Kerzen auspusten: Lewistyle.

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Irgendwie sind Heimspiele gegen Union für mich bisher immer etwas besonderes gewesen: Vor 3 Jahren hatte ich meine Mama das erste Mal mit am Millerntor und wir konnten ein grandioses drei zu null bei herrlichstem Oktoberwetter von der Gegengerade aus bejubeln. Auch dieses Jahr sollte das Spiel für mich wieder etwas besonderer werden, als Heimspiele es eh schon sind, denn mit dem 10. März fiel es auf meinen Geburtstag. Nachdem sich zwar die Begeisterung über meine Pläne bei meiner Familie in Grenzen hielt, dass ich mich an meinem Geburtstag auf in die Hansestadt machen wollte, konnten aber die Wogen geglättet werden und dank wundervoller Otter machte ich mich am Freitag Morgen recht zeitig auf den Weg. Dass ich das gar nicht wirklich gemusst hätte, wurde deutlich, als ich nach nicht viel mehr als vier Stunden im Viertel einfiel und die Parkplatzsuche gefühlt länger dauerte, als die Fahrt dort hoch.

Da mich Hamburg mit bestem Kaiserwetter empfing, stiefelte ich einfach mal ein bisschen durchs Viertel, gefühlt dreimal ums Stadion und fläzte mich schließlich vorm Hallenbad gepflegt in die Sonne – musste man schließlich genießen. #dieStraßenhochundrunter

Allzu lange musste ich allerdings nicht auf das Empfangskomitee warten, denn nur wenig später wurde ich mit einem Geburtstagsbierchen – es hatte eine Schleife!! – und einer Ladung Konfetti ins Gesicht willkommen geheißen. Das Konfetti sollte sich auch noch durch den ganzen – und folgenden und darauf folgenden, wird man ja nie wieder komplett los – Tag ziehen und wir zogen währenddessen mal wieder durch die Straßen, um nach und nach den Rest der Truppe zusammen zu sammeln.

Irgendwann hatten wir uns dann tatsächlich fast vollzählig auf meinen Wunsch hin vor der Gegengerade eingefunden – und fanden keinen der sonst üblichen Verdächtigen. Ihr hattet ja alle nur Angst vor mir, nachdem ich nun schon böse böse Löwen verjage. Ich merk das schon.

Wir mussten dann auch eigentlich recht zeitig rein, weil meine Tribüne am Freitag die Süd sein sollte und so verpasste man dann doch den ein oder anderen vermutlich recht knapp. Das nächste Mal!

Tjoa, und dann gab es irgendwann die beste Geburtstagskerze aller Zeiten. Seht selbst.

Es sah einfach so unfassbar schön aus und wer schon den ein oder anderen Text von mir gelesen hat, weiß um meine Haltung zu den roten Fackeln, die in der Regionalliga keine Socke jucken und die in der Bundesliga plötzlich zum riesigen, todbringenden, welpenverachtenden, weltkriegauslösenden (…) Problem werden.

Mal ehrlich: 22 Fackeln, in der ersten Reihe … so gefährlich ist das wahrlich nicht. Das einzige, was gefährlich daran ist, ist die mediale Berichterstattung im Nachhinein, aber nun schweife ich eventuell ein wenig ab. Weil all diejenigen, die sowas hochhalten oder toll finden oder akzeptieren ja mindestens Chaoten bis hin zu Krawallsuchenden Kategorie C Fans sind – merkt ihr selbst. Und wenn ich dann wieder an die irgendwo im Fernsehen zur Demonstration angezündete Jacke (eines Kindes?) denke, dann muss ich eh lachen, weil man auf der Süd ja dauernd von Kindern umzingelt ist (merke: Kindsköpfe != Kinder!).

Also ganz ehrlich? Ein besseres Geburtstagsgeschenk hätte man mir ja kaum machen können. Blinkedinger auf der ganzen Süd und schon ist Lewi glücklich. Als ich dann kurzzeitig nochmal Netz hatte, fand das auch der Freundeskreis: Kerzenauspusten – Lewi-Style!

[Sehr schön fand ich übrigens auch, dass man auf den Videos von der Nord erst mal einen fetten „Pyrotechnik ist kein Verbrechen!“ zu hören bekam.]

Okay, damit hätte man dann einfach nach draußen und in die Clubs und Bars und Kneipen gehen können, weil Fußball braucht doch wirklich niemand. Im Ernst: Union war auf weite Strecken einfach so dermaßen überlegen, dass es mich beinahe wunderte, dass sie nur zweimal durch massive Stolpertore einnetzten. Insgesamt hielt man, für den aktuellen Tabellenplatz, aber wahrlich ordentlich dagegen, und das 1:2 war nachher dann doch etwas zu schmeichelhaft für Union, wo man doch gerade in den letzten Zügen des Spiels eher Überlegenheit in braun und weiß wahrnehmen konnte.

Naja, machste nichts. Den Abend konnte mir eh keiner mehr verderben – nicht mal ein FCU. Da ich noch den Fehler machte, nach dem Spiel erst hinaus zu laufen und dann festzustellen, dass ein Abstecher auf die sanitären Anlagen vielleicht keine allzu dumme Idee wäre, schmuggelte man mich noch kurzerhand aufs Männerklo und dann konnte es halt auch weiter gehen. Fanräume, kurzer Abstecher zur „Schlafgelegenheit“ und dann eine Kneipe nach der anderen. Es war ein langer Abend und ein sehr, sehr schöner noch dazu. Und weil das wieder einer dieser Heimspielabende war, der durch die Leute einfach perfekt wurde, reibe ich euch jetzt nur noch kurz meinen Geburtstagsotter Gustav unter die Nase und beende den Text an dieser Stelle, weil ich ihn niemals so verfassen könnte, dass er dieser Truppe gerecht würde. Ich drück euch fest, einen so feinen Geburtstag darf nicht jeder feiern ❤

Pyrotechnik ist kein Verbrechen. Otter mögen das. 

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GUSTAV: Südkurvenotter, der – Habitat ist die Südtribüne und der Nachttisch von Lewi ❤

 

LEST MEHR BEI DIESEN SCHREIBERLINGEN:

Wundervolle Bilder von Stefan Groenveld

http://niceguys.blogsport.de/2017/03/11/senfdazu34/

https://fcspsouthendscum.wordpress.com/2017/03/11/matchday-24-fc-sankt-pauli-vs-fc-union-berlin-1-2/

http://admit-nothing.de/verloren/

http://blog.uebersteiger.de/2017/03/12/24-spieltag-h-1-fc-union-berlin/

http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=8228

Getaggt mit ,

Miesepetrige Miezen: München Blau braucht keine Sau.

Reist ein Verein aus einer ganz bestimmten norddeutschen Hansestadt zum Fußball in die Landeshauptstadt Bayerns, so werden seine Anhänger ziemlich sicher nicht sonderlich viel Spaß dort erfahren. So ging es kürzlich noch dem Erstligaverein der Stadt und auch mein FC Sankt Pauli hat in München, gar gegen München, selten viel Spaß. Die zwei Male, die ich die weite Reise nach Bayern angetreten habe, um dem Spiel gegen Münchens Blaue beizuwohnen, bestätigten sämtliche (gefühlten) Statistiken: Niederlagen dämlichster Art. So mag es grundsätzlich nicht verwundern, dass mir die Fahrten nach München nur des Fußballs wegen nicht sonderlich viel Vorfreude entlocken – ein großer, weiterer Grund sind allerdings die Anhänger des blauen Vereins aus München, die sich bisher erfolgreich alle von miesester Seite zeigten, sobald ich irgendwo in der Nähe war. Dieser Text wird also einer, über ein Spiel bei einem Verein, der mir ungefähr so sympathisch ist wie Fußpilz, Zahnschmerzen und Energy Drinks zusammen und könnte demnach recht einseitig werden. Wer auf der Suche nach Lobeshymnen für die Gastgeber hier gelandet ist, dem rate ich, seine Haltung zu den Blauen zu überdenken und gleich direkt mal die richtige Farbe zu drücken: Das rote Eckchen mit dem Kreuz. Ich werde von vornherein darauf hinweisen, dass dieser Text meinem Empfinden von den letzten Besuchen entspringt und vermutlich den  – irgendwo sicher existenten, mir aber unbekannten – duften Blauen unrecht tun könnte. 

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Ankunftszeit: 19.10 Uhr. Stilecht.

 

Auch wenn ich schon strategisch besser für Auswärtsspiele des FCSP wohne, ist auch für mich München eine Reise quer durch Deutschland und für einen Tag wahrlich nicht drin. So entschied man sich recht spontan, statt des „Nö, fahren wa nich'“ ein „Hey, lass mal ein Wochenende nach München!“ walten zu lassen, buchte ein Hostel und erschlich sich unter Vortäuschung falscher Hoffnung noch drei zusätzliche Tickets. Am Freitag war es dann soweit und das Pöbelmobil machte sich mit zwei Braunweißen und einem Roten auf den Weg ins schier unfassbar weit entfernte München. Trotz der Anreise am Freitagnachmittag blieb uns der Wahnsinn auf der Autobahn weitestgehend erspart, wenn man mal vom Geisteszustand der Fahrerin absehen mag, und so manifestierte sich als Ankunftszeit die wundervolle 19.10 auf dem Navi. Tatsächlich kamen wir nur wenig später im Hostel an, „bezogen“ das Zimmer und verbrachten schließlich den Abend im liebsten Irish Pub, mit Sankt Paulianern und Leeds-Fans.

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Musikalisch haben wir es einfach drauf. 

Gewohntermaßen war die folgende Nacht recht kurz und es ging Samstagmorgen noch müde, aber mit Augustiner statt einem Taxi, mit der U6 bis nach Fröttmaning. Auf dem Weg sammelten wir noch unseren zweibeinigen Glücksbringer auf, der uns letztes Jahr schon einen Sieg beim FCK beschert hatte, und schlugen schließlich in Stadionnähe auf. Gewohntermaßen tolle Menschen in braunweiß getroffen, weniger tolle und weiß und blau, aber davon ließ man sich noch nicht die Laune verderben.

Erstaunlicherweise liefen die Kontrollen dieses Jahr auch etwas entspannter, wenn auch noch immer lästig ab: Immerhin brüllte niemand die Eintretenden an und mein Batzen Sticker wurde nur mit „Oh, du hast da noch Sticker, is‘ ok.“ kommentiert und nicht weiter beachtet. Ich wollte schon fast Worte des Lobes loswerden, als klar wurde, dass wir beim Betreten der Südkurve dann noch einmal das ganze Kontrollprozedere über uns ergehen lassen mussten – und das bei jedem verdammten Eintreten. Du wolltest kurz aufs Klo? Kontrolle. Bierchen? Kontrolle. Bratwurst? Kontrolle. You see where I’m going.

Der Block war gewohntermaßen ein Teil der Südkurve, neben einem abgetrennten und dort neben dann eben noch Heimbereich-Steher. Find ich immer noch nicht so geil, ist sogar eher ziemlich nervig, wenn einen da dann gefühlt dreizehnjährige Stuttgarter (den Bus zwischen Vfb und 59+1 such ich übrigens immer noch) anpöbeln, aber gut. Sich im Block hinzusetzen glich übrigens auch einer Straftat und wurde sogleich von den Ordnern unterbunden – gerade in einem so großen Block und noch deutlich vor Anpfiff erschließt sich mir das allerdings überhaupt nicht, zumal wir uns ganz am Rande befanden. Aber da hat sicherlich mal wieder einer der „Wichtigen“ zwischen zwei Püpsen in seinen Sessel eine „wichtige“ Entscheidung getroffen, die durchzusetzen war. Die Ordner selbst sollte man hier wohl nicht mit Augenrollen bedenken, sondern eher die, die auf solch hirnrissige Ideen kommen können und höchstwahrscheinlich „Investor“ auf der Berufsbezeichnung stehen haben. Wobei – als ob sich der Herr Ismaik so sehr mit dem Fußball oder seinem drumherum beschäftigen würde, jedenfalls lassen weder Aussagen zum Spiel noch Verhalten abseits des Feldes darauf schließen, aber dazu noch an anderer Stelle.

Es wurden nwp-1488914005881.jpgoch die ein oder anderen Dynamo-Sticker entdeckt und erfolgreich überklebt, während man darauf wartete, dass sich der Block langsam mal füllen würde. Nach den letzten desaströsen Supporterlebnissen in diesem Block, rechnete man ja schon fast
immer mit dem schlimmsten, aber auch wenn an diesem Tag mal wieder nicht alles glatt lief, traf unser harter Supportkern dann ja doch noch ein. Aber mal ganz ehrlich: In dieser Suppenschüssel kann einfach kein ordentlicher Support statt finden. Es ist mir absolut unbegreiflich, wie das funktionieren soll, gerade wenn die Blauen da spielen und es eben nicht einmal zur Hälfte gefüllt ist. Allein im Gästeblock verliert sich das, was die linke Hälfte anstellt ja schon, bevor es überhaupt bei der anderen ankommen kann. Klatschen ist hierbei dann übrigens unerlässlich, damit man auch einen optischen Taktgeber hat und sich nicht alles, wie bei uns teilweise, im Kanon abspielt. Fürchterliches Chaos und ich es lässt mich jedes Mal wieder mit dem Drang zurück, mir mein Frühstück noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Ich hasse dieses Stadion.

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Es kann einfach nicht geil sein, in einem nicht mal halbvollen Stadion zu spielen. Null Stimmung, null Flair. Dann lieber in einem rappelvollen 25.000 Mann Stadion.

Mit Anpfiff entwich dann auch der letzte Rest Hoffnung aus mir. Die Blauen spielten so dermaßen selbstsicher auf, dass es in den ersten Momenten nur so wirkte, als renne man dauerhaft hinter her und wäre immer einen Tick zu langsam. Eigentlich fürchtete ich beinahe bei jedem Ball in Strafraumnähe, dass der schon mit der nächsten Berührung dann im Netz zappeln würde, doch vorerst blieb mein Albtraum – jubelnde Löwen – noch aus. Hauptsächlich wurde hin und her lamentiert, bis es dann schließlich doch einen Aufreger gab: Aziz foulte einen Sechziger, der liegen blieb. Es wurde weiter gespielt, weil nicht gepfiffen und holla, da war aber was los. Sonst stumm wie die Minimiezen brüllten die Löwenfans auf einmal los, man müsse da doch wohl ins Aus spielen. Okay, kann man. Dann müssen es aber beide Mannschaften mit dieser Gefälligkeit gleich halten, wie ich finde. So fiel dann das Tor für die Blauen genau in einer Phase, in der unsere Boys in Brown etwas besser, zwar noch nicht in den Strafraum, aber immerhin ins Spiel fanden. Foul durch die Löwen, genau umgekehrte Situation: Die, die vorher jammerten, man müsse ins Aus spielen, leiten den Angriff ein und versenken das Scheißding im Tor. Memo an mich: Nicht mehr an Zäunen stehen, das tut der Hand nicht gut.

Joa. Damit war das Ding für mich durch. Wer halbwegs die Saison verfolgt hat, dem dürfte bewusst sein, dass wir erst ein Tor nach Rückstand schossen und dass das nicht reichte, um ein Spiel zu drehen, muss ich euch Mathegenies natürlich nicht vorrechnen (oder doch?).

Ich erwartete nicht allzu viel von dem restlichen Spiel, das kann ich echt nicht anders sagen. Wie zur Hölle sollte man das drehen? In München? Wo wir doch immer auf den Sack kriegen? Denkbar dämlich verlieren? Am besten noch das 2:0 für München Blau eigenhändig machen? Ich war motzig. So richtig. Der Support war scheiße, unkoordiniert -ohne, dass man das auf die tonangebenden schieben können, wenn euch der Ultrahass schon wieder auf den Lippen bzw. Fingerspitzen liegt – durch die fürchterliche Bauweise und eigentlich war alles kacke.

Bis zum Pfiff. Ich konnte gar nicht wirklich erkennen, was da los war, aber da sich alles auf das Tor von den Blauen konzentrierte, war das gar nicht so schlimm. Und dann auf einmal Jubel, Ungläubigkeit – immer noch kein Plan was da passiert war, außer, dass wir gerade Tor Nummer 2 nach Rückstand in der kompletten bisherigen Saison gemacht hatten. Das einzige Tor zuvor hatte Aziz gegen Bochum noch zum Ausgleich geschossen. Hach. Herrlich. So musste das und ich pöbelte munter in Richtung der so ungeliebten blauen Münchner, wohl im Wissen, dass dies nicht der finale Spielstand sein konnte.

