Der sagenumwobene, berühmt-berüchtigte, von allen mit dem Erzgebirgsstadion verbundene Nudeltopf. Oder Wurstgulasch. Oder halt Nudeln mit Wurstgulasch. Und lasst mich nur eines sagen: Der war es wert. Das war so ziemlich das einzig gute, was in diesem Stadion am Freitag passierte. Schlimm genug.

 

Wir schmunzelten noch ein wenig, über die Auswüchse der verdammten DFL-Ansetzungen auf jeden verdammten Freitag, konnte man doch am Zaun eine Bitte lesen, die sich Fotos verbat, weil man krankgeschrieben sei. Joa, so richtig anders kann man eine solche Saison halt auch nicht angehen, wenn die DFL in der Hinrunde vorzugsweise montags und in der Rückrunde zum Ausgleich dann nur noch freitags ansetzt. Ein herzliches „Fickt euch“ an dieser Stelle.

Das Stadion an sich hat was. Für mich jedenfalls der alte Teil, vielleicht lag das aber auch daran, dass der neue eben noch nicht fertig, wenn auch mehr „fußballstadionmäßig“ aussieht und dementsprechend auch noch ziemlich verlassen dar lag. Hinter der neuen kurzen Seite, die direkt an den Gästeblock angrenzen wird, hatte man den Blick frei auf den Hügel, der bewaldet an die Rückseite des Stadions aus unserer Sicht anschloss. Dort oben gab es einen kleinen Verschlag, den wir anfangs irgendwie cool fanden, weil die von dort sicherlich einen starken Blick aufs Stadion hatten, aber das spielte zur Halbzeit dann nochmal eine ganz andere Rolle, denn vor allem hatte der Gästeblock einen einwandfreien Blick, als einziger Block, auf diese Hütte. wp-1491293394438.jpg

Vorerst richteten sich jedoch alle Blicke auf das Spielfeld, zum Teil mit der Hand vor den Augen, weil die Sonne mittlerweile so tief stand, dass man kaum etwas erkennen konnte – vielleicht war das auch besser so. Zum fußballerischen haben vermutlich schon genügend versiertere Leute etwas geschrieben, deswegen lasse ich das mal gepflegt aus, aber was wir da sahen war halt einfach kein gutes Spiel. Es war sogar sehr, sehr weit davon entfernt, wenn ich ehrlich bin. Aber es war halt auch Aue, was erwartete man da schon.

Zur Halbzeit stieß ich dann meinen Umstehenden unsanft den Ellenbogen in die Rippen, als irgendwelche Identitären Vollpfosten an vorhin beschriebener Hütte ein Banner entrollten, das den Block direkt auf Zinne brachte. „Identität braucht keinen Schuldkult,der unsere Vorfahren verachtet!“, so oder so ähnlich stand das darauf, den genauen Wortlaut bekomme ich leider nicht mehr wirklich auf die Reihe. Wenn da jemand helfen kann, freue ich mich über eine Nachricht und ergänze das noch. (Genauer Wortlaut ergänzt, Danke @chromeridazT!)

Die Platzierung des Banners, der Zeitpunkt, der Inhalt … all das machte es ziemlich deutlich, dass sich da Leute ganz schön Gedanken drum gemacht haben, wie man den Gästeblock auf Zinne bringen kann, ohne selbst dafür aufs Maul zu kriegen: Hätte man das Banner später im Spiel gezeigt, bin ich mir ziemlich sicher, dass da nicht nur einer über den Zaun gegangen wäre und den Job des einsamen Cops da gemacht hätte, der sich als EINZIGER auf den Weg diesen dämlichen Hügel hoch gemacht hat und das Banner mit Nachdruck abriss. Erst als das passiert war, folgten seine Kollegen und verschwanden oben im Wald – den Urhebern nach? Man weiß es nicht. Der eine Polizist mit Courage und Handlungseifer erntete Applaus vom Block, der gleich darauf in „Siamo tutti antifascisti“ und „Alerta, Antifascista!“ ausbrach. Meiner Meinung nach zwar viel zu leise, aber ich sollte vielleicht nicht auch noch auf den Support in Aue einhauen.

Oder doch. Bei aller Liebe: Das war unterirdisch. Wenn manche die Spielleistung als kreisligatauglich beschreiben, fällt mir kein Vergleich für die Leistung im Block ein. Das war kacke. So richtig. Klar, das Spiel gabs auch nicht her, aber trotzdem müsste da mehr Feuer drin sein. Allerdings wunderte es mich nicht wirklich, wenn ich mir so anschaue, wer da um uns herum stand: Vor uns eine Gruppe Paaaady-Paulis, die ihr Alter definitiv in Flaschen gesoffen hatten und absolut keine Kontrolle mehr über ihre verdammten Extremitäten hatten, hinter uns Motzer, die behaupteten, dass auf dem Zaun doch endlich mal die gleichen Leute sein sollten, wie auf der Süd. Ehm, ja. Ist klar… vor allem, ist doch so?

Damit hatte ich auf jeden Fall ein Ventil für meinen „Nachspielsfrust“ gefunden und pöbelte munter drauf los. Irgendwer musste das halt abkönnen.

Nach dem Spiel passierte nicht mehr viel. Der Frust war allgegenwärtig und jeder zog mehr oder weniger stumm seiner Wege. Da unserer noch ein sehr langer war, machten wir uns dann auch zeitig auf den Heimweg. Über … Umwege?

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Für mich klingelte nach etwas mehr als zwei Stunden Schlaf der Wecker, der mich zur Arbeit rief, um die restlichen Fahrten zu finanzieren. Auch wenn man sich nach Fahrten wie der nach Aue manchmal wirklich fragt, warum man den ganzen Scheiß macht. Ich hoffe, die nächsten Fahrten liefern nochmal die Antwort.

Nürnberg findet leider ohne mich statt, weil einfach zwei Freitage hintereinander eine fast 1000km Fahrt echt nicht drin ist, wenn man sich auch immer noch frei nehmen muss. Mein nächstes Spiel ist also Düsseldorf. Seh euch da.

 

Bis dahin: Nazis aufs Maul und Haue für Identitäre.

Siamo tutti antifascisti. 

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Kerzen auspusten: Lewistyle.

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Irgendwie sind Heimspiele gegen Union für mich bisher immer etwas besonderes gewesen: Vor 3 Jahren hatte ich meine Mama das erste Mal mit am Millerntor und wir konnten ein grandioses drei zu null bei herrlichstem Oktoberwetter von der Gegengerade aus bejubeln. Auch dieses Jahr sollte das Spiel für mich wieder etwas besonderer werden, als Heimspiele es eh schon sind, denn mit dem 10. März fiel es auf meinen Geburtstag. Nachdem sich zwar die Begeisterung über meine Pläne bei meiner Familie in Grenzen hielt, dass ich mich an meinem Geburtstag auf in die Hansestadt machen wollte, konnten aber die Wogen geglättet werden und dank wundervoller Otter machte ich mich am Freitag Morgen recht zeitig auf den Weg. Dass ich das gar nicht wirklich gemusst hätte, wurde deutlich, als ich nach nicht viel mehr als vier Stunden im Viertel einfiel und die Parkplatzsuche gefühlt länger dauerte, als die Fahrt dort hoch.

Da mich Hamburg mit bestem Kaiserwetter empfing, stiefelte ich einfach mal ein bisschen durchs Viertel, gefühlt dreimal ums Stadion und fläzte mich schließlich vorm Hallenbad gepflegt in die Sonne – musste man schließlich genießen. #dieStraßenhochundrunter

Allzu lange musste ich allerdings nicht auf das Empfangskomitee warten, denn nur wenig später wurde ich mit einem Geburtstagsbierchen – es hatte eine Schleife!! – und einer Ladung Konfetti ins Gesicht willkommen geheißen. Das Konfetti sollte sich auch noch durch den ganzen – und folgenden und darauf folgenden, wird man ja nie wieder komplett los – Tag ziehen und wir zogen währenddessen mal wieder durch die Straßen, um nach und nach den Rest der Truppe zusammen zu sammeln.

Irgendwann hatten wir uns dann tatsächlich fast vollzählig auf meinen Wunsch hin vor der Gegengerade eingefunden – und fanden keinen der sonst üblichen Verdächtigen. Ihr hattet ja alle nur Angst vor mir, nachdem ich nun schon böse böse Löwen verjage. Ich merk das schon.

Wir mussten dann auch eigentlich recht zeitig rein, weil meine Tribüne am Freitag die Süd sein sollte und so verpasste man dann doch den ein oder anderen vermutlich recht knapp. Das nächste Mal!

Tjoa, und dann gab es irgendwann die beste Geburtstagskerze aller Zeiten. Seht selbst.

Es sah einfach so unfassbar schön aus und wer schon den ein oder anderen Text von mir gelesen hat, weiß um meine Haltung zu den roten Fackeln, die in der Regionalliga keine Socke jucken und die in der Bundesliga plötzlich zum riesigen, todbringenden, welpenverachtenden, weltkriegauslösenden (…) Problem werden.

