Wir sind punktlos unglücklich.

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Mein lieber FCSP,

Du weißt, ich mag dich. Sogar ziemlich gern. Ich mag dich von den Rasenspitzen bis hin zum Gros deines manchmal größenwahnsinnigen Wesens. Ich liebe deine guten Tage und ich leide mit dir, an denen, die eher geprägt von Hamburger Wetter denn von lauem Sonnenschein sind. Eigentlich sind wir ein ziemlich gutes Team. Wir, die hunderte, die dir blind und doch kritischen Auges in alle Ecken der Republik folgen, und du, der uns immer wieder aufzeigt, warum wir das machen. Aber irgendwas ist anders.

Wir sind immer noch kritisch und folgen weiterhin bedenkenlos … doch, warum eigentlich? Warum machen wir den ganzen Scheiß? Sind die tausenden Kilometer es am Ende des Tages, des Spieltages, der Saison wert? Eigentlich müsste ich jetzt ein lautes „Ja!“ brüllen, doch es ist eher ein verhalten genuscheltes „Meistens.“. Und dann auch geprägt von Nachsätzen: die Menschen machens! Der Support hilft! Wir wollen doch nicht sein, wie andere Vereine! Irgendwann muss der Moment der Umkehr doch kommen!

Wir kennen sie alle. Die Rechtfertigungen, mit denen im Gepäck wir uns dann doch wieder auf den Weg zum Bahnhof und damit erneute hundert Kilometer durch Deutschland machen. Und da hab ich es ja noch ziemlich gut, mit dem Basislager in der Mitte der Republik. Dennoch macht es müde. Es macht müde und sprang ich letzte Saison noch mit einem „Away day, biatch!“ aus dem Bett, klingelte der Wecker am Spieltag, so ist es diese ein träges „Ist schon wieder soweit…?“

Ist es schon wieder soweit, auf die Fresse zu kriegen? In der Offensive keine Schlagkraft zu entwickeln? Bei der Defensive zittern zu müssen? Selbst gegen die kleinen Vereine kolossal nichts zu holen? Gemeinsam ratlos, einsam wütend im Block zu stehen? Sich gegenseitig anzugehen? Sich in den Support flüchten zu wollen, doch selbst der hat als Ratte das Schiff mit Schlagseite schon verlassen?

Das sind momentan eher die Fragen, die mir an einem Spieltagsmorgen durch den Kopf gehen. Ich bin für mich froh, etwas Distanz gewonnen zu haben. Das heißt nicht, dass ich dich auch nur mit einer Faser weniger liebe, aber ich hänge mein Herz mitsamt einem bisschen Vernunft an dich. Man reift ja auch ein wenig und so ist ein Wochenende immer noch trüber, ohne Punktgewinn als mit, aber es ist nicht mehr komplett ins Klo gefallen. Sonst hätte ich die letzten Monate wenige schöne Wochenenden gehabt.

Natürlich bin ich auch selbst schuld. Ich habe ein Herz für die Vereine, die mehr einstecken müssen als groß auf Macker machen können. Das ist nun mal so. Es geht ja oft darum, wie viel man einstecken und trotzdem weiter machen kann, statt nur danach zu fragen, wie viel man austeilen kann. Die rosaroten Romanzen sind einfach nicht meins, dann hätte ich mir in allen Sportarten andere Vereine „aussuchen“ müssen. Aber wir wissen ja beide, dass man sich das nicht aussucht. Irgendwann stolpert man über einen Verein und gerät in einen Strudel, der einen so tief hinein in die Arme der Fanszene und des Vereinsumfelds hinein zieht, dass man dort gar nicht mehr hinaus möchte.

Aber selbst die sonst so wärmenden Arme der Fanszene sind in diesen Zeiten unbequem. Es gibt viele Reibereien, die eigentlich total doof sind und nur daher rühren, wie man ein Spiel lieber erlebt. Oder noch kleinere Dinge. Aber wenn alles scheiße läuft, dann reicht eben auch so etwas, um gegeneinander zu gehen. Um die kürzere Zündschnur in die Nähe der Flamme zu halten.

Dabei macht es doch alles nur müde. Man möchte doch nur nochmal einschlafen und nicht die rote Laterne irgendwo bedrohlich im Hinterkopf schwingen haben. Ich weiß für meinen Teil genau, warum ich jedes einzelne Spiel letzte Saison von der ersten bis zur letzten Minute genossen habe, weil ich hoffte nun noch davon zehren zu können … doch seien wir ehrlich, mit den Niederlagen in Dresden, in Berlin, in Sandhausen sind die ziemlich schnell verpufft.

Ich war auch in Würzburg müde. Eigentlich hatte ich keine Lust. Die Vorfreude hatte sich auf die Fahrt beschränkt und als selbst die wegfiel, blieb nur der Fußball (und natürlich die lieben Menschen vor Ort, aber euch geht es vermutlich aktuell nicht anders). Und dass der Fußball momentan alles kann, aber nicht wieder gut machen, das wissen wir auch alle. So ist es ein klassisches Nullnullspiel, in einem übrigens sehr charmanten, aber bitterkalten, Stadion, das nachher natürlich nicht Null zu Null sondern Null zu Eins aus unserer Sicht ausgeht.

Der Support war purer Frust. Es scheinen alle müde. Träge. Trotzig. Geschafft. Da helfen auch die größten Bemühungen am Zaun nicht. Selbst ich, die die Stimmbänder in Fetzen bevorzugt, schwieg die letzten Minuten. Wozu auch? Was sollte es helfen?

Das war mein letztes Spiel für dieses Jahr. Ich stehe auch in 2017 natürlich wieder im Block und pöbele munter vor mich hin, wenn es nötig ist, aber für 2016 reicht es. Es ist nicht so, dass ich nicht fahren wollte, aber in der aktuellen Situation sind mir, und wer das nicht ab und an mal zugibt, verliert vor mir jegliche Glaubwürdigkeit, andere … größere Fahrten wichtiger.

So ist nun also meine Reisepause auch eine Pause für das Fußballherz. Vielleicht braucht es einfach ein bisschen Ruhe und danach starten wir in der Rückrunde wieder voller Fahrt durch. Ich hoffe es.

Mein lieber FCSP, es liegt nicht an dir, es liegt an mir. Ich bin müde. Aber du trägst eine Teilschuld.

Immer noch und immer wieder braun-weiß. Auch in Kolumbien. Ich drücke euch und verabschiede mich hier in die Winterpause. Zum ersten Spiel 2017 lesen wir uns wieder, wenn ihr mögt. Bis dahin, lasst die Köpfe nicht zu sehr hängen – irgendwie kommen wir da noch raus. Vielleicht schafft ihr das ja ohne mich auch schon.

 

Forza.

Es ist an der Zeit, schreiend im Kreis zu rennen.

Sandhausen! Gleich zweimal in einem Kalenderjahr stand das nun auf dem Plan und nachdem ich im März in höchsten Tönen von dem mir höchstsympathischneutralen Verein geschwärmt habe, hätte die Vorfreude durchaus eine große sein können. Hätte. Wäre da nicht der Fußball, der einem aktuell jegliche Freude an den Fahrten zu nehmen versucht. Gewieftere Freunde des Ballsports suchen sich zum Ausgleich ja schon mal einen Zweitverein, doch dass ich da mit den Sportfreunden auch keinen besseren gefunden habe, führten die Rot-Weißen Essener am Abend zuvor noch gleich fünfmal vor Augen. Mein Fußballwochenende startete also massiv betrübt und es fehlte sowohl an der Hoffnung, dass der magische FC dies am Samstagmittag ändern würde, wie auch ein wenig an der Lust dem ganzen Drama beizuwohnen. Dieses große, bedrohlich wankende „Warum?“ hängt aktuell einfach viel zu tief über den Köpfen.

Warum überhaupt aufstehen… fragte ich mich, als der Wecker mit dem markanten Namen „AWAY DAY, BIAAATCH.“ munter vor sich hin weckerte. Müdigkeit, Trägheit, gar Faulheit lockten, doch einfach im Bett zu bleiben. Immerhin sparte es schon mal Nerven, nach dem Spiel nur einfach die schlechten Nachrichten überbracht zu bekommen. Abstand halt. Aber es ist nun mal wie es ist: Sankt Pauli ist die einzige Möglichkeit und so wurde sich in Schale geworfen, der Kaffeevorrat aufgestockt und die Autobahn in Richtung Süden in Angriff genommen. Sandhausen ist von mir aus nun wirklich eine der sehr kurzen Anfahrten, wenn man alles unter 250 Kilometern als „sehr kurz“ rechnen mag, und das ist definitiv einer der Gründe, warum ich die Fahrt dorthin zumindest im März genossen habe. Das entspannte Flair, das Stadion und der Parkplatz mitten im Nichts und die recht wenig restriktive Einlasspolitik taten ihr Übriges dazu, dass ich gar zu „Das ist ’n echt geiles Stadion da!“-Aussprüchen hingerissen wurde.

Gerade der erste Punkt, „Entspanntes Flair“, ist etwas, das man als Sankt Paulianer definitiv zu schätzen lernt. Nach den letzten Fahrten, unter anderem mit Hannover und Dresden, ist das etwas, auf das sich die konfliktscheue Hälfte der Fußballseele definitiv freut. Und doch kommt es natürlich genauso, dass der Konflikt eben nicht ganz ausbleibt – nur halt gut 120 Kilometer von Sandhausen entfernt.

Die Ansetzungen des aktuellen Spieltags (ist nämlich schon gestern) waren zumindest in einer Hinsicht etwas brenzlig: Während wir Sandhausen ansteuerten, fuhren die schwarzgelben aus dem Osten gen Heidenheim. Nun kann man natürlich in 96% der Fälle davon ausgehen, dass man sich nicht über den Weg läuft, aber es gibt da einfach diese Restwahrscheinlichkeit. Und ich wäre nun mal nicht der chaotische, unbedacht handelnde Mensch, der ich bin, wenn mir nicht genau diese vollkommen frei erdachten 4% Wahrscheinlichkeit viel näher lägen, als die 96. (Komisch!)

Da mein Auto die etwas unangenehme Angewohnheit hat, bei den Winterschuhen erst einmal kläglich zu jammern, ist es für mich (trotz eures Spotts!) unerlässlich, die Radmuttern nochmal nach gut 100 gefahrenen Kilometern nachzuziehen. Da mein Papa gestern so lieb war und mir die Reifen noch gewechselt hat, bevor ich heute losfuhr, lag diese Aufgabe eben noch vor mir und so machte ich auf halber Strecke Halt, um brav Folge zu leisten. Ich suchte mir einen Parkplatz, der nicht ganz so überlaufen war und machte neben einem Auto mit unauffälligem Kennzeichen aus dem Ruhrpott Halt und mich an die Arbeit.

Ich habe mir wahrlich rein gar nichts dabei gedacht und auch keinen Gedanken mehr daran vergeudet, dass die Dresdener Fans ja auch unterwegs waren, sodass mich die Pöbeleien desjenigen, der da nun in der Vierergruppe auf mich zu prollte (<- Das sollte in den Duden aufgenommen werden), vollkommen unvorbereitet trafen. Es folgten die üblichen Beschimpfungen, lautstark, unter der Gürtellinie und hier nicht zu wiederholen. Gekrönt von „Komm doch her!“. Natüürlich. Mit dem Drehmomentschlüssel in der einen Hand schaute ich ihm stirnrunzelnd entgegen. Sicher, dass ich das soll?

Mein „Ist dein Bizeps so groß wie deine Fresse?“ verkniff ich mir galant und somit auch eine kleine Boxeinlage, wie ein Plüschbär sie gern gesehen hätte. So hingegen pöbelten nun die verbliebenen Drei der Gruppe den Vierten an, was mit ihm denn falsch sei, schließlich sei ich offensichtlich alleine unterwegs und hätte ihn ja nicht mal provoziert. Hab ich ja auch nicht. Es sei denn, er fühlt sich durch eine Frau, die durchaus weiß, wie man Räder wechselt und wartet, mit einem Drehmomentschlüssel in der Hand provoziert. Bei Teilen der Dresdener Fanszene weiß man da ja nie, wenn das Arbeitsgerät nicht aus der Küche stammt.

Jedenfalls blieb dieses kurze Intermezzo folgenlos und ich konnte mich weiter meiner Anreise widmen – ohne weitere Störfaktoren auf zwei Beinen.

Ich kam also recht zeitig am Parkplatz an und das sogar, obwohl ich meinen beinahe schon routinierten Umweg fuhr. Schließlich habe ich den Anspruch an mich selbst, ein Stadion, wo ich schon mal war, das nächste Mal ohne Navi zu finden und fuhr exakt auf die gleiche Kreuzung ohne Schild mit Stadionhinweis zu, wie im März. Aber ich bin ja ein Fuchs!

„Das letzte Mal bist du rechts abgebogen und das war falsch, intuitiv wäre also geradeaus richtig.“

War es natürlich nicht. Und natürlich hätte ich nach rechts abbiegen müssen aber da Sandhausen ja glücklicherweise keine Großstadt ist, kam ich so nur knapp fünf Minuten später am Parkplatz an, der noch der gleiche Matsch-Schotter-Hügel-Acker ist, wie eben auch beim letzten Versuch. Ich vertrieb/trödelte mir noch ein wenig die Zeit und machte mich dann langsam Richtung Stadion auf die Thermosocken.

Vor dem Stadion, strategisch (theoretisch) gut platziert, um die ankommende Bezugsgruppe zu erwischen – die nur leider schon im Stadion war, bekam ich dann noch eine herrliche Situation mit. Ein kleiner Junge, vielleicht im Grundschulalter, bekam Aufkleber geschenkt, mit dem Auftrag, sie irgendwo hin zu kleben, wo es Sinn macht. Kurzentschlossen patscht der Kurze sich einen auf die Stirn und sieht sich kapitulierenden Schenkern gegenüber, die schmunzelnseufzend ein „Okay, das macht Sinn.“ hervorbringen.

Einen kurzen Waldspaziergang später, steht man ja nun mal vor den Stadiontoren, die letztes Mal noch komplett ohne Ticketkontrolle darlagen, oder ich bin irgendwie durchgeschlüpft, und dieses Mal nun auch nicht so richtig rund laufen wollte: Mehrmaliges Scannen meines Tickets ließ das arme Gerät immer nur in minioneskes „Bee-doo-dee-doo(…)“ ausbrechen, dass ich schon fürchtete, dieses Mal gar nicht hinein zu dürfen. Es fand sich schließlich ein Gerät, das auch mich hinein ließ und die Kontrollen an sich waren ja, bis auf die bereits bekannten Spürhunde, der klassisch lapidare Standard.

Hinauf auf die Tribüne, einen Teil der digitalen Bezugsgruppe direkt gefunden und los ging das Spieltagsvorgeplänkel. Wir fanden uns nachher in einer schönen Gruppe dort zusammen ein, die sich in der Form wohl auch länger nicht gesehen hat und viel Spaß machte. Die Zeit bis zum Anpfiff vertrieb sich jedenfalls sehr leicht.

Das war auch ein wenig darin bedingt, dass vom Support her eigentlich schon eine halbe Stunde vor Anpfiff eingesetzt wurde und man schon hoffen wagte, eine ordentliche Leistung zumindest auf den Rängen hin zu zaubern. Es hielt zwar keine Vorfreude bei mir Einzug, es war eher nüchterne Gewissheit, dass es auch hier sehr schwer würde, aber immerhin hatte man nun auch etwas zu tun: Supporten.

Unterbrochen wurde das, vor Anpfiff, nur einmal kurz, als bei uns zumindest rege Heiterkeit herrschte, nachdem bekannt wurde, dass Christopher Avevor heute die 17 tragen würde, ohne Namenspatch, weil man die Trikots mit der 6 schlicht und ergreifend nicht mit nach Sandhausen genommen hatte. Mich amüsierte da weniger die Schusseligkeit, als der Fakt, dass man scheinbar immer ein Boll-Trikot im Petto dabei hat. Kurioses gibt es eben auch aufwärts der Regionalliga.

Das Spiel. Nun gut, es fing irgendwann an und damit ist halt eigentlich auch schon alles gesagt. Man könnte nun den gleichen Inhalt einmal hinunter beten, wie schon in x Texten vorher in dieser Saison und es würde sich nicht viel unterscheiden. Alles, was mit mehr als drei Pässen in unseren Reihen zu tun hatte, ging zum Gegner. Jeder Torschuss? Ging zum Gegner. Gerade erkämpfte Bälle, die man schnell nach vorn spielen will, weil man defensiv steht und nur auf Konter lauert? Geht zum Gegner. Es fehlt eigentlich nur noch, dass wir die Tore selbst machen, denn alles andere – Ballgewinn, Vorbereitung – erledigen wir ja bereits für den Gegner.

Dieser Absatz trieft vor Bitterkeit und das ist mir wohl bewusst, aber es bleibt einfach nicht viel anderes. Das Gegentor fiel wenig überraschend und viel mehr hätte es konsterniert, wäre tatsächlich mal ein Spielzug von uns mit einem, im richtigen Netz zappelnden, Ball, beendet worden. Ich glaube, ich hätte nicht mal gewusst, was ich dann machen sollte und am Ende wäre noch ein Moritz-Volz-Ich weiß nicht was ich tun soll, also strecke ich die Zunge hinaus-Torjubel daraus geworden.

So aber war alles wie immer. Und das frustet. Pur. Der Support war bis zum Gegentreffer für die Masse an Leuten und der Kompaktheit des Gästeblocks zwar okay, aber nicht überragend. Man hörte sogar die Sandhäuser zwischendurch mal. Mit dem Treffer war das zerschlagen. Die Lust fehlte, die Luft war deutlich raus, auf den Rängen, wie auf dem Rasen. Ein Tor glücklich schießen, das geht immer. Aber in der aktuellen Lage zwei? Da schüttelt wohl selbst der größte Optimist betrübt den Kopf.

Die Halbzeitpause verbrachte ich mit munterem Schimpfen. Ich mag euch das gar nicht alles hier aufbrummen, aber ich schimpfte und schimpfte. Es nervte einfach alles so unfassbar. Und damit, dass man das noch irgendwie drehen könnte, schien einfach auch niemand zu rechnen. Es war nichts von der sonst schon mal greifbaren „Jetzt aber!“-„Los jetzt!“-„Jetzt erst recht!“-Atmosphäre zu spüren. Der komplette Gästeblock verfiel in trägen Frust.

Wir überlegten da schon, wie es weitergehen könnte. Und zwar nicht auf dem Spielfeld, das war nahezu abgehakt und es hing nur in der Luft, ob es bei lediglich einem Tor bleiben würde. Nein, es ging viel mehr darum, wie man diesen Impuls, der bei „anderen“ (im nicht negativen Sinne) Vereinen durch den Rauswurf von Trainer und oder Sportdirektor gesetzt werden kann, bei uns eben auch erreichten könnte, ohne diese Konsequenzen zu ziehen. Natürlich ist uns allen klar gewesen, dass das in letzter Konsequenz notwendig sein kann, aber es fällt eben nicht leicht. Und an dem Punkt ist man irgendwie auch noch nicht so richtig.

Während wir bitter  witzelten, man solle Kinoabende zur Teambildung machen und dort vielleicht nur mal die Filmauswahl überdenken, über die Idee, für jedes gefangene Tor einen Rosamunde Pilcher-Schnulzenkram anschauen zu lassen bis hin zu Minigolf, was jedenfalls für mich eine größere Folter wäre, als Rosi, kündigte USP an, den Support einzustellen, sollte sich in der zweiten Hälfte nun nicht grundlegend etwas am Auftritt der Mannschaft ändern. Dass sie damit genau den Impuls setzten, der uns schlicht nicht einfallen wollte aber dringend nötig ist, bleibt wirklich zu hoffen.

Es ging noch mit Support in die zweite Hälfte, doch es zeichnete sich sehr schnell ab, dass das nicht lange so bleiben sollte. Ein desolater Auftritt einer verängstigten, ballunsicheren Truppe, die den Ball bloß immer schnell wieder loswerden wollte. Geschwindigkeit kam nur über die Wechsel mit Picault und Miyaichi ins Spiel, aber selbst dann wollte einfach nichts gelingen. Dass sich überdies noch Kalla verletzte, setzte dem ganzen Drama noch das Krönchen auf.

USP jedenfalls blieb konsequent und stellte den Support ein. Das provozierte nicht nur Zuspruch, sondern natürlich auch Gegenwind und eigenmächtige Versuche, den Block in einen Gesang zu vereinen, die jedoch meist schnell wieder verhallten oder gar nicht erst richtig aufbranden konnten. Zu tief saß der Frust allen in den Knochen, selbst wenn man sich den Boykott vielleicht nicht ganz auf die eigenen Fahnen schreiben wollte.

Aus meiner Sicht war das nur konsequent. Ich hab das in meiner Fanzeit noch nicht erlebt, allerdings auch noch nicht diese derartige Hilflosigkeit auf dem Feld, die ein Kreisligaspieler noch mit dem berühmten Biss ins Gras kompensieren würde. Aber das fehlt einfach. Komplett. Und wenn man nun mit diesem (non)verbalen Arschtritt den dringend benötigten Impuls setzen könnte, ohne dass gleich der Trainer fliegt, der einfach wie Arsch auf Eimer passt sich aber letzten Endes dennoch beugen müsste, wenn sich nichts ändert, dann ist mir das eine sehr willkommene Form des Protestes.

Dass Pfiffe gegen die eigene Mannschaft soooo Vorstadt sind, müssen wir ja hier nicht weiter diskutieren.

Was war sonst noch? Für mich kam irgendwann vor dem Supportstopp die Zeit, wo ich gesagt hätte, okay, nun ist es an der Zeit panisch im Kreis zu laufen. Der Punkt kommt jedenfalls unaufhaltsam näher und für heute schafften es mal wieder nur die Menschen um einen herum, die mein nonstop-Gepöbel übrigens tapfer ertragen haben, und eine von den freundlichen Nebenstehern/hüpfern geschenkte Caprisonne wenigstens etwas positives mit zu nehmen. [Im Übrigen, solltet ihr Caprisonnenschenker twitterisch/bloggend/bloglesend tätig sein: Herzlichen Dank nochmal, das war eine feine Geste! Grüße!]