Ha, ich hatte Recht. Aber nicht in dem Sinne, wie ich das befürchtet hatte. Während der Support weiter so vor sich hin plätscherte und nur einmal richtig laut wurde, spielten auf dem Feld plötzlich unsere Jungs deutlich stärker als zuvor. Und während ich noch recht verwundert ob des Ausgleichs war, fiel das nächste Tor. Vorlage Sahin, Kopfball Bouhaddouz, Tor. Ausrasten. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich das Tor gefeiert habe, aber ein Volz’scher Zungenrausstrecker kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Boom! Nehmt das!

So konnte das weitergehen. Problem war nur: Da waren eben noch gut 50 Minuten zu spielen und ich bereitete mich innerlich schon mal auf die bittere Enttäuschung vor, die unwillkürlich mit Tor 2 und 3 der Blauen Bauern einkehren würde.

Doch irgendwie zitterten wir uns über unfassbare 50 Minuten. Bis zum Abpfiff. Ohne Gegentor in der Nachspielzeit. Mit drei fucking Punkten von München Blau.

SCHEISZ MÜNCHEN BLAU, IHR SEID UNS WEIT UNTERLEGEN, SEID ZU SCHWACH – JA UND DESWEGEN GEWINNEN HEUTE HIER NUR WIR! 

Etwas vermessen, aber mit stolz-zufrieden-ungläubigem Grinsen noch ein NIE MEHR DRITTE LIGA hinter her geschoben und die motzigen Gesichter aus dem Nachbarblock genossen. Hach! Siege bei ungeliebten Gegnern sind doch die schönsten.

So richtig aus dem Stadion, das man sonst so hasst, wollte dieses Mal keiner hinaus. Von vorne gab es noch eine Ansage, dass man halt auch während des Spiels mal das Maul aufmachen könnte und nicht nur, wenn der Sieg längst eingefahren ist, die ich so absolut unterschreiben würde – und dann durfte man endlich nochmal mit der Mannschaft ausgelassen feiern. Wenn ich jetzt die Videos von den hüpfenden Jungs auf dem Rasen sehe, geht mir das Herz auf. So sieht Erleichterung aus, wenn man zwei unfassbar wichtige Spiele hintereinander gewonnen hat – und irgendwie stelle ich mir so eine Mannschaft vor. Allerdings mag ich gerade nach so einem umkämpften und lediglich durch gemeinschaftlichen Kampf gewonnenen Spiel die Ewald-Feierei noch weniger als sonst. Ich mag Ewald, das ist der beste Trainer, der uns für Abstiegskämpfe hätte passieren können und ich verehre diesen Mann, aber wenn eine Mannschaft so kämpft, muss man das nicht auf den Trainer reduzieren. My two cents.

Ja, und an dieser Stelle könnte ich den Text beenden. Würde es gerne. Aber leider bleibt mir das verwehrt, denn die unbändige Freude über den Sieg bei einem der Hassgegner wurde genau von diesem noch deutlich getrübt. Der Hass steigt und leider kann ich das mittlerweile wirklich nicht mehr anders ausdrücken.

Man muss sich das jetzt mal so vorstellen: Unsere kleine Gruppe ist ungefähr so gefährlich, wie ein Rudel Golden Retriever. Nur zwei Leute mit eindeutig zuzuordnendem Schal, zwei sogar komplett ohne Klamotte mit Fußball-/Ultra-/Szenebezug. Noch dazu so ungefähr die harmloseste Truppe überhaupt, wie sie da inmitten der Fanmassen beider Lager zur Brücke zum Bahnsteig trömmelt. Keine lautstarken Siegesbekundungen, sondern stilles Glücklichsein – und hier übertreibe ich wirklich nicht. Nach 90 Minuten zittern freuten wir uns einfach nur über die drei Punkte, ohne wirklich zu sprechen – außer darüber, dass wir alle schwer Brand und Hunger hatten. Warum ich das erzähle? Weil es das Folgende einfach noch absurder macht.

Etwa auf halber Strecke zu der Überführung fielen mir im Augenwinkel zwei junge Männer auf, die ziemlich miesepetrig auf unsere Schals schielten. Unwillkürlich zuckte meine Hand um den Schal und hielt ihn beiläufig fest, weil es nicht das erste Mal wäre, dass man versucht, uns einen der Schals zu zocken. Ich behielt die beiden etwas im Blick und blieb achtsam – während die Sympathen sich an die beiden Jungs unserer Gruppe wandten und uns Mädels völlig ignorieren.

„Ey du da. Ja, dich mit der grünen Jacke meine ich. Genau dich. Ihr kommt jetzt mit.“

Als ob. Ich würde sagen „tiefenentspannt“ aber es war eher „tiefenangespannt“ ignorierte man das Gelaber und dachte, die würden sicherlich bald den Spaß verlieren. Es war der kleinere der beiden, der erneut ansetzte.

„Ihr steht jetzt für euren Verein ein. Auf dem Parkdeck. Zwei gegen Zwei. Ist doch fair?“

Da noch immer keine Reaktion der Jungs erfolgte, was ich insgeheim bewunderte, weil mir, wäre ich die Angesprochene, längst die Zündung hochgegangen wäre, folgten sie uns eine Weile über die Wege.

„Ihr stellt euch besser jetzt, sonst folgen wir euch den ganzen Tag durch die Stadt. Wir kriegen euch schon. Könn‘ ja noch paar Weiber anrufen, dann können eure…“ (ein abwertender Blick in unsere Richtung) „auch mitmischen.“

Okay, bis dahin hab ich mich wirklich zurück gehalten. Ich hab die Klappe gehalten, auf meinen Schal geachtet und diese Vollpfosten mit bestem Wissen und Gewissen ignoriert. Aber irgendwann ist halt Schluss. Allein für den letzten Satz hätten die einfach richtig verdient, auf die Fresse zu fallen und mir platzte echt die Hutschnur. So richtig. Damit, dass sich eines „der Weiber“ zur Wehr setzte hatten sie wohl nicht gerichtet. Ich blaffte also los.

„Was quatscht ihr uns denn hier so dämlich von der Seite an? Sucht euch doch Leute, die Bock haben, sich mit euch zu balgen, wir habens nicht.“

Daraufhin meldete sich dann auch der größere, dem der Frakturschrift-H echt nicht deutlicher auf die Stirn geschrieben sein konnte, zu Wort, ich solle doch endlich mal diesen Schal wegpacken. Ich dürfte ihn also wegpacken? Achso, klar, ich war ja ein Weib. Das passt in das Weltbild von solch rückwärtsgewandten, auf blau-und-weiße Farben beschränkten Vollpfosten natürlich nicht hinein, dass auch Frauen zum Fußball gehen – gar Szeneklamotte tragen? Fühlte er sich noch heldenhaft, ja wie ein Gentleman, dass er mir den Schal lassen wollte? Pisser.

Ich wiederholte meine Aussage. Etwas schärfer im Ton, etwas lauter und schloss damit, dass sie sich doch einfach verziehen sollten, was uns die Aufmersamkeit der „Umstehenden“ einbrachte, weil ich das vermutlich nicht sonderlich nett sondern ziemlich krawallig formulierte. Auf Idiotie reagiere ich halt mit Puls.

Die Krönung sollte allerdings noch folgen: Nachdem sie uns versicherten, wir würden die Schals noch los, weil ihre Truppe uns irgendwo auflauern würde, folgten sie uns noch eine Weile und verzogen sich dann. Große Fresse, aber von einem „Weib“, das vielleicht nicht mal die Hälfte von euch ist in die Flucht schlagen lassen? Wie armselig seid ihr denn?

Mein Bild über München Blau hat sich jedenfalls dermaßen gefestigt, dass es so einfach nicht wieder umgeschmissen werden kann – und dabei hatte man den neusten Wahnsinn der Oberbosses noch gar nicht mitbekommen.

Aber lasst mich noch zwei Worte zur Atmosphäre um das Stadion herum verlieren: Es ist dort gefühlt fast unmöglich eine Fantrennung zu erreichen und das find ich ja gar nicht schlimm, allerdings ist es denkbar ungünstig, vor dem Spiel – und damit eigentlich vor möglicher Eskalation (ja, gut, die gabs trotzdem) massive Polizeipräsenz zu zeigen und nach dem Spiel mit miesepetrigen Miezen einen Polizisten vergeblich suchen zu müssen ist genau der falsche Ansatz. Klar, der Krawallblock der Blauen wurde von den „Spezialkräften“ begleitet, aber dass die dann auch genau neben den aufgrund der Sperrung des Übergangs wartenden Fans St. Paulis und München Blaus warten zu lassen, ist auch eher … ungünstig. Wir standen dort jedenfalls mit recht mulmigem Gefühl inmitten von Familien, Ottonormalfans und eben Leuten wie uns. Bescheuerte Regelung und ordentliche Pöbeleien als Folge, nun ja. Eskalation würde da jedenfalls nicht wundern.

Ich muss auch ganz ehrlich sagen, dass mir das ganze Drumherum echt ordentlich den Spaß am Sieg verdorben hat. Und so sehr ich diese „sportlich“ (hahahaha!!) orientierten Arschlöcher dafür hasse, dass es ihnen gelungen ist uns den Wunsch nach einem weiteren Paar Augen im Hinterkopf einzupflanzen, sie hatten damit Erfolg. Wir liefen durch die Stadt und beäugten jeden Blauen kritisch, zuckten bei jeder Daunenjacke in der falschen Farbe zusammen und fühlten uns alles andere als sicher, weil man ihnen eine feige Aktion wie einen Hinterhalt absolut zutraute. Große Fresse in der Gruppe, aber wenns Hart auf Hart kommt die größten Feiglinge – same old story.

Wir ließen jedenfalls irgendwann, noch immer mit einer Grundkrawalligkeit, die sich bei mir bis heute hält, den Tag mit leckerem Hellen, ordentlichem Essen und einem Siegeswhisky (Münchner Tradition, dieses Mal ein Balvenie Double Wood) ausklingen. Aber drei Punkte schmeckten schon süßer.

Ehrlich gesagt bin ich damit jetzt auch durch mit München. Ich hab absolut nicht das Bedürfnis, bei einem Ligaverbleib beider Teams nächstes Jahr nochmal runter zu fahren, nur um ein Spiel in einem scheiß Stadion, mit scheiß Stimmung und vor allem gegen SCHEISZ MÜNCHEN BLAU zu sehen. Ich hab echt die Schnauze voll. Macht eure Scheiße alleine, aber ich brauch das nicht mehr. Fahrt ruhig mit der S-Bahn aufs Land, ihr Giesinger Bauern.

Irgendwann sickerte dann auch zu uns im tiefsten irischen Keller durch, dass es von Andreas Rettig noch deutliche Worte zum Verhalten während des Spiels gegeben hatte. [Hier nachzulesen]

Dass man vereinszugehörige Personen von einer Tribüne entfernen lassen möchte, weil das Tor des Gegners bejubelt wurde ist schlicht und ergreifend nicht tragbar, verwundert allerdings bei dem Verständnis von „fairem, professionellem Umgang“ untereinander -und vor allem mit der ausgesperrten Presse – nicht mehr sonderlich. Ich mag da auch gar nicht zu viele Worte zu verlieren, mit Andreas Retting hat das genau der richtige in der passenden Schärfe und gewohnt starker Rhetorik getan. Aber eines bleibt:

Hey, München Blau? Steig doch einfach ab. Dich braucht keine Sau.  

So, und weil ich den Text nicht so negativ beenden möchte: Es war ein wundervolles Wochenende mit toller Reisebegleitung, man hat lang vermisste Übliche nochmal drücken können und hey, das Bier da unten schmeckt halt doch echt gut. Und nun nochmal kurz in eigener Sache: Die Pöbelcrew hat in einer Nacht und Nebel Aktion einen zweiten Sticker entworfen. Wer davon ein bis x Exemplare haben möchte, darf mich oder @chromeridazT gerne anhauen und ich bringe zum Spiel gegen Union welche mit. Wir freuen uns!

Und damit aber nun wirklich Schluss.

#pblcrwoida

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Alles für den Dackel, alles für den Club! #pblcrw

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Couchgepöbel International Vol.2

Eine Reise nach Südamerika – so ganz ohne Fußball? Das geht doch gar nicht und nicht zuletzt, weil es in Südamerikas Großstädten an jeder Ecke Käfigplätze mit Betonboden und kaum einem unbelebten Eckchen gibt, auf dem kein Fußball gespielt wird oder das Trikot des Nationalmannschaftshelden ein absolut taugliches Kleidungsstück für alle – und damit meine ich auch alle! – Anlässe ist. Eine Reise auf dieses Fleckchen Erde ohne dem Fußball zu begegnen ist nicht zuletzt für Fußballmenschen schlicht nicht möglich. Und so wundert es nicht gerade, dass es mich, trotz aller Befürchtungen, bei meinem zweiten Besuch auf dem südlichen Teil des Kontinents mal wieder in ein Stadion verschlagen hat. Es geht einfach nicht ohne.
Mich verschlug es zu einem Zeitpunkt nach Kolumbien, in dem das normale Ligageschehen schon längst durch war: Hier geht es nämlich nach einem klassischen Ligasystem und schließlich über Playoffs zum Titel des Landesmeisters, und zu meiner Ankunft in Bogotá fand sich dort kein Spiel mehr, das zum Aufenthalt in der Stadt passte und tatsächlich zu besuchen wäre. Nahezu enttäuscht schrieb ich das Ganze weitgehend ab – bis zu unserem letzten Stop in Medellín. Dort hing auf einmal die zweite Austragung einer Begegnung in der Luft, das statt einer Verlängerung oder Elfmeterschießen angesetzt wird, wenn eines der Playoffspiele unentschieden bleibt.
Ich musste glücklicherweise nicht allzu viel Überzeugungsarbeit bei der Truppe leisten, spielte meine primäre Reisebegleitung doch selbst lange (und auch in Kolumbien noch) Fußball und der Kanadier im Bunde war ein dermaßenes Sport-As, dass es auch dort nicht vieler Worte der Überredung bedurfte, bis wir uns – samt dem Rest des Hostels, jedenfalls gefühlt (btw, Schleichwerbung: The Black Sheep @ Medellín ist beste! Happy Buddha geht sonst auch) – die Karten besorgten.
Das Spiel an sich war nun, wie gesagt, die zweite Austragung der Begegnung von Atletico Nacional aus Medellín und Independiente Santa Fé aus Bogotá – das Halbfinale um den Pott der Landesmeister. Bei diesem Spiel musste es eine Entscheidung geben und … naja, ich greife nur ein wenig vorweg, wenn ich sage, dass die recht deutlich ausfiel.

Die Vorfreude war bei mir immens. Mein letztes Spiel in Südamerika wird mir vermutlich auf ewig in Erinnerung bleiben und diese Atmosphäre, die man doch hatte zu spüren bekommen, hoffte ich nun, in anderem Maße – zugegeben, auch in Kolumbien noch einmal erleben zu dürfen. Unser Fußballtag begann mit einem ausgiebigen Frühstück auf der Hand und einem kurzen Abstecher in Medellíns Zentrum, um uns die Stadt mal noch näher anzusehen. Überall kamen uns noch mehr Trikots als sonst entgegen und das ist hier echt nochmal ein ganz anderes Ausmaß. Jeder zweite trug ein Trikot, von denen vermutlich nicht mal ein Viertel eines der Originalen ist – aber das ist halt auch völlig egal, denn die regulären Trikotpreise liegen hier auch nicht humaner als Zuhause in Deutschland.

Es lag irgendwie etwas in der Luft, aber so richtig wie vor einem entscheidenden Spiel wirkte es nicht. Auch in unserer Gruppe, die sich später im Hostel zum gemeinsamen Biertrinken einfand – manche Dinge sind halt überall gleich – herrschte noch blanke Unwissenheit über den Grad der Kuriosität dieses Spiels, das wir später am Tag noch erleben würden. Es fand sich eine angenehme Gruppe zusammen, die aus allen Teilen der Welt aus den unterschiedlichsten Gründen in Medellín in einem der beiden oben genannten Hostels abgestiegen war, und überall entbrannten schnell Diskussionen über den Fußball in eben den verschiedenen Teilen der Welt. Andere Bekloppte waren schnell gefunden und man tauschte sich aus – über Ticketpreise, Dauerkarten, Auswärtsspiele mit und ohne Gästefans, den ganz normalen Wahnsinn eben.