Mal ehrlich: 22 Fackeln, in der ersten Reihe … so gefährlich ist das wahrlich nicht. Das einzige, was gefährlich daran ist, ist die mediale Berichterstattung im Nachhinein, aber nun schweife ich eventuell ein wenig ab. Weil all diejenigen, die sowas hochhalten oder toll finden oder akzeptieren ja mindestens Chaoten bis hin zu Krawallsuchenden Kategorie C Fans sind – merkt ihr selbst. Und wenn ich dann wieder an die irgendwo im Fernsehen zur Demonstration angezündete Jacke (eines Kindes?) denke, dann muss ich eh lachen, weil man auf der Süd ja dauernd von Kindern umzingelt ist (merke: Kindsköpfe != Kinder!).

Also ganz ehrlich? Ein besseres Geburtstagsgeschenk hätte man mir ja kaum machen können. Blinkedinger auf der ganzen Süd und schon ist Lewi glücklich. Als ich dann kurzzeitig nochmal Netz hatte, fand das auch der Freundeskreis: Kerzenauspusten – Lewi-Style!

[Sehr schön fand ich übrigens auch, dass man auf den Videos von der Nord erst mal einen fetten „Pyrotechnik ist kein Verbrechen!“ zu hören bekam.]

Okay, damit hätte man dann einfach nach draußen und in die Clubs und Bars und Kneipen gehen können, weil Fußball braucht doch wirklich niemand. Im Ernst: Union war auf weite Strecken einfach so dermaßen überlegen, dass es mich beinahe wunderte, dass sie nur zweimal durch massive Stolpertore einnetzten. Insgesamt hielt man, für den aktuellen Tabellenplatz, aber wahrlich ordentlich dagegen, und das 1:2 war nachher dann doch etwas zu schmeichelhaft für Union, wo man doch gerade in den letzten Zügen des Spiels eher Überlegenheit in braun und weiß wahrnehmen konnte.

Naja, machste nichts. Den Abend konnte mir eh keiner mehr verderben – nicht mal ein FCU. Da ich noch den Fehler machte, nach dem Spiel erst hinaus zu laufen und dann festzustellen, dass ein Abstecher auf die sanitären Anlagen vielleicht keine allzu dumme Idee wäre, schmuggelte man mich noch kurzerhand aufs Männerklo und dann konnte es halt auch weiter gehen. Fanräume, kurzer Abstecher zur „Schlafgelegenheit“ und dann eine Kneipe nach der anderen. Es war ein langer Abend und ein sehr, sehr schöner noch dazu. Und weil das wieder einer dieser Heimspielabende war, der durch die Leute einfach perfekt wurde, reibe ich euch jetzt nur noch kurz meinen Geburtstagsotter Gustav unter die Nase und beende den Text an dieser Stelle, weil ich ihn niemals so verfassen könnte, dass er dieser Truppe gerecht würde. Ich drück euch fest, einen so feinen Geburtstag darf nicht jeder feiern ❤

Pyrotechnik ist kein Verbrechen. Otter mögen das. 

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GUSTAV: Südkurvenotter, der – Habitat ist die Südtribüne und der Nachttisch von Lewi ❤

 

LEST MEHR BEI DIESEN SCHREIBERLINGEN:

Wundervolle Bilder von Stefan Groenveld

http://niceguys.blogsport.de/2017/03/11/senfdazu34/

https://fcspsouthendscum.wordpress.com/2017/03/11/matchday-24-fc-sankt-pauli-vs-fc-union-berlin-1-2/

http://admit-nothing.de/verloren/

http://blog.uebersteiger.de/2017/03/12/24-spieltag-h-1-fc-union-berlin/

http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=8228

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Miesepetrige Miezen: München Blau braucht keine Sau.

Reist ein Verein aus einer ganz bestimmten norddeutschen Hansestadt zum Fußball in die Landeshauptstadt Bayerns, so werden seine Anhänger ziemlich sicher nicht sonderlich viel Spaß dort erfahren. So ging es kürzlich noch dem Erstligaverein der Stadt und auch mein FC Sankt Pauli hat in München, gar gegen München, selten viel Spaß. Die zwei Male, die ich die weite Reise nach Bayern angetreten habe, um dem Spiel gegen Münchens Blaue beizuwohnen, bestätigten sämtliche (gefühlten) Statistiken: Niederlagen dämlichster Art. So mag es grundsätzlich nicht verwundern, dass mir die Fahrten nach München nur des Fußballs wegen nicht sonderlich viel Vorfreude entlocken – ein großer, weiterer Grund sind allerdings die Anhänger des blauen Vereins aus München, die sich bisher erfolgreich alle von miesester Seite zeigten, sobald ich irgendwo in der Nähe war. Dieser Text wird also einer, über ein Spiel bei einem Verein, der mir ungefähr so sympathisch ist wie Fußpilz, Zahnschmerzen und Energy Drinks zusammen und könnte demnach recht einseitig werden. Wer auf der Suche nach Lobeshymnen für die Gastgeber hier gelandet ist, dem rate ich, seine Haltung zu den Blauen zu überdenken und gleich direkt mal die richtige Farbe zu drücken: Das rote Eckchen mit dem Kreuz. Ich werde von vornherein darauf hinweisen, dass dieser Text meinem Empfinden von den letzten Besuchen entspringt und vermutlich den  – irgendwo sicher existenten, mir aber unbekannten – duften Blauen unrecht tun könnte. 

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Ankunftszeit: 19.10 Uhr. Stilecht.

 

Auch wenn ich schon strategisch besser für Auswärtsspiele des FCSP wohne, ist auch für mich München eine Reise quer durch Deutschland und für einen Tag wahrlich nicht drin. So entschied man sich recht spontan, statt des „Nö, fahren wa nich'“ ein „Hey, lass mal ein Wochenende nach München!“ walten zu lassen, buchte ein Hostel und erschlich sich unter Vortäuschung falscher Hoffnung noch drei zusätzliche Tickets. Am Freitag war es dann soweit und das Pöbelmobil machte sich mit zwei Braunweißen und einem Roten auf den Weg ins schier unfassbar weit entfernte München. Trotz der Anreise am Freitagnachmittag blieb uns der Wahnsinn auf der Autobahn weitestgehend erspart, wenn man mal vom Geisteszustand der Fahrerin absehen mag, und so manifestierte sich als Ankunftszeit die wundervolle 19.10 auf dem Navi. Tatsächlich kamen wir nur wenig später im Hostel an, „bezogen“ das Zimmer und verbrachten schließlich den Abend im liebsten Irish Pub, mit Sankt Paulianern und Leeds-Fans.

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Musikalisch haben wir es einfach drauf. 

Gewohntermaßen war die folgende Nacht recht kurz und es ging Samstagmorgen noch müde, aber mit Augustiner statt einem Taxi, mit der U6 bis nach Fröttmaning. Auf dem Weg sammelten wir noch unseren zweibeinigen Glücksbringer auf, der uns letztes Jahr schon einen Sieg beim FCK beschert hatte, und schlugen schließlich in Stadionnähe auf. Gewohntermaßen tolle Menschen in braunweiß getroffen, weniger tolle und weiß und blau, aber davon ließ man sich noch nicht die Laune verderben.

Erstaunlicherweise liefen die Kontrollen dieses Jahr auch etwas entspannter, wenn auch noch immer lästig ab: Immerhin brüllte niemand die Eintretenden an und mein Batzen Sticker wurde nur mit „Oh, du hast da noch Sticker, is‘ ok.“ kommentiert und nicht weiter beachtet. Ich wollte schon fast Worte des Lobes loswerden, als klar wurde, dass wir beim Betreten der Südkurve dann noch einmal das ganze Kontrollprozedere über uns ergehen lassen mussten – und das bei jedem verdammten Eintreten. Du wolltest kurz aufs Klo? Kontrolle. Bierchen? Kontrolle. Bratwurst? Kontrolle. You see where I’m going.

Der Block war gewohntermaßen ein Teil der Südkurve, neben einem abgetrennten und dort neben dann eben noch Heimbereich-Steher. Find ich immer noch nicht so geil, ist sogar eher ziemlich nervig, wenn einen da dann gefühlt dreizehnjährige Stuttgarter (den Bus zwischen Vfb und 59+1 such ich übrigens immer noch) anpöbeln, aber gut. Sich im Block hinzusetzen glich übrigens auch einer Straftat und wurde sogleich von den Ordnern unterbunden – gerade in einem so großen Block und noch deutlich vor Anpfiff erschließt sich mir das allerdings überhaupt nicht, zumal wir uns ganz am Rande befanden. Aber da hat sicherlich mal wieder einer der „Wichtigen“ zwischen zwei Püpsen in seinen Sessel eine „wichtige“ Entscheidung getroffen, die durchzusetzen war. Die Ordner selbst sollte man hier wohl nicht mit Augenrollen bedenken, sondern eher die, die auf solch hirnrissige Ideen kommen können und höchstwahrscheinlich „Investor“ auf der Berufsbezeichnung stehen haben. Wobei – als ob sich der Herr Ismaik so sehr mit dem Fußball oder seinem drumherum beschäftigen würde, jedenfalls lassen weder Aussagen zum Spiel noch Verhalten abseits des Feldes darauf schließen, aber dazu noch an anderer Stelle.