Die Sandhäuser nutzten die Einstellung des Supports jedenfalls noch zu ihren Gunsten und schmetterten uns ein „Scheiß St. Pauli“-chen entgegen. Immerhin haben sie damit gewartet, bis wir ruhig waren, damit wir das auch sicher hören. Nett!

Der Abpfiff kam pünktlich und von uns herbei gesehnt. Es würde sich ja doch nichts zu unseren Gunsten ändern. Kaum war die Pfeife ertönt, machte sich ein Großteil des Blocks auf den Weg nach draußen, ohne auf die Mannschaft zu warten. Auch hier kann ich dem nur beipflichten, das war nur konsequent nach dem Supportstopp. Und Himmel, das hat gesessen. Ewald und der Mannschaft sah man es definitiv an, dass da was angekommen ist. Und mehr wollte man damit ja auch gar nicht erreichen. Dass das Einstellen des Supports etwas ist, was man leichtfertig tut, kann ich jedenfalls aus meinen nun drei Jahren als Vielfahrer nicht sagen. Es fällt sogar verdammt schwer. Aber wie immer: Bringt es die notwendige Wirkung, ist es zu ertragen.

Und falls ihr euch, genauso wie wir, gefragt habt, ob das Maskottchen des SV Sandhausen nun ein Dachs oder ein Stinktier ist, dann lasst euch sagen: Es ist ein Dachs, wie Sherlock Lewi ermittelte.

So… und damit ist nun von meiner Seite aus alles gesagt, wenn es auch nicht viel positives zu sagen gab. Ich würde es so unfassbar gerne sehen, wie die Hertha am Dienstag durch ein Pokalwunder, denn im Pokal ist ja alles möglich!!!111elf, mit ihrem altertümlichen Weltbild zurück in die Weltstadt geschossen wird und sich statt mit weiteren Pokalspielen lieber mal mit Toleranz auseinandersetzen kann, aber so richtig daran glauben mag ich nicht.

Belehrt mich eines Besseren, Boys in Brown.

 

…für immer mit dir!

 

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Love Punkrock, hate St. Pauli.

Hannover 96. Der kleine HSV. Der Schummelhsv? Die Generalprobe? Pah, da mag doch keiner drüber reden, es sei denn die Rauten entschließen sich diese Saison endgültig mal für den Abstieg und dass das ungefähr so wahrscheinlich ist wie … ja, ich weiß ja auch nicht – angenehme DFL-Terminierungen? – ist ja allen klar. 5 Sätze und schon pures Chaos. Zack, da ist sie, die Parallele zum Spiel des magischen FCs in Hannover: 5 Pässe, pures Chaos.

Dann komm ich da wohl doch nicht drumherum. „Legen wir los.“ Das waren zumindest ungefähr die Gedanken, die ich beim Weckerklingeln hatte. Gut, das ist gelogen: Eigentlich war es eher „Warum hat der verdammte Wecker nicht geklingelt? Da hab ich ja gerade nochmal Glück geh… oh, ich hab ihn schon ausgemacht.“ Es versprach ein chaotischer Tag zu werden und das nicht nur, weil ich schon wieder mit dem Maximalpensum an Trömmelei unterwegs war, sondern weil die Pöbelcrew endlich wieder gemeinsam auf Tour ging.

Während mein werter Mitfahrer vermutlich noch in den Reichen verweilte, in denen der magische FC den Europapokal seit Jahren nicht mehr hergegeben hat, machte ich mich dann auf den Weg gen Norden. Mit ordentlich Musik auf den Ohren, eine noch größeren Portion Kaffee und dem bescheidensten Wetter, das nach Karlsruhe noch hätte kommen können verflog die Fahrt eigentlich wie gewohnt und so lagen wir richtig gut in der Zeit als wir uns vom Zwischenstopp auf den zweiten Teil des Weges nach Hannover machten. Eigentlich.

Navigationssysteme sind ja Heils- und Chaosbringer zugleich, das sollte uns allen spätestens seit dem Zeitpunkt klar sein, als jemand in den Rhein abgebogen ist, weil das Navi das doch so genau gesagt hatte. Nun hatten wir uns schon wieder auf die Autobahnen begeben, waren eine Weile unterwegs und die verbleibende Fahrtzeit wollte und wollte sich einfach nicht ändern. Was man nun erst einmal für Programmversagen halten konnte, wurde nach und nach immer deutlicher zu einem Indikator eines riesigen Staus auf der Zwo. Well…

Das Navi tut ja manchmal auch gutes und so schickte es uns kurzerhand – mal wieder! – auf Bundesstraßen, auf denen wir zwar dann auch erst einmal im Stau standen, uns aber immerhin die Fahrzeit nun mit nur noch knapp über sechzig Minuten deutlich besser gefiel.

Vermutlich standen wir am Ende auch alle im gleichen Stau, aber hey, es ging jedenfalls irgendwann voran. Nach einer kurzen Fahrt durch Hannover selbst, gelangten wir dann zu der empfohlenen Straße und extra für uns öffneten sich schließlich die Tore eines Asche-Gras-Niemand-weiß-so-genau-was-noch-Sport-Parkplatzes. Mit der Poleposition als Parkplatz dann die sieben Sachen gepackt und noch überlegt, ob wir die Kleber mitnehmen, oder sie doch direkt im Auto lassen.

Wir entschieden uns für ein „Klar, mitnehmen!“ und legten die paar Meter zum Treffpunkt der Gästefans zurück, der – und nun staunt über Lob im Zusammenhang mit 96! – unfassbar charmant war. Es gab Sitzgelegenheiten, im Trockenen!, ein Rondell, einen Bratwurst-und-was-noch-Stand und ein Vereinsheim, das genau das verkörperte, wie ich mir die noch nicht allzu lange vergangenen Vorgängerjahre des Fußballs vorstelle: Skat spielende Männer, vermutlich bei zwei Bier und einem Klaren.

Aber irgendwo zog es uns doch zum Stadion, es galt noch eine Karte einzusammeln und eigentlich ja auch noch die üblichen Verdächtigen zu treffen, die es dieses Mal allerdings geschafft haben, sich erfolgreich vor uns zu verstecken. Das prangere ich an! Nächstes Mal kommt ihr mir nicht so leicht davon, versprochen.

Vor dem Stadion boten sich dann allerlei Kuriositäten: Von einer Gruppe Jugendlicher, die ihre Sticker vorausschauenderweise unter einem Container platzierten, über ein Kind, das mit herzzerreißender Hingabe versuchte, eine Sektflasche kaputt zu treten bis hin zu Leuten, die ein Gruppenfoto von den Polizisten schießen ließen. Öhm, ja. Am besten noch vom „Team Dialog“, oder wie sie noch gleich hießen.

Tatsächlich traf man dann doch noch bekannte Gesichter, die ich nun auch zum ersten Mal diese Saison getroffen hab und an die hier ganz herzliche Grüße gerichtet sein sollen (A. und K., ihr seid gemeint!).  Auch die ein oder andere Twitternase sah man nochmal zwischen Tür- und Angel, wobei das „Wir sehen uns drinnen!“ dann nachher leider doch nicht ganz hingehauen hat.

Dank unserer Kartensituation machten wir uns dann leider eher spät auf den Weg zum Einlass. Und wo ich vorhin die charmante Situation am Treffpunkt gelobt habe, zerstört das hier nun ja… ziemlich jegliche Wohlfühlatmosphäre.

Dass Frauen sich an einem anderen Teil des Eingangs zu platzieren hatte – was durch den gemeinsamen „Mischraum“ hinter den Trennern auch denkbar dämlich und sinnfrei war – wurde natürlich erst kommuniziert, als man bereits bei dem anderen Eingang ganz vorn stand.. Demnach wieder raus, neu anstellen und hoffen, dass man nun richtig stand.

Tat man das, durfte man sich gleich nochmal anstellen, denn an der ersten Barriere wurde ja nur auf Geschlecht und „Ticket für Stehblock“ oder sowas geprüft. An dem zweiten folgte erneut eine Kontrolle des Tickets und … von allem anderen. Gottnochmoa. Also die Kontrollen diese Saison sind doch nochmal deutlich krasser als die letzte, wenn mich mein Empfinden nicht trügt. Alles wurde kontrolliert. Man hörte von Blicken in Kippenschachteln genauso wie von abgenommenen Powerbanks und die Dame vor mir musste gar ihren „eos“-Kugel-Labello abgeben (die sind scheiße teuer!) weil es ja optimal als Wurfgeschoss dienen konnte. Also bei aller Liebe, wenn die Dame es geschafft hätte, das Teil vom Gästeblock auf die Vollpfosten von 96-Ultras am anderen Ende des Stadions zu befördern, hätte ich ihr eigenhändig einen Jahresvorrat von dem Zeug gekauft. Bei aller Liebe zur Absurdität, geht’s noch?

Man konnte sich auf jeden Fall nicht darüber beschweren, nicht genügend Zeit gehabt zu haben, sich über die Kontrollen zu ärgern, denn direkt nach der Kontrolle von Leib und Lumpen, bei der vermutlich sogar Ergebnisse eines allgemeine Gesundheitschecks hätten vorliegen können, durfte man sich ja nochmal anstelle. Meine Fresse, also dümmer kann man die Einlasssituation ja gar nicht gestalten, aber hatte man diese Hürde dann noch überwunden, fehlte schließlich nur noch der Aufstieg zum Gästeblock. Dass der Weg dorthin allerdings das Einzige war, das aufwärts ging, muss ich euch vermutlich nicht erzählen.

Der Gästeblock selbst hingegen versprach von der Akustik her ja so einiges. Wir suchten uns ein Plätzchen, leider recht dämlich im Gang, aber immerhin an dem Trenner zwischen den beiden Blöcken, sodass man die taumelnden Massen zumindest abfangen konnte. Auf der Stufe über uns lagerten schon die Papiermassen, die eine schöne Choreo versprachen. Ließ man den Blick durchs Stadion schweifen, erblickte man auf der gegenüberliegenden Seite auf der Balustrade des oberen Heimblocks ein „Kämpfen bis die Fetzen fliegen!“-Banner. Damit wäre ja auch alles schön und gut gewesen, ich hätte vielleicht sogar ein zustimmendes Nicken aufgebracht und gut wäre. Aber nein, es kommt natürlich immer schlimmer als man es gern hätte und so wurde das „e“ in Fetzen im Laufe des Spiels zu einem FCSP-Logo-„O“ und das „F“ aus Fliegen verschwand komplett. „Kämpfen bis die Fotzen liegen“. Alles 96, damit erreicht ihr ein Niveau, dass die Dresdener es sich noch oberhalb von euch gemütlich machen können, Hut ab.

Das zweite Banner, das im weiteren Spielverlauf im oberen Teil des Oberrangs gezeigt wurde und „Love Punkrock, Hate St. Pauli!“ proklamierte, fand ich ja hingegen ganz charmant. Nun ist auch deutlich geworden, dass bei weitem nicht die gesamte Fanszene das Banner so toll fand, wie ihre Initiatoren, dennoch war das eine ganz miese, sexistische Leistung.

Da gefiel mir unser eigener Block dann doch deutlich besser, der mit einem Papiermosaik in Braun und Weiß und einem „St. Pauli“-Banner mittig richtig schick aussah und sogar ohne Pixelfehler auskam. Ein fettes Danke an die Organisatoren, die sowas immer wieder möglich machen.

Die Stimmung an sich war auch recht ordentlich, wenn ich auch das Gefühl hatte, dass bei den akustischen Umständen, die besser vielleicht nur im Ruhrstadion sind, deutlich mehr drin gewesen wäre. Nun ja, bei dem Spiel war es allerdings auch nicht so richtig verwunderlich, dass wir da supporttechnisch kein Feuerwerk abgebrannt haben. Zum Spiel sag ich hier jetzt auch nichts weiter, da wurde bereits genug zu gesagt und ist für mich ehrlich gesagt auch kein Thema mehr. Einzig, dass es definitiv verdient war in dieser Höhe zu verlieren und wir gefühlt nicht einen verdammten Schuss aufs Tor hatten. Nun gut.

Man trat also erneut die Heimfahrt ohne Punkte und dafür mit der Hymne Wattenscheids an. „Auswärts ist man asozial“ wurde mit einem Stop bei dem großen M dann zu „Auswärts isst man asozial“ umgemodelt und mal wieder die Bundesstraßen mit feinstem deutschem Hiphop und natürlich Killermichel beschallt. Kinners, fahrt mit uns auswärts, das ist echt ein Fest.

Ehrlich gesagt hab ich nun auch so lange für den Text gebraucht, dass mir gar nicht mehr viel dazu einfällt. Eigentlich schade. Aber ich versuche das bei Sandhausen dann doch wieder zeitnaher hinzubekommen und schließe das hier auch nur der Vollständigkeit halber ab. Ich gelobe Besserung. Naja, ich versuchs jedenfalls.

Diese Saison dürfte sich allerdings auch bessern, wobei es wohl eine dieser bleiben wird, in denen wir uns fragen, warum wir den ganzen Scheiß eigentlich machen. Der einzige Lichtblick? Normalerweise liefern die Saisons, die auf genau solche folgen, immer die Antwort darauf.

Genießt die restlichen Tage der Länderspielpause. Für mich gibt’s diese Woche noch nicht wieder Fußball und demnach sehen wir uns in Sandhausen. Bis dahin.

 

 

 

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Ein Spiel, wie eine Liebeserklärung an die Regionalliga

Am Samstag, den 24. September 2016, gastierte der Bonner SC beim Regionalligisten Sportfreunde Siegen im Leimbachstadion. Eine Chronologie eines Regionalligaspieltages voller Kuriositäten und einer Kurve, die eine nazifreie bleibt. 

Meine erste Begegnung mit dem „professionellen“ Fußball bescherte mir im Jahr 2005 der Aufsteiger in die 2. Liga: die Sportfreunde Siegen im Spiel gegen den TSV 1860 München, dem ich heute noch viel mehr Abneigung entgegen bringe, als ich es damals als 10jährige überhaupt gekonnt hätte. Die Sportfreunde hingegen blieben der „Heimatverein“, ich muss zugeben und mich schuldig bekennen, eher in den guten Zeiten hingegangen zu sein, doch spätestens, als ich auch anfing viel mit dem FC St. Pauli unterwegs zu sein, zog es mich immer wieder zum lokalen Verein, durch die Oberligasaison hindurch bis nun auch wieder in die Regionalliga West. Und der heutige Spieltag, der war einer, den man einfach festhalten muss. Irgendwo zwischen Absurdistan und Waszurhöllehausen lag nämlich heute das wunderschöne Siegerland und in ihm das charmante Leimbachstadion. Jedenfalls charmant, wenn man auf Darmstädter Böllenfalltor-Atmosphäre steht. Und das tun wir.

Es ist ein Samstag, näher am Oktober denn am Sommer und dennoch brennt die Sonne vom Himmel, als wolle sie uns allen noch ein letztes Mal ordentlich einheizen, bevor die dunkle Jahreszeit endgültig anbricht. 14 Uhr Anstoßzeit erlaubt einen gemütlichen Morgen und die gegebenen Umstände in der Regionalliga eine noch viel entspanntere Anreise. Das Auto geparkt, zu Fuß am Waldrand mit dem Stadion zur Linken zum Eingang schlendern und noch schnell das Ticket für sechs Euro kaufen. Hinein, ohne Kontrollen, ohne schellende Ansagen, einfach ein ganz entspannter Fußballsamstag. Regionalligasamstach.

Es gibt keine Schlange am Bratwurststand, zu dritt stehen wir dort und können wählen zwischen einer Krakauer oder einer normalen Bratwurst. Vegetarier schauen hier eher in die Röhre. Die Rondellbelegschaft hat gut zu tun, eine komplette Gegengerade zu versorgen, doch auch das geht heute flott. In der üblichen Belegschaft nehmen wir den Stammplatz ein, der sich herrlich vertraut in einem Stadion anfühlt, in dem man sich zwar heimisch, aber dennoch nicht so zuhause fühlt, wie in denen unserer Erstvereine. Die Sportfreunde bleiben der kleinere Verein in den Herzen der dreien, die sich hier in der Sonne einfinden und auf ein … nun ja, Aufsteigergekicke einstellen. Es wird sich entspannt auf die Stufen gesetzt, die Bratwurst verkrümelt und gequatscht, über all das, was sonst im Stadion für uns wohl keinen Platz findet. Wir witzeln, sind entspannt. Es fehlt angenehmerweise dieses „Wir müssen gewinnen, um jeden Preis!“-Gefühl.

Zu unserer Rechten steht eine Gruppe Senioren, die scheinbar einen Ausflug macht und wohl zum Großteil länger nicht mehr bei den Sportfreunden war. Zu unserer Linken, etwas weiter entfernt als sonst, die Ultràs, die Turnschuhcrew. Mit einem Banner fordern sie zum Mitsingen auf, denn wer nur zuschaue und auf den Wandel warte, der würde nun mal auch nichts ändern. Es gibt eine gute handvoll junge Frauen, die ihren Weg zwischen die oberkörperfreien Männer gefunden haben, und die genauso wie ihre männlichen Pendants immer da sind. Mich freut diese Entwicklung, gerade beim Blick in den Gästeblock.

Dort sammeln sich die Fans des Bonner SC. Im Gästeblock, der auch nicht immer offen ist, in einer Liga der Zweitvertretungen und gescheiterten „Eigentlich gehören die doch in die erste Liga!!“-Vereine. Es gibt eine Gruppe, ebenfalls natürlich oberkörperfreier, Männer, dich sich zu einem Supportblock formiert haben, daneben ein paar zerstreute Grüppchen, über den restlichen Block verteilt. Der Bonner SC, ebenfalls ein Aufsteiger in der Regionalliga, scheint hauptsächlich männliche Fans mitgebracht zu haben, was im späteren Verlauf noch für einige Lacher bei uns sorgen wird.

Überall herrscht heitere Stimmung. Dennoch ist man ein wenig enttäuscht, hätte man doch bei solch herrlichem Wetter und einem Spiel am Samstagmittag mit mehr Leuten gerechnet, als die 1138, die es nachher wohl tatsächlich waren. Das Leimbachstadion besticht mit seinem brachialen achtziger Jahre Charme, lässt uns auf der Gegengerade ein weiteres Mal die Sonne anbeten. Über die komplette Breite der Gerade und der Kurve gegenüber des Gästeblocks verteilen sich, mal enger, mal weiter auseinander, Grüppchen von Leuten, die heute wohl nicht viel erwarteten.

Mit den ersten Tönen der vertrauten „Prematch“-Musik, die passenderweise lange Teil meiner Workoutplaylist war, und schließlich von der weniger schönen der zwei Hymnen, kommt Bewegung auf die Gerade: Die vorher noch sitzenden erheben sich und wer vorher in Gespräche vertieft war, richtet nun den Blick auf die Mannen, die dort unten auf dem Grün einlaufen und sich auf das Spiel einschwören.

Immerhin gibt es dieses Mal von den Gästen etwas zu hören, dank der Spielpläne der Erstvereine planen wir ja nun zumeist um diese Termine herum und hatten mit den Zweitvertretungen zuletzt ja eher wenig Stimmung von den Gästen mitbekommen. Die Freude darüber weicht allerdings schnell der Ernüchterung, ob dem, was sie da von sich geben. Schmähgesänge, auf die von Heimseite gar nicht erst eingegangen wird, ziehen sich durch den kompletten Spielverlauf. Die Siegener antworten mit umso lauterem Support der eigenen Mannschaft.

Die ersten zwanzig Minuten braucht die junge Mannschaft, um sich ein wenig in das Spiel einzufinden, doch die Spielzüge sehen vielversprechend aus und scheitern oft nur um wenige Zentimeter oder eine Fußbreite kurz vor dem Netz. Es geht viel nach vorn, das Spiel läuft flott vor sich hin und wir, die wir die letzten Spiele nicht gesehen haben, sind erfreulich überrascht, was die Sportfreunde da auf den Platz bringen. Waren die Bonner vielleicht die erste Viertelstunde deutlich überlegen, so spielen nun die Männer in Rot ordentlich auf und verpassen nur, den Ball auch wirklich im Netz zu versenken.

Rot ist da dann auch das passende Stichwort: In einem „Zweikampf“ gegen Torhüter Baumann nimmt Sobiech vom Bonner SC den Ellenbogen etwas zu offensichtlich zur Hilfe und darf sich daraufhin die restliche Spielzeit von der Tribüne aus anschauen. Verleiht es nun erst mal Mut, in Überzahl zu sein, können die Sportfreunde zumindest in der ersten Hälfte noch nichts daraus machen: Sie spielen weiter couragiert nach vorne und verteidigen die konterstarken Bonner recht sicher.

Während das Geschehen auf dem Spielfeld durchaus vielversprechend ist, besticht die Stimmung auf den Tribünen durch klassisches Regionalligaflair: Es wird gepöbelt, was das Zeug hält – ob nun vom rüstigen Rentner, der vermutlich schon hier stand, als unsere Eltern nicht mal geboren waren, vom Bankier, der nach Feierabend schnell ins Stadion zog oder eben den Ultras, die sich lautstark Gehör verschaffen. Ein herrliches Aufeinandertreffen zweier dieser Gruppen wird von einer nicht ganz einheitlich gesehenen Abseitsentscheidung provoziert: Von links stürmt ein wutentbrannter Ultra in Richtung der Absperrung und teilt dem Linienrichter nachdrücklich seinen Unmut über die gepfiffene Entscheidung mit. Das wiederum provoziert einen RR, rüstigen Rentner, dazu, die Stufen halbwegs sicher in einem Mittelding zwischen Gehen und Trab hinunter zu hechten und den Ultra zu bepöbeln, dass er gefälligst nicht den Schiri anzupöbeln habe. Getrieben von der Gruppendynamik eilen dem Ultra natürlich seine Kumpanen zur Hilfe, ohne jedoch damit gerechnet zu haben, dass auch der Senior durchaus Rückhalt in seiner Gruppe erfährt. Nun bepöbeln sich munter zwei Fangruppen des gleichen Vereins untereinander, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Natürlich sehr zur Belustigung aller Umstehenden. Mit einem gegenseitigen „Geht zurück dahin, wo ihr hingehört!“ (was hier definitiv den Stehplatz im Block meinte) löst sich die Truppe schließlich wieder auf und das Spielgeschehen tritt zurück in den Vordergrund. Alle verrückt in der Regionalliga.