Irgendwo in diesem Wahnsinn, machte sich die Truppe auf den Weg Richtung Stadion und wer nun bis hier her gelesen hat, um zu erfahren, wie ich mich auch in Kolumbien mit den Bussen verfranzte und ein „How to not take the bus 101 Part 2“ erwartete, den musste ich leider enttäuschen, die komplette Chaoscrew füllte nämlich einen Kleinbus und einen normalen und kutschierte uns quer durch die Stadt bis in die Nähe des Estadio Atanasio Girardot.

Etwa zwei Blocks vom Stadion entfernt schmiss man uns aus den Bussen und parkte uns direkt vor einem Kiosk, der den Spieltagsalltag definitiv gewohnt war und nicht nur dank uns mit dem Nachräumen der kalten Getränke bei sommerlichen gut 25° kaum hinterher kam. Die Diskussionen setzten sich hier fort, man sang die verschiedensten Lieder von Clubs, die ich nicht mal vom Namen her kannte und irgendwie waren die Gringos los. Aber es war toll. Es war einfach toll, keine Ahnung zu haben und sich in einer Gruppe von genauso ahnungslosen aber doch irgendwie gleichgesinnten zu amüsieren. Es hatte was, abseits vom Geschehen des eigenen, des Herzensvereins, einem Verein beizuwohnen, dem ein wichtiges Spiel bevor stand, und zu wissen, dass unsere Welt nicht unter gehen würde, ginge es schief. Dem Himmel sei Dank, dass es so wahr.

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„GRINGOS – ASSEMBLE!“ Wir nahmen unsere Unwissenheit durchaus mit Humor, ließen uns aber definitiv auf den Spieltagswahnsinn ein. Hier ein mini Ausschnitt der Gruppe nach dem Eindecken mit den Jerseys. 

 

Ein paar Drinks später, deckte man uns kollektiv mit Trikots ein. Wer mich kennt, weiß, dass ich definitiv nicht zu den Leuten gehöre, die keine besitzen oder niemalsnicht eins gekauft haben, aber ich kaufte in den letzten Jahren eigentlich keine mehr – nicht mal vom eigenen Verein. Hier konnte man sich nicht mal wehren: Es waren besagte „so gut wie original, aber irgendwie cooler“-Trikots für 5 Euro das Stück und das war uns der Spaß definitiv wert. So ging es für uns dann immerhin in gleichem Look – denn selbst unsere Trikots unterschieden sich zum Teil gewaltig – Richtung Kartenausgabe und erlebten noch eine Überraschung:

„Anyone’s still wearing a belt? You need to get rid of those or they won’t let you in.“

Okay. Also den Gürtel musste ich bisher auch noch bei keinem Spiel abgeben, aber generell stellten sich nach und nach die Sicherheitsvorkehrungen als deutlich krasser denn daheim heraus. Neben den Gürteln mussten auch sämtliche Taschen, Powerbanks und sogar Feuerzeuge und Zigaretten (nicht nur die Feuerzeuge) direkt im Bus deponiert werden, weil man sie uns wohl sonst abnehmen würde. Okay. Es herrschte ein wenig Verwirrung, aber wir leisteten Folge, auch wenn die ein oder andere Hand später stets an der Hüfte ruhte, um den Hosen wenigstens etwas Halt zu geben. Der etwas andere Wahnsinn.

Als wir uns schließlich allem potentiell gefährlichen entledigt hatten, gab es für uns die Karten, die mit weniger als zehn Euro durchaus erschwinglich für ein Halbfinale der Landesmeisterschaft war – um damit die Untertreibung des Jahrhunderts für mich zu beanspruchen. Unsere Plätze waren genau auf der gegenüberliegenden Seite von der Kurve der Nacional Supporter, aber von Gästen war während des gesamten Abends nichts zu sehen. Bisher hab ich es allerdings nicht herausgefunden, ob das vor Jahren mal angesetzte Trikotverbot für Gästefans noch gilt oder man diese mittlerweile komplett aus den Stadien verbannt hat. Auf der anderen Seite stellte sich wohl auch die Frage, wer die Distanz von Bogotá nach Medellín auf sich nahm, sind es doch 400 Kilometer, die sich definitiv nicht so komfortabel auf dem Boden reisen, wie es bei uns der Fall wäre.

Der Weg zum Stadion war theoretisch ein kurzer, praktisch kamen wir in  – meine Erinnerung mag mich jetzt hier um eine mehr oder weniger trügen – mindestens vier Kontrollen. Und zwar nicht so, wie es hier schon mal üblich ist: Einmal grob die Karte, dann die Karte genauer, schließlich die Einlasskontrolle und dann der Kartenscanner – weit gefehlt. Allein die ersten drei Kontrollen waren Ganzkörperkontrollen – jedenfalls wenn man männlich war. Wir Frauen durften einfach weiter laufen, weil dort eben keine Polizistinnen standen, sondern nahezu ausschließlich männliche Polizisten. Ja, richtig gelesen: Die Stadionkontrollen erfolgen alle ausnahmslos durch die Polizei. Hierzu, und dem Gefühl, das die Uniformierten in einem solch gespaltenen Land wie Kolumbien hervorrufen an anderer Stelle, vorzugweise persönlich, gerne mehr, hier ist allerdings nicht der Platz dafür. Ungewöhnlich war es zumindest für mich und ehrlich gesagt erstaunte es mich, dass wir doch alle vollzählig in einen der inneren Bereiche des Stadions vordringen konnten, hatte es doch ein sprachliches Missverständnis mit einem aus der Gruppe gegeben, der sich wenige Sekunden später schon mit verdrehten Armen und der Wange auf dem Teer wieder fand. Das konnte zum Glück ausgeräumt werden und so standen uns nur noch die restlichen hundertundzwei Kontrollen bevor.

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Irgendwann hatten wir allerdings auch die letzte hinter uns gebracht und es ging endlich – endlich!- in die Kurve. Was man von außen noch gar nicht hatte erkennen können, war die kessel- oder eher schüsselartige Form des Stadions, das nicht von wirklich hohen, aber doch recht steilen Tribünen geprägt ist und gewohnt komplett unüberdacht dem ewigen Frühlingswetter in Medellín trotzt. Dass das der Stimmung überhaupt keinen Abbruch tut, könnt ihr euch später noch in einem Video ansehen, das ich behelfshalber auf Twitter hoch lud. Eine markante Eigenheit begeisterte mich gleich von dem recht alten, aber zu einer Jugendweltmeisterschaft sanierten Stadion: Flutlichtmasten. #flutlichtmastenultras

Im Block gab es zwar Sitzschalen, doch da gerade unser Ende des Stadions nicht so wirklich toll gefüllt war (bei uns gabs die Vermutung, dass die Ecke für Touristen gerne genutzt würde, weil wir alle irgendwie recht … verloren auf diesen Rängen aussahen) stand man eigentlich mehr, als dass man saß. Die Atmosphäre vor dem Anpfiff war eine amüsante Mischung aus der hitzigen Stimmung in südamerikanischen Stadien und der amerikanischen „You need to eat every second you’re here“-Weise des Sportkonsums. Dauernd kam ein Verkäufer vorbei, der dir wohl zur Not auch noch ein Schnittchen mit Caviar oder ein Wiener Schnitzel hätte besorgen können, denn das Angebot variierte von Runde zu Runde von HotDogs (die ekligsten, die ich je aß), über Popcorn (das Grundsatzdiskussionen auslöste – salty, sweet) bis hin zum gewohnten Trinkwasser in Plastiktüten. Man schlug sich den Bauch voll, quatschte weiter ausgelassen und sog etwas von der Stimmung auf, die immer noch nicht so richtig greifbar war. Alle waren da und sie waren auch laut – aber die Anspannung, die man von einem entscheidenden Halbfinalspiel erwartet hätte, ging einem völlig ab. War einfach nicht da.

Es brandete kurz etwas auf – eine Art Welle schob sich grollend durch das Stadion, als die Mannschaften das Feld betraten, um dem Anpfiff entgegen zu treten, doch selbst da fühlte es sich eher als unbändiger Stolz auf die Mannschaft an, denn als „Hoffentlich kommen wir ins Finale“. Der amtierende Copa-Sieger Nacional ließ seine Lieder ertönen, die mir jetzt noch eine Gänsehaut auf die Arme treibt und zack, war ich im Fußballfieber.

Rundherum sah man im Stadion Banner, die definitiv nicht in spanisch bedruckt waren: Komische Schriftzeichen, für uns nicht zu entziffern, die verdächtig nach japanischen aussahen. Wo war denn bitte der Zusammenhang? Für Fans der erfolgsumwobenen Vereine dürfte sich langsam ein Bild abzeichnen, warum ich dieses Spiel als so kurios empfanden habe, doch wer nur ein schnödes Zweitligamädchen ist wie ich, den dürfte auch das noch ahnungslos lassen. 20161211_185800

Das Spiel begann furios. Gleich in Minute sechs segelt der Ball denkbar dämlich ins Tor – natürlich der Grün-Weißen und nicht der Gäste aus Bogotá. Das war nahezu Slapstick und hätte genauso gut in jeder Kreisliga passieren können, nur hätte man da eine Kiste spendiert oder die Weihnachtsfeier ausgetragen, aber hier? Nein, quatsch, im Halbfinale machte man das gleich nochmal und lag nun schon mit zwei Toren hinten. Wie konnte man denn nur so nachlässig verteidigen? Nacional war chancenlos gegen die Klassen besseren von Independiente.

Und schließlich dämmerte es auch uns Kamelen: Die Mannschaft, die dort in den Farben der Trikots, die wir trugen, auf dem Spielfeld eine solch desaströse Vorstellung ablieferte, war nicht mal die erste Mannschaft, geschweige denn die Zweitbesetzung: Der komplette, gewohnte Kader war in Japan – zur Klubweltmeisterschaft. Atlético Nacional war der amtierende Sieger der Copa Libertadores und demnach qualifiziert zur Teilnahme gegen all die anderen Top-Teams der Welt und während wir uns noch darüber austauschten, ob uns die Liga und damit der mögliche erneute Gewinn der Landesmeisterschaft oder eben die Teilnahme an der Klub-WM wichtiger wären, bereitete sich der Kader der „normalen“ 1. Mannschaft auf die weiteren Spiele in Japan vor.

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Als auch wir es dann begriffen hatten, erklärte sich die komplett entspannte Atmosphäre: Hier waren  25.333 Fußballfans zusammen gekommen, um sich ein Spiel anzusehen, das von der Bedeutung her kaum mehr als ein Freundschaftsspiel wog. Jugendspieler liefen auf, um gegen eine gestandene Erstligamannschaft anzutreten – und sich leider völlig demontieren zu lassen. Aber bei aller Liebe: Die Stimmung war selbst bei diesem desolaten Spiel, das in Zahl mit einem null zu vier aus Sicht Nacionals noch sehr schmeichelhaft ausging, besser als in so manchem Stadion in der Bundesliga, wenn die eigene Mannschaft gegen einen verhassten Gegner führt. Beeindruckend. Der Support, der Rückhalt, die Begeisterung für ein Spiel, das jeglicher Bedeutung entbehrte, weil man sich dafür entschieden hatte, in einem Turnier mit Real Madrid anzutreten und dafür die Landesmeisterschaft nahezu hinwarf. Es hätte einem wahren Fußballwunder entsprochen, wäre dieses Spiel irgendwie anders ausgegangen, als mit vier Toren gegen das Heimteam.

Und trotzdem diese Fröhlichkeit. Dieser Stolz, das eigene Team so fern der Heimat auftreten zu sehen – das war greifbar. Ihr hättet die Anzahl der Banner sehen sollen: Das ganze Stadion war eine Nachricht auf japanisch. Diese Menschen standen voll und ganz hinter der Teilnahme an der Klub-WM. Und man mag ja über sie witzeln, wie es einem beliebt, aber diese Begeisterung wird mir so schnell nicht aus dem Kopf gehen.

Hey, Atlético Nacional, euch seh ich bestimmt nochmal. Vielleicht ja bei der Copa?

Es war ein schöner Ausflug, ein neues Stadion, ein neuer Länderpunkt und eine völlig neue Erfahrung für mich. Die Stimmung, das deutlich rhythmischere der Gesänge, die gleichzeitig auch viel melodischer und weniger … monoton sind als in den heimischen Stadien macht mich noch immer neidisch – aber eben auch jede Menge Lust, noch mehr Stadien zu besuchen, dort auf diesem wunderschönen Fleckchen Erde. Wir feierten jedenfalls das Ausscheiden eines Clubs noch bis in die Morgenstunden in irgendeinem Garagenclub in Downtown Medellín zu Salsa, Reggaeton und Tequila. Es geht kaum besser.

 

 

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Wir sind nicht die Hertha.

Der FCSP spielt in Bielefeld und die Arminia gehört zu den Vereinen, die ich nun mal gar nicht mag. Das ist fast gleiches Level mit Sechzig und dementsprechend fällt der Text heute aus. Wer auf der Suche nach Kuschelrock ist, suche bitte auf einem anderen Blog weiter, hier folgt ein Rant über Geschehen auf dem Feld, vor dem Feld und neben dem Feld. 

Bielefeld. Es ging mal wieder nach Ostwestfalen und da Fußballfans ja nun doch manchmal lernfähig sein sollen, entschloss ich mich, gerade im Hinblick auf die Fahrten nach München und Hamburg, dann doch für die kostengünstigere Anreise mit dem Zug, statt mit dem Auto, auch wenn die ungefähr drei Stunden länger dauerte, aber immerhin den Weg vom Bahnhof zum Stadion erleichterte – denn man musste ja nicht noch von der Uni aus laufen. Dass dieses Vorhaben auch die Zugabfahrt um kurz nach sieben und vier Stunden Herumgurken durch die weniger schönen Teile Nordrhein Westfalens beinhaltete, hatte ich bei der Planung konsequent verdrängt. Aber nun gut, fuhren wir halt Zug. [Poetischer wirds heute nicht mehr, Freunde.]

Mit dem richtigen Proviant war das dann auch recht gut auszuhalten und hätte ich nicht beinahe meinen Umstieg in Hamm verpasst, wäre das auch alles durchaus entspannt gewesen. So hechtete ich hinter dem anderen Totenkopf-tragenden Mob her und schloss schließlich zur zweiten Hälfte der Pöbelcrew auf.

Gemeinsam ging es auf die letzte Zugstrecke bis nach Bielefeld und im Zug traf man dann auch schon die Gegnerfans des heutigen Tages: Freche Halbstarke, deren Playlist zwar Potential hat, die aber wirklich noch ausbaufähig ist. Leute! da fehlt Blümchen. Und Scooter. Und CL5… is‘ ja gut, zurück zum Fußball.

Mit der Ankunft am Bielefelder Bahnhof, entschloss sich das Wetter dann auch dazu, sich den Gästen anzupassen und packte herrlichstes Hamburger Wetter aus, sodass wir noch eine Weile am Hinterausgang unter dem Dach verweilten, aus Versehen an einer Gruppenbesprechung der Hundertschaften teilnahmen und unsere Bedenken, dass der eine Polizist, der in der Zweierreihe alleine gehen musste, vielleicht verloren gehen könnte, unerhört blieben. Frechheit! Schließlich lichtete sich der dichte Regen etwas und auch wir traten den Fußweg zum Stadion an – gewissenhaft alle Dresdener Sticker überklebend, versteht sich.

Am Stadion dann noch sehr liebe Menschen getroffen, Tickets für München eingesackt (Brace yourselves, die Pöbelcrew kommt!) und auf ein, zwei Kaltgetränke zum Schnack geblieben, bevor es schließlich an die Kontrollen ging. Und hier könnte jetzt ein etwas längerer Rant folgen.

Zum Ersten aber: Weiß jemand, wofür die Kontrollen gefilmt wurden? Ich wüsste gerne, wo man mich dann demnächst in meiner vollen Schönheit bewundern darf.

Jedenfalls wurden die Kontrollen am Einlass gefilmt und waren dementsprechend gründlich. Auch wenn sich die Ordnerin in meinem Fall nahezu entschuldigte, aber das war echt lächerlich. Das was man ihr lassen kann ist jedenfalls, dass sie gründlich war: Schließlich fand sie Sticker in meinem Portemonnaie, von denen nicht mal ich wusste. Gut, stickerlos ging es für mich ins Stadion, aber immerhin brachte der Rest ein paar Sticker mit hinein, sodass die Alm nun doch etwas schöner aussieht als vorher, wo sich die Pöbelcrew nun doch noch dort verewigt hatte.