Es wurden nwp-1488914005881.jpgoch die ein oder anderen Dynamo-Sticker entdeckt und erfolgreich überklebt, während man darauf wartete, dass sich der Block langsam mal füllen würde. Nach den letzten desaströsen Supporterlebnissen in diesem Block, rechnete man ja schon fast
immer mit dem schlimmsten, aber auch wenn an diesem Tag mal wieder nicht alles glatt lief, traf unser harter Supportkern dann ja doch noch ein. Aber mal ganz ehrlich: In dieser Suppenschüssel kann einfach kein ordentlicher Support statt finden. Es ist mir absolut unbegreiflich, wie das funktionieren soll, gerade wenn die Blauen da spielen und es eben nicht einmal zur Hälfte gefüllt ist. Allein im Gästeblock verliert sich das, was die linke Hälfte anstellt ja schon, bevor es überhaupt bei der anderen ankommen kann. Klatschen ist hierbei dann übrigens unerlässlich, damit man auch einen optischen Taktgeber hat und sich nicht alles, wie bei uns teilweise, im Kanon abspielt. Fürchterliches Chaos und ich es lässt mich jedes Mal wieder mit dem Drang zurück, mir mein Frühstück noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Ich hasse dieses Stadion.

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Es kann einfach nicht geil sein, in einem nicht mal halbvollen Stadion zu spielen. Null Stimmung, null Flair. Dann lieber in einem rappelvollen 25.000 Mann Stadion.

Mit Anpfiff entwich dann auch der letzte Rest Hoffnung aus mir. Die Blauen spielten so dermaßen selbstsicher auf, dass es in den ersten Momenten nur so wirkte, als renne man dauerhaft hinter her und wäre immer einen Tick zu langsam. Eigentlich fürchtete ich beinahe bei jedem Ball in Strafraumnähe, dass der schon mit der nächsten Berührung dann im Netz zappeln würde, doch vorerst blieb mein Albtraum – jubelnde Löwen – noch aus. Hauptsächlich wurde hin und her lamentiert, bis es dann schließlich doch einen Aufreger gab: Aziz foulte einen Sechziger, der liegen blieb. Es wurde weiter gespielt, weil nicht gepfiffen und holla, da war aber was los. Sonst stumm wie die Minimiezen brüllten die Löwenfans auf einmal los, man müsse da doch wohl ins Aus spielen. Okay, kann man. Dann müssen es aber beide Mannschaften mit dieser Gefälligkeit gleich halten, wie ich finde. So fiel dann das Tor für die Blauen genau in einer Phase, in der unsere Boys in Brown etwas besser, zwar noch nicht in den Strafraum, aber immerhin ins Spiel fanden. Foul durch die Löwen, genau umgekehrte Situation: Die, die vorher jammerten, man müsse ins Aus spielen, leiten den Angriff ein und versenken das Scheißding im Tor. Memo an mich: Nicht mehr an Zäunen stehen, das tut der Hand nicht gut.

Joa. Damit war das Ding für mich durch. Wer halbwegs die Saison verfolgt hat, dem dürfte bewusst sein, dass wir erst ein Tor nach Rückstand schossen und dass das nicht reichte, um ein Spiel zu drehen, muss ich euch Mathegenies natürlich nicht vorrechnen (oder doch?).

Ich erwartete nicht allzu viel von dem restlichen Spiel, das kann ich echt nicht anders sagen. Wie zur Hölle sollte man das drehen? In München? Wo wir doch immer auf den Sack kriegen? Denkbar dämlich verlieren? Am besten noch das 2:0 für München Blau eigenhändig machen? Ich war motzig. So richtig. Der Support war scheiße, unkoordiniert -ohne, dass man das auf die tonangebenden schieben können, wenn euch der Ultrahass schon wieder auf den Lippen bzw. Fingerspitzen liegt – durch die fürchterliche Bauweise und eigentlich war alles kacke.

Bis zum Pfiff. Ich konnte gar nicht wirklich erkennen, was da los war, aber da sich alles auf das Tor von den Blauen konzentrierte, war das gar nicht so schlimm. Und dann auf einmal Jubel, Ungläubigkeit – immer noch kein Plan was da passiert war, außer, dass wir gerade Tor Nummer 2 nach Rückstand in der kompletten bisherigen Saison gemacht hatten. Das einzige Tor zuvor hatte Aziz gegen Bochum noch zum Ausgleich geschossen. Hach. Herrlich. So musste das und ich pöbelte munter in Richtung der so ungeliebten blauen Münchner, wohl im Wissen, dass dies nicht der finale Spielstand sein konnte.

Ha, ich hatte Recht. Aber nicht in dem Sinne, wie ich das befürchtet hatte. Während der Support weiter so vor sich hin plätscherte und nur einmal richtig laut wurde, spielten auf dem Feld plötzlich unsere Jungs deutlich stärker als zuvor. Und während ich noch recht verwundert ob des Ausgleichs war, fiel das nächste Tor. Vorlage Sahin, Kopfball Bouhaddouz, Tor. Ausrasten. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich das Tor gefeiert habe, aber ein Volz’scher Zungenrausstrecker kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Boom! Nehmt das!

So konnte das weitergehen. Problem war nur: Da waren eben noch gut 50 Minuten zu spielen und ich bereitete mich innerlich schon mal auf die bittere Enttäuschung vor, die unwillkürlich mit Tor 2 und 3 der Blauen Bauern einkehren würde.

Doch irgendwie zitterten wir uns über unfassbare 50 Minuten. Bis zum Abpfiff. Ohne Gegentor in der Nachspielzeit. Mit drei fucking Punkten von München Blau.

SCHEISZ MÜNCHEN BLAU, IHR SEID UNS WEIT UNTERLEGEN, SEID ZU SCHWACH – JA UND DESWEGEN GEWINNEN HEUTE HIER NUR WIR! 

Etwas vermessen, aber mit stolz-zufrieden-ungläubigem Grinsen noch ein NIE MEHR DRITTE LIGA hinter her geschoben und die motzigen Gesichter aus dem Nachbarblock genossen. Hach! Siege bei ungeliebten Gegnern sind doch die schönsten.

So richtig aus dem Stadion, das man sonst so hasst, wollte dieses Mal keiner hinaus. Von vorne gab es noch eine Ansage, dass man halt auch während des Spiels mal das Maul aufmachen könnte und nicht nur, wenn der Sieg längst eingefahren ist, die ich so absolut unterschreiben würde – und dann durfte man endlich nochmal mit der Mannschaft ausgelassen feiern. Wenn ich jetzt die Videos von den hüpfenden Jungs auf dem Rasen sehe, geht mir das Herz auf. So sieht Erleichterung aus, wenn man zwei unfassbar wichtige Spiele hintereinander gewonnen hat – und irgendwie stelle ich mir so eine Mannschaft vor. Allerdings mag ich gerade nach so einem umkämpften und lediglich durch gemeinschaftlichen Kampf gewonnenen Spiel die Ewald-Feierei noch weniger als sonst. Ich mag Ewald, das ist der beste Trainer, der uns für Abstiegskämpfe hätte passieren können und ich verehre diesen Mann, aber wenn eine Mannschaft so kämpft, muss man das nicht auf den Trainer reduzieren. My two cents.

Ja, und an dieser Stelle könnte ich den Text beenden. Würde es gerne. Aber leider bleibt mir das verwehrt, denn die unbändige Freude über den Sieg bei einem der Hassgegner wurde genau von diesem noch deutlich getrübt. Der Hass steigt und leider kann ich das mittlerweile wirklich nicht mehr anders ausdrücken.

Man muss sich das jetzt mal so vorstellen: Unsere kleine Gruppe ist ungefähr so gefährlich, wie ein Rudel Golden Retriever. Nur zwei Leute mit eindeutig zuzuordnendem Schal, zwei sogar komplett ohne Klamotte mit Fußball-/Ultra-/Szenebezug. Noch dazu so ungefähr die harmloseste Truppe überhaupt, wie sie da inmitten der Fanmassen beider Lager zur Brücke zum Bahnsteig trömmelt. Keine lautstarken Siegesbekundungen, sondern stilles Glücklichsein – und hier übertreibe ich wirklich nicht. Nach 90 Minuten zittern freuten wir uns einfach nur über die drei Punkte, ohne wirklich zu sprechen – außer darüber, dass wir alle schwer Brand und Hunger hatten. Warum ich das erzähle? Weil es das Folgende einfach noch absurder macht.

Etwa auf halber Strecke zu der Überführung fielen mir im Augenwinkel zwei junge Männer auf, die ziemlich miesepetrig auf unsere Schals schielten. Unwillkürlich zuckte meine Hand um den Schal und hielt ihn beiläufig fest, weil es nicht das erste Mal wäre, dass man versucht, uns einen der Schals zu zocken. Ich behielt die beiden etwas im Blick und blieb achtsam – während die Sympathen sich an die beiden Jungs unserer Gruppe wandten und uns Mädels völlig ignorieren.

„Ey du da. Ja, dich mit der grünen Jacke meine ich. Genau dich. Ihr kommt jetzt mit.“

Als ob. Ich würde sagen „tiefenentspannt“ aber es war eher „tiefenangespannt“ ignorierte man das Gelaber und dachte, die würden sicherlich bald den Spaß verlieren. Es war der kleinere der beiden, der erneut ansetzte.

„Ihr steht jetzt für euren Verein ein. Auf dem Parkdeck. Zwei gegen Zwei. Ist doch fair?“

Da noch immer keine Reaktion der Jungs erfolgte, was ich insgeheim bewunderte, weil mir, wäre ich die Angesprochene, längst die Zündung hochgegangen wäre, folgten sie uns eine Weile über die Wege.