Dass wir hier in der Regionalliga sind, schützt uns allerdings auch nicht vor diesen grausigen „Wir müssen irgendwie die 15 Minuten Pause um kriegen!“-Halbzeit-Spielen, die sich hier halt nur etwas einfacher gestalten: Ein Ball wird auf die Gerade geschossen, wer ihn fängt, darf dreimal gegen einen zweiten Teilnehmer auf Minitore schießen und gewinnt irgendwas vom lokalen Elektromarkt. Soweit die Theorie. In der Praxis bekommt eine der Damen aus der Seniorenausflugsgruppe den Ball voller Wucht an den Kopf und gefangen wird er von jemand anderem, der auch zum Spiel antritt und deutlich mit 3 zu 0 gegen seinen Kontrahenten gewinnt. Soweit alles normal. Als er dann jedoch die Stufen zu der Dame hinauf stapft, um ihr den soeben gewonnenen Preis ganz gentlemanlike zu überlassen, klatscht die halbe Gegengerade für diese sehr feine Aktion – jedenfalls die Hälfte, die es mitbekommen hat. Ganz großes Tennis!

Und wer nun denkt, dass die Halbzeit dann ja wenigstens nicht langweilig war, dem sei gesagt: Das ist nicht alles! Hinter uns, ziemlich genau sogar, bricht eine Art Tumult aus. Die Köpfe wenden sich um und erblicken zwei, die gerade im Begriff sind, sich zu prügeln. Die Zeit reicht gerade noch aus, festzustellen, wer die beiden Kontrahenten sind, bevor die Prügelei dann tatsächlich ihren Lauf nimmt – unter munteren Beschimpfungen der Seniorengruppe, die einfach nicht mitbekommen will, dass der Auslöser definitiv der in Siegen nun mal sehr starken Neonazi-Szene zuzuordnen und nicht alleine unterwegs ist, sondern viel lieber die Störenfriede „Ultra“ als ihr erneut zu bepöbelndes Ziel auswählen. Es ist ein kurzes Intermezzo, die Ultras eilen ihrem Kumpanen zur Hilfe während die Polizisten genauso hilflos mit verschränkten Armen neben dem Geschehen stehen, wie die beiden Ordnerdamen, die zusammen vielleicht so viel auf die Waage brachten, wie der Störenfried alleine. Im Endeffekt ist es aber genau das Richtige: Die Ultras entfernen die offen als solche erkennbaren Nazis unter lauten und geschlossenen „Nazis raus!“ Rufen aus dem Block und sorgen gemeinsam dafür, dass sie auch wirklich dem Block fern bleiben.

Für mich war die hiesige Ultragruppierung bis dahin als maximal unpolitisch im Denken verankert, doch dass sie mit solcher Vehemenz und diesem Nachdruck wirklich gegen die rechten Umtriebe im eigenen Vereinsumfeld vorgehen, ließen sie in meiner Sympathie unaufhaltsam steigen. Respekt, Turnschuhcrew! Diesen Einsatz würde man sich von weit mehr Szenen wünschen.

Während sich die Bonner nun vermutlich gern weiter über das Geschehen auf der Gegengerade lustig gemacht hätten, amüsierten sie eher uns, denn das was wohl als „Sportclub!“ aus ihrem Gästeblock gerufen wird, kommt bei uns, gemäß dem vorhin erwähnten Geschlechterverhältnis, eher als „Boygroup!“ an. Da wir nun mal leicht zu erheitern sind, haben wir da eine ganze Weile unseren Spaß dran und als der gerade abzuflauen droht, schießen die Sportfreunde aus dem Nichts das Tor, das so lange erwartet wurde.

Mit einem „Take That!“ in Richtung der Boygroup eskaliert unser Grüppchen. Mit einer Führung hatten wir nun wirklich nicht so ernsthaft gerechnet, auch wenn die Spielanlage der Siegener deutlich vielversprechender aussah, als die der Bonner zu dem Zeitpunkt. Nun wäre es allerdings nicht ein typisches Spiel, finge man sich nicht relativ zeitnah direkt den Ausgleich. Die 2:0 Führung war zwar definitiv griffiger gewesen, doch das hindert natürlich die Bonner nicht daran, mit einem sauberen Angriff den Ausgleich zu erzielen. Ernüchterung macht sich breit. Noch ein Tor? Nun ja, es war noch Zeit.

Und während die Sportfreunde weiter forsch nach vorn spielten, unterläuft Keeper Baumann ein Schnitzer, der nun mal in solchen Spielen knallhart bestraft wird: Waren die Siegener vorher näher an einer erneuten Führung dran, so übernehmen dies nun die Bonner – mit einer Vorlage vom gegnerischen Torwart.

Mit diesem Führungstor in Minute 72 traten dann tatsächlich einige den Heimweg an. Ich pöbele munter vor mich hin, dass Frühergehen in der Regionalliga genauso scheiße ist, wie bei einem 7:0 der Bayern, unterdessen setzt das Geschehen auf dem Grün zum Höhepunkt dieser … absurden Partie an: Der Schiedsrichter sieht sich gezwungen, einem Spieler die gelbe Karte zu geben – und tut dies wörtlich. Erst nach einigen Sekunden prusten wir los, als der Spieler dem Schiedsrichter die Gelbe Karte wieder zurück gibt und wir vermutlich in diesem Moment, das absurdeste des kompletten Tages bezeugt hatten. Ein Schiri, der die gelben Karten tatsächlich abgibt, erklärt auf jeden Fall, warum sie immer mehrere in der Tasche haben.

Ein Spiel voller Kuriositäten hat allerdings auch einen Vorteil: Es ist verdammt nochmal alles möglich. Und so passiert es genau so, wie die bereits „Auswärtssieg!“ skandierenden Bonner es verdient haben: Während sogar die Siegener Ultras schon anfangen, ihre sieben Sachen zusammen zu suchen, erzielt der eingewechselte Jakub Jarecki in der zweiten Minute der Nachspielzeit den Ausgleich für die Sportfreunde. Eskalation pur auf der Gerade, Gepöbel in Richtung des Gästeblocks und heiteres Gelächter machen sich breit – über die Bonner, die den Sieg schon besungen hatten, über die Pfeifen, die immer meinen früher gehen zu müssen und solche Spielausgänge dann gerechtermaßen verpassen und natürlich über einen Regionalligasamstach, der mit Kuriosem, Richtigem und super Atmosphäre nicht zu geizen wusste.

Und die Moral von der Geschicht? Einen Besuch der Regionalligisten bereut man nicht. Geht hin, gebt euch die kuriosen Geschichten, die oberhalb der Kreisliga eben nur die Regionalliga zu schreiben weiß und habt genauso viel Spaß wie wir. Und wenn ihr schon dabei seid, dann sorgt auch dafür, dass die Kurve frei von solchen Pfosten bleibt, die auch heute ihre Grenzen aufgezeigt bekommen haben. Nazis raus!

#supportyourlocalregionalligateam

 

 

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Konzeptlos? – Der FCSP beim KSC

Irgendwie fühlte sich das Ganze falsch an … seit Tagen hatte ich im Kopf, dass es zum SV Sandhausen gehen würde. Gut, wäre ich dorthin gefahren, hätte ich wohl vor einem noch leereren Stadion gestanden, als in Karlsruhe, aber zumindest die Richtung hätte grob gestimmt. Die Erkenntnis, dass das Spiel gegen den SV erst im Oktober anstand und ich stattdessen doch lieber noch ein Stück weiter zum Wildpark fahren sollte, kam glücklicherweise noch früh genug, sodass ich mich gestern müde, muffelig und mit viel Kaffee, als würde es nach Leipzig oder sonst wohin gehen, auf den Weg machte.

„Dreh das auf, bis der Rückspiegel wackelt“ lautete die Devise und so cruiste, düste und bummelte ich gen Süden. Das Navi hielt es für eine wundervolle Idee, mich gut vierzig Kilometer vor meinem Ziel auf die Landstraßen zu schicken, statt weiter über die Autobahn zu schwimmen, die sich mittlerweile zu einem regelrechten Kanal entwickelt hatte. Von wegen im Süden ist das Wetter immer schöner, nech.

Mit Hamburger Wetter im Gepäck nutzte ich dieses Mal einen der ausgewiesenen Parkplätze, was definitiv das letzte Mal war. Dann doch lieber an der Allee, statt fünf Euro für zwei Stunden da zu lassen. Und ja, ihr pöbelnden Erstligafans [;)], ich weiß, dass das dort Standard ist. Wenn ihr euch mal an die zweite Liga erinnert, dann kann man zumeist ja recht günstig bis kostenfrei parken – mit der Ausnahme von Düsseldorf, das gesteh ich ja ein. Und vermutlich München und Berlin und Hamburg, da bin ich allerdings noch nicht mit dem Auto hin. Sagen wir einfach so, dass der KSC sich im Gesamten in einer eher erstligatauglichen Preisklasse bewegt und da eben in der zweiten Liga doch deutlich heraus sticht. 5 Euro fürs Parken, 5 Euro Getränk … zack, teurer als der Eintritt.

Dem Wetter war es auch geschuldet, dass nicht wenige zu Anfang noch im Auto sitzen blieben und eine Art Autokino ohne Kino veranstalteten. Rings um wurde Proviant vernichtet, Volleyball gespielt (kein Scheiß) und die Zeit zum Anpfiff vertrieben, schließlich saß man so noch im Trockenen, was sich spätestens mit dem Betreten des Stadions von „Sitzen im Trockenen“ zu „Sitzen auf dem Trockenen aber im Regen“ wandeln würde. Gewohntermaßen gab es natürlich beim KSC nur Alkoholfreies für pöbelndes Zeckenvolk, was man genauso weglassen könnte. Nun gut. Immerhin da spart man dann Geld…

Die Kontrolle war … gründlich. Extremst. Rucksackverbot galt ja eh schon und so hatte man alles auf das Nötigste beschränkt, was in diesem Fall nun mal Portemonnaie, Handy, Autoschlüssel und Kaugummis waren. Wobei letztere das größte Problem dazustellen schienen, die hatte ich nämlich vergessen und wurde barsch aufgefordert, meine Taschen zu entleeren. Ich weiß ja nicht, was sie da vermutet haben, aber auf dem Gesicht machte sich Enttäuschung breit, als ich die Packung barg.

Das Wildparkstadion ließ sich schließlich erklimmen. Ich erinnerte mich, dass ich diese „Halbstufen“ letztes Jahr schon doof fand (allerdings vorletzte Saison) und da das Stadion bei gutem Wetter wirklich was hatte. Bis auf Sound. Aber dazu später. Nun bei Regenwetter und Matschblock wurde kurzerhand über WhatsApp das Pendant zur Siegener Turnschuhcrew gegründet: Gummistiefelcrew – Schönwetterfans sind gestern. Erwartet großartige Banner in der Regionalliga. Ob das Original mit den Turnschuhen davon begeistert ist, sei zu bezweifeln.

Man jedenfalls alles behaupten, aber ab und an bin sogar ich lernfähig: Aus meinem letzten Auswärtsfiasko beim KSC gelernt, wurde dieses Mal ein Platz weiter unten, näher am Support gesucht. Wobei das auch nur so halbwahr ist, schließlich tappste ich einfach hinterher, winkte unbeholfen in die Runde und hab eigentlich immer noch keinen Plan, wer jetzt alles dazu gehörte. Wenn euch die Beschreibung also irgendwie bekannt vorkommt, ich war die, die gewunken und „Hi, ich bin Leonie“ genuschelt hat. Und eigentlich bin ich eine ganz liebe.

Bis zum Anpfiff regnete es auch munter weiter, dann setzte das Wetter zur Beschallung durch diverse Lieder aus. Eines fürchterlicher als das andere. Da war das kurzzeitig im Block gesungene „Paderborn, erhebe dich und lauf!“ ja noch erträglicher. Und einzig Darmstadt sind mit ihrem Schlaflied vor Anpfiff noch weiter unterirdisch in Sachen Stadionbeschallung. Oh, Himmel hilf.

Tat er. Regnete nämlich munter weiter, setzte aber auch ab und an mal aus, das muss man ja zugeben. Alles in allem hätte es deutlich schlimmer kommen können. Jedenfalls was Wetter und Spiel anging. Ja, gut, Support auch.

Da war allerdings ein bisschen Chaos. Zwar gewohnte Gesichter am Zaun, aber nicht das sonst tonangebende. Chaos zwischen den dreien, man steuerte zum Teil massiv gegeneinander – ob absichtlich und aus welchen Gründen oder durch Zufall mag ich aber weder beurteilen noch vermuten, das einzige was sicher war, war das Ergebnis: Der Support, der in Karlsruhe gewohntermaßen eher schwierig ist, weil einfach das Dach, die Akkustik fehlt und – entschuldigt, dass ich es so deutlich sage – unfassbar viele „Umlandfans“ kommen (wie das gemeint ist, wird gleich noch deutlich), war zäh. Sehr. Vergleichbar damit, wassergetränkte Fahnen zu schwenken. Oh, wait.

Nasse Fahnen wurden geschwenkt, der Support irgendwie aufrecht erhalten und man wurschtelte sich so ein wenig durchs Spiel. Jedenfalls durch die ersten zwanzig Minuten, die am Feld ähnlich schwergängig waren, wie unsere Unterstützung. Deswegen lasst mich kurz auf die Umlandfans eingehen: Es ist jeder im Block willkommen, der die grundsätzliche Haltung des Vereins vertritt, das ist klar. Aber genauso sollte man jeden den Support so erleben lassen, wie er oder sie es für richtig hält. Dass man fürs Singen angepampt wird, geht einfach gar nicht. Jemandem im unteren Teil des Blocks zu sagen, er sollte die Fahne runter nehmen ist halt auch irgendwie eher … naja. Aber hauptsache nachher zu den ersten gehören, die bemängeln, dass der Support so leise war. Mimimimi. Dann kriegt auch die Zähne auseinander, ihr Kritiker. Ändert was. Macht’s besser. Aber nur motzen? Klar, ist ja einfacher.

Der Support ist da einfach schwierig. Noch schwieriger, wenn nicht an einem Strang gezogen wird. Supportfrust beim KSC, alles wie immer. Dafür ging es allerdings wirklich noch ganz gut. Das war schon schlimmer, definitiv. Wir haben das Stadion zwar vielleicht nicht abgerissen, aber das übernehmen ja nächstes Jahr auch andere für uns, wenn das Wildparkstadion abgerissen wird. Warum man ein Stadion neubauen muss, wenn man es nicht mal voll bekommt, erschließt sich mir allerdings nicht so wirklich. Mit um 14.000 Fans war die Zahl jedenfalls geringer, als ich erwartet hätte.

Nach den ersten zwanzig Minuten wurde zumindest das Spiel etwas munterer und da wir im Schlamm gemeinsam hüpften, der Regen mal aussetzte und man sogar die Jacken ausziehen konnte, ging es mit der Moral etwas aufwärts. Gekrönt von einem sehr überraschenden Führungstor durch – was fragt ihr eigentlich – natürlich Aziz Bouhaddouz!

Choi bereitete das indirekt vor, in dem er ein ziemlich ungeschicktes Rückspiel zum Torwart erzwang, genau richtig nachsetzte und somit Aziz den Ball erkämpfen konnte, weil er schlicht schneller war, als sein Gegenspieler. HERR-LICH.

Schöner Jubel, Freude und back to business. „Hier gewinnt nur einer – Sankt Pauli und sonst keiner!“ Danach sah das Spiel auch ein wenig aus, aktiver waren die Boys in Brown, nur wenige chancenartige Szenen des KSC und deutliche Konzeptlosigkeit auf der Seite. Man bekam keine Herzkasper, aber das wars auch schon. Bevor man hier nicht 3-0 führte (und selbst dann vermutlich noch nicht) konnte man sich nicht wirklich sicher fühlen. Und schon gar nicht, dass man die drei Punkte auch mit nach Heim nehmen konnte.

So verblieb man bis zur zweiten Hälfte eher mit einem „Da muss noch mehr kommen“/“Abwarten“. Und auch dann, nun ja, ging nicht so richtig viel. Außer Wechselgesänge im Block, die gingen ganz gut, das kann man nicht anders sagen, und wurden auch im späteren Verlauf nochmal aufgegriffen, weil es ganz gut lief.

Und dann kam es natürlich, wie es kommen musste. Gegentor. Gegentor der Marke „Man sieht im ersten Anspiel, dass der zwei Stationen weiter reingehen wird“. Gefühlt war es die erste wirkliche Chance im Spiel für den KSC, tatsächlich hatten sie ja schon einen nicht ganz so weit entfernten Schuss aufs Außennetz, und die verwandelten sie halt.

Im Gegensatz zu uns. Drei, vier hochkarätige Chancen und allesamt liegen gelassen. Uns kam im Stadion Choi unheimlich schwach vor, auch wenn natürlich das vorbereitete Tor und seine Chance später eigentlich ein anderes Bild zeichnen. Dennoch wunderte ich mich, warum man Miyaichi rausnahm und den (mMn) schwächeren Choi drin ließ. Bei den Chancen, die Aziz zum Teil vorbereitete, hätte man sich ihn lieber in der Mitte gewünscht, als in der Rolle des Vorbereiters, die er allerdings auch wundervoll spielt, weil es eben niemandem gelang, den Ball noch einmal ins Netz zu befördern.

Spätestens mit der Auswechslung Sobotas ging es ein wenig vor die Hunde. Da ging nicht mehr viel nach vorn, der KSC hatte nach dem Tor doch irgendwie entdeckt, dass Fußballspielen helfen könnte und wurde stärker, wenn auch nicht richtig zwingend.

Positiv hervorzuheben ist die Stabilität in der Defensive, mit Ausnahme vom Gegentor, aber das steht ganz gut dort hinten. Mit Sobiech und Hornschuh innen, Hedenstad und Buballa auf den Außen kann man wirklich beruhigt Fußball schauen. Nach vorne geht es dann ja auch – das größte Manko sind aktuell wirklich noch die Abschlüsse.

Das kann der liebe Aziz vom Kiez (wundervolle Schöpfung an dieser Stelle!!) aber leider nicht alleine retten. Und wenn man eines sehen konnte, dann, dass er sich den Allerwertesten aufgerissen hat. Bis zum Ende. Mit Abpfiff kam der Ball in seiner Nähe runter und er säbelte ihn voller Wucht weg.

DAS will ich sehen. Und zwar nicht nur bei einem Spieler, sondern bei allen. Und am besten nicht in Minute 93 sondern so … 60? Dieser Frust, der sollte nach vorn helfen und ich hoffe, dass uns das in den nächsten Spielen eher gelingt.

 

Nun gut. Was bleibt? Noch 36 Punkte. Immerhin einen mitgenommen. Der Support war Chaos pur, konzeptlos, aber das Spiel irgendwie auch. Aktuell befinden sich beinahe alle Aufstiegsaspiranden des letzten Jahres auf den Rängen südlich der 13 und das finde ich bezeichnend, während sich die Aufsteiger oben tümmeln und dort mitmischen wollen. Mit dem FCN, KSC und dem FCSP dort unten drin, sind bisher nur Union, Bochum und Heidenheim nicht abgestürzt. Aber wir räumen das Feld halt einfach von hinten auf.

Allerdings vermutlich erst nach Donnerstag. Rechnen wir mal mit maximal 6/9 Punkten und setzen ganz optimistisch einen Zehner auf die besonders sympatischen Blauen aus München.

Und bevor ich mich hier nun an Sarkasmus verschlucke: Wir sehen uns in Hannover, Berlin müsst ihr leider ohne mich rocken.

 

Bis dahin.

… voran St. Pauli, St. Pauli – maaaagischer FC!

 

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Aus Mücken Elefanten machen – Auswärts bei der SGD

Auswärts bei Dynamo Dresden. Ein Spiel, das ich vermutlich in der letzten Saison herbei gesehnt hätte, worauf ich hingefiebert hätte – in dem festen Glauben, sie aus ihrem eigenen Stadion schießen zu können. Nun ist aber nicht mehr letzte Saison. Vor drei Wochen hat die neue begonnen und leider strengt mein FCSP sich momentan gewaltig an, meiner ziemlich pessimistischen Saisonprognose, dass wir dieses Jahr mal wieder gegen den Abstieg anspielen werden, gerecht zu werden. In diesem Lichte war natürlich die Vorfreude durchaus getrübt, auf ein Spiel beim „Hassgegner“, tatsächlich rangiert Dynamo in meiner Liste der am wenigsten sympathischen Verein (Ich finde, das hab ich sehr diplomatisch ausgedrückt) ziemlich weit oben – im stetigen Wettstreit mit der Hansa und Konsorten. Aber nur auf das Spiel. Ich machte mir die „Erwarte das Schlimmste, dann kann es nur besser werden“-Haltung mal wieder zu  eigen und freute mich auf die Fahrt, mit der Ausnahme von neunzig Minuten. Ihr dürft mich weise nennen.

Für mich begann die Auswärtsfahrt schon am Samstag mit der Fahrt aus meiner Heimatstadt nach Hamburg. Wer nun einen groben Überblick über die geografische Lage hat, könnte bemerken, dass das vielleicht nicht der direkte Weg nach Dresden war, um es mal vorsichtig auszudrücken. Im Gegenteil, von Hamburg aus ist es sogar noch weiter nach Dresden, als von „Zuhause“ aus, aber es war nun mal ein Spiel, das man möglichst nicht alleine anfährt und da ich die Möglichkeit hatte mit der Hamburger Bezugsgruppe zu fahren nahm ich das natürlich liebend gern wahr. So fiel ich am späten Abend in der Lieblingsstadt ein und harrte der Dinge, die da wohl oder übel kommen würden.

Noch ziemlich müde, noch verklatschter als sonst und natürlich etwas morgenmuffelig ging es am frühen Sonntag dann gen Dresden. Die Müdigkeit und vor allem der Morgenmuffel in mir verzogen sich spätestens, als zum vierten Mal Scooter lief und man sich darauf geeinigt hatte, dass Litfaßsäule ein absolut passendes Synonym für Armaturenbrett und damit ein zu schützender Lebensraum von Ottern war. Eine witzige Fahrt, die noch ziemlich von der „Vorfreude“, naja, sagen wir, der hoffnungsvollen Erwartung geprägt war, dass wir Dresden doch weghauen könnten. Schließlich sollte eigentlich nichts motivierender für die Mannschaft sein, als gegen diese Truppe zu gewinnen, oder? Aber das hätte man gegen Braunschweig auch sagen wollen und da … naja, hat das ja auch totaaal gut hingehauen. Nicht.