Ich mag sie einfach nicht. Die Arminia mit ihren Schwarz-Weiß-Blauen Farben, die Fans, die Ordner, die doch eher Bock auf ein Treffen am Feld, als am Spielfeldrand haben, diesen fürchterlichen Gästeblock, der ein architektonischer Trauerfall ist und einfach … Bielefeld. Manchmal hat man ja diese Dinge, die man einfach nicht leiden kann und ich mag und muss mich dafür nicht rechtfertigen, aber es ruft bei mir nicht viel mehr als die Lust „Scheiß Arminia Bielefeld“ zu brüllen hervor. Isso, kann ich nicht ändern und will ich eigentlich auch nicht.

Demnach brüllte ich aus vollster Fußballseele die nicht sonderlich schmeichelhaften Gesänge vor dem Spiel mit und freute mich aber genauso, dass sie mit Anpfiff verstummten, um Platz für den Support der eigenen Mannschaft zu machen. Von dem erwartete ich übrigens anfangs nicht sonderlich viel, weil die 700 Rest-Tickets einfach eine nicht sooo volle Gästehütte versprachen und ich irgendwie kein gutes Gefühl hatte, was den lautstarken Support anging. Zum Glück überraschte mich das Gegenteil, es fetzte doch recht gut und vor allem die Wechselgesänge müssen wohl ganz gut hörbar gewesen sein, wie es mir zugetragen wurde. Ich sah dank der bescheuerten Bauweise und unserem späten Einzug in den Block mal wieder herzlich wenig, aber Fußball sehen kann ich halt auch noch, wenn ich im Rentenalter auf die Haupt umziehe und noch mag ich ihn eher erleben. Und das geht im engen Stehblock, auch wenn man die Hintermänner am liebsten die Nase geboxt hätte.

Hinter mir war man nämlich der Meinung, die Jungs auf dem Feld machten alles falsch. Jedes Mal wenn Cenk den Ball im Angriff abspielte – was übrigens etwas ist, das ich mir die letzten Wochen gewünscht hätte, statt sich fest zu dribbeln – wurde darüber gemotzt. Zog er mit dem Ball mal bis zum Sechzehner – wurde gemotzt. Atmete er vielleicht auch nur etwas außerhalb des Takts – wurde gemotzt.

Ja, das ist vielleicht etwas übertrieben, aber dieses Dauergemotze nervte. Wie Sau. Egal was sie machten, es war falsch. Wie mich sowas ankotzt: Dauermotzen, aber kein Tönchen des Supports – nein, im Gegenteil, dann noch über die Motzen, die supporten. Andauernd kam „So ein scheiß Lied!“, ja dann mach den Mund auf und stimm was anderes an? Dass bei uns Lieder durchaus auch mal von anderen Ecken kommen, als von vorn auf dem Zaun, ist ja nun nicht wirklich selten. Warum motze ich dann nur, statt selbst mal etwas zu verändern?

Mich motivierte das Gemotze jedenfalls noch lauter mitzusingen, nur um den werten Herrn zu ärgern und dass das nicht wirklich erwachsenes Verhalten ist, geht mir gepflegt am Allerwertesten vorbei. Wisst ihr Bescheid.

Was mich allerdings noch ärgerte, war das dauernde Fordern nach ausgedehntem Zeitspiel in der Ecke in der ich stand. Mal ehrlich: NOCH ausgedehnter? Mir ging das ja jetzt schon auf die Nerven, wie viel Zeit da rausgeschlagen wurde und so richtig wunderte mich die Nachspielzeit dann nicht, auch wenn ich fünf Minuten anfangs für eeetwas überdimensioniert hielt. Als mein Lieblings-Motz-Hintermann dann anfing zu brüllen, Heerwi solle sich doch verdammt nochmal mehr Zeit lassen, brüllte ich zurück:

„Wir sind doch nicht die scheiß Hertha, Mann!“

Tjoa. Dachte ich. Und dann gibt es halt fünf Minuten Nachspielzeit, Rumgeeiere im Sechzehner und den Ausgleich in gefühlt der 90+6. Minute. Doch ziemlich Hertha-like.

Da dürften die Gemeinsamkeiten dann aber auch aufhören. Will ich jedenfalls hoffen.

Nunja, ich mag mich nicht weiter an Vereinen abarbeiten, die ich nicht leiden kann. Daher: Was bleibt?

Ein Punkt ist ein Punkt und ein Punkt gegen einen direkten Konkurrenten ist ein guter Punkt. Trotzdem fühlte es sich mehr nach zwei verlorenen als einem gewonnen an. Alle haben 18 Punkte, Platz 15 und abwärts, und die nächsten Spiele sind einfach enorm wichtig gegen den Abstieg. Es war aber keine Vorstellung eines Absteigers und das gibt Hoffnung, auch wenn es jetzt daheim gegen Karlsruhe und auswärts gegen München geht.

Was außerdem bleibt ist ein verdammt gutes Banner von NKSP, hinter dem ich nicht nur im übertragenen, sondern auch im wörtlichen Sinne stehe: „Gegen den deutschen Opfermythos.“ Gerade im Lichte der aktuellen Diskussionen, die von Leuten außerhalb von Fußballstadien über Banner INNERHALB von Stadien geführt wird, und allein deswegen schon völlig unnötig ist, ein richtiges Zeichen. Wenn wir anfangen uns Banner von außen absegnen zu lassen, verlieren sie nicht nur jede Glaubwürdigkeit sondern auch jede Wirkung.

Und eigentlich hab ich gerade auch gar keine Lust mehr, irgendwas dazu zu sagen. Es gibt genügend Leute, die darüber reden, dann muss ich das nicht auch noch tun. Daher: Wir sehen uns in München. Wer sich auf ein Bier treffen mag, haue doch mal kurz eine PM in die Tasten. Ansonsten: Stabil bleiben & Nazis aufs Maul.

Bis dahin. #pblcrw

 

 

 

 

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Ihr auf dem Rasen und wir auf den Rängen!

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Scheiß Braunschweiger – ihr seid uns

weit unterlegen – seid zu schwach

ja, und deswegen …

gewinnen hier – heute nur wir!

Wir fahren nach Braunschweig. Als Tabellenletzter, zum Tabellenersten. Das kann nur eine Katastrophe werden. Also, hinfahren. Klatsche abholen. Heimfahren. Weitermachen. …Oder doch nicht?

Die erste Fahrt nach sehr, sehr, sehr langer Abstinenz war sehnlichst erwartet – mit der Ausnahme von neunzig Minuten Fußball eben. Nachdem ich im Dezember dank meiner kleinen Tour durch Kolumbien die beiden Auswärtsspiele in Fürth und Heidenheim verpasste, begann für mich die Rückrunde nun auch erst mit Braunschweig. Es war nicht mein erstes Intermezzo mit den blau-gelben Löwen und das letzte blieb auch nicht wirklich in sonderlich guter Erinnerung, mit einem Sprint in Sicherheit, weil man sich offensichtlich von meinen massiven Oberarmen, meinen KungFu-Künsten oder sonst irgendwas vollkommen fiktionalem provoziert fühlte. Nun ja, alte Geschichten.

Es sollte allerdings auch nicht nur die erste Fahrt im neuen Jahr sein, sondern eben auch die erste Fahrt seit Oktober, die die Pöbelcrew in kompletter Besetzung und nun sogar mit so vielen Stickern, dass wir Braunschweig hätten tapezieren können, gemeinsam antrat. Und damit es noch besonderer würde, hatten wir noch jemanden im Gepäck, der noch nie zuvor bei einem Fußballspiel im Stadion war. Konnte doch nur gut werden, oder?

Die Mitfahrerin wurde sogleich mit unserer Auswärtsalleswieimmerasozialplaylist konfrontiert und da scheint bleibender Eindruck hinterlassen worden zu sein – ob positiv oder negativ, das lass ich nun mal bewusst ganz  offen. Auf einer Raste noch Überbleibsel von Magdeburg überklebt, weil das kann man ja nicht so lassen und dann ging es auch schon auf das letzte Wegstück Richtung Braunschweig.

Da mir die ätzende Parkplatzsituation noch aus der letzten Saison gut in Erinnerung geblieben war, nahmen wir dankbar die Chance an, bei den Braunschweiger Bekannten der Mitfahrerin parken zu dürfen und wurden dort sogar noch mit einem leckeren Frühstück empfangen. Gibt also doch gute Braunschweiger! Oder aber sie wollten uns nur besänftigen und die Pöbelgrundlage klauen oder so…

Aber weit gefehlt. Wir machten uns schließlich auf die letzten Meter zu Fuß auf und taten das dann doch lieber, ohne den Seidenschal blitzen zu lassen … man weiß ja nie. Und vor allem in meiner Lieblingsstraße, nun ja.

Jedenfalls kamen wir soweit unbehelligt am Stadion an und dann mit dem leichten Wahnsinn im Kopf, dem ausgedruckten Wahnsinn in den Jackentaschen und voller Belegschaft hinein ins Stadion. Die Lieblingstruppe aus Hamburg war auch schnell gefunden, viele einzelne von den üblichen Verdächtigen dieses Mal aber leider nicht. Nächstes Mal! Joa, und dann konnte ja alles losgehen. Musst es wirklich? Es war doch grad alles so schön friedlich, da muss uns doch Fußball nicht schon wieder alles verderben…

Nun ja, der Anpfiff kam und wir hatten mit den vier Mann am Zaun auch definitiv schon mal die Aussicht auf zumindest flächendeckenden Support, wenn denn auch alle mitmachten, die einen Blick auf einen der Vier erhaschen konnten. Vor dem Block standen die Ordner, stilecht mit Sankt Pauli Mützen ausgestattet, was uns ein leichtes Schmunzeln entlockte, und zum Teil, wie im USP Video zusehen, auch definitiv mehr braun-weiß im Herzen als blau-gelb.

Als ich da dann so im Block stand, vor mich hin sang und grinste, obwohl ich gar nicht wusste warum, fiel mir auf, dass mir das doch ganz schön gefehlt hat. Ich hab mir zwar in Kolumbien noch ein Spiel des Landespokalviertelfinales ansehen können, aber das ist ja doch irgendwie etwas ganz anderes. Viel lieber steh ich mit meinen Leuten in meinem Gästeblock (Ja, der ist mir, da macht ihr nichts.) und supporte meine Mannschaft. Auch wenn ich die ganze Zeit im Hinterkopf diesen nagenden Gedanken hatte, dass alles nur so lange gut ginge, bis die komischen Löwen, die ich scheinbar generell unsympathisch finde, wenn ich da mal an die Sechziger aus München denke, mit dummem Dusel ein Tor gegen unsere sonst gut stehende Abwehr erzielen würden.

Irgendwie sahen das unsere Boys in Brown aber etwas anders: So wie ich das sah, spielten sie mutig und forsch voran, schlugen die Bälle nicht immer kopflos aus dem Sechzehner, auch wenn die Wünsche danach zumindest mit einem Dudziak am Ball durchaus nochmal lauter wurden, aber irgendwie war das wenn schon kein anderes Team, was das spielte, dann zumindest eine komplett andere Spielweise. Die Jungs packten da Pässe aus, die ich mich an Braunschweiger Stelle nicht getraut hätte und wir waren verdammt nochmal letzter. Oder sind es. Aber darum geht es ja, diese ständige Angst endlich aus dem Kopf  zu bekommen und mutig aufzuspielen. Genau das taten die Boys in Brown.

Klar, das war noch keine Vorstellung eines Aufstiegsapiranten, das wäre dann doch ein wenig  sehr verwunderlich gewesen, aber bis auf Dudziaks Zitterbälle lief zumindest auf der rechten Seite viel richtig, während Park uns auf der linken Seite völlig umzimmerte. Was spielte der ein geiles Stück, eh! Die Braunschweiger waren im Gesamten nicht so wirklich so stark, wie man zuvor erwartet hätte, standen sie doch ganz oben in der Tabelle und danach sah ihr Spiel nicht so wirklich aus.

Was hatten wir also? Ein Spiel mit erstaunlicher Rafinesse und Support mit Schmackes. Kann man wirklich nicht anders sagen, denn ich hatte zum ersten Mal seit längerer Zeit an unserem Support nichts zu mäkeln. Im Gegenteil: Ich hatte Spaß an der Abwechslung, die doch drin war und altbewährtes ging halt auch altbewährt schief. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Aufstieg wartet, wenn wir das erste Mal geschlossen als kompletter Gästeblock das Aux Armes ohne Echo auf die Reihe bekommen.

In der Halbzeit fiel in der Bezugsgruppe der Satz „Das  ist das gemeinste, was sie uns antun konnten. Jetzt machen sie uns auch noch Hoffnung.“ und besser konnte man es eigentlich nicht treffen. Dieses kleine Fünkchen Hoffnung hielt ich ordentlich in Schach und ließ es gar nicht erst größer werden, denn spätestens in der 86. Minute würden die Braunschweiger eh mindestens zum 1:1 treffen. Ganz sicher. Anders lief das diese Saison doch einfach gar nicht.

Als dann das zweite Tor fiel, wusste ich gar nicht mehr weiter. So grausam konnten sie doch gar nicht sein uns in einer fast sicheren (jedenfalls für jedes andere Team) Führung in Sicherheit zu wiegen und dann doch noch abzuschießen. Oder doch? Ich traute mich gar nicht, darüber nachzudenken, wie es wäre nochmal einen Sieg einzufahren, vor lauter Angst es damit kaputt zu machen. Und so zitterten wir uns durch Halbzeit Zwei.

Nennenswert ist noch das absolut unmögliche Verhalten der Braunschweiger Fans, als Moeller Daehli verletzt vom Platz getragen wurde. Ja, ich fand es auch nervig wie sich unsere Spieler zum Teil am Boden gewälzt haben, und das sage ich über die eigene Mannschaft, aber trotzdem muss man einen offensichtlich nicht ganz bei Bewusstsein stehenden Spieler nicht auspfeifen, wenn der vom Platz getragen wird. Eklig.

Wer mir sowohl sehr positiv, als auch negativ auffiel war Cenk Sahin. Der spielt auf der einen Seite solch genialen Fußball und auf der anderen dribbelt er sich immer wieder fest, wenn der Pass auf einen Spieler die clevere Variante gewesen wäre und lässt sich dann auch noch fallen. Bei aller Liebe: Wenn einer zehn mal fällt und neunmal faked … naja, dass der Schiri den beim 10. Mal dann nicht pfeift, wundert nicht so wirklich. Dennoch ist Cenk momentan eigentlich mit  Abstand einer unserer stärksten Spieler.

Aufgrund der langen Spielunterbrechung als Moeller Daehli verletzt war, fiel die Nachspielzeit auch extrem lang aus. Ein weiterer Grund für die sieben zusätzlichen Minuten dürfte auch das generell sehr ruppige Spiel der Braunschweiger gewesen sein, denn es war alles andere als ein flüssiges Spiel. Also hieß es nach der kritischen 89. Minute noch ganze acht Minuten weiter zittern. So sehr zittern.

„Im nächsten Leben such ich mir einen Verein, der zwei zu null führt und dann auch sicher zwei zu null gewinnt.“

Als dann aus unserem Block „Auswärtssieg!“ skandiert wurde, kam ich nicht umhin zu denken, dass wir es jetzt wirklich noch verkacken werden. Mehr jinxen kann man doch eigentlich gar nicht. Erst nach dem Spiel erfuhren wir, dass die Braunschweiger auf unser „Auswärtssieg!“ wohl immer „Absteiger!“ antworteten, aber das sehen sowohl wir als auch unsere Spieler aktuell ja einfach anders. Gekonnt überhört würde ich sagen.

Tjoa. Und dann fiel es doch noch. Das obligatorische Gegentor. Es war so klar, dass es gar nicht wirklich überraschte, aber dann hieß es noch mehr Zittern, als im Strafraum noch unendlich lange Herumgestochert wurde … bis endlich der Schlusspfiff fiel.

Purer Jubel. Vollkommene Verwirrung. Absolute Ungläubigkeit. So richtig fassen konnte das keiner von uns, dass wir hier wirklich gewonnen hatten. Aber die Fassungslosigkeit packten wir einfach mit in den eingangs zitierten Gesang. Und es ist schon verdammt geil, das als letzter beim ersten Singen zu können. Manchmal braucht man sie einfach, die Balls zu sowas.

Was gibt es noch zu sagen? Irgendwann in der zweiten Hälfte wurde ein Braunschweiger Fan aus dem Heimblock neben unserem Gästeblock von drei Ordnern entfernt, während er sich heftig wehrte. Dem Herrn sind wir natüürlich nachher noch bei dem Treffen mit den Braunschweiger Gastgebern über den Weg gelaufen, wie sollte es auch anders sein.  Als wir das Stadion verließen, brannte auch noch irgendwas lichterloh im Heimblock. Was auch immer das gewesen sein mag, es brannte auf jeden Fall, als fast alle das Stadion schon verlassen hatten. Der Sinn erschließt sich mir so oder so nicht.