„Ihr stellt euch besser jetzt, sonst folgen wir euch den ganzen Tag durch die Stadt. Wir kriegen euch schon. Könn‘ ja noch paar Weiber anrufen, dann können eure…“ (ein abwertender Blick in unsere Richtung) „auch mitmischen.“

Okay, bis dahin hab ich mich wirklich zurück gehalten. Ich hab die Klappe gehalten, auf meinen Schal geachtet und diese Vollpfosten mit bestem Wissen und Gewissen ignoriert. Aber irgendwann ist halt Schluss. Allein für den letzten Satz hätten die einfach richtig verdient, auf die Fresse zu fallen und mir platzte echt die Hutschnur. So richtig. Damit, dass sich eines „der Weiber“ zur Wehr setzte hatten sie wohl nicht gerichtet. Ich blaffte also los.

„Was quatscht ihr uns denn hier so dämlich von der Seite an? Sucht euch doch Leute, die Bock haben, sich mit euch zu balgen, wir habens nicht.“

Daraufhin meldete sich dann auch der größere, dem der Frakturschrift-H echt nicht deutlicher auf die Stirn geschrieben sein konnte, zu Wort, ich solle doch endlich mal diesen Schal wegpacken. Ich dürfte ihn also wegpacken? Achso, klar, ich war ja ein Weib. Das passt in das Weltbild von solch rückwärtsgewandten, auf blau-und-weiße Farben beschränkten Vollpfosten natürlich nicht hinein, dass auch Frauen zum Fußball gehen – gar Szeneklamotte tragen? Fühlte er sich noch heldenhaft, ja wie ein Gentleman, dass er mir den Schal lassen wollte? Pisser.

Ich wiederholte meine Aussage. Etwas schärfer im Ton, etwas lauter und schloss damit, dass sie sich doch einfach verziehen sollten, was uns die Aufmersamkeit der „Umstehenden“ einbrachte, weil ich das vermutlich nicht sonderlich nett sondern ziemlich krawallig formulierte. Auf Idiotie reagiere ich halt mit Puls.

Die Krönung sollte allerdings noch folgen: Nachdem sie uns versicherten, wir würden die Schals noch los, weil ihre Truppe uns irgendwo auflauern würde, folgten sie uns noch eine Weile und verzogen sich dann. Große Fresse, aber von einem „Weib“, das vielleicht nicht mal die Hälfte von euch ist in die Flucht schlagen lassen? Wie armselig seid ihr denn?

Mein Bild über München Blau hat sich jedenfalls dermaßen gefestigt, dass es so einfach nicht wieder umgeschmissen werden kann – und dabei hatte man den neusten Wahnsinn der Oberbosses noch gar nicht mitbekommen.

Aber lasst mich noch zwei Worte zur Atmosphäre um das Stadion herum verlieren: Es ist dort gefühlt fast unmöglich eine Fantrennung zu erreichen und das find ich ja gar nicht schlimm, allerdings ist es denkbar ungünstig, vor dem Spiel – und damit eigentlich vor möglicher Eskalation (ja, gut, die gabs trotzdem) massive Polizeipräsenz zu zeigen und nach dem Spiel mit miesepetrigen Miezen einen Polizisten vergeblich suchen zu müssen ist genau der falsche Ansatz. Klar, der Krawallblock der Blauen wurde von den „Spezialkräften“ begleitet, aber dass die dann auch genau neben den aufgrund der Sperrung des Übergangs wartenden Fans St. Paulis und München Blaus warten zu lassen, ist auch eher … ungünstig. Wir standen dort jedenfalls mit recht mulmigem Gefühl inmitten von Familien, Ottonormalfans und eben Leuten wie uns. Bescheuerte Regelung und ordentliche Pöbeleien als Folge, nun ja. Eskalation würde da jedenfalls nicht wundern.

Ich muss auch ganz ehrlich sagen, dass mir das ganze Drumherum echt ordentlich den Spaß am Sieg verdorben hat. Und so sehr ich diese „sportlich“ (hahahaha!!) orientierten Arschlöcher dafür hasse, dass es ihnen gelungen ist uns den Wunsch nach einem weiteren Paar Augen im Hinterkopf einzupflanzen, sie hatten damit Erfolg. Wir liefen durch die Stadt und beäugten jeden Blauen kritisch, zuckten bei jeder Daunenjacke in der falschen Farbe zusammen und fühlten uns alles andere als sicher, weil man ihnen eine feige Aktion wie einen Hinterhalt absolut zutraute. Große Fresse in der Gruppe, aber wenns Hart auf Hart kommt die größten Feiglinge – same old story.

Wir ließen jedenfalls irgendwann, noch immer mit einer Grundkrawalligkeit, die sich bei mir bis heute hält, den Tag mit leckerem Hellen, ordentlichem Essen und einem Siegeswhisky (Münchner Tradition, dieses Mal ein Balvenie Double Wood) ausklingen. Aber drei Punkte schmeckten schon süßer.

Ehrlich gesagt bin ich damit jetzt auch durch mit München. Ich hab absolut nicht das Bedürfnis, bei einem Ligaverbleib beider Teams nächstes Jahr nochmal runter zu fahren, nur um ein Spiel in einem scheiß Stadion, mit scheiß Stimmung und vor allem gegen SCHEISZ MÜNCHEN BLAU zu sehen. Ich hab echt die Schnauze voll. Macht eure Scheiße alleine, aber ich brauch das nicht mehr. Fahrt ruhig mit der S-Bahn aufs Land, ihr Giesinger Bauern.

Irgendwann sickerte dann auch zu uns im tiefsten irischen Keller durch, dass es von Andreas Rettig noch deutliche Worte zum Verhalten während des Spiels gegeben hatte. [Hier nachzulesen]

Dass man vereinszugehörige Personen von einer Tribüne entfernen lassen möchte, weil das Tor des Gegners bejubelt wurde ist schlicht und ergreifend nicht tragbar, verwundert allerdings bei dem Verständnis von „fairem, professionellem Umgang“ untereinander -und vor allem mit der ausgesperrten Presse – nicht mehr sonderlich. Ich mag da auch gar nicht zu viele Worte zu verlieren, mit Andreas Retting hat das genau der richtige in der passenden Schärfe und gewohnt starker Rhetorik getan. Aber eines bleibt:

Hey, München Blau? Steig doch einfach ab. Dich braucht keine Sau.  

So, und weil ich den Text nicht so negativ beenden möchte: Es war ein wundervolles Wochenende mit toller Reisebegleitung, man hat lang vermisste Übliche nochmal drücken können und hey, das Bier da unten schmeckt halt doch echt gut. Und nun nochmal kurz in eigener Sache: Die Pöbelcrew hat in einer Nacht und Nebel Aktion einen zweiten Sticker entworfen. Wer davon ein bis x Exemplare haben möchte, darf mich oder @chromeridazT gerne anhauen und ich bringe zum Spiel gegen Union welche mit. Wir freuen uns!

Und damit aber nun wirklich Schluss.

#pblcrwoida

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Alles für den Dackel, alles für den Club! #pblcrw

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Couchgepöbel International Vol.2

Eine Reise nach Südamerika – so ganz ohne Fußball? Das geht doch gar nicht und nicht zuletzt, weil es in Südamerikas Großstädten an jeder Ecke Käfigplätze mit Betonboden und kaum einem unbelebten Eckchen gibt, auf dem kein Fußball gespielt wird oder das Trikot des Nationalmannschaftshelden ein absolut taugliches Kleidungsstück für alle – und damit meine ich auch alle! – Anlässe ist. Eine Reise auf dieses Fleckchen Erde ohne dem Fußball zu begegnen ist nicht zuletzt für Fußballmenschen schlicht nicht möglich. Und so wundert es nicht gerade, dass es mich, trotz aller Befürchtungen, bei meinem zweiten Besuch auf dem südlichen Teil des Kontinents mal wieder in ein Stadion verschlagen hat. Es geht einfach nicht ohne.
Mich verschlug es zu einem Zeitpunkt nach Kolumbien, in dem das normale Ligageschehen schon längst durch war: Hier geht es nämlich nach einem klassischen Ligasystem und schließlich über Playoffs zum Titel des Landesmeisters, und zu meiner Ankunft in Bogotá fand sich dort kein Spiel mehr, das zum Aufenthalt in der Stadt passte und tatsächlich zu besuchen wäre. Nahezu enttäuscht schrieb ich das Ganze weitgehend ab – bis zu unserem letzten Stop in Medellín. Dort hing auf einmal die zweite Austragung einer Begegnung in der Luft, das statt einer Verlängerung oder Elfmeterschießen angesetzt wird, wenn eines der Playoffspiele unentschieden bleibt.
Ich musste glücklicherweise nicht allzu viel Überzeugungsarbeit bei der Truppe leisten, spielte meine primäre Reisebegleitung doch selbst lange (und auch in Kolumbien noch) Fußball und der Kanadier im Bunde war ein dermaßenes Sport-As, dass es auch dort nicht vieler Worte der Überredung bedurfte, bis wir uns – samt dem Rest des Hostels, jedenfalls gefühlt (btw, Schleichwerbung: The Black Sheep @ Medellín ist beste! Happy Buddha geht sonst auch) – die Karten besorgten.
Das Spiel an sich war nun, wie gesagt, die zweite Austragung der Begegnung von Atletico Nacional aus Medellín und Independiente Santa Fé aus Bogotá – das Halbfinale um den Pott der Landesmeister. Bei diesem Spiel musste es eine Entscheidung geben und … naja, ich greife nur ein wenig vorweg, wenn ich sage, dass die recht deutlich ausfiel.