Ein paar Worte zur allgemeinen Anreise: Wir fuhren inkognito. Also so gut wie. Bis auf ein Wappen auf der Kappe konnte man uns jedenfalls das Fansein nicht ansehen. Und dass das nötig ist, um sich halbwegs sicher zu fühlen, sagt natürlich auch einiges. Aber dafür ist an dieser Stelle kein Platz, weil ich mich sonst vermutlich wieder in Argumentationen verlieren und die halbe digitale Menschheit gegen mich aufbringen würde. Daher nur so viel: Mit jedem Stopp, der näher an Sachsen lag, wurden die Haltezeiten kürzer, weil man nichts riskieren wollte. Mehr muss man nicht wissen.

Der Parkplatz wurde angefahren, wir schlossen uns dem Rest des Trupps an und dann ging es bei Höllentemperaturen Richtung Stadion. In der puren Hitze, mit Shuttlebussen, die uns immerhin direkt vor dem Gästeeingang ablieferten, sodass nicht noch ein Marsch durch „Dynamoland“ nötig oder überhaupt möglich war. So und an dieser Stelle sollte man vielleicht anmerken, dass ich in den folgenden Absätzen nicht viel Gutes weder an der Heimmannschaft, samt Umfeld, noch an der Leistung der eigenen lassen werde, wer sich das also ersparen mag, der klicke lieber oben rechts auf das Feld mit dem „X“, ich nehms auch nicht übel.

Die Polizisten empfingen uns mit gebrülltem „ALLE NACH RECHTS! ALLE NACH RECHTS! DAS IST DA WO DER DAUMEN LINKS IST!“, was nicht nur eine schlicht und ergreifend falsche Wegweisung war, sondern auch  noch so herzlich herablassend vorgetragen, dass man sich ein bitteres „Tja, mit rechts könnt ihr halt besser.“  nicht verkneifen konnte. Man machte sich jedoch einfach auf den Weg Richtung Einlass und ließ die aufs Schlimmste vorbereiteten (Digga, Wasserwerfer, ernsthaft?) Truppen ihrer Aufgabe walten. An der ersten Kontrolle wurde lediglich ein Blick aufs Ticket geworfen und bevor man dann durch die  zweite Barriere gelassen wurde, das Ticket gescannt, wohinter dann die Kontrolle der wenigen verbliebenen Taschen und zahlreicheren Personen vollzogen wurde. Es herrschte allseits eine eher gereizte Stimmung, wobei ich aber nicht zu sagen vermag, ob das an der brütenden Hitze, der generell miesen Stimmung gegenüber allem was Dynamo so macht oder einer Mischung aus beidem, samt böser Vorahnung war. Man muss aber anmerken, dass die Kontrollen nicht übermäßig drastisch waren. Klar, man wurde abgetastet, bis zum Schuhwerk, und Taschen waren von vornherein nicht erlaubt, aber wir hatten uns darauf einstellen können und alles Unnötige im Auto gelassen. Natürlich ist das nicht so einfach, wenn man eben anders angereist ist, da hab ich durchaus Verständnis für Unmut. Aber so richtig freudig erwartend kam mir die Stimmung da schon nicht mehr vor.

Getränke geschnappt, was zu essen auf der Hand, ich habe schließlich einen Ruf zu verteidigen!, ging es dann in den, nennen wir es mal „kompakten“ Gästeblock hinein. Das Stadion an sich ist von außen ja eher unspektakulär und ich wüsste jetzt schon nicht mehr so richtig wie es aussah, aber von innen kennt man natürlich die Aufnahmen der Spiele von Dresden, selbst wenn man live noch keinem beigewohnt hat. So ging es auch mir und bei jedem anderen, gut fast jedem Club, hätte mich womöglich eine gewisse Art Ehrfucht erfasst, als man sich den Stehblock hinter dem Tor mal genauer anschaute. Aber hier… naja, bei mir wuchs die Lust aufs Gewinnen, gemeinsam mit der Angst vor der Niederlage. Ich war zappelig. Krawallig. Pöbelte schon vor dem Spiel gegen den schwarzgelben, gesichtslosen Pulk aus Dynamofans.

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Wie wir alle. Scheiß Dynamo erklang und es fühlte sich gut an. Es fühlte sich wirklich gut an, einen Verein durch und durch, erlaubt mir das Wort in diesem Fußballkontext, ihr solltet wissen, wie das gemeint ist, hassen zu können. Und genauso gut fühlte es sich an, während des Spiels von Schmähgesängen abzusehen und sich auf den Support der eigenen Mannschaft zu konzentrieren, statt die gegnerische zu diffamieren. Während des Spiels gibt es da unten eben nur eine Elf, die zählt.

Bevor das erste Mal auch wirklich Stimmung unter den Heimfans aufbrandete, blickte man bei uns in der Runde in… nun ja, doch beeindruckte Gesichter. „Wir werden hier gefickt. Auf dem Rasen und den Rängen“ war die vermutlich beste Zusammenfassung zumindest dessen, was ich fühlte, bevor es auch nur richtig losging. Bei aller Antipathie und ja, vielleicht auch Hass, diesem Verein gegenüber ist es erstaunlich, was da auf den Rängen an Lautstärke aufgebaut wird. Und das fällt mir durchaus schwer anzuerkennen, aber es wäre ignorant und weltenverdrehend da etwas anderes zu behaupten. Dass die Dresdener Fans etwas ganz anderes erstaunlich fanden, dazu komme ich in diesem Text noch an passender Stelle.

Das Spiel begann relativ unauffällig. Es ging ein bisschen was in beide Richtungen, eine klassische Anfangsphase, bei der Hitze auch nicht übermäßig temporeich. Bis … ja, bis die Männer in Gelb uns über rechts einfach vollkommen übertölpelten. Der Ball darf niemals nicht so in den Strafraum kommen: langer Pass in den Strafraum, auf Lambertz, der muss den nur über den Fuß streichen lassen und Himmelmann ohne Chance da noch dran zu kommen. Jo, und dann liegt man auf einmal in Minute Sieben hinten ohne wirklich zu wissen, wie diese Chance jetzt schon wieder entstanden ist. Nachdem ich nun die Fernsehbilder gesehen habe, geht das zum großen Teil auf Chois Kappe, der Teixeira einfach vollkommen frei gewähren und vor allem zum Pass auf Lambertz kommen ließ.

Bei mir machte sich zu dem Zeitpunkt schon Resignation breit. Ich habe wirklich keine Ahnung, woher dieser allumfassende Fußballpessimismus diese Saison bei mir kommt, aber kaum fangen wir uns einen, dominiert bei mir der Gedanke, dass das Ding durch ist. Ein glückliches Tor könnte uns ja vielleicht gelingen, aber zwei? Oder mehr? Unmöglich. Und damit möchte ich nicht einmal unseren neuen Stürmer Aziz Bouhaddouz kritisieren, im Gegenteil, er ist momentan noch mein einziger Hoffnungsträger „dort vorn“, sondern die Gesamtsituation. Es ist einfach vollkommen ungefährlich, wenn die Boys in Brown sich in den Strafraum des Gegners gewurschtelt haben und selbst wenn man mal zum Schuss kommt, innerhalb des Strafraums und nicht 50 Meter davor, Dudziak!, gehen die Bälle strack auf den Mann, über das Tor drüber oder vollkommen daran vorbei. Es entsteht absolut und überhaupt keine Gefahr.

Es ist halt auch bezeichnend, wenn die erste richtige Chance irgendwann um Minute 35 entsteht.

Die erste Halbzeit war also eine zum Vergessen. Da klappte nichts so richtig und hätten wir mal wieder wen anders als Himmelmann im Tor oder ein bisschen weniger Dusel, dann wäre das auch definitiv nicht mit nur einem Tor Vorsprung in die Pause gegangen.

Wir hofften kollektiv auf einen richtigen Einlauf von Ewald, machte sich doch besonders der Eindruck breit, dass da einfach überhaupt keine Laufbereitschaft war. Ein Gonther, der da lustlos über den Platz trabte, fiel genauso negativ auf, wie Dudziak, der einem fünf Meter entfernten Ball nicht nachjagt. Ja, es war heiß, verdammt heiß sogar, aber man kann nicht alles darauf schieben. Und schon gar nicht in der ersten Hälfte. Und sollte nicht gerade ein Spiel gegen einen Verein wie Dynamo fuckin Dresden die Motivation, hinter JEDEM Ball her zu gehen, um JEDEN Ball zu kämpfen und zu versuchen JEDEN Zweikampf zu gewinnen, liefern? Aber das müsste eines gegen Braunschweig auch und dass das auch nichts geholfen hat, muss ich euch nicht erzählen.

Irgendwie fehlte da Schwung. Lust. Motivation. Kampfgeist. Und ich könnte für jedes weitere Wort, das mir hier noch einfiele, 5 Euro ins Phrasenschwein schmeißen, aber es wirkte einfach so. Das beste Beispiel war leider, und nein, das wird kein Spieler-Shaming, erneut Sören Gonther. Derart lustlos übers Spielfeld zu trotten, dass er beim Rückzug in die eigene Hälfte noch offensiver steht als Aziz Bouhaddouz. Als defensiver Mittelfeldspieler bzw. eingesprungener Innenverteidiger. Das kann mal passieren, klar, aber nicht in jeder zweiten Situation. In dieser Form bewirbt man sich halt eher darum, wechseln zu dürfen, was nun auch nicht wirklich überrascht, als dem Verein erhalten zu bleiben. Gonther ist allerdings an dieser Stelle exemplarisch genannt und es gäbe vergleichbare Situationen, für fast jeden der Elf, die eben in Dresden auf dem Platz stand. Und das – es kann man einfach nicht anders sagen – ist eine verdammt schwache Leistung.

Genau aus diesen Gründen machte sich bei mir besagte Resignation breit. Allerdings nicht nur das Spiel betreffend. Wenig erstaunlich, wenn man sich das Stuttgart-Spiel anschaut, wurde die zweite Halbzeit besser. Aber es war immer noch in einem Bereich, in dem nicht viel funktionierte. Wir hatten uns zur Halbzeit auf gleich mehrere Wechsel geeinigt, die allerdings in der Form nicht ganz aufgingen: Was wir jedoch auch erwartet hatten, war die Einwechslung von Picault, die allerdings nicht ganz so aufging, wie gehofft. Noch immer wandelt der Leichtathlet in Fußballschuhen zwischen Genie und Wahnsinn, entweder er spielt geniale Pässe oder treibt uns vollkommen in den Wahnsinn. Auch in diesem Spiel brachte er zwar ordentlich Schwung in die Partie, allerdings auch in einem ähnlichen Maße Chaos.

Die Auswechslungen überraschten mehr, als die Spieler, die neu ins Spiel kamen: Während wir einen Nehrig und ja, zugegebenermaßen unwahrscheinlich Gonther, auf dem Schirm hatten, traf es Sobota, der zwar keinen grandiosen erwischt hat, aber definitiv nicht zu den instabilsten am Platz gehörte. Der (spätere) Tausch von Miyaichi und Choi war allerdings ein vielversprechender und auch über die Einwechslung von Cenk Sahin herrschte eher eine positive Erwartungshaltung. Der wusste tatsächlich zu überzeugen und war damit einer der wenigen am Spielfeld.

Was auch in der zweiten Halbzeit absolut klar blieb, war, dass es derzeit noch an einem „vollwertigen“ Nachfolger für Ratsche fehlt. Buchtmann kann den Job nicht übernehmen, das ist nicht ganz seine Spielweise und Position. Dudziak spielte in der zweiten Hälfte zwischen Verzweiflungsschüssen und blindem Zug zum Tor, ohne Blick für die Mitspieler. Nun nach dem Ende der Transferperiode fehlt dieser Ersatz für einen derart quirligen Mittelfeldspieler wie Ratsche noch immer und ich bin gespannt ob wir diesen Verlust, denn das ist meiner Meinung nach der Größte der Transferperiode, mit einer Spielumstellung ausgleichen werden können. Der St. Pauli-Fußball von letzter Saison, der Umschalt-Fußball, ist in dieser Form aktuell weder möglich noch umsetzbar.

Ja, nun wollen wir keine aus Mücken keine Elefanten machen. Es ist der dritte Spieltag und bis zu den 40 Punkten haben wir noch viele Spiele, genauso bis zur Deadline. Dennoch: Dieser allgegenwärtige Pessimismus festigt sich momentan. Und das äußert sich auch darin, dass die denkwürdigste und für mich erinnerungswürdigste Szene der zweiten Hälfte der „Wechselgesang“ mit den Dresdenern war. Auf ihr „Dy-na-mo!“ antwortete unser Block lautstark „Sankt Pauli!“ und das fetzte. So richtig. Mir wird hoffentlich das länger in Erinnerung bleiben, als das Ergebnis des Spiels.

Nicht rechts, nicht rassistisch – dafür homophob und sexistisch!

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„Rassismus ist kein Fangesang!“ unterhalb des Spielstands

Was sich mir definitiv eingebrannt hat, waren die Banner im Dresdener Block und wer keine Kritik an sexistischen und homophoben Bannern ertragen kann, dem sei erneut der Klick aufs „X“ empfohlen.

Die Dresdener setzten mit ihren Bannern zum Teil einer „Tradition“ fort, die in der USP-Femminile-Aktion von vor einigen Jahren ihren Anfang nahm, als sich die USP-Damen „dazu entschlossen, sich der Männer in der Gruppe zu entledigen“. Was als ziemlich gewitzte Aktion begann, wurde von den Dresdenern dann immer wieder aufgenommen, wobei sich eine gewisse … Standhaftigkeit da durchaus vermissen lässt.

Zum einen schicken sie die USP-Frauen „USP-Frauen aus dem Gästeblock, damit die Küche lebt!“ und zum anderen wollte der K-Block „immer hinter ihnen stehen“ (in welchem Kontext, dürfte hier ohne weitere Erläuterung klar sein). Die Reaktion von USP war denkbar geschickt und durchaus witzig: Mit Küchengeräten und Pyrotechnik vor dem Banner der Dresdener posierend, erfolgte die Antwort in einem Brief an die Dresdener samt einiger Rezeptideen. 

Nun schien Block K ja eine Weile Zeit gehabt zu haben, um ihre nächsten Spruchbänder zu planen, jedenfalls brauchte zumindest das zweite davon, etwas mehr Arbeit, wenn man es denn so nennen will. Vorerst präsentierten sie, ganz traditionsbewusst, ein Banner gegen die weiblichen Mitglieder von USP, für die sie eine Burka Pflicht forderten: „Burka-Pflicht für USP-Frauen – Euch will keiner sehen!“

Und wenn man schon sexistisch unterwegs ist, die Kurve von einer emanzipierten weitestgehend entfernt ist, dann sind homophobe Banner leider auch nicht fern. Die Dresdener brachten ihr Erstaunen auf einem Banner adressiert, sogar font-getreu!, an USP, die Schickeria und Filmstadt Inferno zum Ausdruck, Siehe hier.

Was bleibt? Trotz des „Rassismus ist kein Fangesang!“-Tags auf der Stadionanzeige, ist und bleibt Dynamo für mich unterste Schublade. Das wird sich ziemlich sicher auch nicht ändern, wenn sich eine Kurve derart sexistisch, homophob und rückwärtsgewandt zeigt, wie es die um den Block K tut. Ich für meinen Teil wollte damit nichts zu tun haben, aber dass es genügend gute Dresdener gibt, braucht ihr mir nicht zu erzählen.

Die anderen forderten wir mit lautstarkem „Ronny, wink doch mal!“ zum Gruße, als wir gingen.

Nun gut, wie gesagt, wollen wir aus Mücken mal keine Elefanten machen – das Sprichwort werde ich übrigens auch nie verstehen, schließlich haben mich Elefanten noch nie geärgert und Mücken schon, aber ja, halten wir die Füße still. In Ewald we trust, oder wie war das?

Ich lege mich übrigens hier fest: Gehen wir mit Ewald bis zum Ende der Saison, und steigen nicht ab, dann steigen wir kommende auf. #markmywords

Im Übrigen war unser Heimweg bunter, als der Dresdener K-Block. Am Ende lässt sich nicht so richtig viel über das Spiel sagen: Viel Lärm um nichts träfe es wohl noch am ehesten. Blieb soweit alles ruhig, bis auf ein paar Provokationen beider Seiten und dennoch führte uns der Heimweg erst einmal aus Sachsen raus, bevor wir anhielten. Und nun? 20160828_190506.jpg

Noch vierzig Punkte.

Immer laut, immer bunt.

Scheiß Dynamo.

Alles wie immer.

Und vor allem: SIAMO TUTTI ANTIFASCISTI! 

 

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Auswärts beim VfB: Verf*ckter Bullshit?

Back to business, Kinners. Wir sind zurück aus der Sommerpause und gleich am ersten Spieltag ist mein Titel zum Spieltagstext fluchender Natur. Nun ja, es bot sich aber auch einfach an. In so verdammt vieler Hinsicht. Aber erst einmal: Willkommen in der neuen Saison, auf dass meine Prognose hemmungslos falsch liegen möge.

Die Saison startete für mich persönlich schon mit einem Wochenende, das fußballärmer nicht hätte sein können. Freitag nichts gesehen, Samstag auch nicht und den Sonntag verbrachte ich dann in der Notaufnahme. Eigentlich gehört sowas ja nicht hier hin, aber da das Ganze einen minimal ironischen Charakter hat, findet es mal Erwähnung. Ich wurde nämlich, und ironischer gehts eigentlich wirklich nicht mehr, von einem Zeckenbiss außer Gefecht gesetzt. Da damit ja nun nicht wirklich zu spaßen ist und auch meine rechte Hand mittlerweile Hyde’sche Ausmaße annahm, den Sonntag also im Krankenhaus verbracht und alle wesentlichen Vorkehrungsmaßnahmen bezüglich einer Blutvergiftung oder im schlimmsten Fall einer Borreliose über mich ergehen lassen.

Dass es allerdings weit mehr braucht als das, um mich davon abzuhalten, zum Spiel zu fahren, ist auch nicht weiter verwunderlich. Bisher haben es ein kaputtes Knie, 40 Fieber oder andere Wehwehchen ja auch nicht geschafft, dann geb ich mich einer Ballonhand doch erst recht nicht geschlagen. Außerdem bin ich ja recht pfiffig unterwegs, jedenfalls manchmal, und so wurde kurzerhand aus einer dicken Schicht Fenistil und den im Auto auf meine Hand gerichteten Lüftern eine Behelfskühlung gebaut, die mich zumindest die Fahrt gen Stuttgart gut ertragen ließ..

Ich hatte die Zeit für die Fahrt ziemlich großzügig geplant. Ziiiemlich. Irgendwie war  18.30 als Uhrzeit doch eher verankert, als 20.15 und so vertrieb ich mir sogar noch eine Stunde auf einer Raste, weil ich nicht mal eben 4 Stunden vor Anpfiff schon am Stadion rumlungern wollte. Dann lieber da mit Kaffee und Olympia am Fernseher. Als der sich dann aber automatisch abschaltete und auch keiner Anstalten machte, das zu ändern, machte ich mich doch auf den Weg, die letzten paar Kilometer bis nach Stuttgart hinter mich zu bringen.

Gästeparkplätze sind auch übrigens nur für Anfänger, die richtigen Pros* parken einfach bei den Stuttgartern und fragen keck grinsend „Krieg ich jetzt auf die Fresse, oder was?“ wenn einer irritiert schaut. Da müssen dann nämlich beide lachen und ich habe zumindest einen sympathischen VfB-Fan getroffen. Es blieb auch bei einem, aber das lag eher daran, dass ich mich nur mit diesem einen unterhalten habe. Im Gegensatz zu einigen anderen, wie ich leider gehört habe, hatte ich also keine miese Begegnung mit den Heimfans.

*Profichaoten

Mit der Wegbeschreibung von besagtem sympathischen Fan machte ich mich dann auch auf den Weg um das Stadion herum, zum Gästeeingang. Wie auch von anderen schon beschrieben ist die Wegführung kompletter Bull(en)shit. Also ernsthaft. Das macht absolut keinen Sinn, die Gästefans gefühlt drei Mal ums Stadion zu führen und dann einzupferchen. Aber die Deeskalationspolitik ist ja generell ähnlich zweifelhaft wie … die Politik gegenüber Fußballfans allgemein in meinem Sinn. Aber gut, belassen wir es mal dabei.

Ich war ja nun schon 3 Stunden vor Anpfiff am Stadion und konnte die Zeit nutzen, liebe Menschen zu treffen, mich zum Grillen einzuladen einladen zu lassen und das allgemeine Spieltagsgeplänkel zu genießen. Außerdem konnte man den Einzug des „schwarzen Blocks“ von Ordnern ins Stadion beobachten, was mir ein wenig … nun ja, komisch vorkam. Bei manchen wäre die Vermutung „Hool“  naheliegender gewesen, nicht zuletzt recht eindeutiger Tattoos wegen, als sie eben als Ordner einzuschätzen, aber hey, man kann ja nicht reinschauen. Die Nahrungsversorgung vor und hinter dem Eingang war zwar gut gedacht, dass man es eben beidseitig erreichen konnte, funktionierte aber leider nicht wirklich zügig. Es dauerte ewig und man vermutete schon, das Bier würde frisch gebraut. Aber nun ja, wir hatten ja keine Eile.

Die Kontrollen waren, sagen wir, gründlich. Und auch total nicht gründlich. Abgetastet wurde man, als würde gleich noch aufgefordert, mal eben zu husten, die Tasche musste ich nur mal kurz aufmachen und sie hat nicht mal wirklich reingeschaut. Mal wieder eine der Sorte „irgendwie lächerlich“ und bei aller Liebe, wenn man wollte, brächte man eh alles mit ins Stadion.