Vor dem Heimweg trafen wir unsere Gastgeber noch auf ein Kaltgetränk und frotzelten ein wenig gegenseitig – mit drei  Punkten im Gepäck klappt das jedenfalls viel besser. Was so noch viel unangenehmer war, war schließlich der Rückweg vorbei an der berüchtigten Tanke und den ganzen Kneipen, aus denen man nun hauptsächlich ein mehrstimmiges „Scheiß Zecken (ey/orr/boah/x)!“ vernehmen konnte. Sehr herzliches Volk dort. Aber auf unsere Gastgeber kann man nun wirklich kein schlechtes Wort verlieren.

Mal ehrlich: So mit drei Punkten in der Botze machte es sich viel schöner auf den Heimweg und im Prinzip verflog die Fahrt damit, dass wir den FC Sankt Pauli, seine Fans, die Northface Jacken und und und erklärten. Was mir dabei wirklich auffiel? Wie sehr ich (oder wir?) von unserer kleinen Wohlfühloase der zweiten Liga schwärmen. Und das ändert auch kein Tabellenplatz.

Hach. So ein Auswärtssieg ist schön. Das machen wir nochmal!

Bis dahin heißt es für die halbe Pöbelcrew Dresden umhauen und dann in gewohnter Stärke Bielefeld verkloppen. Auf geht’s. Wir sehen uns.

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Wir sind punktlos unglücklich.

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Mein lieber FCSP,

Du weißt, ich mag dich. Sogar ziemlich gern. Ich mag dich von den Rasenspitzen bis hin zum Gros deines manchmal größenwahnsinnigen Wesens. Ich liebe deine guten Tage und ich leide mit dir, an denen, die eher geprägt von Hamburger Wetter denn von lauem Sonnenschein sind. Eigentlich sind wir ein ziemlich gutes Team. Wir, die hunderte, die dir blind und doch kritischen Auges in alle Ecken der Republik folgen, und du, der uns immer wieder aufzeigt, warum wir das machen. Aber irgendwas ist anders.

Wir sind immer noch kritisch und folgen weiterhin bedenkenlos … doch, warum eigentlich? Warum machen wir den ganzen Scheiß? Sind die tausenden Kilometer es am Ende des Tages, des Spieltages, der Saison wert? Eigentlich müsste ich jetzt ein lautes „Ja!“ brüllen, doch es ist eher ein verhalten genuscheltes „Meistens.“. Und dann auch geprägt von Nachsätzen: die Menschen machens! Der Support hilft! Wir wollen doch nicht sein, wie andere Vereine! Irgendwann muss der Moment der Umkehr doch kommen!

Wir kennen sie alle. Die Rechtfertigungen, mit denen im Gepäck wir uns dann doch wieder auf den Weg zum Bahnhof und damit erneute hundert Kilometer durch Deutschland machen. Und da hab ich es ja noch ziemlich gut, mit dem Basislager in der Mitte der Republik. Dennoch macht es müde. Es macht müde und sprang ich letzte Saison noch mit einem „Away day, biatch!“ aus dem Bett, klingelte der Wecker am Spieltag, so ist es diese ein träges „Ist schon wieder soweit…?“

Ist es schon wieder soweit, auf die Fresse zu kriegen? In der Offensive keine Schlagkraft zu entwickeln? Bei der Defensive zittern zu müssen? Selbst gegen die kleinen Vereine kolossal nichts zu holen? Gemeinsam ratlos, einsam wütend im Block zu stehen? Sich gegenseitig anzugehen? Sich in den Support flüchten zu wollen, doch selbst der hat als Ratte das Schiff mit Schlagseite schon verlassen?

Das sind momentan eher die Fragen, die mir an einem Spieltagsmorgen durch den Kopf gehen. Ich bin für mich froh, etwas Distanz gewonnen zu haben. Das heißt nicht, dass ich dich auch nur mit einer Faser weniger liebe, aber ich hänge mein Herz mitsamt einem bisschen Vernunft an dich. Man reift ja auch ein wenig und so ist ein Wochenende immer noch trüber, ohne Punktgewinn als mit, aber es ist nicht mehr komplett ins Klo gefallen. Sonst hätte ich die letzten Monate wenige schöne Wochenenden gehabt.

Natürlich bin ich auch selbst schuld. Ich habe ein Herz für die Vereine, die mehr einstecken müssen als groß auf Macker machen können. Das ist nun mal so. Es geht ja oft darum, wie viel man einstecken und trotzdem weiter machen kann, statt nur danach zu fragen, wie viel man austeilen kann. Die rosaroten Romanzen sind einfach nicht meins, dann hätte ich mir in allen Sportarten andere Vereine „aussuchen“ müssen. Aber wir wissen ja beide, dass man sich das nicht aussucht. Irgendwann stolpert man über einen Verein und gerät in einen Strudel, der einen so tief hinein in die Arme der Fanszene und des Vereinsumfelds hinein zieht, dass man dort gar nicht mehr hinaus möchte.

Aber selbst die sonst so wärmenden Arme der Fanszene sind in diesen Zeiten unbequem. Es gibt viele Reibereien, die eigentlich total doof sind und nur daher rühren, wie man ein Spiel lieber erlebt. Oder noch kleinere Dinge. Aber wenn alles scheiße läuft, dann reicht eben auch so etwas, um gegeneinander zu gehen. Um die kürzere Zündschnur in die Nähe der Flamme zu halten.

Dabei macht es doch alles nur müde. Man möchte doch nur nochmal einschlafen und nicht die rote Laterne irgendwo bedrohlich im Hinterkopf schwingen haben. Ich weiß für meinen Teil genau, warum ich jedes einzelne Spiel letzte Saison von der ersten bis zur letzten Minute genossen habe, weil ich hoffte nun noch davon zehren zu können … doch seien wir ehrlich, mit den Niederlagen in Dresden, in Berlin, in Sandhausen sind die ziemlich schnell verpufft.

Ich war auch in Würzburg müde. Eigentlich hatte ich keine Lust. Die Vorfreude hatte sich auf die Fahrt beschränkt und als selbst die wegfiel, blieb nur der Fußball (und natürlich die lieben Menschen vor Ort, aber euch geht es vermutlich aktuell nicht anders). Und dass der Fußball momentan alles kann, aber nicht wieder gut machen, das wissen wir auch alle. So ist es ein klassisches Nullnullspiel, in einem übrigens sehr charmanten, aber bitterkalten, Stadion, das nachher natürlich nicht Null zu Null sondern Null zu Eins aus unserer Sicht ausgeht.

Der Support war purer Frust. Es scheinen alle müde. Träge. Trotzig. Geschafft. Da helfen auch die größten Bemühungen am Zaun nicht. Selbst ich, die die Stimmbänder in Fetzen bevorzugt, schwieg die letzten Minuten. Wozu auch? Was sollte es helfen?

Das war mein letztes Spiel für dieses Jahr. Ich stehe auch in 2017 natürlich wieder im Block und pöbele munter vor mich hin, wenn es nötig ist, aber für 2016 reicht es. Es ist nicht so, dass ich nicht fahren wollte, aber in der aktuellen Situation sind mir, und wer das nicht ab und an mal zugibt, verliert vor mir jegliche Glaubwürdigkeit, andere … größere Fahrten wichtiger.

So ist nun also meine Reisepause auch eine Pause für das Fußballherz. Vielleicht braucht es einfach ein bisschen Ruhe und danach starten wir in der Rückrunde wieder voller Fahrt durch. Ich hoffe es.

Mein lieber FCSP, es liegt nicht an dir, es liegt an mir. Ich bin müde. Aber du trägst eine Teilschuld.

Immer noch und immer wieder braun-weiß. Auch in Kolumbien. Ich drücke euch und verabschiede mich hier in die Winterpause. Zum ersten Spiel 2017 lesen wir uns wieder, wenn ihr mögt. Bis dahin, lasst die Köpfe nicht zu sehr hängen – irgendwie kommen wir da noch raus. Vielleicht schafft ihr das ja ohne mich auch schon.

 

Forza.

Es ist an der Zeit, schreiend im Kreis zu rennen.

Sandhausen! Gleich zweimal in einem Kalenderjahr stand das nun auf dem Plan und nachdem ich im März in höchsten Tönen von dem mir höchstsympathischneutralen Verein geschwärmt habe, hätte die Vorfreude durchaus eine große sein können. Hätte. Wäre da nicht der Fußball, der einem aktuell jegliche Freude an den Fahrten zu nehmen versucht. Gewieftere Freunde des Ballsports suchen sich zum Ausgleich ja schon mal einen Zweitverein, doch dass ich da mit den Sportfreunden auch keinen besseren gefunden habe, führten die Rot-Weißen Essener am Abend zuvor noch gleich fünfmal vor Augen. Mein Fußballwochenende startete also massiv betrübt und es fehlte sowohl an der Hoffnung, dass der magische FC dies am Samstagmittag ändern würde, wie auch ein wenig an der Lust dem ganzen Drama beizuwohnen. Dieses große, bedrohlich wankende „Warum?“ hängt aktuell einfach viel zu tief über den Köpfen.

Warum überhaupt aufstehen… fragte ich mich, als der Wecker mit dem markanten Namen „AWAY DAY, BIAAATCH.“ munter vor sich hin weckerte. Müdigkeit, Trägheit, gar Faulheit lockten, doch einfach im Bett zu bleiben. Immerhin sparte es schon mal Nerven, nach dem Spiel nur einfach die schlechten Nachrichten überbracht zu bekommen. Abstand halt. Aber es ist nun mal wie es ist: Sankt Pauli ist die einzige Möglichkeit und so wurde sich in Schale geworfen, der Kaffeevorrat aufgestockt und die Autobahn in Richtung Süden in Angriff genommen. Sandhausen ist von mir aus nun wirklich eine der sehr kurzen Anfahrten, wenn man alles unter 250 Kilometern als „sehr kurz“ rechnen mag, und das ist definitiv einer der Gründe, warum ich die Fahrt dorthin zumindest im März genossen habe. Das entspannte Flair, das Stadion und der Parkplatz mitten im Nichts und die recht wenig restriktive Einlasspolitik taten ihr Übriges dazu, dass ich gar zu „Das ist ’n echt geiles Stadion da!“-Aussprüchen hingerissen wurde.

Gerade der erste Punkt, „Entspanntes Flair“, ist etwas, das man als Sankt Paulianer definitiv zu schätzen lernt. Nach den letzten Fahrten, unter anderem mit Hannover und Dresden, ist das etwas, auf das sich die konfliktscheue Hälfte der Fußballseele definitiv freut. Und doch kommt es natürlich genauso, dass der Konflikt eben nicht ganz ausbleibt – nur halt gut 120 Kilometer von Sandhausen entfernt.

Die Ansetzungen des aktuellen Spieltags (ist nämlich schon gestern) waren zumindest in einer Hinsicht etwas brenzlig: Während wir Sandhausen ansteuerten, fuhren die schwarzgelben aus dem Osten gen Heidenheim. Nun kann man natürlich in 96% der Fälle davon ausgehen, dass man sich nicht über den Weg läuft, aber es gibt da einfach diese Restwahrscheinlichkeit. Und ich wäre nun mal nicht der chaotische, unbedacht handelnde Mensch, der ich bin, wenn mir nicht genau diese vollkommen frei erdachten 4% Wahrscheinlichkeit viel näher lägen, als die 96. (Komisch!)

Da mein Auto die etwas unangenehme Angewohnheit hat, bei den Winterschuhen erst einmal kläglich zu jammern, ist es für mich (trotz eures Spotts!) unerlässlich, die Radmuttern nochmal nach gut 100 gefahrenen Kilometern nachzuziehen. Da mein Papa gestern so lieb war und mir die Reifen noch gewechselt hat, bevor ich heute losfuhr, lag diese Aufgabe eben noch vor mir und so machte ich auf halber Strecke Halt, um brav Folge zu leisten. Ich suchte mir einen Parkplatz, der nicht ganz so überlaufen war und machte neben einem Auto mit unauffälligem Kennzeichen aus dem Ruhrpott Halt und mich an die Arbeit.

Ich habe mir wahrlich rein gar nichts dabei gedacht und auch keinen Gedanken mehr daran vergeudet, dass die Dresdener Fans ja auch unterwegs waren, sodass mich die Pöbeleien desjenigen, der da nun in der Vierergruppe auf mich zu prollte (<- Das sollte in den Duden aufgenommen werden), vollkommen unvorbereitet trafen. Es folgten die üblichen Beschimpfungen, lautstark, unter der Gürtellinie und hier nicht zu wiederholen. Gekrönt von „Komm doch her!“. Natüürlich. Mit dem Drehmomentschlüssel in der einen Hand schaute ich ihm stirnrunzelnd entgegen. Sicher, dass ich das soll?

Mein „Ist dein Bizeps so groß wie deine Fresse?“ verkniff ich mir galant und somit auch eine kleine Boxeinlage, wie ein Plüschbär sie gern gesehen hätte. So hingegen pöbelten nun die verbliebenen Drei der Gruppe den Vierten an, was mit ihm denn falsch sei, schließlich sei ich offensichtlich alleine unterwegs und hätte ihn ja nicht mal provoziert. Hab ich ja auch nicht. Es sei denn, er fühlt sich durch eine Frau, die durchaus weiß, wie man Räder wechselt und wartet, mit einem Drehmomentschlüssel in der Hand provoziert. Bei Teilen der Dresdener Fanszene weiß man da ja nie, wenn das Arbeitsgerät nicht aus der Küche stammt.

Jedenfalls blieb dieses kurze Intermezzo folgenlos und ich konnte mich weiter meiner Anreise widmen – ohne weitere Störfaktoren auf zwei Beinen.

Ich kam also recht zeitig am Parkplatz an und das sogar, obwohl ich meinen beinahe schon routinierten Umweg fuhr. Schließlich habe ich den Anspruch an mich selbst, ein Stadion, wo ich schon mal war, das nächste Mal ohne Navi zu finden und fuhr exakt auf die gleiche Kreuzung ohne Schild mit Stadionhinweis zu, wie im März. Aber ich bin ja ein Fuchs!

„Das letzte Mal bist du rechts abgebogen und das war falsch, intuitiv wäre also geradeaus richtig.“

War es natürlich nicht. Und natürlich hätte ich nach rechts abbiegen müssen aber da Sandhausen ja glücklicherweise keine Großstadt ist, kam ich so nur knapp fünf Minuten später am Parkplatz an, der noch der gleiche Matsch-Schotter-Hügel-Acker ist, wie eben auch beim letzten Versuch. Ich vertrieb/trödelte mir noch ein wenig die Zeit und machte mich dann langsam Richtung Stadion auf die Thermosocken.

Vor dem Stadion, strategisch (theoretisch) gut platziert, um die ankommende Bezugsgruppe zu erwischen – die nur leider schon im Stadion war, bekam ich dann noch eine herrliche Situation mit. Ein kleiner Junge, vielleicht im Grundschulalter, bekam Aufkleber geschenkt, mit dem Auftrag, sie irgendwo hin zu kleben, wo es Sinn macht. Kurzentschlossen patscht der Kurze sich einen auf die Stirn und sieht sich kapitulierenden Schenkern gegenüber, die schmunzelnseufzend ein „Okay, das macht Sinn.“ hervorbringen.

Einen kurzen Waldspaziergang später, steht man ja nun mal vor den Stadiontoren, die letztes Mal noch komplett ohne Ticketkontrolle darlagen, oder ich bin irgendwie durchgeschlüpft, und dieses Mal nun auch nicht so richtig rund laufen wollte: Mehrmaliges Scannen meines Tickets ließ das arme Gerät immer nur in minioneskes „Bee-doo-dee-doo(…)“ ausbrechen, dass ich schon fürchtete, dieses Mal gar nicht hinein zu dürfen. Es fand sich schließlich ein Gerät, das auch mich hinein ließ und die Kontrollen an sich waren ja, bis auf die bereits bekannten Spürhunde, der klassisch lapidare Standard.

Hinauf auf die Tribüne, einen Teil der digitalen Bezugsgruppe direkt gefunden und los ging das Spieltagsvorgeplänkel. Wir fanden uns nachher in einer schönen Gruppe dort zusammen ein, die sich in der Form wohl auch länger nicht gesehen hat und viel Spaß machte. Die Zeit bis zum Anpfiff vertrieb sich jedenfalls sehr leicht.