Die Vorfreude war bei mir immens. Mein letztes Spiel in Südamerika wird mir vermutlich auf ewig in Erinnerung bleiben und diese Atmosphäre, die man doch hatte zu spüren bekommen, hoffte ich nun, in anderem Maße – zugegeben, auch in Kolumbien noch einmal erleben zu dürfen. Unser Fußballtag begann mit einem ausgiebigen Frühstück auf der Hand und einem kurzen Abstecher in Medellíns Zentrum, um uns die Stadt mal noch näher anzusehen. Überall kamen uns noch mehr Trikots als sonst entgegen und das ist hier echt nochmal ein ganz anderes Ausmaß. Jeder zweite trug ein Trikot, von denen vermutlich nicht mal ein Viertel eines der Originalen ist – aber das ist halt auch völlig egal, denn die regulären Trikotpreise liegen hier auch nicht humaner als Zuhause in Deutschland.

Es lag irgendwie etwas in der Luft, aber so richtig wie vor einem entscheidenden Spiel wirkte es nicht. Auch in unserer Gruppe, die sich später im Hostel zum gemeinsamen Biertrinken einfand – manche Dinge sind halt überall gleich – herrschte noch blanke Unwissenheit über den Grad der Kuriosität dieses Spiels, das wir später am Tag noch erleben würden. Es fand sich eine angenehme Gruppe zusammen, die aus allen Teilen der Welt aus den unterschiedlichsten Gründen in Medellín in einem der beiden oben genannten Hostels abgestiegen war, und überall entbrannten schnell Diskussionen über den Fußball in eben den verschiedenen Teilen der Welt. Andere Bekloppte waren schnell gefunden und man tauschte sich aus – über Ticketpreise, Dauerkarten, Auswärtsspiele mit und ohne Gästefans, den ganz normalen Wahnsinn eben.

Irgendwo in diesem Wahnsinn, machte sich die Truppe auf den Weg Richtung Stadion und wer nun bis hier her gelesen hat, um zu erfahren, wie ich mich auch in Kolumbien mit den Bussen verfranzte und ein „How to not take the bus 101 Part 2“ erwartete, den musste ich leider enttäuschen, die komplette Chaoscrew füllte nämlich einen Kleinbus und einen normalen und kutschierte uns quer durch die Stadt bis in die Nähe des Estadio Atanasio Girardot.

Etwa zwei Blocks vom Stadion entfernt schmiss man uns aus den Bussen und parkte uns direkt vor einem Kiosk, der den Spieltagsalltag definitiv gewohnt war und nicht nur dank uns mit dem Nachräumen der kalten Getränke bei sommerlichen gut 25° kaum hinterher kam. Die Diskussionen setzten sich hier fort, man sang die verschiedensten Lieder von Clubs, die ich nicht mal vom Namen her kannte und irgendwie waren die Gringos los. Aber es war toll. Es war einfach toll, keine Ahnung zu haben und sich in einer Gruppe von genauso ahnungslosen aber doch irgendwie gleichgesinnten zu amüsieren. Es hatte was, abseits vom Geschehen des eigenen, des Herzensvereins, einem Verein beizuwohnen, dem ein wichtiges Spiel bevor stand, und zu wissen, dass unsere Welt nicht unter gehen würde, ginge es schief. Dem Himmel sei Dank, dass es so wahr.

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„GRINGOS – ASSEMBLE!“ Wir nahmen unsere Unwissenheit durchaus mit Humor, ließen uns aber definitiv auf den Spieltagswahnsinn ein. Hier ein mini Ausschnitt der Gruppe nach dem Eindecken mit den Jerseys. 

 

Ein paar Drinks später, deckte man uns kollektiv mit Trikots ein. Wer mich kennt, weiß, dass ich definitiv nicht zu den Leuten gehöre, die keine besitzen oder niemalsnicht eins gekauft haben, aber ich kaufte in den letzten Jahren eigentlich keine mehr – nicht mal vom eigenen Verein. Hier konnte man sich nicht mal wehren: Es waren besagte „so gut wie original, aber irgendwie cooler“-Trikots für 5 Euro das Stück und das war uns der Spaß definitiv wert. So ging es für uns dann immerhin in gleichem Look – denn selbst unsere Trikots unterschieden sich zum Teil gewaltig – Richtung Kartenausgabe und erlebten noch eine Überraschung:

„Anyone’s still wearing a belt? You need to get rid of those or they won’t let you in.“

Okay. Also den Gürtel musste ich bisher auch noch bei keinem Spiel abgeben, aber generell stellten sich nach und nach die Sicherheitsvorkehrungen als deutlich krasser denn daheim heraus. Neben den Gürteln mussten auch sämtliche Taschen, Powerbanks und sogar Feuerzeuge und Zigaretten (nicht nur die Feuerzeuge) direkt im Bus deponiert werden, weil man sie uns wohl sonst abnehmen würde. Okay. Es herrschte ein wenig Verwirrung, aber wir leisteten Folge, auch wenn die ein oder andere Hand später stets an der Hüfte ruhte, um den Hosen wenigstens etwas Halt zu geben. Der etwas andere Wahnsinn.

Als wir uns schließlich allem potentiell gefährlichen entledigt hatten, gab es für uns die Karten, die mit weniger als zehn Euro durchaus erschwinglich für ein Halbfinale der Landesmeisterschaft war – um damit die Untertreibung des Jahrhunderts für mich zu beanspruchen. Unsere Plätze waren genau auf der gegenüberliegenden Seite von der Kurve der Nacional Supporter, aber von Gästen war während des gesamten Abends nichts zu sehen. Bisher hab ich es allerdings nicht herausgefunden, ob das vor Jahren mal angesetzte Trikotverbot für Gästefans noch gilt oder man diese mittlerweile komplett aus den Stadien verbannt hat. Auf der anderen Seite stellte sich wohl auch die Frage, wer die Distanz von Bogotá nach Medellín auf sich nahm, sind es doch 400 Kilometer, die sich definitiv nicht so komfortabel auf dem Boden reisen, wie es bei uns der Fall wäre.

Der Weg zum Stadion war theoretisch ein kurzer, praktisch kamen wir in  – meine Erinnerung mag mich jetzt hier um eine mehr oder weniger trügen – mindestens vier Kontrollen. Und zwar nicht so, wie es hier schon mal üblich ist: Einmal grob die Karte, dann die Karte genauer, schließlich die Einlasskontrolle und dann der Kartenscanner – weit gefehlt. Allein die ersten drei Kontrollen waren Ganzkörperkontrollen – jedenfalls wenn man männlich war. Wir Frauen durften einfach weiter laufen, weil dort eben keine Polizistinnen standen, sondern nahezu ausschließlich männliche Polizisten. Ja, richtig gelesen: Die Stadionkontrollen erfolgen alle ausnahmslos durch die Polizei. Hierzu, und dem Gefühl, das die Uniformierten in einem solch gespaltenen Land wie Kolumbien hervorrufen an anderer Stelle, vorzugweise persönlich, gerne mehr, hier ist allerdings nicht der Platz dafür. Ungewöhnlich war es zumindest für mich und ehrlich gesagt erstaunte es mich, dass wir doch alle vollzählig in einen der inneren Bereiche des Stadions vordringen konnten, hatte es doch ein sprachliches Missverständnis mit einem aus der Gruppe gegeben, der sich wenige Sekunden später schon mit verdrehten Armen und der Wange auf dem Teer wieder fand. Das konnte zum Glück ausgeräumt werden und so standen uns nur noch die restlichen hundertundzwei Kontrollen bevor.

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Irgendwann hatten wir allerdings auch die letzte hinter uns gebracht und es ging endlich – endlich!- in die Kurve. Was man von außen noch gar nicht hatte erkennen können, war die kessel- oder eher schüsselartige Form des Stadions, das nicht von wirklich hohen, aber doch recht steilen Tribünen geprägt ist und gewohnt komplett unüberdacht dem ewigen Frühlingswetter in Medellín trotzt. Dass das der Stimmung überhaupt keinen Abbruch tut, könnt ihr euch später noch in einem Video ansehen, das ich behelfshalber auf Twitter hoch lud. Eine markante Eigenheit begeisterte mich gleich von dem recht alten, aber zu einer Jugendweltmeisterschaft sanierten Stadion: Flutlichtmasten. #flutlichtmastenultras

Im Block gab es zwar Sitzschalen, doch da gerade unser Ende des Stadions nicht so wirklich toll gefüllt war (bei uns gabs die Vermutung, dass die Ecke für Touristen gerne genutzt würde, weil wir alle irgendwie recht … verloren auf diesen Rängen aussahen) stand man eigentlich mehr, als dass man saß. Die Atmosphäre vor dem Anpfiff war eine amüsante Mischung aus der hitzigen Stimmung in südamerikanischen Stadien und der amerikanischen „You need to eat every second you’re here“-Weise des Sportkonsums. Dauernd kam ein Verkäufer vorbei, der dir wohl zur Not auch noch ein Schnittchen mit Caviar oder ein Wiener Schnitzel hätte besorgen können, denn das Angebot variierte von Runde zu Runde von HotDogs (die ekligsten, die ich je aß), über Popcorn (das Grundsatzdiskussionen auslöste – salty, sweet) bis hin zum gewohnten Trinkwasser in Plastiktüten. Man schlug sich den Bauch voll, quatschte weiter ausgelassen und sog etwas von der Stimmung auf, die immer noch nicht so richtig greifbar war. Alle waren da und sie waren auch laut – aber die Anspannung, die man von einem entscheidenden Halbfinalspiel erwartet hätte, ging einem völlig ab. War einfach nicht da.