Das Stadion. Da war ja noch was. Also erst mal sieht es für meine Begriffe von außen ziemlich schick aus. Find ich ehrlich, das hat irgendwie was. Beim Aufgang überwiegt natürlich das Gefühl von Beton nahezu erschlagen zu werden, aber das fand ich persönlich jetzt nicht wirklich tragisch. Der Gästeblock an sich ist jetzt auch nicht total verbaut und dass ich Mühe hatte, das Geschehen zum Teil zu verfolgen, lag eher an der mangelnden Körperlänge. Was aber absolut nicht positiv zu reden ist, sind diese Absperrungen in jeder Reihe mit den Sitzen. Das mochte ich in Nürnberg schon nicht und hier gefällt es mir auch nicht besser, zumal zwischendrin einfach mal keine Absperrung war und man natürlich immer genau da rein fiel, wenn mal Bewegung in den Block kam. An dieser Stelle einen schönen Gruß von meinen blaugefärbten Rippen.😀

Zum Stadion an sich gehört ja auch die Bratwurst: Die ist okay. Nichts überragendes, aber auch nichts schlechtes. Passt scho‘.

Wir suchten uns ein Plätzchen, mit dem ich mehr als gut leben konnte, mitten im Getümmel und auch von innen hatte das Stadion irgendwie was. Keine Ahnung, gefiel. Vor dem Spiel war auch bei uns angekommen, dass die Stuttgarter wohl alle in weiß kommen sollten, sodass sich grad in deren Kurve ein recht beeindruckend weißes Gesamtbild ergab. Generell war die Kulisse beeindruckender als sonst gewohnt, weil man ja eben in der zweiten Liga eher selten vor einer erstaunlich geraden Zahl von 60.000 Zuschauern spielte. Dass von uns an einem Montag ganze 3.800 Leute den weiten Weg nach Stuttgart auf sich genommen haben, verdient allerdings nicht weniger Beachtung. Hut ab, das war ordentlich.

Ähnlich verhielt es sich mit dem Support. Es wurde sich nicht großartig warm gesungen, aber das war irgendwie auch gar nicht nötig. Alle schienen die Stimmbänder über die Sommerpause geschont, gehegt und gepflegt zu haben, nur um sie heute in Fetzen brüllen zu können. Alles wie immer, alles gut. Der Support fühlte sich einfach nur unfassbar gut an, das kann ich echt nicht anders sagen. Sogar von vorn erreichte uns Lob, abwechselnd mit einem „Das muss jetzt so richtig scheppern“. Es hat sich so angefühlt, als hätte es gescheppert und kurz erwischte ich mich bei dem Gedanken, wann das Stadion wohl zuletzt so gescheppert hat, aber hey … das schien recht deutlich in der Position gelegen zu haben und ist wohl an der Flimmerkiste nicht ganz so durchgedrungen. Dass wir dennoch von den Heimfans nur nach den zwei Toren was gehört haben … das lass ich einfach mal so stehen.

Zum Spiel an sich kann man sagen, dass die Aufstellung jetzt keine großartigen Überraschungen bereit hielt. Hedenstad und Bouhaddouz mit ihrem Debüt in einem Pflichtspiel, ansonsten alles altbekannte Gesichter. Und dass man das jetzt so lapidar sagen kann, freut mich ungemein: Gerade mit Sobiech, Ziereis, Buballa, Buchtmann und natürlich Himmelmann sind da Spieler bei, bei denen es mir im Herzen weh getan hätte, sie nicht mehr in Braun und Weiß auflaufen zu sehen. Das einzig Verwunderliche war für mich, dass Miyaichi nicht von Beginn an auf dem Platz stand, weil gerade er mir unfassbar vielversprechend vorgekommen war. Aber nicht nur bei uns blieb einer auf der Bank, den man vielleicht eher auf dem Grün erwartet hätte, ließ Luhukay (den hatte ich auch noch nicht wirklich als Gegnertrainer auf dem Schirm, meine Sommerpause war vielleicht etwas zu fußballarm) den sogar mir bekannten Maxim auf seinem Hintern schmoren. Dass mit Daniel Ginczek ein ehemalig braun-weißer Spieler ja auch noch beim VfB beheimatet ist, fiel mir übrigens auch erst am Spieltag auf, aber er war ja leider noch nicht fit. Und ein ganz bisschen zum Glück, sonst wäre es wohl noch ein Tor mehr gewesen. Ihr kennt das ja.

Die erste Phase des Spiels war … offensiv geprägt. Es ging viel hin und her, der Ball wechselte nicht nur dauerhaft den Besitzer sondern auch die gerade ballführende Mannschaft, es mochte kein richtiger Fluss aufkommen, aber das glich sich immer wieder aus, weil beide Seiten ähnliche Fehler machten. Dennoch gewann ich zumindest den Eindruck, dass mit dem Voranschreiten der ersten Halbzeit auch die Braun-Weißen immer drückender wurden. Eigentlich sogar spielbestimmend, auf jeden Fall sehr diszipliniert und taktisch spielend. Gekrönt wurde dieses Gefühl dann von Aziz, der goldrichtig stand und die feine Vorlage von Fafa im Netz versenken konnte.

Dass wir mit Aziz Bouhaddouz endlich den Stürmertyp haben, den sich wohl nicht wenige schon länger wünschten, bewies er keine zehn Minuten später beinahe zweimal: innerhalb weniger Sekunden verfehlte er einmal und traf ein anderes Mal den Pfosten. Ich glaub, mit der Besetzung im Sturm könnten wir noch viel Freude haben.

Im Endeffekt hätten die zwei Dinger einfach drin sein müssen und alles wäre gut gewesen. Waren sie aber nicht und wurde es nicht. Na klar. Die Halbzeit wurde herbei gesehnt, weil nun Stuttgart mehr Zug zum Tor hatte und man hoffte, dass es danach eben wieder etwas geordneter zugehen würde. Weit gefehlt.

Mit der Einwechslung von Alexandru Maxim wurde auch die Niederlage für Braunweiß eingewechselt. Was auch immer er genommen hatte, der Dämpfer durch Luhukay zeigte seine Wirkung und nachdem er selbst einmal versenkte, bereitete er den späten Siegtreffer dann auch noch vor. Klasse. Robin hat da schon ganz recht, der gehört nicht wirklich in die Zwote. Es sei denn, er liefe in braun und weiß auf …

Nun gut. In knapp 2 Minuten konnte dann auch nicht mehr viel gerettet werden und wir tüteten die erste Niederlage der Saison ein. Unverdient? Weit gefehlt. Da bin ich tatsächlich komplett anderer Meinung als Lienen, denn das war gerade nach der Halbzeit einfach vollkommenes Chaos, gepaart mit Hektik und Passunsicherheit. Hohe Bälle, wo keine nötig waren, keine Ordnung in der Defensive und Pässe, die einem zum Teil die Haare zu Berge stehen ließen. Es war keine Vollkatastrophe, nein, das will ich auch nicht beschreien, aber dass wir da keinen Punkt mitgenommen haben, war verdient. Die Stuttgarter waren gerade im zweiten Durchlauf um Längen besser, koordinierter und einfach abgeklärter. In dem Sinne wäre es vielleicht zu versöhnlich gewesen, da noch was mitzunehmen, dann lieber jetzt auf den Arsch setzen und an den Ecken arbeiten, die noch mehr Beachtung brauchen. Was mich zusätzlich verwunderte waren die Wechsel, hätte ich doch Bouhaddouz  definitiv drin gelassen und eher Picault ausgewechselt, aber Ewald wird sich wohl was dabei gedacht haben.

Ja, auch der Schiri hatte keinen guten Tag aus braun-weißer Sicht, aber alles in allem wäre ein Sieg nicht verdient gewesen. Über einen Punkt ließe sich wohl streiten. Auch wenn ich das jetzt hier relativ rational schreibe … sah das gestern im Block zugegebenermaßen recht anders aus. Ein weiterer Grund für den Titel, der sich einfach viel zu sehr anbot.

Nun gut, Spiele in den letzten Minuten noch zu verlieren sollte auch Ärger hervorrufen, sonst müsste man sich womöglich noch überlegen, warum man solche Fahrten noch macht. Ich darf also weiter machen.

Was gabs noch? Die Stuttgarter zeigten recht viele Banner, die sich unter anderem mit der Thematik „Montagsspiele“ beschäftigten. Von „Montags seh ich rot“, über das „Was tust am Wochenende so? – Überstunden ansammeln, der VfB spielt ja nur noch montags“ im Dialekt, dessen Wortlaut ich nicht mehr auf die Reihe bekäme, bis hin zu einem roten Emoticon aus Fahnen ist die Haltung recht deutlich vertreten worden. Auch von uns gab es Banner zu sehen, deren Wortlaut ich aufgrund meiner Position im Block nur leider nicht weiß.

Und sonst? Endlich wieder diese feine Stadionheiserkeit. Als nächstes gibt es die Lübecker Ar… zu bezwingen, was ihr leider ohne mich schaffen müsst. Adulting nervt zwar ordentlich, aber dieses Mal geht leider die Prüfungsphase vor. #adultingalloverdaplace In der zweiten Runde bin ich dann aber definitiv dabei.

Ja, ich musste auch lachen.

Den perfekten, alles zusammenfassenden Satz lieferte gestern mein werter Mitfahrer für die Rückfahrt, zwar bezogen aufs Turmspringen, aber in perfekter Analogie für die Leistung in der Offensive im Spiel nach dem Bouhaddouz Tor:

Wenn du eine Feder aufs Wasser schmeißt, brauchst du keinen Tsunami erwarten.

So. Und damit haben wir den ersten Spieltag schon hinter uns. Allen Heimspielbesuchern am Samstag ordentlich viel Spaß, macht so richtig Radau und haut die Eintracht weg. Wir sehen uns in Dresden.

MEHR LESESTOFF:

Stuttgart. Eine Stadt mit wenig Platz und vielen Unternehmungen.

„Wir spielen 2. Liga. Unsere Fans gehören in die Champions League.“

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Ein total chaotischer Saisonrückblick; die Saison 2015-16

Das war vielleicht eine krasse Saison. So im Gesamten gesehen, wie auch in jedem Einzelspiel. Ich hab nie zuvor – achtung, Spoiler! – so viele unentschieden, so wenig Tore und trotzdem eine derart gute Tabelle gesehen. Nach der letzten Saison, in der es bis über die 90. Minute des letzten Spieltages hinaus gegen den Abstieg zu kämpfen galt, war diese eine wahre Wohltat für die braun-weiße Fußballseele. Einfach schon mit einem Trainer, dem alle wohl vertrauten, in die Saison gehen zu können, war schon ein Luxus, den der FC St. Pauli uns die letzten Jahre über nicht gegönnt hat. Umso besser war dieses Jahr der Start mit unserem höchsteigenen Rebell auf der Trainerbank – doch von vorn, wir beginnen bei Spieltag 1.

Saison 2015/16, Spieltag 1: FC St. Pauli 0:0 DSC Arminia Bielefeld

Sa. 25.07.2015, 15.30 Uhr Millerntor Stadion; Platz 0 -> Platz 9 (1)

Okay, das war gelogen. Spieltag 1 hab ich nämlich noch nicht wirklich in Deutschland verbracht. Da trömmelte ich noch irgendwo in Sao Paulo herum und schaute mir mal brasilianischen Ligafußball in Form von Palmeiras gegen den FC Santos an. Dennoch erlaubt mir ein paar Worte um den übersichtlichen Faktor dieses Textes, der die gesamte Saison widerspiegeln soll, nicht gleich beim ersten Spieltag verloren geben zu müssen.

Während ich also frühmorgens im 7. Stock eines Hochhauses in Sao Paulo verschlafen auf meiner Matratze lag und irgendwie versuchte, eine Übertragung aus dem fernen Hamburg auf die Reihe zu bekommen, entfaltete sich im nun erstmals in ganzer Pracht erstrahlenden, neuen Millerntor-Stadion eine wundervolle Choreo zur Einweihung. Wer sich in dem Anblick noch einmal verlieren mag, dem sei der Gang zur USP-Galerie oder zu Stefan Groenvelds Hochglanzfotos wärmstens empfohlen.

Viel mehr blieb von einem ausgeglichenen Null Null nämlich auch nicht, aber die Choreo bleibt doch wahrlich länger im Gedächtnis. Ein recht unaufgeregter Start in die neue Saison, nachdem die vorige doch so viele Nerven gekostet hatte.

Saison 2015/16, 2. Spieltag: Karlsruher SC 1:2 FC St. Pauli

So. 02.08.2015, 15.30 Uhr Wildparkstadion; Platz 9 -> Platz 6 (4)

Sogar bei Spieltag 2 muss ich euch enttäuschen, denn auch wenn das die erste Auswärtsfahrt der Saison gewesen wäre, fuhr ich zwar ins Stadion … aber das eben immer noch ein paar tausend Kilometer entfernt. Ich durfte das bisher krasseste Spiel ohne die Beteiligung des braun-weißen Herzensvereins in Buenos Aires erleben und hab irgendwo bei diesem Wahnsinn der mit nur 21 Mann und 7 Toren, samt einem von Rückkehrer Carlitos Tevez, ein kleines Stückchen Herz in der Bombonera versteckt. Boca Juniors gegen Unión de Santa Fé. Das war südamerikanischer Fußball vollkommen unabhängig von dem, was da unten am Platz abging. Auch wenn das eigentlich nicht zu einem Saisonrückblick des FCSP gehört, falls euch interessiert, wie der chaotischste Mensch dieser Erde die Legende schuf, dass Busfahren schwierig, ja gar nahezu ein Ding der Unmöglichkeit ist, der folge mir hier entlang, bitte.

Spieltag 1 & 2: Couchgepöbel international!

In der heimischen Liga musste unterdessen ohne meine lautstarke Unterstützung im Wildpark ausgekommen werden und wenn ich nun die Ergebnisse mit meiner Anwesenheit (100% Niederlagen) und ohne betrachte, frag ich mich doch ernsthaft, ob ich da wieder mit hinfahren sollte. Doch dieses Mal lief ja alles wunderbar rund. Während ihr euch zu humanen Zeiten ins Stadion begeben konntet, klingelte für mich der Wecker, damit ich stilecht im Schlafanzug das Wohnzimmer der WG wegen dünner Wände zwischen meinem und den restlichen, kleinen Schlafzimmern, zum Fußball schauen bezog.

Der zweite Spieltag bot nun ja auch etwas mehr Action, als es der vorige getan hatte und so musste ich mitunter doch sehr stark an mich halten, um nicht mit meinem Gefluche die 8 Mitbewohner aus den Federn zu holen. Besonders Halstes Traumtor verlieh mehr als Grund zum Jubeln und ließ mich kurz durch das Wohnzimmer hüpfen, bis meine Mitbewohnerin irritiert den Kopf aus ihrer Zimmertür herausstreckte, um nachzusehen, wer denn da nun schon wieder vom Wahnsinn geritten wurde. Später flachte das Spiel ein wenig ab, dem KSC fiel nicht viel gegen die gut stehende Defensive des FCSP ein, es fielen noch zwei Tore und am Ende hieß es die eingefahrenen drei Punkte heim gen Hamburg zu kutschieren. Eine Steigerung im Vergleich zum ersten Spieltag und damit ja wohl direkt eine Tendenz erkennbar! So.

USP-Galerie

Saison 2015/16, DFB-Pokal 1. Hauptrunde: FC St. Pauli 1:4 Borussia Mönchengladbach

Mo. 10.08.2015, 20.30 Uhr Millerntor-Stadion; Rein-raus feddich

Passend zum diesjährigen, eeeh, Pokalspiel des FC St. Pauli hatte ich dann auch wieder deutschen Boden unter den Füßen. Donnerstags abends wurde das letzte Wegstück von Madrid nach Frankfurt zurück gelegt und es wäre nun mal nicht ich, wenn ich mir freitags nicht direkt das DFB-Pokal Spiel des lokalen TuS Erndtebrück gegen die Lilien aus Darmstadt angeschaut hätte. Aber so richtig zuhause angekommen war man da ja trotzdem noch nicht wieder und so war ich, kaum wieder zuhause, montags bereits wieder auf dem Weg nach Hamburg. Man kann es sich ja nicht entgehen lassen, wenn der Herzensverein gegen den Verein der ersten Liga, der wohl die meisten meiner Sympathien für sich beansprucht, im Pokal antritt. Außerdem spielte da noch so ein total unwichtiger Spieler am Niederrhein, den ich als außervereinlichen Liebling auserkoren hatte.

Es ging also, chaotisch wie eh und je, mit dem Fernbus Richtung Hamburg und auf zu meinem, ja, haltet euch fest, zweiten Spiel am Millerntor. Dafür hatte ich mir eine Karte auf der Gegengerade sichern können und stand so, nach ausgedehntem Klönschnack versteht sich, mitten drin im Chaos. Und das brach vielleicht los, als Ratsche mit einem schön mutigen Schuss ins Blaue dann nicht nur das, sondern auch noch Yann Sommers Tor traf. Grenzenloser Jubel, Taumel, Freude. Ja, mann!

Natürlich blieb die Führung nicht allzu lange erhalten, das wär ja auch viel zu schön gewesen und so weihten die (richtigen) Borussen die neue Nordtribüne pyrotechnisch ein, man zollte sich gegenseitig Respekt und gab sich schließlich mit drei Toren Unterschied dem um Klassen besseren Gegner geschlagen. Wundervoll bildlich eingefangen hat das wie gewohnt Gröni, weitere Bilder gibt es hier bei USP.

Das Pokalspiel war ja nun auch das erste der Saison, über das ich dann auch etwas geschrieben habe und alles zu meiner Heimspielfahrt findet ihr hier: Auswärtsfahrt zum Millerntor?

 

Saison 2015/16, 3. Spieltag: FC St. Pauli 3:2 SpVgg Greuther Fürth 

So. 16.08.2015, 13.30 Uhr Millerntor-Stadion; Platz 6 -> Platz 3 (7)

Das Heimspiel gegen Greuther Fürth war mir ein wenig gruselig, ehrlich gesagt. In der vergangenen Saison war das der Knackpunkt gewesen, auf den der große Umbruch folgte: Vrabec entlassen, Meggle eingesetzt und später durch Lienen ersetzt, aber all das passierte nach der fürchterlichen Niederlage gegen Fürth. Dementsprechend traute ich der durchaus positiven Tendenz nicht wirklich, würden wir nicht auch gegen Fürth eine ordentliche Vorstellung abliefern und bestenfalls auch gewinnen. Die letzten Heimspiele gegen die Fürther bekräftigten meine unterschwellig misstrauische Meinung – das wirkliche Spiel jedoch wusste die gekonnt zu zerschlagen. Ein torreiches Spiel, am Ende mit einem Tor mehr auf der richtigen Seite, zweimal Ratsche, einmal Halste, und wundervoll eingefangen von Gröni.

 

 

Saison 2015/16, 4. Spieltag: Leipzig 0:1 FC St. Pauli

So., 23.08.2015, 13.30 Uhr „Da wo mal das Zentralstadion war“; Platz 3 -> Platz 2 (10)

 

„Leipzig? Neee, da fahr ich nicht hin.“ Alles war ihr über meine Fähigkeiten zur Konsequenz wissen müsst, in einem Satz. Aber dass Inkonsequenz auch ziemlich oft was Gutes haben kann ist in diesem Spieltag mal wieder bewiesen. Es ging verdammt früh los, einen ordentlichen Umweg um den Mitfahrer einzusammeln und dann war man doch viel früher am Stadion als alle anderen. Ein massivst chaotisches Zitterspiel, ein grandioser Robin Himmelmann und ein 1:0 Sieg bestachen an diesem Tag, von einer Schnecke bei uns im Block mal ganz zu schweigen.

Auch erheiterten die Leipziger … weil, nun ja, lustige Tippfehler passierten und ich mir nicht zu schade war, auf den Zug der mehr oder weniger lustigen Seitenhiebe dazu aufzuspringen. Besonders erstaunte mich, dass mein Beitrag dazu, der an dem Heimclub nun wirklich nicht viele gute Haare ließ, von einem der Leipziger Blogs geteilt wurde. Aber lest selbst; “Auserkauft” – das V steht für Heimsieg.

Bilder von USP

 

Saison 2015/16, 5. Spieltag: FSV Frankfurt 1:0 FC St. Pauli

So., 30.08.2015, 13.30 Uhr Frankfurter Volksbank Stadion; Platz 2 -> Platz 4 (10)

Zwei Auswärtsspiele innerhalb von einer Woche. Das war so das erste Ding, das mir richtig, richtig Spaß an der Auswärtsdauerkarte verlieh und dass ich dann noch in so zahlreicher Begleitung nach Frankfurt anreisen würde, wo ich ja sowieso trotz der immer mageren (->UNTERTREIBUNG!<-) Ausbeute gerne das Stadion des kleineren Frankfurter Vereines ansteuerte. Für mich persönlich eine herrlich einfache Auswärtsfahrt, einfach daheim in den Zug, in Frankfurt wieder raus, kurz in die S-Bahn und dann noch ein halbes Stündchen Fußweg mit der ein oder anderen Bierpause. Etwas anderes das für mich Spiele in Frankfurt prägt, ist das Wetter. Es knallt immer der Lorenz und damit meine ich wirklich den da oben in gelb. Ob wir im Februar mit den Winterjacken, später um die Hüften, da standen, im September oder im August – ich bin noch nie ohne Sonnenbrand aus Frankfurt abgefahren. Dieses Mal …

Nun, dieses Mal hatte ich das ganze etwas missverstanden. USP rief dazu auf, in Rot zu kommen – und das tat ich ja auch! Nur ging ich in noch viel mehr rot. Dank der Kontrolleure, die Sonnencreme als tierisch gefährlich bei einem Stadion ohne Dach und gefühlten 40 Grad in der Sonne einstuften, und oben besagtem unbarmherzig knallenden Lorenz. Das war der Sonnenbrand meines Lebens. Und nicht mal gewonnen haben wir!

Naja, irgendwie schon. Jedenfalls wenn man es mit der fertigen Saison betrachtet, denn schließlich nahmen wir im Prinzip direkt vom Spiel Marc Hornschuh mit, der uns im Verlauf ja noch so einiges an Spaß bereiten sollte. Horni hatte beim FSV nach dem Trainerwechsel nicht mal die Chance bekommen, sich beim Training zu beweisen und wechselte im Laufe der ersten Wochen dann ans Millerntor.