Das war auch ein wenig darin bedingt, dass vom Support her eigentlich schon eine halbe Stunde vor Anpfiff eingesetzt wurde und man schon hoffen wagte, eine ordentliche Leistung zumindest auf den Rängen hin zu zaubern. Es hielt zwar keine Vorfreude bei mir Einzug, es war eher nüchterne Gewissheit, dass es auch hier sehr schwer würde, aber immerhin hatte man nun auch etwas zu tun: Supporten.

Unterbrochen wurde das, vor Anpfiff, nur einmal kurz, als bei uns zumindest rege Heiterkeit herrschte, nachdem bekannt wurde, dass Christopher Avevor heute die 17 tragen würde, ohne Namenspatch, weil man die Trikots mit der 6 schlicht und ergreifend nicht mit nach Sandhausen genommen hatte. Mich amüsierte da weniger die Schusseligkeit, als der Fakt, dass man scheinbar immer ein Boll-Trikot im Petto dabei hat. Kurioses gibt es eben auch aufwärts der Regionalliga.

Das Spiel. Nun gut, es fing irgendwann an und damit ist halt eigentlich auch schon alles gesagt. Man könnte nun den gleichen Inhalt einmal hinunter beten, wie schon in x Texten vorher in dieser Saison und es würde sich nicht viel unterscheiden. Alles, was mit mehr als drei Pässen in unseren Reihen zu tun hatte, ging zum Gegner. Jeder Torschuss? Ging zum Gegner. Gerade erkämpfte Bälle, die man schnell nach vorn spielen will, weil man defensiv steht und nur auf Konter lauert? Geht zum Gegner. Es fehlt eigentlich nur noch, dass wir die Tore selbst machen, denn alles andere – Ballgewinn, Vorbereitung – erledigen wir ja bereits für den Gegner.

Dieser Absatz trieft vor Bitterkeit und das ist mir wohl bewusst, aber es bleibt einfach nicht viel anderes. Das Gegentor fiel wenig überraschend und viel mehr hätte es konsterniert, wäre tatsächlich mal ein Spielzug von uns mit einem, im richtigen Netz zappelnden, Ball, beendet worden. Ich glaube, ich hätte nicht mal gewusst, was ich dann machen sollte und am Ende wäre noch ein Moritz-Volz-Ich weiß nicht was ich tun soll, also strecke ich die Zunge hinaus-Torjubel daraus geworden.

So aber war alles wie immer. Und das frustet. Pur. Der Support war bis zum Gegentreffer für die Masse an Leuten und der Kompaktheit des Gästeblocks zwar okay, aber nicht überragend. Man hörte sogar die Sandhäuser zwischendurch mal. Mit dem Treffer war das zerschlagen. Die Lust fehlte, die Luft war deutlich raus, auf den Rängen, wie auf dem Rasen. Ein Tor glücklich schießen, das geht immer. Aber in der aktuellen Lage zwei? Da schüttelt wohl selbst der größte Optimist betrübt den Kopf.

Die Halbzeitpause verbrachte ich mit munterem Schimpfen. Ich mag euch das gar nicht alles hier aufbrummen, aber ich schimpfte und schimpfte. Es nervte einfach alles so unfassbar. Und damit, dass man das noch irgendwie drehen könnte, schien einfach auch niemand zu rechnen. Es war nichts von der sonst schon mal greifbaren „Jetzt aber!“-„Los jetzt!“-„Jetzt erst recht!“-Atmosphäre zu spüren. Der komplette Gästeblock verfiel in trägen Frust.

Wir überlegten da schon, wie es weitergehen könnte. Und zwar nicht auf dem Spielfeld, das war nahezu abgehakt und es hing nur in der Luft, ob es bei lediglich einem Tor bleiben würde. Nein, es ging viel mehr darum, wie man diesen Impuls, der bei „anderen“ (im nicht negativen Sinne) Vereinen durch den Rauswurf von Trainer und oder Sportdirektor gesetzt werden kann, bei uns eben auch erreichten könnte, ohne diese Konsequenzen zu ziehen. Natürlich ist uns allen klar gewesen, dass das in letzter Konsequenz notwendig sein kann, aber es fällt eben nicht leicht. Und an dem Punkt ist man irgendwie auch noch nicht so richtig.

Während wir bitter  witzelten, man solle Kinoabende zur Teambildung machen und dort vielleicht nur mal die Filmauswahl überdenken, über die Idee, für jedes gefangene Tor einen Rosamunde Pilcher-Schnulzenkram anschauen zu lassen bis hin zu Minigolf, was jedenfalls für mich eine größere Folter wäre, als Rosi, kündigte USP an, den Support einzustellen, sollte sich in der zweiten Hälfte nun nicht grundlegend etwas am Auftritt der Mannschaft ändern. Dass sie damit genau den Impuls setzten, der uns schlicht nicht einfallen wollte aber dringend nötig ist, bleibt wirklich zu hoffen.

Es ging noch mit Support in die zweite Hälfte, doch es zeichnete sich sehr schnell ab, dass das nicht lange so bleiben sollte. Ein desolater Auftritt einer verängstigten, ballunsicheren Truppe, die den Ball bloß immer schnell wieder loswerden wollte. Geschwindigkeit kam nur über die Wechsel mit Picault und Miyaichi ins Spiel, aber selbst dann wollte einfach nichts gelingen. Dass sich überdies noch Kalla verletzte, setzte dem ganzen Drama noch das Krönchen auf.

USP jedenfalls blieb konsequent und stellte den Support ein. Das provozierte nicht nur Zuspruch, sondern natürlich auch Gegenwind und eigenmächtige Versuche, den Block in einen Gesang zu vereinen, die jedoch meist schnell wieder verhallten oder gar nicht erst richtig aufbranden konnten. Zu tief saß der Frust allen in den Knochen, selbst wenn man sich den Boykott vielleicht nicht ganz auf die eigenen Fahnen schreiben wollte.

Aus meiner Sicht war das nur konsequent. Ich hab das in meiner Fanzeit noch nicht erlebt, allerdings auch noch nicht diese derartige Hilflosigkeit auf dem Feld, die ein Kreisligaspieler noch mit dem berühmten Biss ins Gras kompensieren würde. Aber das fehlt einfach. Komplett. Und wenn man nun mit diesem (non)verbalen Arschtritt den dringend benötigten Impuls setzen könnte, ohne dass gleich der Trainer fliegt, der einfach wie Arsch auf Eimer passt sich aber letzten Endes dennoch beugen müsste, wenn sich nichts ändert, dann ist mir das eine sehr willkommene Form des Protestes.

Dass Pfiffe gegen die eigene Mannschaft soooo Vorstadt sind, müssen wir ja hier nicht weiter diskutieren.

Was war sonst noch? Für mich kam irgendwann vor dem Supportstopp die Zeit, wo ich gesagt hätte, okay, nun ist es an der Zeit panisch im Kreis zu laufen. Der Punkt kommt jedenfalls unaufhaltsam näher und für heute schafften es mal wieder nur die Menschen um einen herum, die mein nonstop-Gepöbel übrigens tapfer ertragen haben, und eine von den freundlichen Nebenstehern/hüpfern geschenkte Caprisonne wenigstens etwas positives mit zu nehmen. [Im Übrigen, solltet ihr Caprisonnenschenker twitterisch/bloggend/bloglesend tätig sein: Herzlichen Dank nochmal, das war eine feine Geste! Grüße!]

Die Sandhäuser nutzten die Einstellung des Supports jedenfalls noch zu ihren Gunsten und schmetterten uns ein „Scheiß St. Pauli“-chen entgegen. Immerhin haben sie damit gewartet, bis wir ruhig waren, damit wir das auch sicher hören. Nett!

Der Abpfiff kam pünktlich und von uns herbei gesehnt. Es würde sich ja doch nichts zu unseren Gunsten ändern. Kaum war die Pfeife ertönt, machte sich ein Großteil des Blocks auf den Weg nach draußen, ohne auf die Mannschaft zu warten. Auch hier kann ich dem nur beipflichten, das war nur konsequent nach dem Supportstopp. Und Himmel, das hat gesessen. Ewald und der Mannschaft sah man es definitiv an, dass da was angekommen ist. Und mehr wollte man damit ja auch gar nicht erreichen. Dass das Einstellen des Supports etwas ist, was man leichtfertig tut, kann ich jedenfalls aus meinen nun drei Jahren als Vielfahrer nicht sagen. Es fällt sogar verdammt schwer. Aber wie immer: Bringt es die notwendige Wirkung, ist es zu ertragen.

Und falls ihr euch, genauso wie wir, gefragt habt, ob das Maskottchen des SV Sandhausen nun ein Dachs oder ein Stinktier ist, dann lasst euch sagen: Es ist ein Dachs, wie Sherlock Lewi ermittelte.

So… und damit ist nun von meiner Seite aus alles gesagt, wenn es auch nicht viel positives zu sagen gab. Ich würde es so unfassbar gerne sehen, wie die Hertha am Dienstag durch ein Pokalwunder, denn im Pokal ist ja alles möglich!!!111elf, mit ihrem altertümlichen Weltbild zurück in die Weltstadt geschossen wird und sich statt mit weiteren Pokalspielen lieber mal mit Toleranz auseinandersetzen kann, aber so richtig daran glauben mag ich nicht.

Belehrt mich eines Besseren, Boys in Brown.

 

…für immer mit dir!

 

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Love Punkrock, hate St. Pauli.

Hannover 96. Der kleine HSV. Der Schummelhsv? Die Generalprobe? Pah, da mag doch keiner drüber reden, es sei denn die Rauten entschließen sich diese Saison endgültig mal für den Abstieg und dass das ungefähr so wahrscheinlich ist wie … ja, ich weiß ja auch nicht – angenehme DFL-Terminierungen? – ist ja allen klar. 5 Sätze und schon pures Chaos. Zack, da ist sie, die Parallele zum Spiel des magischen FCs in Hannover: 5 Pässe, pures Chaos.

Dann komm ich da wohl doch nicht drumherum. „Legen wir los.“ Das waren zumindest ungefähr die Gedanken, die ich beim Weckerklingeln hatte. Gut, das ist gelogen: Eigentlich war es eher „Warum hat der verdammte Wecker nicht geklingelt? Da hab ich ja gerade nochmal Glück geh… oh, ich hab ihn schon ausgemacht.“ Es versprach ein chaotischer Tag zu werden und das nicht nur, weil ich schon wieder mit dem Maximalpensum an Trömmelei unterwegs war, sondern weil die Pöbelcrew endlich wieder gemeinsam auf Tour ging.

Während mein werter Mitfahrer vermutlich noch in den Reichen verweilte, in denen der magische FC den Europapokal seit Jahren nicht mehr hergegeben hat, machte ich mich dann auf den Weg gen Norden. Mit ordentlich Musik auf den Ohren, eine noch größeren Portion Kaffee und dem bescheidensten Wetter, das nach Karlsruhe noch hätte kommen können verflog die Fahrt eigentlich wie gewohnt und so lagen wir richtig gut in der Zeit als wir uns vom Zwischenstopp auf den zweiten Teil des Weges nach Hannover machten. Eigentlich.

Navigationssysteme sind ja Heils- und Chaosbringer zugleich, das sollte uns allen spätestens seit dem Zeitpunkt klar sein, als jemand in den Rhein abgebogen ist, weil das Navi das doch so genau gesagt hatte. Nun hatten wir uns schon wieder auf die Autobahnen begeben, waren eine Weile unterwegs und die verbleibende Fahrtzeit wollte und wollte sich einfach nicht ändern. Was man nun erst einmal für Programmversagen halten konnte, wurde nach und nach immer deutlicher zu einem Indikator eines riesigen Staus auf der Zwo. Well…

Das Navi tut ja manchmal auch gutes und so schickte es uns kurzerhand – mal wieder! – auf Bundesstraßen, auf denen wir zwar dann auch erst einmal im Stau standen, uns aber immerhin die Fahrzeit nun mit nur noch knapp über sechzig Minuten deutlich besser gefiel.

Vermutlich standen wir am Ende auch alle im gleichen Stau, aber hey, es ging jedenfalls irgendwann voran. Nach einer kurzen Fahrt durch Hannover selbst, gelangten wir dann zu der empfohlenen Straße und extra für uns öffneten sich schließlich die Tore eines Asche-Gras-Niemand-weiß-so-genau-was-noch-Sport-Parkplatzes. Mit der Poleposition als Parkplatz dann die sieben Sachen gepackt und noch überlegt, ob wir die Kleber mitnehmen, oder sie doch direkt im Auto lassen.

Wir entschieden uns für ein „Klar, mitnehmen!“ und legten die paar Meter zum Treffpunkt der Gästefans zurück, der – und nun staunt über Lob im Zusammenhang mit 96! – unfassbar charmant war. Es gab Sitzgelegenheiten, im Trockenen!, ein Rondell, einen Bratwurst-und-was-noch-Stand und ein Vereinsheim, das genau das verkörperte, wie ich mir die noch nicht allzu lange vergangenen Vorgängerjahre des Fußballs vorstelle: Skat spielende Männer, vermutlich bei zwei Bier und einem Klaren.

Aber irgendwo zog es uns doch zum Stadion, es galt noch eine Karte einzusammeln und eigentlich ja auch noch die üblichen Verdächtigen zu treffen, die es dieses Mal allerdings geschafft haben, sich erfolgreich vor uns zu verstecken. Das prangere ich an! Nächstes Mal kommt ihr mir nicht so leicht davon, versprochen.

Vor dem Stadion boten sich dann allerlei Kuriositäten: Von einer Gruppe Jugendlicher, die ihre Sticker vorausschauenderweise unter einem Container platzierten, über ein Kind, das mit herzzerreißender Hingabe versuchte, eine Sektflasche kaputt zu treten bis hin zu Leuten, die ein Gruppenfoto von den Polizisten schießen ließen. Öhm, ja. Am besten noch vom „Team Dialog“, oder wie sie noch gleich hießen.

Tatsächlich traf man dann doch noch bekannte Gesichter, die ich nun auch zum ersten Mal diese Saison getroffen hab und an die hier ganz herzliche Grüße gerichtet sein sollen (A. und K., ihr seid gemeint!).  Auch die ein oder andere Twitternase sah man nochmal zwischen Tür- und Angel, wobei das „Wir sehen uns drinnen!“ dann nachher leider doch nicht ganz hingehauen hat.

Dank unserer Kartensituation machten wir uns dann leider eher spät auf den Weg zum Einlass. Und wo ich vorhin die charmante Situation am Treffpunkt gelobt habe, zerstört das hier nun ja… ziemlich jegliche Wohlfühlatmosphäre.

Dass Frauen sich an einem anderen Teil des Eingangs zu platzieren hatte – was durch den gemeinsamen „Mischraum“ hinter den Trennern auch denkbar dämlich und sinnfrei war – wurde natürlich erst kommuniziert, als man bereits bei dem anderen Eingang ganz vorn stand.. Demnach wieder raus, neu anstellen und hoffen, dass man nun richtig stand.

Tat man das, durfte man sich gleich nochmal anstellen, denn an der ersten Barriere wurde ja nur auf Geschlecht und „Ticket für Stehblock“ oder sowas geprüft. An dem zweiten folgte erneut eine Kontrolle des Tickets und … von allem anderen. Gottnochmoa. Also die Kontrollen diese Saison sind doch nochmal deutlich krasser als die letzte, wenn mich mein Empfinden nicht trügt. Alles wurde kontrolliert. Man hörte von Blicken in Kippenschachteln genauso wie von abgenommenen Powerbanks und die Dame vor mir musste gar ihren „eos“-Kugel-Labello abgeben (die sind scheiße teuer!) weil es ja optimal als Wurfgeschoss dienen konnte. Also bei aller Liebe, wenn die Dame es geschafft hätte, das Teil vom Gästeblock auf die Vollpfosten von 96-Ultras am anderen Ende des Stadions zu befördern, hätte ich ihr eigenhändig einen Jahresvorrat von dem Zeug gekauft. Bei aller Liebe zur Absurdität, geht’s noch?

Man konnte sich auf jeden Fall nicht darüber beschweren, nicht genügend Zeit gehabt zu haben, sich über die Kontrollen zu ärgern, denn direkt nach der Kontrolle von Leib und Lumpen, bei der vermutlich sogar Ergebnisse eines allgemeine Gesundheitschecks hätten vorliegen können, durfte man sich ja nochmal anstelle. Meine Fresse, also dümmer kann man die Einlasssituation ja gar nicht gestalten, aber hatte man diese Hürde dann noch überwunden, fehlte schließlich nur noch der Aufstieg zum Gästeblock. Dass der Weg dorthin allerdings das Einzige war, das aufwärts ging, muss ich euch vermutlich nicht erzählen.