Es brandete kurz etwas auf – eine Art Welle schob sich grollend durch das Stadion, als die Mannschaften das Feld betraten, um dem Anpfiff entgegen zu treten, doch selbst da fühlte es sich eher als unbändiger Stolz auf die Mannschaft an, denn als „Hoffentlich kommen wir ins Finale“. Der amtierende Copa-Sieger Nacional ließ seine Lieder ertönen, die mir jetzt noch eine Gänsehaut auf die Arme treibt und zack, war ich im Fußballfieber.

Rundherum sah man im Stadion Banner, die definitiv nicht in spanisch bedruckt waren: Komische Schriftzeichen, für uns nicht zu entziffern, die verdächtig nach japanischen aussahen. Wo war denn bitte der Zusammenhang? Für Fans der erfolgsumwobenen Vereine dürfte sich langsam ein Bild abzeichnen, warum ich dieses Spiel als so kurios empfanden habe, doch wer nur ein schnödes Zweitligamädchen ist wie ich, den dürfte auch das noch ahnungslos lassen. 20161211_185800

Das Spiel begann furios. Gleich in Minute sechs segelt der Ball denkbar dämlich ins Tor – natürlich der Grün-Weißen und nicht der Gäste aus Bogotá. Das war nahezu Slapstick und hätte genauso gut in jeder Kreisliga passieren können, nur hätte man da eine Kiste spendiert oder die Weihnachtsfeier ausgetragen, aber hier? Nein, quatsch, im Halbfinale machte man das gleich nochmal und lag nun schon mit zwei Toren hinten. Wie konnte man denn nur so nachlässig verteidigen? Nacional war chancenlos gegen die Klassen besseren von Independiente.

Und schließlich dämmerte es auch uns Kamelen: Die Mannschaft, die dort in den Farben der Trikots, die wir trugen, auf dem Spielfeld eine solch desaströse Vorstellung ablieferte, war nicht mal die erste Mannschaft, geschweige denn die Zweitbesetzung: Der komplette, gewohnte Kader war in Japan – zur Klubweltmeisterschaft. Atlético Nacional war der amtierende Sieger der Copa Libertadores und demnach qualifiziert zur Teilnahme gegen all die anderen Top-Teams der Welt und während wir uns noch darüber austauschten, ob uns die Liga und damit der mögliche erneute Gewinn der Landesmeisterschaft oder eben die Teilnahme an der Klub-WM wichtiger wären, bereitete sich der Kader der „normalen“ 1. Mannschaft auf die weiteren Spiele in Japan vor.

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Als auch wir es dann begriffen hatten, erklärte sich die komplett entspannte Atmosphäre: Hier waren  25.333 Fußballfans zusammen gekommen, um sich ein Spiel anzusehen, das von der Bedeutung her kaum mehr als ein Freundschaftsspiel wog. Jugendspieler liefen auf, um gegen eine gestandene Erstligamannschaft anzutreten – und sich leider völlig demontieren zu lassen. Aber bei aller Liebe: Die Stimmung war selbst bei diesem desolaten Spiel, das in Zahl mit einem null zu vier aus Sicht Nacionals noch sehr schmeichelhaft ausging, besser als in so manchem Stadion in der Bundesliga, wenn die eigene Mannschaft gegen einen verhassten Gegner führt. Beeindruckend. Der Support, der Rückhalt, die Begeisterung für ein Spiel, das jeglicher Bedeutung entbehrte, weil man sich dafür entschieden hatte, in einem Turnier mit Real Madrid anzutreten und dafür die Landesmeisterschaft nahezu hinwarf. Es hätte einem wahren Fußballwunder entsprochen, wäre dieses Spiel irgendwie anders ausgegangen, als mit vier Toren gegen das Heimteam.

Und trotzdem diese Fröhlichkeit. Dieser Stolz, das eigene Team so fern der Heimat auftreten zu sehen – das war greifbar. Ihr hättet die Anzahl der Banner sehen sollen: Das ganze Stadion war eine Nachricht auf japanisch. Diese Menschen standen voll und ganz hinter der Teilnahme an der Klub-WM. Und man mag ja über sie witzeln, wie es einem beliebt, aber diese Begeisterung wird mir so schnell nicht aus dem Kopf gehen.

Hey, Atlético Nacional, euch seh ich bestimmt nochmal. Vielleicht ja bei der Copa?

Es war ein schöner Ausflug, ein neues Stadion, ein neuer Länderpunkt und eine völlig neue Erfahrung für mich. Die Stimmung, das deutlich rhythmischere der Gesänge, die gleichzeitig auch viel melodischer und weniger … monoton sind als in den heimischen Stadien macht mich noch immer neidisch – aber eben auch jede Menge Lust, noch mehr Stadien zu besuchen, dort auf diesem wunderschönen Fleckchen Erde. Wir feierten jedenfalls das Ausscheiden eines Clubs noch bis in die Morgenstunden in irgendeinem Garagenclub in Downtown Medellín zu Salsa, Reggaeton und Tequila. Es geht kaum besser.

 

 

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Wir sind nicht die Hertha.

Der FCSP spielt in Bielefeld und die Arminia gehört zu den Vereinen, die ich nun mal gar nicht mag. Das ist fast gleiches Level mit Sechzig und dementsprechend fällt der Text heute aus. Wer auf der Suche nach Kuschelrock ist, suche bitte auf einem anderen Blog weiter, hier folgt ein Rant über Geschehen auf dem Feld, vor dem Feld und neben dem Feld. 

Bielefeld. Es ging mal wieder nach Ostwestfalen und da Fußballfans ja nun doch manchmal lernfähig sein sollen, entschloss ich mich, gerade im Hinblick auf die Fahrten nach München und Hamburg, dann doch für die kostengünstigere Anreise mit dem Zug, statt mit dem Auto, auch wenn die ungefähr drei Stunden länger dauerte, aber immerhin den Weg vom Bahnhof zum Stadion erleichterte – denn man musste ja nicht noch von der Uni aus laufen. Dass dieses Vorhaben auch die Zugabfahrt um kurz nach sieben und vier Stunden Herumgurken durch die weniger schönen Teile Nordrhein Westfalens beinhaltete, hatte ich bei der Planung konsequent verdrängt. Aber nun gut, fuhren wir halt Zug. [Poetischer wirds heute nicht mehr, Freunde.]

Mit dem richtigen Proviant war das dann auch recht gut auszuhalten und hätte ich nicht beinahe meinen Umstieg in Hamm verpasst, wäre das auch alles durchaus entspannt gewesen. So hechtete ich hinter dem anderen Totenkopf-tragenden Mob her und schloss schließlich zur zweiten Hälfte der Pöbelcrew auf.

Gemeinsam ging es auf die letzte Zugstrecke bis nach Bielefeld und im Zug traf man dann auch schon die Gegnerfans des heutigen Tages: Freche Halbstarke, deren Playlist zwar Potential hat, die aber wirklich noch ausbaufähig ist. Leute! da fehlt Blümchen. Und Scooter. Und CL5… is‘ ja gut, zurück zum Fußball.

Mit der Ankunft am Bielefelder Bahnhof, entschloss sich das Wetter dann auch dazu, sich den Gästen anzupassen und packte herrlichstes Hamburger Wetter aus, sodass wir noch eine Weile am Hinterausgang unter dem Dach verweilten, aus Versehen an einer Gruppenbesprechung der Hundertschaften teilnahmen und unsere Bedenken, dass der eine Polizist, der in der Zweierreihe alleine gehen musste, vielleicht verloren gehen könnte, unerhört blieben. Frechheit! Schließlich lichtete sich der dichte Regen etwas und auch wir traten den Fußweg zum Stadion an – gewissenhaft alle Dresdener Sticker überklebend, versteht sich.

Am Stadion dann noch sehr liebe Menschen getroffen, Tickets für München eingesackt (Brace yourselves, die Pöbelcrew kommt!) und auf ein, zwei Kaltgetränke zum Schnack geblieben, bevor es schließlich an die Kontrollen ging. Und hier könnte jetzt ein etwas längerer Rant folgen.

Zum Ersten aber: Weiß jemand, wofür die Kontrollen gefilmt wurden? Ich wüsste gerne, wo man mich dann demnächst in meiner vollen Schönheit bewundern darf.

Jedenfalls wurden die Kontrollen am Einlass gefilmt und waren dementsprechend gründlich. Auch wenn sich die Ordnerin in meinem Fall nahezu entschuldigte, aber das war echt lächerlich. Das was man ihr lassen kann ist jedenfalls, dass sie gründlich war: Schließlich fand sie Sticker in meinem Portemonnaie, von denen nicht mal ich wusste. Gut, stickerlos ging es für mich ins Stadion, aber immerhin brachte der Rest ein paar Sticker mit hinein, sodass die Alm nun doch etwas schöner aussieht als vorher, wo sich die Pöbelcrew nun doch noch dort verewigt hatte.