Dennoch blieb ein fader Beigeschmack, war das Frankfurt Spiel ja nicht nur verloren, sondern auch der Tag, an dem es durchsickerte, dass sich ein erster (ups) unserer Spieler Richtung Brauseclub aufmachen wollte. Mit Halstenberg war das durchaus ein größerer Verlust, wenn er auch im Verlauf eher durch sozialmediale Fehltritte auffiel, irgendwo war er doch ein guter.

Mein persönliches Highlight war neben der pyrotechnischen Unterstützung der komplette Block, der aus dem Nichts „Like Ice in the sunshine, we’re melting away“ zu singen begann. Das bleibt mir wohl länger im Gedächtnis, als das Schlenzergegentor, das zum 0:1 Stand führte.

Mehr von mir zu diesem Sonn(en)tag findet ihr unter: We’re melting away.

USP-Bilder

Saison 2015/16, 6. Spieltag: FC St. Pauli 2:0 MSV Duisburg

Mo., 14.09.2015, 20.15 Uhr Millerntor Stadion; Platz 4 -> Platz 3 (13)

Von diesem Spiel blieb mir hauptsächlich eines in Erinnerung: Stehst du oben, bekommst du auch mal einen fragwürdigen Elfer für dich gepfiffen – stehst du unten, gehen die immer nur in die andere Richtung. Nach einer torlosen ersten Halbzeit in der sich das meiste Geschehen im Mittelfeld abspielte und trotz einiger, weniger Abschlüsse, keine richtige Gefahr entstehen wollte, fiel in der zweiten Hälfte der Pfiff zum Elfmeter nach einem Kopfballduell an der Strafraumgrenze. Das sollte eine sehr harte Entscheidung sein, aber wenn man auf der Seite des Stadions steht, die dann über ein Tor jubeln darf, juckt das nun mal herzlich wenig. Immerhin konnte man sagen, dass es nicht nur der Elfmeter war, der das Spiel letztendlich entschied, denn auch wenn die Zebras zu zehnt weiter machen mussten, setzte Maier nachher noch einen drauf und erhöhte auf 2:0.

Bilder von USP

Wundervolle Bilder bei Gröni

 

Saison 2015/16, 7. Spieltag: Eintracht Braunschweig 0:0 FC St. Pauli

So., 20.09.2015, 13.30 Uhr Eintracht-Stadion; Platz 3 -> Platz 3 (14)

 

Das Spiel in Braunschweig war für mich ein bisschen der Anfang von „etwas“. Nach Braunschweig fuhr ich nämlich ganz alleine! Und ich möchte betonen, dass ich das Stadion (fast) auf Anhieb gefunden habe. Auch alleine! So viel zu euren Frotzeleien! (Ja, gut, das war geschwindelt.)

Am Stadion allerdings nette Leute von letzter Saison wieder getroffen und sich kurzerhand angeschlossen. Alleine bleibt man im braun-weißen Block ja nie. Auf dem Platz war in der ersten Hälfte mehr von unseren Bhoys zu sehen, als von den Löwen, allerdings scheiterten die verschiedenen Versuche aus der Distanz und im 1 zu 1 immer wieder an einem bären … öh, löwenstarken Keeper der Braunschweiger. In der zweiten Hälfte war Braunschweig stärker, die braun-weißen Chancen zu lapidar liegen gelassen und am Ende ein unentschieden durchaus gerechtfertigt. Für mich lag bei diesem Spiel sowieso der Spaß mehr im Block, als auf dem Feld, machte der Support doch unheimlich viel Freude. Der Rückweg gestaltete sich dann doch etwas schwieriger als gedacht, mit einem kurzen Abstecher zur offensichtlich „falschen“ Tankstelle, der mir dann lautstark aufgezeigt wurde. Mit den Löwen und mir … ob den Münchnern oder den in Braunschweig, das gibt einfach nichts mehr.

Mehr zum Spiel: Vorbeigeratscht.

Bilder von USP

 

Saison 2015/16, 8. Spieltag: FC St. Pauli 1:0 1. FC Heidenheim

Mi., 23.09.2015, 17.30 Uhr Millerntor-Stadion; Platz 3 -> Platz 3 (17)

Ich muss zugeben, dass mit nun fast 9 Monaten Abstand dieses Spiel zu denen gehört, die mir leider nicht wirklich im Gedächtnis geblieben sind, zumal es eines der Spiele war, die ich tatsächlich von der Couch aus verfolgte, wie der Name dieses Blogs auch ursprünglich versprach. Da müsste vielleicht mal eine Änderung her. Aber hier soll es ja um die Spiele gehen und nicht um irgendwas anderes, damit das Schema des Textes hier zumindest vom Aussehen her eingehalten wird … oh, ups! Erwischt.

Aber da dieses Spiel sowieso irgendwie aus der Reihe fällt, kann ich nur wieder auf meinen Post zum Braunschweig Spiel verweisen, denn in der englischen Woche fällt gerne mal auf, dass ich doch etwas langsamer mit den Texten war, als es mir manchmal lieb war. So aber haben sich in den Braunschweig-Text auch ein paar Zeilen zum Heimspiel gegen Heidenheim verirrt. Guckst du hier: Vorbeigeratscht. Aber niemand mag Mittwochsspiele.

Bilder von USP

Bilder bei Gröni

 

Saison 2015/16, 9. Spieltag: SC Paderborn 0:0 FC St. Pauli

Sa., 26.09.2015, 13.00 Uhr Benteler Arena; Platz 3 -> Platz 3 (18)

Paderborn ist das erste Spiel der Reihe, die beweist, dass man mich nie niemals nicht eine Route planen lassen sollte. Von „Hey, mit dem Auto ’ne gute Stunde“ über „Wir könnten auch genug Proviant mit nehmen und Zug fahren“ zu „Altah, nie wieder so viel Zug“ in genau einer Auswärtsfahrt.

Wenn man schon knappe 4-5 Stunden Anfahrt einplant, die Fahrt noch viel länger wird als sie eh schon gewesen wäre, gerade so rechtzeitig ins Stadion kommt und sich irgendwie in den Block quetscht … puh, dann ist das nicht ganz so entspannt wie gehofft. Noch weniger entspannt wirds, wenn man auf dem Rückweg dann quasi in den Sonderzug gezwungen wird, weil dein Freund und Helfer natürlich besser weiß, wo du her kommst und dann über Absperrungen stiften gehst. Gefolgt von weiteren 5 Stunden Zugfahrt. Kinder, das war ein Spaß.

Verspätung.

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Saison 2015/16, 10. Spieltag: FC St. Pauli 1:3 SV Sandhausen

Sa., 03.10.2015, 13.00 Uhr Millerntor-Stadion; Platz 3 -> Platz 3 (18)

Muss ich wirklich was dazu sagen? Ich find ja, dass das irgendwie unnötig ist. Das war so ein richtiges Ärgernis von Spiel. Unfassbar. Da fällt mir auch gar nicht mehr viel zu ein, außer, dass ich wahrscheinlich wieder wie eine Blöde auf der Couch hin und her gehüpft bin, weil da auf dem Platz einfach nicht so richtig viel funktionieren wollte – auf der richtigen Seite, versteht sich. Aber wen das so wirklich wundert, der hatte sich wohl vorher nicht die Tabelle angeschaut: Der Sprung an die Spitze war möglich, da kann man natürlich nicht gewinnen. Bevor die zehnte Minute angebrochen war, stand es schon 0:2 und eigentlich hätte man da auch aufhören können zu spielen. 5 gelbe Karten, ein aberkanntes Abseitstor und totales Chaos später ging es in die Pause, aus der die Jungs irgendwie schwungvoller zurück kamen. Choi schaffte es noch irgendwie den Ball ins Tor zu wurschteln und kurz später riss Buballa den neu-Kiezkicker Bouhaddouz im Strafraum aus den Schuhen, sodass es schließlich bei einem Endstand von 1:3 bleiben musste. Reicht, jetzt auch, oder? Gut.

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Saison 2015/16, 11. Spieltag: 1. FC Union Berlin 3:3 FC St. Pauli

Sa., 17.10.2015, 13.00 Uhr Stadion an der alten Försterei; Platz 3 -> Platz 5 (19)

Berlin! Berlin! Wir fahren nach Berlin! Es gibt ja Leute, die das nur zum Pokalfinale tun, aber das ist natürlich nur für Anfänger. Die richtigen Chaoten machen sich natürlich auch in der zweiten Liga auf den Weg nach Berlin obwohl man vorher natürlich wieder gesagt hat, dass man nicht nach Berlin fährt. Aber, wer wären wir, hielten wir uns natürlich an das, was wir so sagen.

So ging es über Köln, einen Kneipenbesuch am Eigelstein dann über Nacht schließlich Richtung Berlin, was auch mein erster Besuch in der Hauptstadt sein würde. Total unbequeme Schlafpositionen, etliche neu arrangierte Nackenwirbel und eine komplett auslaugende Nachtfahrt später fiel die noch kleine Truppe in Berlin ein. Wir lernten noch nette Menschen von der Verkehrsbehörde kennen, lernten auch, dass es Sachen gibt, die dir nur einmal passieren und dass Berlin eigentlich doch ziemlich klein ist: Am Hauptbahnhof die spätere Bezugsgruppe getroffen und in der eigens bereit gestellten Bahn für St. Paulianer die kleine NRW-Bezugsgruppe getroffen. Grandios!

Einen Samstagsspaziergang später wurde dann endlich zu einem absolut wahnwitzigen Spiel das Stadion an der alten Försterei eingenommen. Muss ich ja zugeben, das ist eines von denen, die mir sehr positiv in Erinnerung geblieben sind. Und wenn wir schon nach diesem total bescheuerten, noch nie so wörtlich da gewesenen Last-Minute-Gegentor keine Punkte mitnehmen durften, so nahmen die Tourigans zumindest mal noch das Brandenburger Tor ein. So!

Tourigans auf der Suche nach dem verflixten Maulwurf

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Saison 2015/16, 12. Spieltag: FC St. Pauli 1:0 SC Freiburg

So., 25.10.2015, 13.30 Uhr Millerntor-Stadion; Platz 5 -> Platz 3 (22)

Der SC Freiburg war ja so ziemlich der Verein der Stunde. Mittlerweile kann man nichts anderes sagen, als dass sie sogar der Verein der Saison waren, aber bereits in der Hinrunde verursachte der Gedanke daran, sie am Millerntor zu Gast zu haben, bei mir eine absolute „Bitte nicht abschlachten lassen“-Panik. Auch wenn man zugeben muss, dass sie zumeist eher durch eine absolute Dominanz zuhause bestachen. Naja, so hielt sich bei mir die Lust auf dieses Heimspiel, das ich noch dazu ja von der Couch aus verfolgen musste, eher in Grenzen. Mit einer nicht total vernichtenden Niederlage wäre ich doch glatt zufrieden gewesen.

Da hatten die Jungs in Braun und Weiß aber gewaltig was gegen. Auch wenn Freiburg zu Anfang auch deutlich stärker auftrat, wurde es selten brandgefährlich. Lediglich Grifo blieb mir in Erinnerung, weil ich bescheuerte Gegentore von manchen Spielern nicht verzeihe und Grifo nun mal beim FSV gespielt hat. Im Endeffekt stand unsere Defensive aber sehr sicher und wenn doch mal was durchrutschte, gab es ja immer noch Himmelmann der was dagegen hatte, dass es auf dieser Seite im Netz zappelte. So ging es ohne Tore in die Halbzeit.

Zurück kam eine Mannschaft der Kiezkicker, die definitiv mehr am Millerntor behalten wollte als nur den einen Punkt, der aber, wie den Freiburgern zuvor, auch die entscheidene Idee fehlte. Erst in der Nachspielzeit gelang es Ratsche, den Ball noch irgendwie ins Tor abzustauben und bescherte so den Siegtreffer, den Sieg und den Sprung auf Platz 3.

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Saison 2015/16, 13. Spieltag: Vfl Bochum 1:1 FC St. Pauli 

Fr., 30.10.2015, 18.30 Uhr Ruhrstadion; Platz 3 -> Platz 3 (23)

Bochum! Ich komm zwar nicht aus dir, aber ich komm immer gern zu dir. Ich kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass mir dein Stadion eines der liebsten ist und in meiner innerdeutschen Top 3 und dem Millerntor natürlich außerhalb jeglichen Rankings durchaus das Ruhrstadion weit oben zu finden ist. Eines meiner ersten Spiele sah ich hier und seitdem hab ich kein Auswärtsspiel in Bochum verpasst, jedes Jahr ging es aufs Neue wieder freitags gen Ruhrgebiet. Dabei hab ich von bescheuerten Niederlagen, über einen verdienten Sieg auch drei Unentschieden hier gesehen: mal mit einem, mal mit zwei und einmal auch mit drei Toren auf beiden Seiten. Ich komm gerne her und wehe, ihr steigt mal ohne uns auf, dann komm ich euch so dahin!

Dieses Jahr ging es gleich mit doppelter Verstärkung in den Block, was natürlich nochmal viel mehr Spaß machte. So waren die Komplikationen auf der Anreise mit Duegida Vollidioten auch schnell vergessen und es konnte sich gänzlich dem Spiel und dem Support in diesem wundervoll lauten Stadion widmen. Herr-lich.

Dass dieses Spiel nun ein recht ausgeglichenes war, durfte ja angesichts der Tabelle durchaus zu erwarten gewesen sein. Auf den Rängen machte der Support wieder herrlich viel Spaß und diese ganze Stimmung drumherum passte einmal mehr. Dass sich meine Rückfahrt mit noch mehr problematischen Mitfahrern gestalten würde als die Hinfahrt mit den Steinar-Fritzen, konnte da ja keiner ahnen. Aber hey, eine schöne Fahrt an sich und ich freu mich jetzt schon auf das nächste Spiel in Bochum. Stellt sich ja nur noch heraus welcher Freitag es wird…😉

Hier im Ruhrgebiet, holen wir kein’ Auswärtssieg.

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Saison 2015/16, 14. Spieltag: FC St. Pauli 4:0 Fortuna Düsseldorf

Mo.,  09.11.2015, 20.15 Uhr Millerntor-Stadion; Platz 3 -> Platz 2 (26)

Wenn gerade gesungen wird, dass ein bestimmter Spieler von der Insel on fire ist, dann kann man das „Will Griggs“ im Nachhinein für den 14. Spieltag der zweiten Bundesliga durchaus durch ein „Lennys“ ersetzen.

Das war eines der Spiele, bei denen ich im Leben nicht damit gerechnet hätte, dass ich sie im Stadion sehen würde. Vollkommen spontan überkam mich ein wenig Heimweh nach der Hansestadt und vor allem nach dem schönsten Stadion der Welt und kaum hatte ich mich darüber ausgeklagt, hatte ich auch schon eine Karte für die Gegengerade am folgenden Montag. Es bedurfte noch etwas organisatorischer Meisterleistung aber so kam es, dass ich am Ende das bis dahin krasseste Spiel des magischen FC im Stadion erleben konnte. Und ein Tor pinkelte.

Lenny war an dem Tag jedenfalls wirklich on fire. Es dauerte nicht lange, da zappelte der Ball das erste Mal von unserem Stürmer angeschubst im Netz. Dann nochmal. Und nochmal. Und nochmal.

Bis schließlich das ganze Stadion „Thy amo“ sang und Düsseldorfer die Flucht auf Riesenräder antraten. Nun ja. Das war schön. Schön, schön, schön!

Drei mal eins macht vier.

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Saison 2015/16, 15. Spieltag: TSV 1860 München 2:0 FC St. Pauli

Sa.,  21.11.2015, 13.00 Uhr Allianz Arena; Platz 2 -> Platz 3 (26)

„München? Da fahr ich nie wieder zum Fußball hin. Na gut, vielleicht, wenn die Blauen nicht mehr in der Arena spielen. Ja, okay, wir fahren hin.“ Ein weiterer Beweis dafür, dass ein „Da fahr ich nicht hin“ meinerseits ein ziemlich sicherer Indikator dafür ist, mich später doch dort wieder anzutreffen. Andere nennen das Inkonsequenz, ich nenne es den traditionellen Wochenendtrip nach München (Alles >=2 ist Tradition #isso).

Nachdem ich nun meinen eigenen Text nochmal gelesen habe, mag ich hier eigentlich auch gar nicht viel dazu schreiben, weil es ein ziemlich schwacher Abklatsch von eben diesem Text, der ein fußballtechnisch fürchterliches, aber im Endeffekt unfassbar tolles Wochenende recht gut zusammen fasst. Daher halte ich mich hier mit einem „Alles wie immer in München“ und „Nächste Saison fahr ich da nur noch zum Bier trinken hin!“ kurz und verweise lieber auf das Bröckchen von Text, das die Wut im Bauch vermischt mit der Dankbarkeit darüber, dass Fußball nicht nur Fußball ist, zusammen fabriziert haben: Eben “Nicht nur Fußball”.

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Saison 2015/16, 16. Spieltag: FC St. Pauli 0:4 1. FC Nürnberg

So.,  29.11.2015, 13.30 Uhr Millerntor-Stadion; Platz 3 -> Platz 3 (26)

Ich möchte nicht darüber reden. Echt nicht.

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Saison 2015/16, 17. Spieltag: 1. FC Kaiserslautern 1:2 FC St. Pauli

So.,  06.12.2015, 13.30 Uhr Fritz-Walter-Stadion; Platz 3 -> Platz 3 (29)

Manchmal seid ihr ja ganz schön komisch. Klar, ich hab mich auf der Spiel in Lautern gefreut, aus verschiedenen Gründen, die ich gleich gern noch etwas mehr erläutern werde, aber mal vornweg: Der Text zum Spiel am Betzenberg war -für mich überraschenderweise – der mit Abstand meist gelesenste, von mir verhackstückte Text der Saison und auch über die Saison hinaus. Das muss nicht zuletzt daran gelegen haben, dass sich deutlich etabliertere Blogger sichtlich darüber amüsierten, dass „meine Generation“ Fan keine Abneigung zum Betzenberg mehr hat. (Mit lieben Grüßen an den Übersteiger🙂 )

Aber kommen wir zum Spiel! Für diese Fahrt hatte ich gleich doppelt Gesellschaft, was es per sé schon etwas besonderer macht, als so manch anderes Spiel. Ich war schon am Vortag nach Mannheim gefahren und so hätte die Anfahrt eine sehr entspannte werden können, wenn nicht mal wieder die größten Chaoten unter der Sonne unterwegs gewesen wären. Es war alles etwas stressgeladener als gedacht, aber hey, immer noch alles easy going im Vergleich zur Abreise..

Das Spiel an sich machte auch ziemlich Spaß, auch wenn es keines derer war, bei denen man ganz entspannt auf den Rängen stand und nicht zittern musste. Trotz zwei Toren für die richtige Seite und nur einem auf der der Teufel, durften wir am Ende noch ordentlich um die drei Punkte bangen – aber es wäre kein Spiel in Lautern, wenn dem nicht so wäre. Jedenfalls aus meiner sehr kurzen Erfahrung.

Zur Heimfahrt hab ich ja schon etwas angemerkt, aber das lest ihr am besten selbst noch einmal bei Vermisst – Der #FCSP am Betzenberg nach um unnötige Redundanzen zu vermeiden.

Wer lieber Bilder guckt, hier entlang: Bilder von USP

 

Saison 2015/16, 18. Spieltag: DSC Arminia Bielefed 0:0 FC St. Pauli

Mo.,  14.12.2015, 20.15 Uhr Schüco-Arena; Platz 3 -> Platz 4 (30)

Niemand mag Bielefeld. Und niemand mag Montage. Na, wann war das Spiel auf der Alm? Richtiiig. Montags abends. Eigentlich hatte ich mich drauf gefreut, spätestens mit der Terminierung war es damit allerdings vorbei, weil das für mich Anreise alleine mit dem Auto hieß, sonst wäre ich irgendwo im Nirgendwo an einem Bahnhof nach Spielende wohl gestrandet. Womöglich noch in Hagen oder so, wer weiß. Und das einzige, das man noch weniger mag als Bielefeld, Montage oder Bielefeld an einem Montag ist nun mal Hagen. Wisst ihr Bescheid.

Für mich ging es also alleine auf den Weg und ich sollte den Trupp erst am Stadion treffen. Eigentlich nicht so schwierig… eigentlich. Denn wer mich kennt, weiß, dass das mit dem Stadionfinden und Menschenfinden und Eingangfinden schon mal … etwas länger dauern kann. So auch in Bielefeld, trotz Hilfe netter Arminen (sowas gibts auch, tatsächlich) und einem Spaziergang einmal um die halbe Stadt rum, aber hey, weniger vom Spiel gesehen hätte ich auch von draußen nicht. Himmel, ist das ein fürchterlicher Gästeblock.

Aber hey, immerhin gab es mal ein bisschen #mehrHack. Das machte es fast wieder wett, wenn ich ehrlich bin. Aber auch nur fast! Eins bleibt: Schwarz, weiß und blau – mag keine Sau!

Parkhäuser – immer diese Parkhäuser!

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Saison 2015/16, 19. Spieltag: FC St. Pauli – Karlsruher SC

Fr.,  18.12.2015,  18.30 Uhr Millerntor-Stadion; Platz 4 -> Platz 4 (30)

Das hier – und das muss ich leider zugeben – ist das einzige Spiel der Saison, von dem ich nicht einen Fetzen gesehen habe. Manchmal ist Fußball eben doch nicht das Wichtigste.🙂

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Saison 2015/16, 20. Spieltag: SpVgg Greuther Fürth 0:2 FC St. Pauli

So.,  07.02.2016,  13.30 Uhr Sportpark Ronhof; Platz 4 -> Platz 4 (33)

Okay, anlässlich dieses Textes lese ich ja meine eigenen Texte nochmal und ehrlich gesagt hat mir dieser hier ziemlich viel Spaß gemacht, sowohl beim Schreiben, als auch jetzt nochmal beim Lesen, denn irgendwie fühlte ich mich glatt wieder an diesen Februarsonntag zurück versetzt, auf den ich sooooo lange (eine ganze Winterpause lang!) gewartet hatte. Und gerade dank dieser Vorfreude, hatte ich überhaupt keine Erwartungen an das Spiel. Das ist ja öfters so: Wenn man nichts erwartet, wird es super und wenn man sich wochenlang freut, bekommt man auf die Nase.