Der Gästeblock selbst hingegen versprach von der Akustik her ja so einiges. Wir suchten uns ein Plätzchen, leider recht dämlich im Gang, aber immerhin an dem Trenner zwischen den beiden Blöcken, sodass man die taumelnden Massen zumindest abfangen konnte. Auf der Stufe über uns lagerten schon die Papiermassen, die eine schöne Choreo versprachen. Ließ man den Blick durchs Stadion schweifen, erblickte man auf der gegenüberliegenden Seite auf der Balustrade des oberen Heimblocks ein „Kämpfen bis die Fetzen fliegen!“-Banner. Damit wäre ja auch alles schön und gut gewesen, ich hätte vielleicht sogar ein zustimmendes Nicken aufgebracht und gut wäre. Aber nein, es kommt natürlich immer schlimmer als man es gern hätte und so wurde das „e“ in Fetzen im Laufe des Spiels zu einem FCSP-Logo-„O“ und das „F“ aus Fliegen verschwand komplett. „Kämpfen bis die Fotzen liegen“. Alles 96, damit erreicht ihr ein Niveau, dass die Dresdener es sich noch oberhalb von euch gemütlich machen können, Hut ab.

Das zweite Banner, das im weiteren Spielverlauf im oberen Teil des Oberrangs gezeigt wurde und „Love Punkrock, Hate St. Pauli!“ proklamierte, fand ich ja hingegen ganz charmant. Nun ist auch deutlich geworden, dass bei weitem nicht die gesamte Fanszene das Banner so toll fand, wie ihre Initiatoren, dennoch war das eine ganz miese, sexistische Leistung.

Da gefiel mir unser eigener Block dann doch deutlich besser, der mit einem Papiermosaik in Braun und Weiß und einem „St. Pauli“-Banner mittig richtig schick aussah und sogar ohne Pixelfehler auskam. Ein fettes Danke an die Organisatoren, die sowas immer wieder möglich machen.

Die Stimmung an sich war auch recht ordentlich, wenn ich auch das Gefühl hatte, dass bei den akustischen Umständen, die besser vielleicht nur im Ruhrstadion sind, deutlich mehr drin gewesen wäre. Nun ja, bei dem Spiel war es allerdings auch nicht so richtig verwunderlich, dass wir da supporttechnisch kein Feuerwerk abgebrannt haben. Zum Spiel sag ich hier jetzt auch nichts weiter, da wurde bereits genug zu gesagt und ist für mich ehrlich gesagt auch kein Thema mehr. Einzig, dass es definitiv verdient war in dieser Höhe zu verlieren und wir gefühlt nicht einen verdammten Schuss aufs Tor hatten. Nun gut.

Man trat also erneut die Heimfahrt ohne Punkte und dafür mit der Hymne Wattenscheids an. „Auswärts ist man asozial“ wurde mit einem Stop bei dem großen M dann zu „Auswärts isst man asozial“ umgemodelt und mal wieder die Bundesstraßen mit feinstem deutschem Hiphop und natürlich Killermichel beschallt. Kinners, fahrt mit uns auswärts, das ist echt ein Fest.

Ehrlich gesagt hab ich nun auch so lange für den Text gebraucht, dass mir gar nicht mehr viel dazu einfällt. Eigentlich schade. Aber ich versuche das bei Sandhausen dann doch wieder zeitnaher hinzubekommen und schließe das hier auch nur der Vollständigkeit halber ab. Ich gelobe Besserung. Naja, ich versuchs jedenfalls.

Diese Saison dürfte sich allerdings auch bessern, wobei es wohl eine dieser bleiben wird, in denen wir uns fragen, warum wir den ganzen Scheiß eigentlich machen. Der einzige Lichtblick? Normalerweise liefern die Saisons, die auf genau solche folgen, immer die Antwort darauf.

Genießt die restlichen Tage der Länderspielpause. Für mich gibt’s diese Woche noch nicht wieder Fußball und demnach sehen wir uns in Sandhausen. Bis dahin.

 

 

 

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Ein Spiel, wie eine Liebeserklärung an die Regionalliga

Am Samstag, den 24. September 2016, gastierte der Bonner SC beim Regionalligisten Sportfreunde Siegen im Leimbachstadion. Eine Chronologie eines Regionalligaspieltages voller Kuriositäten und einer Kurve, die eine nazifreie bleibt. 

Meine erste Begegnung mit dem „professionellen“ Fußball bescherte mir im Jahr 2005 der Aufsteiger in die 2. Liga: die Sportfreunde Siegen im Spiel gegen den TSV 1860 München, dem ich heute noch viel mehr Abneigung entgegen bringe, als ich es damals als 10jährige überhaupt gekonnt hätte. Die Sportfreunde hingegen blieben der „Heimatverein“, ich muss zugeben und mich schuldig bekennen, eher in den guten Zeiten hingegangen zu sein, doch spätestens, als ich auch anfing viel mit dem FC St. Pauli unterwegs zu sein, zog es mich immer wieder zum lokalen Verein, durch die Oberligasaison hindurch bis nun auch wieder in die Regionalliga West. Und der heutige Spieltag, der war einer, den man einfach festhalten muss. Irgendwo zwischen Absurdistan und Waszurhöllehausen lag nämlich heute das wunderschöne Siegerland und in ihm das charmante Leimbachstadion. Jedenfalls charmant, wenn man auf Darmstädter Böllenfalltor-Atmosphäre steht. Und das tun wir.

Es ist ein Samstag, näher am Oktober denn am Sommer und dennoch brennt die Sonne vom Himmel, als wolle sie uns allen noch ein letztes Mal ordentlich einheizen, bevor die dunkle Jahreszeit endgültig anbricht. 14 Uhr Anstoßzeit erlaubt einen gemütlichen Morgen und die gegebenen Umstände in der Regionalliga eine noch viel entspanntere Anreise. Das Auto geparkt, zu Fuß am Waldrand mit dem Stadion zur Linken zum Eingang schlendern und noch schnell das Ticket für sechs Euro kaufen. Hinein, ohne Kontrollen, ohne schellende Ansagen, einfach ein ganz entspannter Fußballsamstag. Regionalligasamstach.

Es gibt keine Schlange am Bratwurststand, zu dritt stehen wir dort und können wählen zwischen einer Krakauer oder einer normalen Bratwurst. Vegetarier schauen hier eher in die Röhre. Die Rondellbelegschaft hat gut zu tun, eine komplette Gegengerade zu versorgen, doch auch das geht heute flott. In der üblichen Belegschaft nehmen wir den Stammplatz ein, der sich herrlich vertraut in einem Stadion anfühlt, in dem man sich zwar heimisch, aber dennoch nicht so zuhause fühlt, wie in denen unserer Erstvereine. Die Sportfreunde bleiben der kleinere Verein in den Herzen der dreien, die sich hier in der Sonne einfinden und auf ein … nun ja, Aufsteigergekicke einstellen. Es wird sich entspannt auf die Stufen gesetzt, die Bratwurst verkrümelt und gequatscht, über all das, was sonst im Stadion für uns wohl keinen Platz findet. Wir witzeln, sind entspannt. Es fehlt angenehmerweise dieses „Wir müssen gewinnen, um jeden Preis!“-Gefühl.

Zu unserer Rechten steht eine Gruppe Senioren, die scheinbar einen Ausflug macht und wohl zum Großteil länger nicht mehr bei den Sportfreunden war. Zu unserer Linken, etwas weiter entfernt als sonst, die Ultràs, die Turnschuhcrew. Mit einem Banner fordern sie zum Mitsingen auf, denn wer nur zuschaue und auf den Wandel warte, der würde nun mal auch nichts ändern. Es gibt eine gute handvoll junge Frauen, die ihren Weg zwischen die oberkörperfreien Männer gefunden haben, und die genauso wie ihre männlichen Pendants immer da sind. Mich freut diese Entwicklung, gerade beim Blick in den Gästeblock.

Dort sammeln sich die Fans des Bonner SC. Im Gästeblock, der auch nicht immer offen ist, in einer Liga der Zweitvertretungen und gescheiterten „Eigentlich gehören die doch in die erste Liga!!“-Vereine. Es gibt eine Gruppe, ebenfalls natürlich oberkörperfreier, Männer, dich sich zu einem Supportblock formiert haben, daneben ein paar zerstreute Grüppchen, über den restlichen Block verteilt. Der Bonner SC, ebenfalls ein Aufsteiger in der Regionalliga, scheint hauptsächlich männliche Fans mitgebracht zu haben, was im späteren Verlauf noch für einige Lacher bei uns sorgen wird.

Überall herrscht heitere Stimmung. Dennoch ist man ein wenig enttäuscht, hätte man doch bei solch herrlichem Wetter und einem Spiel am Samstagmittag mit mehr Leuten gerechnet, als die 1138, die es nachher wohl tatsächlich waren. Das Leimbachstadion besticht mit seinem brachialen achtziger Jahre Charme, lässt uns auf der Gegengerade ein weiteres Mal die Sonne anbeten. Über die komplette Breite der Gerade und der Kurve gegenüber des Gästeblocks verteilen sich, mal enger, mal weiter auseinander, Grüppchen von Leuten, die heute wohl nicht viel erwarteten.

Mit den ersten Tönen der vertrauten „Prematch“-Musik, die passenderweise lange Teil meiner Workoutplaylist war, und schließlich von der weniger schönen der zwei Hymnen, kommt Bewegung auf die Gerade: Die vorher noch sitzenden erheben sich und wer vorher in Gespräche vertieft war, richtet nun den Blick auf die Mannen, die dort unten auf dem Grün einlaufen und sich auf das Spiel einschwören.

Immerhin gibt es dieses Mal von den Gästen etwas zu hören, dank der Spielpläne der Erstvereine planen wir ja nun zumeist um diese Termine herum und hatten mit den Zweitvertretungen zuletzt ja eher wenig Stimmung von den Gästen mitbekommen. Die Freude darüber weicht allerdings schnell der Ernüchterung, ob dem, was sie da von sich geben. Schmähgesänge, auf die von Heimseite gar nicht erst eingegangen wird, ziehen sich durch den kompletten Spielverlauf. Die Siegener antworten mit umso lauterem Support der eigenen Mannschaft.

Die ersten zwanzig Minuten braucht die junge Mannschaft, um sich ein wenig in das Spiel einzufinden, doch die Spielzüge sehen vielversprechend aus und scheitern oft nur um wenige Zentimeter oder eine Fußbreite kurz vor dem Netz. Es geht viel nach vorn, das Spiel läuft flott vor sich hin und wir, die wir die letzten Spiele nicht gesehen haben, sind erfreulich überrascht, was die Sportfreunde da auf den Platz bringen. Waren die Bonner vielleicht die erste Viertelstunde deutlich überlegen, so spielen nun die Männer in Rot ordentlich auf und verpassen nur, den Ball auch wirklich im Netz zu versenken.

Rot ist da dann auch das passende Stichwort: In einem „Zweikampf“ gegen Torhüter Baumann nimmt Sobiech vom Bonner SC den Ellenbogen etwas zu offensichtlich zur Hilfe und darf sich daraufhin die restliche Spielzeit von der Tribüne aus anschauen. Verleiht es nun erst mal Mut, in Überzahl zu sein, können die Sportfreunde zumindest in der ersten Hälfte noch nichts daraus machen: Sie spielen weiter couragiert nach vorne und verteidigen die konterstarken Bonner recht sicher.

Während das Geschehen auf dem Spielfeld durchaus vielversprechend ist, besticht die Stimmung auf den Tribünen durch klassisches Regionalligaflair: Es wird gepöbelt, was das Zeug hält – ob nun vom rüstigen Rentner, der vermutlich schon hier stand, als unsere Eltern nicht mal geboren waren, vom Bankier, der nach Feierabend schnell ins Stadion zog oder eben den Ultras, die sich lautstark Gehör verschaffen. Ein herrliches Aufeinandertreffen zweier dieser Gruppen wird von einer nicht ganz einheitlich gesehenen Abseitsentscheidung provoziert: Von links stürmt ein wutentbrannter Ultra in Richtung der Absperrung und teilt dem Linienrichter nachdrücklich seinen Unmut über die gepfiffene Entscheidung mit. Das wiederum provoziert einen RR, rüstigen Rentner, dazu, die Stufen halbwegs sicher in einem Mittelding zwischen Gehen und Trab hinunter zu hechten und den Ultra zu bepöbeln, dass er gefälligst nicht den Schiri anzupöbeln habe. Getrieben von der Gruppendynamik eilen dem Ultra natürlich seine Kumpanen zur Hilfe, ohne jedoch damit gerechnet zu haben, dass auch der Senior durchaus Rückhalt in seiner Gruppe erfährt. Nun bepöbeln sich munter zwei Fangruppen des gleichen Vereins untereinander, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Natürlich sehr zur Belustigung aller Umstehenden. Mit einem gegenseitigen „Geht zurück dahin, wo ihr hingehört!“ (was hier definitiv den Stehplatz im Block meinte) löst sich die Truppe schließlich wieder auf und das Spielgeschehen tritt zurück in den Vordergrund. Alle verrückt in der Regionalliga.

Dass wir hier in der Regionalliga sind, schützt uns allerdings auch nicht vor diesen grausigen „Wir müssen irgendwie die 15 Minuten Pause um kriegen!“-Halbzeit-Spielen, die sich hier halt nur etwas einfacher gestalten: Ein Ball wird auf die Gerade geschossen, wer ihn fängt, darf dreimal gegen einen zweiten Teilnehmer auf Minitore schießen und gewinnt irgendwas vom lokalen Elektromarkt. Soweit die Theorie. In der Praxis bekommt eine der Damen aus der Seniorenausflugsgruppe den Ball voller Wucht an den Kopf und gefangen wird er von jemand anderem, der auch zum Spiel antritt und deutlich mit 3 zu 0 gegen seinen Kontrahenten gewinnt. Soweit alles normal. Als er dann jedoch die Stufen zu der Dame hinauf stapft, um ihr den soeben gewonnenen Preis ganz gentlemanlike zu überlassen, klatscht die halbe Gegengerade für diese sehr feine Aktion – jedenfalls die Hälfte, die es mitbekommen hat. Ganz großes Tennis!

Und wer nun denkt, dass die Halbzeit dann ja wenigstens nicht langweilig war, dem sei gesagt: Das ist nicht alles! Hinter uns, ziemlich genau sogar, bricht eine Art Tumult aus. Die Köpfe wenden sich um und erblicken zwei, die gerade im Begriff sind, sich zu prügeln. Die Zeit reicht gerade noch aus, festzustellen, wer die beiden Kontrahenten sind, bevor die Prügelei dann tatsächlich ihren Lauf nimmt – unter munteren Beschimpfungen der Seniorengruppe, die einfach nicht mitbekommen will, dass der Auslöser definitiv der in Siegen nun mal sehr starken Neonazi-Szene zuzuordnen und nicht alleine unterwegs ist, sondern viel lieber die Störenfriede „Ultra“ als ihr erneut zu bepöbelndes Ziel auswählen. Es ist ein kurzes Intermezzo, die Ultras eilen ihrem Kumpanen zur Hilfe während die Polizisten genauso hilflos mit verschränkten Armen neben dem Geschehen stehen, wie die beiden Ordnerdamen, die zusammen vielleicht so viel auf die Waage brachten, wie der Störenfried alleine. Im Endeffekt ist es aber genau das Richtige: Die Ultras entfernen die offen als solche erkennbaren Nazis unter lauten und geschlossenen „Nazis raus!“ Rufen aus dem Block und sorgen gemeinsam dafür, dass sie auch wirklich dem Block fern bleiben.

Für mich war die hiesige Ultragruppierung bis dahin als maximal unpolitisch im Denken verankert, doch dass sie mit solcher Vehemenz und diesem Nachdruck wirklich gegen die rechten Umtriebe im eigenen Vereinsumfeld vorgehen, ließen sie in meiner Sympathie unaufhaltsam steigen. Respekt, Turnschuhcrew! Diesen Einsatz würde man sich von weit mehr Szenen wünschen.