Ich mag sie einfach nicht. Die Arminia mit ihren Schwarz-Weiß-Blauen Farben, die Fans, die Ordner, die doch eher Bock auf ein Treffen am Feld, als am Spielfeldrand haben, diesen fürchterlichen Gästeblock, der ein architektonischer Trauerfall ist und einfach … Bielefeld. Manchmal hat man ja diese Dinge, die man einfach nicht leiden kann und ich mag und muss mich dafür nicht rechtfertigen, aber es ruft bei mir nicht viel mehr als die Lust „Scheiß Arminia Bielefeld“ zu brüllen hervor. Isso, kann ich nicht ändern und will ich eigentlich auch nicht.

Demnach brüllte ich aus vollster Fußballseele die nicht sonderlich schmeichelhaften Gesänge vor dem Spiel mit und freute mich aber genauso, dass sie mit Anpfiff verstummten, um Platz für den Support der eigenen Mannschaft zu machen. Von dem erwartete ich übrigens anfangs nicht sonderlich viel, weil die 700 Rest-Tickets einfach eine nicht sooo volle Gästehütte versprachen und ich irgendwie kein gutes Gefühl hatte, was den lautstarken Support anging. Zum Glück überraschte mich das Gegenteil, es fetzte doch recht gut und vor allem die Wechselgesänge müssen wohl ganz gut hörbar gewesen sein, wie es mir zugetragen wurde. Ich sah dank der bescheuerten Bauweise und unserem späten Einzug in den Block mal wieder herzlich wenig, aber Fußball sehen kann ich halt auch noch, wenn ich im Rentenalter auf die Haupt umziehe und noch mag ich ihn eher erleben. Und das geht im engen Stehblock, auch wenn man die Hintermänner am liebsten die Nase geboxt hätte.

Hinter mir war man nämlich der Meinung, die Jungs auf dem Feld machten alles falsch. Jedes Mal wenn Cenk den Ball im Angriff abspielte – was übrigens etwas ist, das ich mir die letzten Wochen gewünscht hätte, statt sich fest zu dribbeln – wurde darüber gemotzt. Zog er mit dem Ball mal bis zum Sechzehner – wurde gemotzt. Atmete er vielleicht auch nur etwas außerhalb des Takts – wurde gemotzt.

Ja, das ist vielleicht etwas übertrieben, aber dieses Dauergemotze nervte. Wie Sau. Egal was sie machten, es war falsch. Wie mich sowas ankotzt: Dauermotzen, aber kein Tönchen des Supports – nein, im Gegenteil, dann noch über die Motzen, die supporten. Andauernd kam „So ein scheiß Lied!“, ja dann mach den Mund auf und stimm was anderes an? Dass bei uns Lieder durchaus auch mal von anderen Ecken kommen, als von vorn auf dem Zaun, ist ja nun nicht wirklich selten. Warum motze ich dann nur, statt selbst mal etwas zu verändern?

Mich motivierte das Gemotze jedenfalls noch lauter mitzusingen, nur um den werten Herrn zu ärgern und dass das nicht wirklich erwachsenes Verhalten ist, geht mir gepflegt am Allerwertesten vorbei. Wisst ihr Bescheid.

Was mich allerdings noch ärgerte, war das dauernde Fordern nach ausgedehntem Zeitspiel in der Ecke in der ich stand. Mal ehrlich: NOCH ausgedehnter? Mir ging das ja jetzt schon auf die Nerven, wie viel Zeit da rausgeschlagen wurde und so richtig wunderte mich die Nachspielzeit dann nicht, auch wenn ich fünf Minuten anfangs für eeetwas überdimensioniert hielt. Als mein Lieblings-Motz-Hintermann dann anfing zu brüllen, Heerwi solle sich doch verdammt nochmal mehr Zeit lassen, brüllte ich zurück:

„Wir sind doch nicht die scheiß Hertha, Mann!“

Tjoa. Dachte ich. Und dann gibt es halt fünf Minuten Nachspielzeit, Rumgeeiere im Sechzehner und den Ausgleich in gefühlt der 90+6. Minute. Doch ziemlich Hertha-like.

Da dürften die Gemeinsamkeiten dann aber auch aufhören. Will ich jedenfalls hoffen.

Nunja, ich mag mich nicht weiter an Vereinen abarbeiten, die ich nicht leiden kann. Daher: Was bleibt?

Ein Punkt ist ein Punkt und ein Punkt gegen einen direkten Konkurrenten ist ein guter Punkt. Trotzdem fühlte es sich mehr nach zwei verlorenen als einem gewonnen an. Alle haben 18 Punkte, Platz 15 und abwärts, und die nächsten Spiele sind einfach enorm wichtig gegen den Abstieg. Es war aber keine Vorstellung eines Absteigers und das gibt Hoffnung, auch wenn es jetzt daheim gegen Karlsruhe und auswärts gegen München geht.

Was außerdem bleibt ist ein verdammt gutes Banner von NKSP, hinter dem ich nicht nur im übertragenen, sondern auch im wörtlichen Sinne stehe: „Gegen den deutschen Opfermythos.“ Gerade im Lichte der aktuellen Diskussionen, die von Leuten außerhalb von Fußballstadien über Banner INNERHALB von Stadien geführt wird, und allein deswegen schon völlig unnötig ist, ein richtiges Zeichen. Wenn wir anfangen uns Banner von außen absegnen zu lassen, verlieren sie nicht nur jede Glaubwürdigkeit sondern auch jede Wirkung.

Und eigentlich hab ich gerade auch gar keine Lust mehr, irgendwas dazu zu sagen. Es gibt genügend Leute, die darüber reden, dann muss ich das nicht auch noch tun. Daher: Wir sehen uns in München. Wer sich auf ein Bier treffen mag, haue doch mal kurz eine PM in die Tasten. Ansonsten: Stabil bleiben & Nazis aufs Maul.

Bis dahin. #pblcrw

 

 

 

 

Getaggt mit , , , , , ,

Ihr auf dem Rasen und wir auf den Rängen!

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Scheiß Braunschweiger – ihr seid uns

weit unterlegen – seid zu schwach

ja, und deswegen …

gewinnen hier – heute nur wir!

Wir fahren nach Braunschweig. Als Tabellenletzter, zum Tabellenersten. Das kann nur eine Katastrophe werden. Also, hinfahren. Klatsche abholen. Heimfahren. Weitermachen. …Oder doch nicht?

Die erste Fahrt nach sehr, sehr, sehr langer Abstinenz war sehnlichst erwartet – mit der Ausnahme von neunzig Minuten Fußball eben. Nachdem ich im Dezember dank meiner kleinen Tour durch Kolumbien die beiden Auswärtsspiele in Fürth und Heidenheim verpasste, begann für mich die Rückrunde nun auch erst mit Braunschweig. Es war nicht mein erstes Intermezzo mit den blau-gelben Löwen und das letzte blieb auch nicht wirklich in sonderlich guter Erinnerung, mit einem Sprint in Sicherheit, weil man sich offensichtlich von meinen massiven Oberarmen, meinen KungFu-Künsten oder sonst irgendwas vollkommen fiktionalem provoziert fühlte. Nun ja, alte Geschichten.

Es sollte allerdings auch nicht nur die erste Fahrt im neuen Jahr sein, sondern eben auch die erste Fahrt seit Oktober, die die Pöbelcrew in kompletter Besetzung und nun sogar mit so vielen Stickern, dass wir Braunschweig hätten tapezieren können, gemeinsam antrat. Und damit es noch besonderer würde, hatten wir noch jemanden im Gepäck, der noch nie zuvor bei einem Fußballspiel im Stadion war. Konnte doch nur gut werden, oder?

Die Mitfahrerin wurde sogleich mit unserer Auswärtsalleswieimmerasozialplaylist konfrontiert und da scheint bleibender Eindruck hinterlassen worden zu sein – ob positiv oder negativ, das lass ich nun mal bewusst ganz  offen. Auf einer Raste noch Überbleibsel von Magdeburg überklebt, weil das kann man ja nicht so lassen und dann ging es auch schon auf das letzte Wegstück Richtung Braunschweig.

Da mir die ätzende Parkplatzsituation noch aus der letzten Saison gut in Erinnerung geblieben war, nahmen wir dankbar die Chance an, bei den Braunschweiger Bekannten der Mitfahrerin parken zu dürfen und wurden dort sogar noch mit einem leckeren Frühstück empfangen. Gibt also doch gute Braunschweiger! Oder aber sie wollten uns nur besänftigen und die Pöbelgrundlage klauen oder so…

Aber weit gefehlt. Wir machten uns schließlich auf die letzten Meter zu Fuß auf und taten das dann doch lieber, ohne den Seidenschal blitzen zu lassen … man weiß ja nie. Und vor allem in meiner Lieblingsstraße, nun ja.