In den Text zum Spiel bei den netteren Franken haben sich auch ein paar Worte zu meinem kleinen Ausflug zu mit den Bayern zu den Bayer’n in Leverkusen verirrt, nicht dass ihr euch darüber wundert. Wer nur das lesen mag, was ich zu Fürth zu sagen hatte, muss einfach ein bisschen scrollen.

Ich mochte das Stadion in Fürth irgendwie … war ja klar, dass das dann kurz später erst einmal (teils?) abgerissen wurde. Aber hey, so hab ich zumindest das zusammengewürfelte-Ex-Playmobil-Stadion mal noch sehen können. Ganz, ganz viele liebe Menschen (wieder) getroffen und richtig, richtig Spaß im Block gehabt. Das hier ist eine der Fahrten, die mir über die Saison hinaus in sehr guter Erinnerung bleiben werden und ich denke, wenn es irgendwie passt, auch gerne wiederholt wird.

“Hier gewinnt nur einer… (PAUSE!), St. Pauli und sonst keiner!”

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Saison 2015/16, 21. Spieltag: FC St. Pauli 1:0 Leipzig

Fr. 12.02.2016,  18.30 Uhr Millerntor-Stadion; Platz 4 -> Platz 4 (36)

Nein, wir können uns nichts davon kaufen und schon gar keine Spielzeit in der ersten Liga oder gar einen Platz in der Relegation, aber hey: Leipzig stieg auf ohne uns auch nur einmal geschlagen zu haben. Und das gibt ein wenig Genugtuung wenn ich ehrlich bin, auch wenn es nun sie sind, die die erste Liga aufmischen wollen, statt anderer … sympathischerer Vereine.

Aber dieses Spiel brachte mir mein FC St. Pauli-Gefühl zurück: Zittern. Bei jedem verdammten Ballkontakt der Leipziger. Auch wenn Ratsche mit der 8. Minute schon sehr früh der Treffer gelang, den keiner erwartet hatte, der aber dem Matchplan, sich hinten rein zu stellen und die Defensive stabil zu halten, wunderbar untermauerte, galt es danach gerade in der ersten Hälfte erst einmal zu bangen. Eigentlich sah es nicht wirklich danach aus, als würde es bei diesem einen Treffer bleiben, wo doch die Leipziger Angriff um Angriff starteten und dabei nicht zuletzt in Himmelmann ihren Meister fanden. Entlastungskonter in Braun und Weiß wurden immer seltener, sodass ich kaum zuvor derart eine Halbzeitpause herbei gesehnt hatte.

Die zweite Hälfte beruhigte das angespannte Nervenkostüm eines jeden St. Paulianers wohl ein bisschen, weil es von da an wieder etwas mehr in beide Richtungen statt der Einbahnstraße Richtung Robin Himmelmann ging. Am Ende hätte es sogar durchaus noch ein Tor höher ausfallen können, auch wenn das angesichts der turbulenten ersten Hälfte vielleicht nicht ganz verdient gewesen wäre. So bleibt also: Immerhin Leipzig zweimal geschlagen, unsere Punkte für den Aufstieg bekommt ihr schon mal nicht. Ha!

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Saison 2015/16, 22. Spieltag: FC St. Pauli 1:3 FSV Frankfurt

Fr. 19.02.2016,  18.30 Uhr Millerntor-Stadion; Platz 4 -> Platz 4 (36)

Ab in den Süden! Naja, gut, erst mal musste ich schon in den Norden fahren, wo es doch gleich mein drittes Spiel in der aktuellen Spielzeit am Millerntor sein sollte (300%ige Steigerung zu letztem Jahr bis dahin). Aber dann! Ja dann durfte ich endlich auf die Süd. Dank unheimlich lieber Menschen, an die an dieser Stelle ganz besonderer Gruß gerichtet sein soll. Ganz, ganz viel Licht in einer Zeit, wo es etwas dunkler um mich herum wurde. Ich danke dir & euch.

Richtig viel mag ich auch gar nicht mehr dazu sagen, der Spielstand spricht für sich, mein erstes Mal auf der Süd wird mir aber dennoch lange und in sehr guter Erinnerung bleiben, weil man dieses Gefühl des Angekommenseins einfach nicht vergessen will. Da pass ich hin, da mag ich hin.

Gegen den FSV gab es natürlich sonst auch wieder nicht viel zu holen, aber wer da ernsthaft etwas anderes erwartet, der geht auch in ein Münchner Brauhaus und bestellt einen Weißwein. So, also lest hier und damit hat sich die Sache:

Unerwartet genau wie erwartet #fscpfsv

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Saison 2015/16, 23. Spieltag: MSV Duisburg 0:2 FC St. Pauli

So., 28.02.2016,  13.30 Uhr Schauinslandreisen-Arena; Platz 4 -> Platz 4 (39)

Duisburg! Endlich ging es wieder nach Duisburg. Ich hab die ganze Zeit gemeckert und gehofft und darauf gewartet, dass die Zebras endlich wieder aufsteigen und wir nochmal ins Wedaustadion fahren dürfen, denn da und da lass ich nicht mit mir reden, gibt es die beste Bratwurst der Liga. Das wisst ihr, das weiß ich und das ist einfach so. Eigentlich hat mir Duisburg auch den Beisatz „Bratwurstblogger“ eingebracht und damit kann ich gut leben. Aber ich schweife ab, eigentlich sollte es ja nach Duisburg gehen.

An diesem Tag sollte ich meine Lieblingsmütze opfern, um auch ja drei Punkte einzufahren, daher erlaubt mir den kurzen Einschub: Wenn irgendwer von euch noch die graue Strickmütze/Beanie aus den Do You Football Zeiten zuhause ungeliebt rumliegen hat, ich wäre ein dankbarster Abnehmer. Die Mütze hab ich echt geliebt und selbst jetzt trauer ich ihr noch nach. Sie fährt wohl auf ewig die Strecke Wattenscheid-Bochum.

Nun aber Schluss mit dem Eigennutz, naja, fast, denn mit dem Text zu diesem Spiel hatte ich mich tatsächlich mal ein bisschen daran gewagt, über Fußball zu schreiben und nicht nur das drumherum. Und was macht ihr? Lest es nicht! Das nehm ich mir zu Herzen, so!

Aber im Ernst: Die Fahrt nach Duisburg war eine sehr schöne und noch viel mehr twitterlastige. Viele liebe Menschen (wieder) (unbewusst) getroffen und jede Menge Spaß gehabt. Der Support war okay, das Spiel gab durchaus Anlass zu großem Jubel  (big fucking John <3) und generell war das eine Fahrt, die wirklich, wirklich Spaß gemacht hat. Umso trauriger bin ich, dass Duisburg es nicht mehr geschafft hat sich zu retten. Aber vielleicht komm ich so einfach nochmal rum.

Wer jetzt noch einmal nacherleben mag, wie chaotisch eine Anreise sein kann, was die beste Bratwurst der Liga ist und wie sich Joel Keller in mein Herz spielte, der klicke hier entlang:

Hier im Ruhrgebiet Vol. 2

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Saison 2015/16, 24. Spieltag: FC St. Pauli 1:0 Eintracht Braunschweig

Do., 03.03.2016,  20.15 Uhr Millerntor-Stadion; Platz 4 -> Platz 4 (42)

Fick dich, Abstieg!

Die magische 40-Punkte-Marke am 24. Spieltag knacken? Einfach nur geil. Grad mit Rückblick auf die letzte Saison, wo wir es 10 Spieltage später noch nicht geschafft hatten, war für mich der 24. Spieltag diese Saison ein „Knackpunkt“ an dem ich dann glaubte, dass es vielleicht doch noch nach oben gehen könnte. Man müsste nur diese lästigen Nürnberger endlich mal von ihrem dritten Platz vertreiben und sich währenddessen gut Luft hinten raus verschaffen.

Ich hab die ganze Saison ja schon immer gepredigt „Erst die 40, danach sehen wir weiter“ und ging mir selbst mit dem Pessismismus ja schon auf die Nerven, aber mal ehrlich, ich erwarte von anderen Vereinen ja auch, dass sie nach einer Fast-Abstiegs-Katastrophen-Apokalypsen-Saison erst einmal kleinere Brötchen backen und nicht direkt von Champions League faseln (Ja, ich mein euch da im Pott!). Gut, Champions League wäre es bei uns nicht direkt gewesen, aber hey, Aufstieg ist fast wie Champions League. Mit diesem Spieltag war auch ich dann einverstanden, dass das vielleicht ja doch noch was geben könnte. Ehrlich gesagt ist mir von dem Spiel gar nicht mal soo viel in Erinnerung geblieben, außer natürlich, was es für Folgen hatte und leider auch welches Nachspiel die Gegend rund um das Stadion nach Abpfiff noch erlebte. Willkür, sinnlose Einsätze gegen friedliche Fußballfans, vom Sieg und Klassenerhalt beseelt … nun gut, darüber wurde auch schon genug geschrieben, meine ich zu wissen, und deswegen sei hier nochmal mit einem lauten „FICK DICH, ABSTIEG!“ dieser Spieltag mit einer anderen Erinnerung verbunden.

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Saison 2015/16, 25. Spieltag:  1. FC Heidenheim 2:0  FC St. Pauli

So., 06.03.2016,  13.30 Uhr Voith-Arena; Platz 4 -> Platz 4 (42)

„Wo ist eigentlich Heidenheim?“

– „So ungefähr auf halber Strecke zwischen Stuttgart und München.“

„Oh! Ich hätte das ja Richtung  Braunschweig oder Wolfsburg getan.“ #nehmenwireinfachHeidenheimundschiiiebeneswoandershin

Wenn eine Routenplanung schon so anfängt, kann man schon ahnen, dass der direkte Weg nicht unbedingt der sein wird, den man einschlägt. Wenn man dann auch noch weiß, dass ich fahre … nun ja, ich denke, ihr wisst so langsam in welche Richtung das geht. Mit mir ist halt immer Sightseeing, ob ihr wollt oder nicht. Ich war übrigens nicht die, die Heidenheim verschieben wollte, nur mal so.

Es ging spontan zu zweit nach Heidenheim. Und noch viel spontaner traf man da die Bezugsgruppe in größerer Stärke, als eigentlich erwartet. Wunderbar, so lob ich mir das!🙂

Da wir natürlich mal wieder viel zu früh waren, gab es den obligatorischen Spaziergang rund um das Stadion, weil man ja auch einfach mal schauen will, wo man denn da so ist – und ja, auch wo denn der Gästeblock eigentlich ist. Die Frage beschäftigte dann nicht nur uns, sondern auch zwei der Ordner, bei denen ich mir heute noch nicht sicher bin, ob sie uns nicht veralbern wollten. So oder so, sie schickten uns den falschen Weg entlang und der holprige Einzug ins Stadion nahm seinen Anfang. Gefolgt von unfassbar langsamen Kontrollen und einem fürchterlichen Spiel mit einem kaputten Verhoek am Ende. Lief… so richtig.

Und wenn man dann noch über Sinsheim nach Hause fährt („Ey, was’n das für ein Stadion?“ *Bitte nicht Sinsheim, bitte nicht Sinsheim!* „Ich glaube, das ist Sinsheim.“ *Fuuu…*) weil das Navi einem erzählt, dass die A7 komplett dicht ist. Es war eine lange, aber umso lustigere Fahrt, wer hätte das gedacht?😀

Spielst ganz woanders, in Liga 2.

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Saison 2015/16, 26. Spieltag: FC St. Pauli 3:4 SC Paderborn

Fr., 11.03.2016,  18.30 Uhr Millerntor-Stadion; Platz 4 -> Platz 5 (42)

Okay, ich fasse kurz zusammen: Mein Geburtstag war am 10. Ich war todesgripsch – vergesst die Männergrippe, Mädchengrippe ist die wahre Hölle und hatte meine Mädels da, um direkt nach dem Spiel meinen Geburtstag zumindest noch im kleinen Kreise nachfeiern zu können – kurzum: es musste ja ein total bescheuertes Spiel werden, bei dem ich total ausgeglichen*, apathisch** und gleichgültig*** am Sofa saß.

*Lüge

** massive Lüge

*** die Balken brechen schon-Lüge

Was soll man dazu noch sagen? So ein Spiel fasst man auch Monate später noch nicht und hier gehts mir dann mal ein wenig wie Frodo vom Übersteiger, was das Spiel gegen Sechzig angeht (Oh, Spoiler, ups.). Fürchterlich. Mehr sag ich dazu nicht mehr.

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Saison 2015/16, 27. Spieltag:  SV Sandhausen 0:2 FC St. Pauli

Sa., 19.03.2016,  13.00 Uhr Hardtwald Stadion; Platz 5 -> Platz 4 (45)

Okay, Vorteil Sandhausen: Ich hatte zumindest einen groben Plan, wo es hingehen sollte – im Gegensatz zum Spiel in Heidenheim. Noch mehr Vorteil: Ich sollte mich vor Ort mit ein paar ganz lieben Menschen treffen und vor allem durch Zufall noch mehr, lange nicht mehr erblickte Gesichter zu sehen bekommen. Die Fahrt fluppte wunderbar und ich war eigentlich mal wieder viel zu früh am Stadion, aber da man da ja die Gesellschaft einsammelte, ging das alles wunderbar gut.

Was mir am meisten in Erinnerung geblieben ist, sind ein paar kleinere Dinge: Zum einen die Verhältnisse zwischen Stadion und Stadtgröße, zum zweiten das Stadion und die Kontrollen an sich und zum dritten der Trommlermann, der bei den SVS-Ultras direkt auf der Tribüne neben den Gästefans seine Seele, all sein Herzblut und vermutlich auch knapp 10.000 Kalorien vertrommelt hat.

Das Spiel an sich war eines, das Spaß machte. Mit einem vollkommen überraschenden Tor aus dem Nichts war das natürlich auch kein Wunder und mit dem darauf folgenden zweiten Tor sicherlich besiegelt. Sandhausen bleibt mir als schöne, entspannte Auswärtsfahrt in Erinnerung, die ich gerne wiederholen werde.

Von Suchtmittelspürhunden mit Burnout und dem SVS. #svsfcsp

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Saison 2015/16, 28. Spieltag:  FC St. Pauli 0:0 1. FC Union Berlin

Fr., 01.04.2016,  18.30 Uhr Millerntor-Stadion; Platz 4 -> Platz 4 (46)

Hachja, Spiele gegen Union mag ich ja an sich wirklich gerne und zu diesem hätte ich sogar hingekonnt, aber nachdem ich meine Klausurplanung im März schon zugunsten der Heimspielfahrt für das FSV-Disaster umgeschmissen hatte und hier jetzt auch der Fernbus dank des Freitagsspiels (das ist dann leider etwas knapp) wegfiel, gewann ausnahmsweise mal die Vernunft und ich schaute das Spiel daheim auf der Couch. Verpasst hab ich ja auch nichts, jedenfalls keine Tore.  Deswegen der Kommentar hier auch denkbar kurz, denn nicht mal der Kicker konnte noch Anregungen liefern, was ich hier denn bitte hin schreiben soll. Nullnummer halt.

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Saison 2015/16, 29. Spieltag:  SC Freiburg 4:3 FC St. Pauli

So., 10.04.2016,  13.30 Uhr Schwarzwald-Stadion; Platz 4 -> Platz 5 (46)

„Und was machst du am Wochenende so?“

– „Ich schaue mir einen überdimensionalen Joghurtbecher an.“

Das ist definitiv Kategorie: Sätze, die ich schon immer mal sagen wollte. Ja gut, und ich wollte schon immer mal nach Freiburg und eigentlich sollte es ein Familienausflug werden, der dann aber doch zu einem mit der FCSP-Familie wurde. Zu dritte machten wir uns auf die Reise mit Mission „Bildungsausflug“, schließlich hatten wir bei der langen Fahrt nach Freiburg ja ausreichend Zeit, dem jüngsten Mitfahrer die Hymne von Wattenscheid näher zu bringen. Fragt nicht. Fragt einfach nicht.

Nun hatte man natürlich von Freiburg in dieser Saison viel gehört, aber am meisten herrschte die Ground Legend vor, dass man aus dem Gästeblock rein gar nicht sehen könne. Naiv wie ich war, machte ich mir darüber keine großartigen Gedanken. Würde schon nicht so schlimm sein.

Genauso hatte ich es anfangs nicht glauben wollen, dass dort im Stadion ein riesiger Joghurtbecher stehen sollte. Lasst euch gesagt sein: Beides ist keine Lüge. Aber es gab ja eh ein Null zu Null. Glaubt einfach nicht, was woanders steht.

Achja, noch eines:  Komisches Wesen gibt es da unten im Breisgau. Zum einen Kröten, für die ganze  Stadtabschnitte gesperrt werden und zum anderen den gemeinen Bierdieb. Watch your beer…

Wattenscheid, Freiburg, hauptsache 0:0.

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Saison 2015/16, 30. Spieltag: FC St. Pauli 2:0 Vfl Bochum 

Sa., 16.04.2016,  13.00 Uhr Millerntor-Stadion; Platz 5 -> Platz 4 (49)

Das ist ehrlich gesagt nochmal eines dieser „Blank“-Spiele, ja, ich weiß noch, dass das irgendwie ziemlich gut war, ich erinnere mich an gefühlt 100 Herzkasper, sobald Terodde an den Ball kam und einen Picault, der einfach eiskalt zweifach einnetzte. Das ist aber auch so ziemlich alles und mehr könnte ich jetzt konstruieren, aber das hat der Kicker schon getan, also halte ich mich hier kurz.

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Saison 2015/16, 31. Spieltag: Fortuna Düsseldorf 1:1 FC St. Pauli

Fr., 22.04.2016,  18.30 Uhr Esprit-Arena; Platz 4 -> Platz 4 (50)

Viel Gemotze, wenig Fußball – das ist so die prägende Erinnerung, die ich an diese Begegnung habe und nachdem ich gerade nun selbst nochmal meinen dazu verfassten Textfetzen gelesen habe, muss ich echt zugeben, dass ich immer noch ein bisschen motzig bin. Das hat ganz verschiedene Gründe: Zum einen ging es gegen die Fortuna, die mir so sympathisch ist wie … schales Bier. Dann gab es extrem nervige Begegnungen mit anderen Fans im Block, die mir nahezu den Spaß zu nehmen drohten, aber weil ich ja zu stur bin, hab ich mich da nicht beirren lassen. Also irgendwie schon, aber egal. Weiterhin gabs mal wieder nette Encounter mit den wundervollen Fümmeneunzich-Fans, die für mich auf einer Stufe mit den Sechzigern stehen. Hat sicher was mit Jahreszahlen im Namen zu tun. Aber hey, egal, lest einfach den Text dazu. Oder lasst es, wenn ihr euch die Zeit nicht damit vertreiben wollt, zu lesen, wie ich über andere Fans rante.

Fußball gibt’s im Oberrang

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Saison 2015/16, 32. Spieltag: FC St. Pauli 0:2 1860 München

Fr., 29.04.2016,  18.30 Uhr Millerntor-Stadion; Platz 4 -> Platz 4 (50)

Was machst du, wenn du einen der am meisten verhassten Vereine der Liga eine runter schießen kannst? Klar, du verlierst. Und zwar nicht unglücklich sondern einfach unfassbar dämlich. Es ist immer noch nicht greifbar, aber ich weiß, dass ich zu dem Spiel auf der Couch extrem ausgerastet bin und mich kaum mehr eingekriegt habe. Alles, was ihr zum Spiel wissen müsst, erzählt euch Frodo allerdings in der Saisonabschlussfolge des Millerntons, dem ist meinerseits nämlich rein gar nicht hinzuzufügen. Also, auf, hört da zu.

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Saison 2015/16, 33. Spieltag: 1. FC Nürnberg 1:0 FC St. Pauli 

So., 08.05.2016,  15.30 Uhr Grundig-Stadion; Platz 4 -> Platz 4 (50)

Darf ich euch einfach mal einen Tipp so vollkommen aus dem Nichts geben? Nein? Ich machs trotzdem: Wenn sonntags eine verdammt weite Auswärtsfahrt ansteht, dann fangt Freitag einfach nicht einen neuen Sport mit einem über zweistündigen Training an. Vor allem dann nicht, wenn das Boxen ist und ihr die folgenden Tage irgendwann wieder laufen wollt. Oder eure Beine strecken. Oder atmen.

Ich hab nämlich genau diesen Fehler gemacht und die Sportler unter euch kennen das sicherlich: Wenn der erste Tage nach dem Training die Hölle ist, dann ist der zweite Abstiegskampf gegen Sechzig mit Paderborner Stadionmusik. Ihr wisst, worauf ich hinaus will. Ich hatte mich der NRW-Truppe und dem Bus angeschlossen und die Reise mit einem guten Umweg angetreten (wär ja auch mal was neues, wenn nicht…). Super Menschen getroffen, eine Halbzeit Spaß gehabt und in der zweiten dann nahezu kollabiert. Ein herzliches Fick dich an meinen Kreislauf an dieser Stelle. Dementsprechend wenig gab es von mir auch zum Fußball zu hören, aber hey, an einer Ecke hatte ich Recht:

Nur zwei Spiele… dann seid ihr wieder da!

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Saison 2015/16, 34. Spieltag: FC St. Pauli 5:2 1. FC Kaiserslautern

So., 15.05.2016,  15.30 Uhr Millerntor-Stadion; Platz 4 -> Platz 4 (53)

Ein komplettes Wochenende in der Lieblingsstadt, ein Spiel gegen die Region und all das mit der unfassbarerweise erst vor ziemlich genau einem Jahr kennen gelernten Bezugsgruppe – zum Saisonabschluss. Gibts was schöneres? Wenig, definitiv.

Das Spiel ist für mich jetzt noch das absolut wahnwitzigste der kompletten Saison. 90 Minuten zwischen Ekstase, „ist das jetzt wirklich passiert?“ und „Hatta nicht gemacht!“. 90 Minuten des kompletten Loslassens und Angekommenseins. Ein ganzes Wochenende voller genialer Menschen und natürlich fünf fucking Zaubertore. Nö, ich hab kurz nach dem Spiel gestrauchelt die richtigen Worte zu finden und nun, fast drei Monate später will mir das immer noch nicht so recht gelingen, aber Ker‘, das nenn ich mal einen Saisonabschluss. Einzig und allein die vielen (unerwarteten) Abschiede trübten die Stimmung ein wenig, aber hey, die meisten von ihnen sehen wir in wenigen Wochen ja wieder. Sie könnten nur vielleicht von den Toren gegen uns absehen …

Find ich juuut, find ich juuut!