Während sich die Bonner nun vermutlich gern weiter über das Geschehen auf der Gegengerade lustig gemacht hätten, amüsierten sie eher uns, denn das was wohl als „Sportclub!“ aus ihrem Gästeblock gerufen wird, kommt bei uns, gemäß dem vorhin erwähnten Geschlechterverhältnis, eher als „Boygroup!“ an. Da wir nun mal leicht zu erheitern sind, haben wir da eine ganze Weile unseren Spaß dran und als der gerade abzuflauen droht, schießen die Sportfreunde aus dem Nichts das Tor, das so lange erwartet wurde.

Mit einem „Take That!“ in Richtung der Boygroup eskaliert unser Grüppchen. Mit einer Führung hatten wir nun wirklich nicht so ernsthaft gerechnet, auch wenn die Spielanlage der Siegener deutlich vielversprechender aussah, als die der Bonner zu dem Zeitpunkt. Nun wäre es allerdings nicht ein typisches Spiel, finge man sich nicht relativ zeitnah direkt den Ausgleich. Die 2:0 Führung war zwar definitiv griffiger gewesen, doch das hindert natürlich die Bonner nicht daran, mit einem sauberen Angriff den Ausgleich zu erzielen. Ernüchterung macht sich breit. Noch ein Tor? Nun ja, es war noch Zeit.

Und während die Sportfreunde weiter forsch nach vorn spielten, unterläuft Keeper Baumann ein Schnitzer, der nun mal in solchen Spielen knallhart bestraft wird: Waren die Siegener vorher näher an einer erneuten Führung dran, so übernehmen dies nun die Bonner – mit einer Vorlage vom gegnerischen Torwart.

Mit diesem Führungstor in Minute 72 traten dann tatsächlich einige den Heimweg an. Ich pöbele munter vor mich hin, dass Frühergehen in der Regionalliga genauso scheiße ist, wie bei einem 7:0 der Bayern, unterdessen setzt das Geschehen auf dem Grün zum Höhepunkt dieser … absurden Partie an: Der Schiedsrichter sieht sich gezwungen, einem Spieler die gelbe Karte zu geben – und tut dies wörtlich. Erst nach einigen Sekunden prusten wir los, als der Spieler dem Schiedsrichter die Gelbe Karte wieder zurück gibt und wir vermutlich in diesem Moment, das absurdeste des kompletten Tages bezeugt hatten. Ein Schiri, der die gelben Karten tatsächlich abgibt, erklärt auf jeden Fall, warum sie immer mehrere in der Tasche haben.

Ein Spiel voller Kuriositäten hat allerdings auch einen Vorteil: Es ist verdammt nochmal alles möglich. Und so passiert es genau so, wie die bereits „Auswärtssieg!“ skandierenden Bonner es verdient haben: Während sogar die Siegener Ultras schon anfangen, ihre sieben Sachen zusammen zu suchen, erzielt der eingewechselte Jakub Jarecki in der zweiten Minute der Nachspielzeit den Ausgleich für die Sportfreunde. Eskalation pur auf der Gerade, Gepöbel in Richtung des Gästeblocks und heiteres Gelächter machen sich breit – über die Bonner, die den Sieg schon besungen hatten, über die Pfeifen, die immer meinen früher gehen zu müssen und solche Spielausgänge dann gerechtermaßen verpassen und natürlich über einen Regionalligasamstach, der mit Kuriosem, Richtigem und super Atmosphäre nicht zu geizen wusste.

Und die Moral von der Geschicht? Einen Besuch der Regionalligisten bereut man nicht. Geht hin, gebt euch die kuriosen Geschichten, die oberhalb der Kreisliga eben nur die Regionalliga zu schreiben weiß und habt genauso viel Spaß wie wir. Und wenn ihr schon dabei seid, dann sorgt auch dafür, dass die Kurve frei von solchen Pfosten bleibt, die auch heute ihre Grenzen aufgezeigt bekommen haben. Nazis raus!

#supportyourlocalregionalligateam

 

 

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Konzeptlos? – Der FCSP beim KSC

Irgendwie fühlte sich das Ganze falsch an … seit Tagen hatte ich im Kopf, dass es zum SV Sandhausen gehen würde. Gut, wäre ich dorthin gefahren, hätte ich wohl vor einem noch leereren Stadion gestanden, als in Karlsruhe, aber zumindest die Richtung hätte grob gestimmt. Die Erkenntnis, dass das Spiel gegen den SV erst im Oktober anstand und ich stattdessen doch lieber noch ein Stück weiter zum Wildpark fahren sollte, kam glücklicherweise noch früh genug, sodass ich mich gestern müde, muffelig und mit viel Kaffee, als würde es nach Leipzig oder sonst wohin gehen, auf den Weg machte.

„Dreh das auf, bis der Rückspiegel wackelt“ lautete die Devise und so cruiste, düste und bummelte ich gen Süden. Das Navi hielt es für eine wundervolle Idee, mich gut vierzig Kilometer vor meinem Ziel auf die Landstraßen zu schicken, statt weiter über die Autobahn zu schwimmen, die sich mittlerweile zu einem regelrechten Kanal entwickelt hatte. Von wegen im Süden ist das Wetter immer schöner, nech.

Mit Hamburger Wetter im Gepäck nutzte ich dieses Mal einen der ausgewiesenen Parkplätze, was definitiv das letzte Mal war. Dann doch lieber an der Allee, statt fünf Euro für zwei Stunden da zu lassen. Und ja, ihr pöbelnden Erstligafans [;)], ich weiß, dass das dort Standard ist. Wenn ihr euch mal an die zweite Liga erinnert, dann kann man zumeist ja recht günstig bis kostenfrei parken – mit der Ausnahme von Düsseldorf, das gesteh ich ja ein. Und vermutlich München und Berlin und Hamburg, da bin ich allerdings noch nicht mit dem Auto hin. Sagen wir einfach so, dass der KSC sich im Gesamten in einer eher erstligatauglichen Preisklasse bewegt und da eben in der zweiten Liga doch deutlich heraus sticht. 5 Euro fürs Parken, 5 Euro Getränk … zack, teurer als der Eintritt.

Dem Wetter war es auch geschuldet, dass nicht wenige zu Anfang noch im Auto sitzen blieben und eine Art Autokino ohne Kino veranstalteten. Rings um wurde Proviant vernichtet, Volleyball gespielt (kein Scheiß) und die Zeit zum Anpfiff vertrieben, schließlich saß man so noch im Trockenen, was sich spätestens mit dem Betreten des Stadions von „Sitzen im Trockenen“ zu „Sitzen auf dem Trockenen aber im Regen“ wandeln würde. Gewohntermaßen gab es natürlich beim KSC nur Alkoholfreies für pöbelndes Zeckenvolk, was man genauso weglassen könnte. Nun gut. Immerhin da spart man dann Geld…

Die Kontrolle war … gründlich. Extremst. Rucksackverbot galt ja eh schon und so hatte man alles auf das Nötigste beschränkt, was in diesem Fall nun mal Portemonnaie, Handy, Autoschlüssel und Kaugummis waren. Wobei letztere das größte Problem dazustellen schienen, die hatte ich nämlich vergessen und wurde barsch aufgefordert, meine Taschen zu entleeren. Ich weiß ja nicht, was sie da vermutet haben, aber auf dem Gesicht machte sich Enttäuschung breit, als ich die Packung barg.

Das Wildparkstadion ließ sich schließlich erklimmen. Ich erinnerte mich, dass ich diese „Halbstufen“ letztes Jahr schon doof fand (allerdings vorletzte Saison) und da das Stadion bei gutem Wetter wirklich was hatte. Bis auf Sound. Aber dazu später. Nun bei Regenwetter und Matschblock wurde kurzerhand über WhatsApp das Pendant zur Siegener Turnschuhcrew gegründet: Gummistiefelcrew – Schönwetterfans sind gestern. Erwartet großartige Banner in der Regionalliga. Ob das Original mit den Turnschuhen davon begeistert ist, sei zu bezweifeln.

Man jedenfalls alles behaupten, aber ab und an bin sogar ich lernfähig: Aus meinem letzten Auswärtsfiasko beim KSC gelernt, wurde dieses Mal ein Platz weiter unten, näher am Support gesucht. Wobei das auch nur so halbwahr ist, schließlich tappste ich einfach hinterher, winkte unbeholfen in die Runde und hab eigentlich immer noch keinen Plan, wer jetzt alles dazu gehörte. Wenn euch die Beschreibung also irgendwie bekannt vorkommt, ich war die, die gewunken und „Hi, ich bin Leonie“ genuschelt hat. Und eigentlich bin ich eine ganz liebe.

Bis zum Anpfiff regnete es auch munter weiter, dann setzte das Wetter zur Beschallung durch diverse Lieder aus. Eines fürchterlicher als das andere. Da war das kurzzeitig im Block gesungene „Paderborn, erhebe dich und lauf!“ ja noch erträglicher. Und einzig Darmstadt sind mit ihrem Schlaflied vor Anpfiff noch weiter unterirdisch in Sachen Stadionbeschallung. Oh, Himmel hilf.

Tat er. Regnete nämlich munter weiter, setzte aber auch ab und an mal aus, das muss man ja zugeben. Alles in allem hätte es deutlich schlimmer kommen können. Jedenfalls was Wetter und Spiel anging. Ja, gut, Support auch.

Da war allerdings ein bisschen Chaos. Zwar gewohnte Gesichter am Zaun, aber nicht das sonst tonangebende. Chaos zwischen den dreien, man steuerte zum Teil massiv gegeneinander – ob absichtlich und aus welchen Gründen oder durch Zufall mag ich aber weder beurteilen noch vermuten, das einzige was sicher war, war das Ergebnis: Der Support, der in Karlsruhe gewohntermaßen eher schwierig ist, weil einfach das Dach, die Akkustik fehlt und – entschuldigt, dass ich es so deutlich sage – unfassbar viele „Umlandfans“ kommen (wie das gemeint ist, wird gleich noch deutlich), war zäh. Sehr. Vergleichbar damit, wassergetränkte Fahnen zu schwenken. Oh, wait.

Nasse Fahnen wurden geschwenkt, der Support irgendwie aufrecht erhalten und man wurschtelte sich so ein wenig durchs Spiel. Jedenfalls durch die ersten zwanzig Minuten, die am Feld ähnlich schwergängig waren, wie unsere Unterstützung. Deswegen lasst mich kurz auf die Umlandfans eingehen: Es ist jeder im Block willkommen, der die grundsätzliche Haltung des Vereins vertritt, das ist klar. Aber genauso sollte man jeden den Support so erleben lassen, wie er oder sie es für richtig hält. Dass man fürs Singen angepampt wird, geht einfach gar nicht. Jemandem im unteren Teil des Blocks zu sagen, er sollte die Fahne runter nehmen ist halt auch irgendwie eher … naja. Aber hauptsache nachher zu den ersten gehören, die bemängeln, dass der Support so leise war. Mimimimi. Dann kriegt auch die Zähne auseinander, ihr Kritiker. Ändert was. Macht’s besser. Aber nur motzen? Klar, ist ja einfacher.

Der Support ist da einfach schwierig. Noch schwieriger, wenn nicht an einem Strang gezogen wird. Supportfrust beim KSC, alles wie immer. Dafür ging es allerdings wirklich noch ganz gut. Das war schon schlimmer, definitiv. Wir haben das Stadion zwar vielleicht nicht abgerissen, aber das übernehmen ja nächstes Jahr auch andere für uns, wenn das Wildparkstadion abgerissen wird. Warum man ein Stadion neubauen muss, wenn man es nicht mal voll bekommt, erschließt sich mir allerdings nicht so wirklich. Mit um 14.000 Fans war die Zahl jedenfalls geringer, als ich erwartet hätte.

Nach den ersten zwanzig Minuten wurde zumindest das Spiel etwas munterer und da wir im Schlamm gemeinsam hüpften, der Regen mal aussetzte und man sogar die Jacken ausziehen konnte, ging es mit der Moral etwas aufwärts. Gekrönt von einem sehr überraschenden Führungstor durch – was fragt ihr eigentlich – natürlich Aziz Bouhaddouz!

Choi bereitete das indirekt vor, in dem er ein ziemlich ungeschicktes Rückspiel zum Torwart erzwang, genau richtig nachsetzte und somit Aziz den Ball erkämpfen konnte, weil er schlicht schneller war, als sein Gegenspieler. HERR-LICH.

Schöner Jubel, Freude und back to business. „Hier gewinnt nur einer – Sankt Pauli und sonst keiner!“ Danach sah das Spiel auch ein wenig aus, aktiver waren die Boys in Brown, nur wenige chancenartige Szenen des KSC und deutliche Konzeptlosigkeit auf der Seite. Man bekam keine Herzkasper, aber das wars auch schon. Bevor man hier nicht 3-0 führte (und selbst dann vermutlich noch nicht) konnte man sich nicht wirklich sicher fühlen. Und schon gar nicht, dass man die drei Punkte auch mit nach Heim nehmen konnte.

So verblieb man bis zur zweiten Hälfte eher mit einem „Da muss noch mehr kommen“/“Abwarten“. Und auch dann, nun ja, ging nicht so richtig viel. Außer Wechselgesänge im Block, die gingen ganz gut, das kann man nicht anders sagen, und wurden auch im späteren Verlauf nochmal aufgegriffen, weil es ganz gut lief.

Und dann kam es natürlich, wie es kommen musste. Gegentor. Gegentor der Marke „Man sieht im ersten Anspiel, dass der zwei Stationen weiter reingehen wird“. Gefühlt war es die erste wirkliche Chance im Spiel für den KSC, tatsächlich hatten sie ja schon einen nicht ganz so weit entfernten Schuss aufs Außennetz, und die verwandelten sie halt.

Im Gegensatz zu uns. Drei, vier hochkarätige Chancen und allesamt liegen gelassen. Uns kam im Stadion Choi unheimlich schwach vor, auch wenn natürlich das vorbereitete Tor und seine Chance später eigentlich ein anderes Bild zeichnen. Dennoch wunderte ich mich, warum man Miyaichi rausnahm und den (mMn) schwächeren Choi drin ließ. Bei den Chancen, die Aziz zum Teil vorbereitete, hätte man sich ihn lieber in der Mitte gewünscht, als in der Rolle des Vorbereiters, die er allerdings auch wundervoll spielt, weil es eben niemandem gelang, den Ball noch einmal ins Netz zu befördern.

Spätestens mit der Auswechslung Sobotas ging es ein wenig vor die Hunde. Da ging nicht mehr viel nach vorn, der KSC hatte nach dem Tor doch irgendwie entdeckt, dass Fußballspielen helfen könnte und wurde stärker, wenn auch nicht richtig zwingend.

Positiv hervorzuheben ist die Stabilität in der Defensive, mit Ausnahme vom Gegentor, aber das steht ganz gut dort hinten. Mit Sobiech und Hornschuh innen, Hedenstad und Buballa auf den Außen kann man wirklich beruhigt Fußball schauen. Nach vorne geht es dann ja auch – das größte Manko sind aktuell wirklich noch die Abschlüsse.

Das kann der liebe Aziz vom Kiez (wundervolle Schöpfung an dieser Stelle!!) aber leider nicht alleine retten. Und wenn man eines sehen konnte, dann, dass er sich den Allerwertesten aufgerissen hat. Bis zum Ende. Mit Abpfiff kam der Ball in seiner Nähe runter und er säbelte ihn voller Wucht weg.

DAS will ich sehen. Und zwar nicht nur bei einem Spieler, sondern bei allen. Und am besten nicht in Minute 93 sondern so … 60? Dieser Frust, der sollte nach vorn helfen und ich hoffe, dass uns das in den nächsten Spielen eher gelingt.

 

Nun gut. Was bleibt? Noch 36 Punkte. Immerhin einen mitgenommen. Der Support war Chaos pur, konzeptlos, aber das Spiel irgendwie auch. Aktuell befinden sich beinahe alle Aufstiegsaspiranden des letzten Jahres auf den Rängen südlich der 13 und das finde ich bezeichnend, während sich die Aufsteiger oben tümmeln und dort mitmischen wollen. Mit dem FCN, KSC und dem FCSP dort unten drin, sind bisher nur Union, Bochum und Heidenheim nicht abgestürzt. Aber wir räumen das Feld halt einfach von hinten auf.

Allerdings vermutlich erst nach Donnerstag. Rechnen wir mal mit maximal 6/9 Punkten und setzen ganz optimistisch einen Zehner auf die besonders sympatischen Blauen aus München.

Und bevor ich mich hier nun an Sarkasmus verschlucke: Wir sehen uns in Hannover, Berlin müsst ihr leider ohne mich rocken.

 

Bis dahin.

… voran St. Pauli, St. Pauli – maaaagischer FC!

 

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