Jedenfalls kamen wir soweit unbehelligt am Stadion an und dann mit dem leichten Wahnsinn im Kopf, dem ausgedruckten Wahnsinn in den Jackentaschen und voller Belegschaft hinein ins Stadion. Die Lieblingstruppe aus Hamburg war auch schnell gefunden, viele einzelne von den üblichen Verdächtigen dieses Mal aber leider nicht. Nächstes Mal! Joa, und dann konnte ja alles losgehen. Musst es wirklich? Es war doch grad alles so schön friedlich, da muss uns doch Fußball nicht schon wieder alles verderben…

Nun ja, der Anpfiff kam und wir hatten mit den vier Mann am Zaun auch definitiv schon mal die Aussicht auf zumindest flächendeckenden Support, wenn denn auch alle mitmachten, die einen Blick auf einen der Vier erhaschen konnten. Vor dem Block standen die Ordner, stilecht mit Sankt Pauli Mützen ausgestattet, was uns ein leichtes Schmunzeln entlockte, und zum Teil, wie im USP Video zusehen, auch definitiv mehr braun-weiß im Herzen als blau-gelb.

Als ich da dann so im Block stand, vor mich hin sang und grinste, obwohl ich gar nicht wusste warum, fiel mir auf, dass mir das doch ganz schön gefehlt hat. Ich hab mir zwar in Kolumbien noch ein Spiel des Landespokalviertelfinales ansehen können, aber das ist ja doch irgendwie etwas ganz anderes. Viel lieber steh ich mit meinen Leuten in meinem Gästeblock (Ja, der ist mir, da macht ihr nichts.) und supporte meine Mannschaft. Auch wenn ich die ganze Zeit im Hinterkopf diesen nagenden Gedanken hatte, dass alles nur so lange gut ginge, bis die komischen Löwen, die ich scheinbar generell unsympathisch finde, wenn ich da mal an die Sechziger aus München denke, mit dummem Dusel ein Tor gegen unsere sonst gut stehende Abwehr erzielen würden.

Irgendwie sahen das unsere Boys in Brown aber etwas anders: So wie ich das sah, spielten sie mutig und forsch voran, schlugen die Bälle nicht immer kopflos aus dem Sechzehner, auch wenn die Wünsche danach zumindest mit einem Dudziak am Ball durchaus nochmal lauter wurden, aber irgendwie war das wenn schon kein anderes Team, was das spielte, dann zumindest eine komplett andere Spielweise. Die Jungs packten da Pässe aus, die ich mich an Braunschweiger Stelle nicht getraut hätte und wir waren verdammt nochmal letzter. Oder sind es. Aber darum geht es ja, diese ständige Angst endlich aus dem Kopf  zu bekommen und mutig aufzuspielen. Genau das taten die Boys in Brown.

Klar, das war noch keine Vorstellung eines Aufstiegsapiranten, das wäre dann doch ein wenig  sehr verwunderlich gewesen, aber bis auf Dudziaks Zitterbälle lief zumindest auf der rechten Seite viel richtig, während Park uns auf der linken Seite völlig umzimmerte. Was spielte der ein geiles Stück, eh! Die Braunschweiger waren im Gesamten nicht so wirklich so stark, wie man zuvor erwartet hätte, standen sie doch ganz oben in der Tabelle und danach sah ihr Spiel nicht so wirklich aus.

Was hatten wir also? Ein Spiel mit erstaunlicher Rafinesse und Support mit Schmackes. Kann man wirklich nicht anders sagen, denn ich hatte zum ersten Mal seit längerer Zeit an unserem Support nichts zu mäkeln. Im Gegenteil: Ich hatte Spaß an der Abwechslung, die doch drin war und altbewährtes ging halt auch altbewährt schief. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Aufstieg wartet, wenn wir das erste Mal geschlossen als kompletter Gästeblock das Aux Armes ohne Echo auf die Reihe bekommen.

In der Halbzeit fiel in der Bezugsgruppe der Satz „Das  ist das gemeinste, was sie uns antun konnten. Jetzt machen sie uns auch noch Hoffnung.“ und besser konnte man es eigentlich nicht treffen. Dieses kleine Fünkchen Hoffnung hielt ich ordentlich in Schach und ließ es gar nicht erst größer werden, denn spätestens in der 86. Minute würden die Braunschweiger eh mindestens zum 1:1 treffen. Ganz sicher. Anders lief das diese Saison doch einfach gar nicht.

Als dann das zweite Tor fiel, wusste ich gar nicht mehr weiter. So grausam konnten sie doch gar nicht sein uns in einer fast sicheren (jedenfalls für jedes andere Team) Führung in Sicherheit zu wiegen und dann doch noch abzuschießen. Oder doch? Ich traute mich gar nicht, darüber nachzudenken, wie es wäre nochmal einen Sieg einzufahren, vor lauter Angst es damit kaputt zu machen. Und so zitterten wir uns durch Halbzeit Zwei.

Nennenswert ist noch das absolut unmögliche Verhalten der Braunschweiger Fans, als Moeller Daehli verletzt vom Platz getragen wurde. Ja, ich fand es auch nervig wie sich unsere Spieler zum Teil am Boden gewälzt haben, und das sage ich über die eigene Mannschaft, aber trotzdem muss man einen offensichtlich nicht ganz bei Bewusstsein stehenden Spieler nicht auspfeifen, wenn der vom Platz getragen wird. Eklig.

Wer mir sowohl sehr positiv, als auch negativ auffiel war Cenk Sahin. Der spielt auf der einen Seite solch genialen Fußball und auf der anderen dribbelt er sich immer wieder fest, wenn der Pass auf einen Spieler die clevere Variante gewesen wäre und lässt sich dann auch noch fallen. Bei aller Liebe: Wenn einer zehn mal fällt und neunmal faked … naja, dass der Schiri den beim 10. Mal dann nicht pfeift, wundert nicht so wirklich. Dennoch ist Cenk momentan eigentlich mit  Abstand einer unserer stärksten Spieler.

Aufgrund der langen Spielunterbrechung als Moeller Daehli verletzt war, fiel die Nachspielzeit auch extrem lang aus. Ein weiterer Grund für die sieben zusätzlichen Minuten dürfte auch das generell sehr ruppige Spiel der Braunschweiger gewesen sein, denn es war alles andere als ein flüssiges Spiel. Also hieß es nach der kritischen 89. Minute noch ganze acht Minuten weiter zittern. So sehr zittern.

„Im nächsten Leben such ich mir einen Verein, der zwei zu null führt und dann auch sicher zwei zu null gewinnt.“

Als dann aus unserem Block „Auswärtssieg!“ skandiert wurde, kam ich nicht umhin zu denken, dass wir es jetzt wirklich noch verkacken werden. Mehr jinxen kann man doch eigentlich gar nicht. Erst nach dem Spiel erfuhren wir, dass die Braunschweiger auf unser „Auswärtssieg!“ wohl immer „Absteiger!“ antworteten, aber das sehen sowohl wir als auch unsere Spieler aktuell ja einfach anders. Gekonnt überhört würde ich sagen.

Tjoa. Und dann fiel es doch noch. Das obligatorische Gegentor. Es war so klar, dass es gar nicht wirklich überraschte, aber dann hieß es noch mehr Zittern, als im Strafraum noch unendlich lange Herumgestochert wurde … bis endlich der Schlusspfiff fiel.

Purer Jubel. Vollkommene Verwirrung. Absolute Ungläubigkeit. So richtig fassen konnte das keiner von uns, dass wir hier wirklich gewonnen hatten. Aber die Fassungslosigkeit packten wir einfach mit in den eingangs zitierten Gesang. Und es ist schon verdammt geil, das als letzter beim ersten Singen zu können. Manchmal braucht man sie einfach, die Balls zu sowas.

Was gibt es noch zu sagen? Irgendwann in der zweiten Hälfte wurde ein Braunschweiger Fan aus dem Heimblock neben unserem Gästeblock von drei Ordnern entfernt, während er sich heftig wehrte. Dem Herrn sind wir natüürlich nachher noch bei dem Treffen mit den Braunschweiger Gastgebern über den Weg gelaufen, wie sollte es auch anders sein.  Als wir das Stadion verließen, brannte auch noch irgendwas lichterloh im Heimblock. Was auch immer das gewesen sein mag, es brannte auf jeden Fall, als fast alle das Stadion schon verlassen hatten. Der Sinn erschließt sich mir so oder so nicht.

Vor dem Heimweg trafen wir unsere Gastgeber noch auf ein Kaltgetränk und frotzelten ein wenig gegenseitig – mit drei  Punkten im Gepäck klappt das jedenfalls viel besser. Was so noch viel unangenehmer war, war schließlich der Rückweg vorbei an der berüchtigten Tanke und den ganzen Kneipen, aus denen man nun hauptsächlich ein mehrstimmiges „Scheiß Zecken (ey/orr/boah/x)!“ vernehmen konnte. Sehr herzliches Volk dort. Aber auf unsere Gastgeber kann man nun wirklich kein schlechtes Wort verlieren.

Mal ehrlich: So mit drei Punkten in der Botze machte es sich viel schöner auf den Heimweg und im Prinzip verflog die Fahrt damit, dass wir den FC Sankt Pauli, seine Fans, die Northface Jacken und und und erklärten. Was mir dabei wirklich auffiel? Wie sehr ich (oder wir?) von unserer kleinen Wohlfühloase der zweiten Liga schwärmen. Und das ändert auch kein Tabellenplatz.

Hach. So ein Auswärtssieg ist schön. Das machen wir nochmal!

Bis dahin heißt es für die halbe Pöbelcrew Dresden umhauen und dann in gewohnter Stärke Bielefeld verkloppen. Auf geht’s. Wir sehen uns.

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