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Joo, und damit hab ihr es echt geschafft. Bis hier hin, bis zum Ende meines „kleinen“ siebeneinhalbtausend-Wörter-Saisonrückblicks. Wenn ihr auch nur ein oder zweimal schmunzeln musstet, euch selbst an ein paar der schönen Erlebnisse der letzten Saison erinnern musstet oder ich euch vielleicht erfolgreich die Fahrt nach Stuttgart verkürzt habe, dann hab ich alles erreicht, was dieser Text erreichen sollte. Einen kleinen Rückblick auf meine erste Dauerkartensaison eben. Und nun sind es noch ganze zwei Tage, bis wir wieder gemeinsam im Block stehen. Ich hab absolut keine Ahnung, was ich fußballerisch von der kommenden Saison erwarten soll, rechne aber mit dem schlimmsten, aber bei einem bin ich mir sicher: Ich werde hundertprozentig wieder wundervolle Menschen treffen. Und das kann ich kaum erwarten. Ker‘, ich freu mir.

 

Bis Montag dann, kommt gut nach Stuttgart und sagt mal an, wenn ihr Bock habt, auf ein Bier zusammen zu kommen. Wir sehen uns🙂

 

Find ich juuut, find ich juuut!

Auf einmal ist alles rum. Eine komplette Saison voller „Alles wie immer“s und doch irgendwie alles neu und komplett anders als letzte. Erinnere ich mich an das finale Spiel der vergangenen Saison klopft mir das Herz bis zum Hals, ein wenig Wut schwappt hoch und dann doch die pure Erleichterung. Und dieses? Nun ja, was will man da schon zu sagen?

Es ist kein Geheimnis, dass in mir ein kleiner Monk wohnt, der ab und an mal hervorbricht. So ähnlich war das auch, als mir klar wurde, dass die Anzahl der FCSP-Spiele, die ich in dieser Saison sehen würde, eine ungerade Zahl bliebe, wenn ich nicht noch eines hinten an hängte. Kurze Verwirrung, dass das Spiel doch schon längst verkauft war (Ticketchaos, Alles wie immer), Twittermenschen die helfen können und dann wochenlange Vorfreude. Mir stand fast ein komplettes Pfingstwochenende in der Wahlheimat bevor und was könnte den Alltag noch erträglicher machen, als der Gedanke daran?

Samstag machte ich mich dann allerdings wenig enthusiastisch mit dem Fernbus auf den weiten Weg nach HH, der mit jedem Kilometer auf der A1 noch ein wenig weiter erschien. Bremste uns nicht gerade ein Stau, dann war es ein Siebzigfahrer im Überholverbot vor uns. Der jedoch, auch wenn er tierisch bremste, die Zeit in die Länge zog und eigentlich an allem schuld ist, amüsierte die Busbelegschaft prächtig: Der zweite Fahrer des Busses bedachte ihn nämlich äußerst ausdauernd mit den kreativsten Flüchen und all das in tiefstem sächsischem Dialekt. Kurz um: Wir sind gestorben vor Lachen. Mehrfach.

Passend zur zweiten Hälfte der Buli-Konferenz hatten wir dann auch den Busfahrer überreden können, das Radio lauter zu drehen, wo meine Eskapaden mit SkyGo und nur Sound dann doch mehr als kläglich gescheitert waren. So gesellten sich eine Bremerin, zwei Jungs aus Frankfurt und eine herrlich unbeteiligte Sankt Paulianerin in meiner Person zusammen, um ganz old skool im vorderen Teil des Busses die Radiokonferenz zu hören.

Am Ende jubelte nur eine, einer kotzte – leider wörtlich, der war nämlich kein Fußballfan – und ich kam in Hamburg an. Tasche geschnappt, raus zur Ubahn und stilecht mal kurz in die falsche Richtung gefahren. Wieder raus, richtige Richtung und ab zum Hostel. Ein paar Worte mit dem Zimmernachbarn gewechselt, der keine coolere Socke hätte sein können, und ich wagte mich dann doch mal wieder in das Hamburger Wetter, das mich nasskalt zu empfangen wusste.

Manchmal ist es ja etwas holprig, Leute zu treffen und es kann auch wirklich ein paar Monate dauern, aber: lohnt! Richtig coolen Abend verlebt, im Jolly vorbei geschaut, ein paar Bier und starke Unterhaltungen mit total verrückten Leuten, die mich erschreckend normal erscheinen lassen, später dann vernünftigerweise zurück zum Hostel getapert, erwartete mich doch ein nicht minder anstrengender Tag.

Eine „Tradition“ an die ich mich glatt gewöhnen könnte, eröffnete den Spieltag dann für mich: Das Brunchen vorm Spiel. Herrlich. Kann man nur empfehlen, nicht nur massive Auswahl zum kleinen Preis, sondern auch nett zu sitzen und mit guter Gesellschaft. So kann man wahrlich in einen Spieltag starten und das war hinsichtlich der restlichen Tagespläne auch eine gute Grundlage für den Sonntag… (Kennt ihr wahrscheinlich eh, ist aber echt zum Sonntagsbrunch zu empfehlen, wenn man von Käsekuchen bis Chilli auf nichts verzichten mag: hier entlang.)

Nachdem etwas organisatorisches erledigt wurde, machten wir uns dann zumindest zu zweit schon mal auf den Weg zur Gegengerade, was mir sehr entgegen kam, wollte ich doch dem ein oder anderen gern nochmal Hallo sagen, bevor ich mich in die Sommerpause verabschiede. Das lief ja auch richtig rund, stand ja die Hälfte der Truppe eh schon zusammen. Mal kurz eingeworfen: Schön, euch nochmal, wieder oder endlich mal getroffen zu haben – es war mir ein Fest!

Ein paar Bierchen später wurde die Süd erobert und sich da unter anderem mit den Leuten zusammen gefunden, die man ziemlich genau vor einem Jahr in der gleichen-vollkommen-anderen Situation kennengelernt hatte. Ich muss wirklich sagen, dass es dieses Mal weitaus mehr Spaß gemacht hat, als zitternd im Darmstädter Gästeblock zu stehen, auch wenn das Stadion ein wenig in der Liga fehlt. Aber treibt euch mal weiter da oben rum, vielleicht komm ich so nochmal auf einen Abstecher vorbei.

Joa, zu den Choreos kann ich nicht so richtig viel sagen, da hab ich ja tatsächlich mal wieder nichts gesehen. Vom Spiel umso mehr, aber ehrlich gesagt fehlen mir dazu ein wenig die Worte. Was war das denn bitte für ein krasses Spiel? Ryo! Immer wieder Ryo! Und Tore und die Region abgeschossen und uns einen verdammt geilen Vereinsgeburtstag bereitet. Herrlich. Man ist fast geneigt ein Uhlmann’sches „Schön schön schön!“ hinten an zu hängen.

Das war es nämlich wirklich. Und eine Situation machte irgendwo ganz besonders viel Spaß: Wir hatten gerade ein Gegentor kassiert, ein verdammt frühes… und wenn es eines gab mit dem der magische FC diese Saison gar nicht arbeiten konnte, dann mit Rückständen. Aber die Comeback Kids belehrten eines besseren, eine … was? knappe Minute später vielleicht. Schön, so ein Ding mal nicht selbst zu kassieren, sondern zu verteilen. Schön, schön, schön.

Im Zuge des Spiels haben mich allerdings die Verabschiedungen von so vielen Spielern aus der U23 doch massiv verwundert. Startsev, Deichmann, Kurt … das waren alles Jungs, die man durchaus auch mal bei den Profis im Kader zu Zeiten der verletzungsbedingten Ausdünnung des Kaders gesehen hat und die ich gerne in ein, zwei Jahren komplett fix in der ersten gesehen hätte. Aber hey, macht et jut, passt auf euch auf. Dass nun auch Maiers Ziel feststeht wunderte dann nicht mehr viel, kann er Tschauni mal schöne Grüße bestellen und nächste Saison dann bitte den obligatorischen Treffer gegen uns einfach mal nicht reinsäbeln.

Ähnlich obligatorisch ist das YNWA am Ende der Saison. Kann ich ja sogar nachvollziehen, aber irgendwie … neee. An die Abgänge gerichtet, okay, Ich werd nur wohl nie der große Freund davon, das in dieser Version bei solchen Spielen zu singen. 34 hin oder her.

Joa, was kann man da noch sagen? Support war nach meinem kleinen Desaster in Nürnberg Balsam für die braun-weiße Seele und machte einen unfassbaren Spaß. Vielleicht mag ichs in 10 Jahren auch ruhiger, aber momentan ist genau das einfach meine Welt.

Ich würde wirklich, wirklich gerne viel mehr dazu sagen. Insbesondere zum Spiel. Aber das war einer dieser Tage, die in sich perfekt sind, deren Einzelheiten man nicht veräußern mag und wo eine Szenerie direkt in die nächste überging. Das ganze Wochenende hatte ein bisschen was davon. So sitze ich nun also hier, mittlerweile ist es fast Freitag, und ich hab den Text immer noch nicht fertig bekommen, weil ich das Gefühl habe, dass ich es eh nicht treffen kann, was diesen Spieltag ausgemacht hat – oder eher, dass mir momentan die Fähigkeit dazu fehlt, das in passende Worte zu kleiden.

Dieses Spiel war wirklich ein ganz besonderes und es gab sehr viele Faktoren, die es dazu gemacht haben. Zum einen natürlich unser höchsteigener Fußballgott mit Zug zum Tor, Ryo on fire. Die Tore waren schnieke! Dann muss man auch die Abschiedstore von Maierchen und Thy nicht unerwähnt lassen, die irgendwie besonders freuen, haben doch beide durchaus Eindruck im Verein hinterlassen. Viele Choreos auf allen vier Tribünen, das ist schon besonders, ohne dass es auch mehrere unterschiedliche Initiatoren gibt. Die Stimmung, die ich nochmal als wirklich gut empfunden habe, auch wenn ich da wohl als absolut nicht objektiv gelten darf, nur weil ich meinen Spaß hatte. Und ja, auch besonders, weil man so viele Menschen, die man jetzt über die letzten zwei Spielzeiten hinweg dank des Fußballs hat treffen dürfen, noch einmal kurz drücken, mit schnacken oder einfach Bier trinken konnte.

Aber natürlich hat auch so ein rundum gelungener Tag durchaus seine Schattenseiten. Was mich persönlich sehr geärgert hat, war die lieblose Verabschiedung von unseren Spielern. Das klang zeitweise so, als würde uns die Zeit davon laufen und eine Liste wäre abzuarbeiten. Noch dazu waren manche Abgänge ja nicht mal bekannt. Das hätte man anders lösen können, inbesondere natürlich bei den Spielern, die sich wirklich für den Verein verdient gemacht oder gar ihre Hauptspielzeit beim magischen FC verlebt haben. Dieses Thema werde ich allerdings nicht weiter aufreißen, da meiner Meinung nach das werte Fangirl dazu bereits die passenden Worte hat finden können (nachzulesen hier: Viele letzte Male im Saisonfinale).

Was mir bleibt, ist eine ziemliche Spannung auf die nächste Saison und insbesondere die Bewegungen auf dem Transfermarkt. Nein, bevor jetzt genervt weggeklickt wird, ich poche nicht darauf, dass uns noch sooo viele Spieler fehlen – eher hoffe ich auf wenig Bewegung im Kader. Klar, hier und da dürfte durchaus der ein oder andere Neuzugang zur Mannschaft hinzustoßen, aber am meisten würde mich freuen, maßgeblich zu dieser Saison beitragende Spieler wie Sobiech, Himmelmann, Ziereis – und ja, auch Ratsche – halten zu können. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich letzteren beinahe schon aufgegeben habe und nahezu den Begriff „Razzacowski Millionen“ in den Wortschatz aufnehmen würde, immerhin könnte Salzburg ja dann wenigstens eine ordentliche Ablöse zahlen, bevor wir ihn ablösefrei ziehen lassen müssten. Aber hey, vielleicht gibt es ja doch etwas, das ihn in der Hansestadt hält, wir werden früher oder später sehen.

Da man ja eh noch nicht so richtig viel dazu sagen kann, mag ich mich – und euch – hier auch nicht mit irgendwelchen wild zusammen gesponnenen Saisonausblicken festhalten, weil es eh erst einmal abzuwarten gilt. Ich würde mich sogar fast in die Sommerpause verabschieden, aber ich habe mir fest vorgenommen, noch einen kleinen Saisonrückblick zu verfassen. Der dürfte dann in den nächsten paar Wochen mal auftauchen und vielleicht habt ihr dann ja auch schon wieder so viel Abstand zur aktuellen Saison, dass ihr euch nochmal mit auf die kleine Reise zurück einlassen wollt.

Ja, und dann bleibt mir wirklich nicht mehr viel zu sagen. Hamburg hat mich wie immer, genau wie seine wundervollen Menschen, mit offenen Armen empfangen. Ich genieße es jedes Mal wieder, hochzufahren, mir meine eigene, kleine Auszeit zu gönnen und auch jedes Mal wieder über meinen eigenen Schatten zu springen. Und das passt gerade dank den vielen tollen Menschen mit Ecken und Kanten und starken Meinungen und großen Herzen, die ich in der Saison habe kennen lernen dürfen. Passt auf euch auf, ich kanns kaum erwarten, euch nächste Saison in Wort und Schrift wieder zu zu texten und eins noch: Ein bisschen stolz, dass ich es wirklich durchgehalten habe, zu jedem besuchten Spiel zumindest einen Textfetzen zu schreiben, bin ich schon. Ich werde versuchen das aufrecht zu erhalten in der kommenden Spielzeit. Die Dauerkarte ist jedenfalls schon verlängert und so leicht, da muss ich euch wahrlich enttäuschen, werdet ihr mich nicht mehr los. Man könnte sagen, jetzt nach einer Saison mit zwanzig gefahrenen Spielen für den FCSP, mit einer Ausnahme allen Auswärtsspielen, hab ich erst so richtig Blut geleckt.

Und weil ich euch natürlich nicht einfach so aus dem letzten Spieltag verabschieden möchte, gebe ich euch gern noch etwas mit auf den Weg (und wenn es nur mein Spieltagsohrwurm ist – GERNGESCHEHEN!):

Nächste Saison ist dann wohl nochmal Ramtamtam montags angesagt, aber da geht es der ersten Liga ja nun auch nicht mehr besser😉

Wir sehen uns, im und um den Block. Forza!

 

 

Weiter haben zum finalen Saisonspiel getextet:

Fangirl1910: Viele letzte Male im Saisonfinale

Magischer FC Blog: Das ist doch das Letzte

Nice Guys: Senf dazu

Gewohnt wundervolle Bilder von Stefan Groenveld: Versöhnliches zum Saisonausklang

Grenzenlos Sankt Pauli: Fünfe gerade sein lassen

Getaggt mit , ,

Nur zwei Spiele…

Was? Ist es schon so weit, dass das letzte Auswärtsspiel der Saison anstand? Offensichtlich, denn es sollte nach Nürnberg gehen. Zum Club. Den direkten Konkurrenten im Kampf um den Aufstieg – der dann doch irgendwie kein Konkurrent mehr war, weil wir diesen Status schon vor Wochen mit bescheuerten Ergebnissen wie allen voran den Niederlagen gegen die abstiegsbedrohten Sechziger (die dank uns nun nicht absteigen) und die Truppe von Paderborns Effe. Aber so ist das nun mal, auch das letzte Spiel und geht es um noch so wenig, wird natürlich nicht ausgelassen.

Für mich ging es deutlich früher los, jedenfalls im Vergleich zum Spiel in Fürth im Februar, obwohl es ja eigentlich die gleiche Strecke und sogar noch zwei Stunden später war. Aber ich hatte mich für die Anreise mit dem Bus entschieden und so ging es für mich frühmorgendlich als erstes Mal zum Treffpunkt nach Köln. Zwielichtige Ecke und nach Möglichkeit komme ich das nächste Mal nicht mit dem Auto oder versuche doch woanders zuzusteigen, trugen sich doch am Tag nach der Fahrt am Treffpunkt auch nicht sonderlich schöne Ereignisse zu. Aber das ist Zukunftsmusik.

Es ging in den Bus, nette Gesellschaft, außerordentliche Versorgung mit Getränke und Essbarem … einzig an der musikalischen Beschallung kann man noch ein wenig arbeiten. Die Lilien-Hymne brauch ich da nicht drin und ein wenig länger könnte die Playlist auch sein.😉

Aber das ist natürlich weit weg davon, ernst gemeint zu sein. Angenehme Fahrt auf der mich nur der Muskelkater des Todes quälte, und die soweit auch recht kurzweilig für so eine Strecke war.

Es ging recht zügig Richtung Stadion und der Weg dorthin hatte ja nahezu etwas idyllisches. Vorbei an Bäumen, Büschen und irgendwelchen Indianerdörfern bis hin zum Freibad. Dort kurz noch Hallo gesagt und es tatsächlich auf die Reihe bekommen, Twittermenschen, die schon mal neben einem standen, wirklich bewusst zu treffen. Danke nochmal an dieser Stelle🙂

Mit kurzer Verzögerung machten wir uns dann auch auf den Weg rein. Die Kontrollen waren recht locker, die Tasche musste ich nicht mal aufmachen und war sogar als Frau mal schneller drin. Kommt ja auch nicht so häufig vor. Rein ins Innere und da ein schönes Plätzchen gesucht. So weit so gut.

Die erste Halbzeit war, jetzt mal abgesehen vom Gegentor, echt gut. Die Wechselgesänge im Block hauten hin und machten Spaß, der Support an sich war wirklich ordentlich dafür, dass es um nichts mehr ging und ein Sonderzug doch immer zu etwas … übermäßigem Alkoholkonsum verführt. Dazu noch zwei mir recht unbekannte Gesänge mit aufgenommen, die mir heute, Tage später, immer noch im Kopf umher schwirren.

Wir sind der Fuuuußballclub Sankt Pauli!

Und aus Hamburg an der Elbe kommen wir.

Wir sind der Fuuuußballclub Sankt Pauli!

Und gewinnen werden heute hier nur wir!

Die ganze Kurve singt für dich …

Es machte also durch und durch Spaß. Bis nach der Halbzeit. Da ging für mich leider die komplette Fahrt ein wenig den Bach runter. Während ich selbst absolut kein Verständnis dafür aufbringen kann, zu einem Spiel zu fahren und sich dabei völlig abzuschießen, sodass man nichts mehr davon mitbekommt, bekam ich selbst von der zweiten Halbzeit nur noch marginal etwas mit. Mein Kreislauf kapitulierte vor zwei Stunden Schlaf, Überanstrengung am Vortag, zu wenig Getrunken und Gegessen. Es fing recht harmlos an, dass mir, in der prallen Sonne stehend, plötzlich kalt wurde, dann brühend heiß und schließlich diese scheußlichen, immer größer werdenden Flecken im Sichtfeld dazu zwangen, sich mal auf die Stufe im Block zu setzen.

Die zweite Halbzeit war für mich also eine kleine Odyssee zwischen oben beschriebenem Kollaps, ein paar Minuten sitzen, sich dann fragen warum man sitzt, weil es doch eigentlich wieder ging, ein bisschen zu supporten und wieder dem Kollaps. Vollkommen für den Arsch fügte ich mich in die Reihe der Leichen ein, jedoch ohne dem Alkohol die Schuld dafür geben zu können, musste ich doch später wieder mit dem Auto zusehen, dass ich heim kam.

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich somit nicht mal berichten kann, wie mir die Mannschaft vorkam, sondern mein Fokus auf „Nicht umkippen“ lag.

Irgendwie beim Rückweg wieder einen Teil der Busbelegschaft gefunden und mich klammheimlich angeschlossen. Eine Cola vor Abfahrt half dem Kreislauf wieder etwas auf die Sprünge, aber dennoch war die Rückfahrt eine sehr ruhige. Fast überall schliefen die Mitfahrer, auch ich reihte mich da ein, und Richtung Heimat ging es. Gefühlt ewig dauerte die Fahrt zwar, aber irgendwann gegen 2 Uhr am Montag war auch ich dann wieder heil daheim angekommen.

Herrlichstes Banner.

Herrlichstes Banner. Fröhlichen Muttitag!

Was bleibt zu sagen? Den „Nur zwei Spiele, dann seid ihr wieder da!“-Gesängen schließe ich mich nur zu gern an. Die Bratwurst hab ich dank fehlendem Appetit nicht getestet und das Stadion schwankt irgendwo zwischen „Hat was“ und „Was=Tartanbahn“. Die Banner in der Kurve feierte ich massiv, ganz besonders das Muttertagsbanner, über das meine Mama auch herzlich lachen musste.

 

Ja… und dann ist man auf einmal am Ende einer Auswärtssaison. Die erste Saison mit Dauerkarte ist fast rum und ich könnte es nicht weniger bereuen. Wundervolle Menschen getroffen, viel Spaß gehabt, alles wunderbar. Ich werde mich die Tage mal dransetzen, einen kleinen Saisonrückblick zu schreiben und in dem Zuge auch mal überlegen, welche Stadien mir nun wirklich die liebsten in der Liga sind. Wobei da halt 1 und 2 schon fest vergeben sein dürften. Aber hey: Ich kenn sie jetzt alle!

Für mich geht es am Sonntag dann noch einmal zum Saisonabschluss ans Millerntor und danach sehen wir uns dann nächste Saison, wie gewohnt im Gästeblock.

Bis die Tage, Ohren straff und sowas.

Forza!

 

Mehr als bei mir, findet ihr hier: (<- Ich bin ein verdammter Poet!)

https://kleinertod.wordpress.com/2016/05/10/der-weg-ist-das-ziel-fcsp-in-nuernberg-und-im-sonderzug-unterwegs/

The Sonderzug Files 2016

http://niceguys.blogsport.de/2016/05/11/senfdazu21/

23 Stunden wach